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Who was who in nursing history: BU?RGER, Christian Heinrich
BU?RGER, Christian Heinrich
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 4, Seite(n) .
 

Biographie

Die „Reichssektion Gesundheitswesen im Verband der Gemeinde- und Staatsdiener“ in Berlin, die mitgliederstärkste Organisation der nicht von Mutterhäusern und traditionellen Schwesternverbänden vertretenen freien beruflichen Pflegekräften, wurde während der Weimarer Republik von dem hauptberuflichen Gewerkschaftsfunktionär Paul Schulz (1873-1953)  geleitet. In zweiter Ehe hatte dieser am 17. Mai 1924 Marie Friedrich-Schulz (1878-1967)  geheiratet, die seit 1911 als Angestellte in der Berliner Ortsverwaltung mit Anton Rochowski (1887-1957)  und Paul Levy (1886-1958)  und seit April 1920 als Sekretärin im Vorstand der „Reichssektion Gesundheitswesen“ wirkte.

In ihrer 1928 vorgelegten Schrift „Werden und Wirken der Reichssektion Gesundheitswesen im Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter“, die einen fundierten Überblick über die Geschichte der „Reichssektion Gesundheitswesen“ einschließlich der 1928 gegründeten „Schwesternschaft der Reichssektion Gesundheitswesen“ bietet, würdigte Marie Friedrich-Schulz neben dem sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Otto Friedrich Wilhelm Antrick (1858-1924)  auch die „mühevolle und damals außerordentlich undankbare Pionierarbeit“ der Gewerkschaftsfunktionäre Oskar Riedel (1876-1918) , Bruno Poersch (1872-1929)  und Christian-Heinrich Bürger.

Christian-Heinrich Bürger wurde am 16. Januar 1867 in Paderborn als nichtehelicher Sohn der Köchin Johanne Wilhelmine Voltmann geboren, die 1876 den Magdeburger Hotelier Carl Bürger heiratete. Nachdem die Familie 1878 nach Dresden umgezogen war, besuchte Christian Heinrich zunächst die Realschule, bevor er 1883 eine Lehre als Handlungsgehilfe in einem Kolonialwarengeschäft anfing. 1886 ging Heinrich Bürger – so sein Rufname – nach Hamburg, um als Handlungsgehilfe zu arbeiten. Nach mehrfachem Stellenwechsel zog er im August 1889 auf das Gelände des Eppendorfer Krankenhauses, wo er als „Wärter“ – nach Rüdiger Zimmermann, der die gewerkschaftliche Arbeit von Christian Heinrich Bürger ausführlich dokumentiert hat – „die lebensfeindliche Behandlung der Kranken und die völlig mangelnde Ausbildung des Pflegepersonals kennen“ lernte.

Seit 1891 arbeitete Heinrich Bürger als Stationsgehilfe bei der Eisenbahn. Gewerkschaftlich engagiert, wurde er am 3. März 1893 ins Hamburger Gewerkschaftskartell delegiert, wo er als Schriftführer in der Kartellkommission (Gewerkschaftsvorstand) ab März 1894 alsbald zu einem dominierenden Gewerkschafter aufstieg. Auf der konstituierenden Versammlung am 13. Januar 1897 wurde Heinrich Bürger zum 1. Vorsitzenden des „Verbandes der Eisenbahner Deutschlands“ gewählt. Nachdem er dieses Amt niedergelegt hatte, arbeitete er seit 1. Juni 1901 im Vorstand des „Verbandes der in Gemeindebetrieben beschäftigten Arbeiter und Unterangestellten“ mit. Als Delegierter auf der 3. Generalversammlung vom 14. bis 18. April 1903 in Berlin, wurde er zum Redakteur des Verbandsorgans „Gewerkschaft“ gewählt. Parallel dazu wirkte „der ehemalige Krankenpfleger“ in der Redaktion der „Sanitätswarte“ mit, die von Emil Dittmer (1873-1953) , Georg Renner (1881-1962)  und Emil Fritz (1895-1984)  redigiert wurde. Ab dem 8. Juli 1904 – dem Anschluss des „Zentralverbandes des Massage- und Krankenpflegepersonals Deutschlands“ – erschien das „Organ zur Vertretung der Interessen des gesamten Personals in Kranken- und Irren-Anstalten, Sanatorien, Heil-, Pflege- und Badeanstalten, Massage- und Wasserheil-Institutionen, Kliniken, Seebädern etc.“ als Bestandteil der „Gewerkschaft“. Mit seiner Idee einer hauptamtlichen Betreuung des Pflegepersonals konnte sich Bürger nach Angaben von Rüdiger Zimmermann allerdings nicht durchsetzen.

Im Hinblick auf die Krankenpflege hat Heinrich Bürger mehrere wichtige Schriften veröffentlicht: 1905 „Die Lage des Personals der Kranken- und Irrenhäuser vor dem Deutschen Reichstage. Verhandlungen aus den Jahren 1900, 1901, 1902 und 1903“, 1906 „Die Koalitionsfrage in den Berliner Kranken- und Irrenhäusern. Eine Beschwerdeschrift über ungerechtfertigte Entlassungen von Anstaltspersonal“, die beide vom Berliner „Verband der in Gemeinde- und Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter und Unterangestellten“ herausgegeben wurden. Beachtenswert ist auch sein Buch „Die Bewegung der Staats- und Gemeinde-Arbeiter von Hamburg-Altona 1906-1907. Streiflichter auf die hanseatische Sozialpolitik. Anhang: ein Blick auf die hamburgischen Staatsbetriebe; tabellarische Übersicht über die Beiträge und Leistungen der Krankenkasse hamburgischer Staatsbetriebe“, das der Hamburger „Verband der Staats- und Gemeindearbeiter“ 1908 herausgab.

Auf dem 4. Verbandstag 1906 in Mainz verzichtete Heinrich Bürger auf eine Wiederwahl und kehrte nach Hamburg zurück. In der Hamburger Filiale wirkte er nun zunächst als besoldeter Funktionär, seit 2. Februar 1908 als Kassierer im Vorstand. Nachdem er im Herbst 1910 an einer Lungenentzündung schwer erkrankt war, starb Heinrich Bürger am 29. November 1910 im Alter von 43 Jahren in Hamburg.

In Würdigung seiner gewerkschaftlichen Verdienste schieb Rüdiger Zimmermann 1996: „In fast allen seinen ausgeübten Berufen (Handlungsgehilfe, staatlicher Kaiarbeiter, Krankenpfleger, Eisenbahnarbeiter) hatte der Dreiundvierzigjährige eine dominierende Rolle in der entsprechenden Gewerkschaft gespielt oder hatte sie überhaupt erst ermöglicht.“


Literatur

Bürger Heinrich (Hrsg.): Die Hamburger Gewerkschaften und deren Kämpfe von 1865 bis 1890. Nebst einer graphischen Darstellung der Streiks und Aussperrungen in den Jahren 1885-1890. Auer & Co in Kommission. Hamburg 1899 (576 Seiten).

Bürger Heinrich: Soziale Thatsachen und sozialdemokratische Lehren. Ein Büchlein für denkende Menschen, besonders für denkende Arbeiter. Boll. Berlin 1900 (31 Seiten); Neue Bearbeitung 1903. Münch. Berlin (32 Seiten).

Bürger Heinrich: Einige Thatsachen zur Beleuchtung der sozialdemokratischen Lehren. Ein Taschenbüchlein für denkende Menschen. Münch. Berlin 1902 (16 Seiten).

Bürger Heinrich: Sommerferien oder Erholungsurlaub für städtische Arbeiter. Eine zeitgemäße Betrachtung von Heinrich Bürger. Herausgegeben vom Verband der in Gemeinde- und Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter und Unterangestellten (Verband der in Gemeinde- und Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter. Flugschrift, 3). [Selbstverlag]. Berlin 1904 (20 Seiten).

Bürger, Heinrich: Die Lage des Personals der Kranken- und Irrenhäuser vor dem Deutschen Reichstage. Verhandlungen aus den Jahren 1900, 1901, 1902 und 1903. Nach amtlichen Stenogrammen mit einem Vorwort (Verband der in Gemeinde- und Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter. Flugschrift, 5). Janiszewski. Berlin 1905 (128 Seiten).

Bürger, Heinrich: Die Koalitionsfrage in den Berliner Kranken- und Irrenhäusern. Eine Beschwerdeschrift über ungerechtfertigte Entlassungen von Anstaltspersonal. Verband der in Gemeinde- und Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter und Unterangestellten. Berlin 1906 (30 Seiten).

Bürger, Heinrich: Die Bewegung der Staats- und Gemeinde-Arbeiter von Hamburg-Altona 1906-1907. Streiflichter auf die hanseatische Sozialpolitik. Anhang: ein Blick auf die hamburgischen Staatsbetriebe; tabellarische Übersicht über die Beiträge und Leistungen der Krankenkasse hamburgischer Staatsbetriebe. Verband der Staats- und Gemeindearbeiter. Hamburg [1908] (228 Seiten).

Friedrich-Schulz, Marie: Werden und Wirken der Reichssektion Gesundheitswesen im Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter (Schriften zur Aufklärung und Weiterbildung, Nr. 40). [Verlag] Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Berlin 1928, Seite 6.

www.library.fes.de/fulltext/bibliothek/tit00205/00205b17.htm [16.05.2007].

Zimmermann, Rüdiger: 100 Jahre ÖTV. Biographien. Herausgegeben von der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr. Union-Druckerei und Verlagsanstalt. Frankfurt am Main 1996, Seite 30-34.

Bildquelle: Zimmermann, Rüdiger: 100 Jahre ÖTV. Biographien. Herausgegeben von der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr. Union-Druckerei und Verlagsanstalt. Frankfurt am Main 1996, Seite 30.

BU?RGER, Christian Heinrich

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S.

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=153

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