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Who was who in nursing history: Eichel, Anna von
Eichel, Anna von
Artikel von: Volker Klimpel
Erschienen in Band 7, Seite(n) 68-70.
 

Biographie

Eisenach in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: an-mutig gelegene Sub-residenz des Groß-herzogs von Sachsen-Weimar-Ei-senach, viele Hof-leute, Beamte, Militärs, Pensionäre, Kleinbürger, eine aufstrebende Industrie mit einem sich eman­zipierenden Proletariat, das sich hier 1869 seine „Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands“ gab. Die Leute seien freund­lich und höflich, leichtlebig und bei schwa­chen Mitteln fröhlich, sagte der Schriftsteller Fritz Reuter, der von 1863 bis zu seinem Tod 1874 in Eisenach lebte. Das täuscht jedoch nicht über die Probleme der Stadt hinweg, die sich vor allem in der Folge der Schlacht von Langensalza am 27. Juni 1866, knapp 30 Ki­lometer von Eisenach entfernt, ergeben hat­ten. Nach dem Gemetzel zwischen preußi­schen und österreich-hannoveranischen Trup­pen, das erstere für sich entschieden, zogen Hunderte von Verwundeten hilfesuchend auch nach Eisenach. Das benachbarte Her­zogtum Gotha hatte nach der 1. Genfer Kon­vention (1864) beispielgebend 30 Rote-Kreuz-Helfer auf das Schlachtfeld geschickt, Eisenach war auf eine Handvoll katholischer Schwestern in der Stadt angewiesen, die sich den verwundeten und erkrankten Soldaten sowie den verwaisten Kindern widmeten. Das war die Stunde der wohlbehüteten Tochter Anna von Eichel, hier Abhilfe zu schaffen.

Anna Henriette Auguste Julie Clara Louise von Eichel wurde am 22. Mai 1822 in Eisen­ach in eine wohlhabende Unternehmerdy­nastie hineingeboren. Ihre männlichen Ver­wandten waren Textilfabrikanten, Ritterguts­besitzer, Mäzene und Politiker. Die Familie wurde 1853 unter dem Doppelnamen von Eichel-Streiber in den erblichen Adelsstand erhoben. Anna nahm, nicht zuletzt aufgrund eigener Krankheiten, von frühester Jugend an Anteil an Krankheit und Leid ihrer Mitmen­schen. Von Migräne und einer Hüftdysplasie beeinträchtigt, erhielt sie zu Hause Privatun­terricht und besuchte dann die Herrnhuter Anstalt Montmirail in der Schweiz. Das äußerlich sorglose Leben einer privilegierten Tochter mit Aufenthalten in den Nobelorten der Welt befriedigte die junge Frau nicht. Obwohl gut aussehend, charmant und beliebt, befürchtete sie, dass die Liebe ihrer vielen Verehrer weniger ihr selbst als ihrem nicht unbeträchtlichen Vermögen gelte, und so blieb sie ledig. Die katastrophalen Verhält­nisse, in denen sich die im Sommer 1866 vom Schlachtfeld zurückkehrenden Soldaten und Heimatlosen befanden, wurden zum Schlüs­selerlebnis für die nach einem höheren Le­benssinn strebende Anna von Eichel. In einem Brief hatte sie schon 1857 geäußert: „Nicht in der äußeren Form meiner Lebensverhältnisse sehe ich die Veranlassung meiner inneren Nichtbefriedigung, gehe auch nicht von der Idee eines verfehlten und vereinsamten Le­bens aus, – nein, mit mir selbst, mit meinem inneren Streben und Ringen, mit dem Wachs­tum meiner Seele bin ich unzufrieden... Diese Liebe, die das eigene Ich überwindet, nur für andere schafft und wirkt, die habe ich so wenig und dass ich, die ich für die Welt nichts leiste, nun auch am Reiche Gotte so wenig arbeite, das ist’s, was mich quält und in mei­nem Gleichmut und Frieden stört“.

Daran änderte sich nun für sie viel, wenn nicht alles. Aus zutiefst christlicher Überzeu­gung wurde sie zu einer Wohltäterin der Stadt, fand in der Hannoveraner Ober­schwester Elisabeth von Bernstorff, einer Freundin der Familie, Unterstützung und holte die ersten zwei Diakonissen nach Eisen­ach. Den Aufbau der Eisenacher Schwestern­schaft und stationärer Kranken- und Pflege­einrichtungen machte sie zu ihrer Lebensauf­gabe. Im Jahr 1868 kaufte Anna von Eichel das Grundstück „Am Ackerhof“ und ließ dort ein Kinderhospital mit 10 Betten bauen. Dies wurde 1872 die Keimzelle der Diakonissen­hausstiftung aus den Mitteln der Familien Eichel-Streiber, wobei in den Jahren des deutsch-französischen Krieges 1870/71 die Verwundetenversorgung noch einmal von ausschlaggebender Bedeutung gewesen war. 1878 erfolgte dann der Neubau des Diakonis­senhauses am Nikolaitor, einem ge­schichtsträchtigen Ort, in dessen Umgebung es im Mittelalter ein Benediktinerkloster, später ein Siechenhaus und das erste Eisen­acher Stadtkrankenhaus gegeben hatte. Das Diakonissen-Mutterhaus, wie wir es heute kennen, entstand von 1933 bis 1935 an glei­cher Stelle. Da Besitz und Verantwortung für die Familie von Eichel-Streiber zwei Seiten derselben Medaille waren, schenkte sie 1879 der Stadt das noch heute existierende Theater und 1923 der evangelischen Kirche das Schloss auf dem Pflugensberg, das für über 100 Jahre zur Residenz des Thüringischen Landesbischofs wurde. Auch Schulen und ein Altersstift in Eisenach finanzierte diese Fami­lie. Die Einweihung der Krankenhauskapelle am 18. Februar 1884 erlebte Anna von Eichel als schwerkranke Frau. Sie starb am 7. November 1884 in Eisenach. Ihr Lebenswerk, die Errichtung einer Diakonie-Schwestern­schaft, eines Mutterhauses, eines Kranken­hauses und einer Krankenpflegeschule voll­endete sich postum: 1891 wurde das Diako­nissen-Mutterhaus seiner Bestimmung über­geben und 1896 öffnete das Diakonissen-Krankenhaus in der benachbarten Schiller­straße seine Pforten, das 1925 und in den 1960er Jahren noch einmal modernisiert wurde.

Anna von Eichels Erbe trug reichliche Früchte. 1916 wurden bereits 140 Diakonis­sen des Eisenacher Mutterhauses in 61 Ge­meindeschwesternstationen in ganz Thüringen entsandt. Neben den Diakonissen entstand unter einem Dach mit den Kaiserswerther Verbandschwestern eine zweite tragende Schwesternschaft. Eine mit dem Krankenhaus und dem Mutterhaus verbundene Kranken­pflegeschule bestand von Anfang des 20. bis zu Anfang des 21. Jahrhunderts. Bedingt durch die politischen, sozialen und ökonomi­schen Umwälzungen jener Jahre, schlossen sich am 1. Januar 1994 das Katholische Elisa­beth-Krankenhaus und das Diakonissenkran­kenhaus zum „Christlichen Krankenhaus Ei­senach“ zusammen. Dieses wiederum fusio­nierte am 1. April 2002 mit dem kommunalen Wartburg-Klinikum, dem ehemaligen Städ­tischen Krankenhaus, zum konfessionellen „St. Georg Klinikum Eisenach gGmbH“. Ende 2000 wurde an der Ecke Karlsplatz / Schillerstraße im Zentrum der Wartburgstadt eine neue Wohnanlage für Senioren der Dia­konie Westthüringen eröffnet, die den Namen „Anna von Eichel Haus“ trägt und damit die Erinnerung an eine „Gläubige der Tat“ wach­hält.


Literatur

Beyer, Klaus G. / Kämpfer, Fritz: Eisenach. 2. Auflage. VEB F. A. Brockhaus Verlag. Leipzig 1967, Seite 18-21.

Brunner, Reinhold [Stadtarchiv Eisenach]: E-Mail vom 11. April 2012 an den Verfasser.

Eisenacher Persönlichkeiten. Ein biographisches Lexi­kon. Hrsg. v. d. Stadt Eisenach und dem Urania Kultur-und Bildungsverein Gotha e. V. [Autoren­kollektiv]. Rhino Verlag. Weimar 2004, Seite 34-37 und Seite 103-104.

Gerstenbergk, Jenny von: Anna von Eichel, die Stifte­rin des Diakonissenhauses zu Eisenach, ein Le­bensbild. Wilckens Verlag. Eisenach 1894 (66 Sei­ten).

Hasse, Gerhard Friedrich: Das Diakonissen-Kranken­haus in Eisenach. Grundzüge seiner Entwicklung im Blickwinkel des medizinischen Fortschritts. In: Reinhold Brunner (Hrsg.): Eisenach-Jahrbuch 1992. Hitzeroth Verlag. Marburg 1992, Seite 54-61.

Vollberg, Susanne [Diakonie Thüringen]: E-Mail vom 9. Mai 2012 an den Verfasser.

Wolter, Stefan: Die Krankenpflegeanstalt am Karls­platz 31. In: Stadtzeit –Spezial – Zum 100. Deut­schen Ärztetag – Mai 1997. Herausgegeben von der Eisenach-Information. Druck- und Verlagshaus G. Frisch. Eisenach 1997, Seite 174.

www.de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_Eichel-Streiber [08.05.2012].

www.de.wikipedia.org/wiki/Julius_von_Eichel-Streib er [08.05.2012].

www.diako-thueringen.de/index.php?id=176 [08.05. 2012].

Bildquelle: www.diako-thueringen.de/indes.ph p?id=176 [08. 05. 2012]

Eichel, Anna von

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Volker Klimpel. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Volker Klimpel, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 68-70

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=403

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