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Bildungskonzepte der Krankenpflege in der Weimarer Republik. Die Schwesternschaft des Evangelischen Diakonievereins e.V. Berlin-Zehlendorf (Ulrike Gaida)

 

Medizin, Gesellschaft und Geschichte, Beiheft 38. Franz Steiner Verlag. Stuttgart 2011, 346 S., kartoniert, 51,00 €, ISBN 978-3-515-09783-3

Rezension von: Dr. Hubert Kolling

Die Jahre der Weimarer Republik gelten in der Geschichte der Krankenpflege als eine Zeit des Aufbruchs, disparater Konzepte und berufspolitischer Zersplitterung. In ihrer Studie „Bildungskonzepte der Krankenpflege in der Weimarer Republik“ befasst sich Ulrike Gaida am Beispiel der Schwesternschaft des Evangelischen Diakonievereins e.V. Berlin-Zehlendorf mit den Bemühungen eines protestantischen Pflegeverbandes, eine formalisierte Ausbildung mit theoretisch begründeten und geprüften Ausbildungskonzepten zu entwickeln.
Die Autorin (Jg. 1961), M. A. und Dr. phil., absolvierte nach dem Abitur eine Krankenpflegeausbildung in Osnabrück (1982-1985). Nach praktischer Tätigkeit in der stationären Krankenpflege in Berlin studierte sie Geschichte an der Technischen Universität Berlin (1986-1988), an der University of Edinburgh (1988-1989), an der Universität Bielefeld (1989-1990) und an der Technischen Universität Berlin (1990-1992). Anschließend wirkte sie als wissenschaftlich-pädagogische Mitarbeiterin in der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz Berlin, als Dozentin an der Evangelischen Fachhochschule Berlin-Zehlendorf (2003-2004) und als Krankenschwester im Diakonie-Hospiz Wannsee e. V. (2005-2006), bevor sie Stipendiatin der Robert Bosch Stiftung Stuttgart (2006-2009) wurde. Von 2009 bis 2010 arbeitete Ulrike Gaida (neben Judith Hahn und Marion Hulverscheidt) an der Festschrift „125 Jahre Hygiene-Institute an Berliner Universitäten“ (Berlin 2010) mit, ebenso wie 2010 an dem Quelleneditionsprojekt von Prof. Dr. habil. Hans-Walter Schmuhl und Dr. Ulrike Winkler „Fürsorgeerziehungsarbeit in Einrichtungen des Diakonischen Werkes Hannover e. V. von 1945-1978“. Derzeit ist die Autorin Leiterin der Geschäftsstelle Dialogforum Pluralismus in der Medizin an der Bundesärztekammer.
Ulrike Gaida veröffentlichte 2006 das Buch „Zwischen Pflegen und Töten. Krankenschwestern im Nationalsozialismus. Einführung und Quellen für Unterricht und Studium“, das 2008 in zweiter und 2011 in dritter Auflage erschien. Neben weiteren Beiträgen zur Pflegegeschichte steuerte sie auch mehrere Beiträge („Kommentare“) zu dem 2008 von Sylvelyn Hähner-Rombach herausgegebenen Band „Quellen zur Geschichte der Krankenpflege. Mit Einführungen und Kommentaren“ bei.
Die Geschichte der Pflege als Handlungsfeld und die Geschichte des Pflegeberufes und seiner Institutionen wurden bisher vergleichsweise wenig beachtet. Aus diesem Grund hat die Robert Bosch Stiftung (Stuttgart) in Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Medizin (IGM) das Förderprogramm „Beiträge zur Geschichte der Pflege“ eingerichtet. In diesem Rahmen entstand auch die vorliegende, von Prof. Dr. Robert Jütte betreute und begutachtete Studie, für deren Bearbeitung der Autorin ein Stipendium der Robert Bosch Stiftung zur Verfügung stand, die auch für die Kosten der Drucklegung aufkam.
Die umfangreiche Untersuchung hat folgenden Aufbau:
1.    Einleitung
2.    Rahmenbedingungen
2.1    Bürgerliche Frauen im 19. und frühen 20. Jahrhundert
2.2    Der Evangelische Diakonieverein e.V. (1894-1918)
2.3    Der Diakonieverein in der Weimarer Republik
2.4    Die Diakonieseminare
2.5    Theoretische und praktische Krankenpflegeausbildung
3.    Kollektivbiographie der Schwesternschaft
3.1    Anzahl der Schwestern, Mitgliedsdauer und Geburtsorte
3.2    Sozialer Hintergrund und Austrittsmotive
3.3    Schulische und berufliche Vorbildung
3.4    Gesundheit, Krankheit, Rente
3.5    Beurteilungen ausgetretener Schwestern
3.6    Profile einzelner Schwesterngruppen
4.    Berufliche Werdegänge
4.1    Grundqualifikationen
4.2    Weiterbildungen
4.3    Spezialisierungen
4.4    Leitungsfunktionen
5.    Schluss
6.    Quellen und Literaturverzeichnis.
Mit der vorliegenden Arbeit verfolgt Ulrike Gaida das Ziel, „berufliche Werdegänge von Frauen, die mit der Ausbildung zur Krankenpflege in der Weimarer Republik begannen, zu untersuchen“. Dies tut sie am Beispiel von Frauen, die zwischen 1918 und 1933 in die Schwesternschaft des Evangelischen Diakonievereins e.V. Berlin-Zehlendorf eingetreten waren, um dort die Krankenpflege zu erlernen.
Für die Wahl des Untersuchungszeitraums führt die Autorin einleitend drei Gründe an: Zum einen sei er durch äußere einschneidende politische Ereignisse, wie das Ende des Ersten Weltkriegs und den Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft, deutlich abgegrenzt. Zum anderen habe für das Berufsfeld der Krankenpflege durch politische und ökonomische Herausforderungen die Notwendigkeit bestanden, sich gegen die wachsende Konkurrenz seitens der „frei“ organisierten Pflege zu behaupten sowie sich als evangelisch geprägte Gruppierung zu profilieren und damit dem als bedrohlich empfundenen Säkularisierungsprozess entgegen zu wirken. Drittens sei der Untersuchungszeitraum von Interesse, weil diejenigen, die zwischen 1918 und 1933 ihre Berufsausbildung in der Krankenpflege begonnen hatten, die Frauen waren, die als Erwachsene in der Zeit des Nationalsozialismus Vorbild für jüngere Schwestern waren und, wenn sie dauerhaft in der Krankenpflege blieben, den Beruf bis Ende der 1970er Jahre hinein geprägt haben.
Die erkenntnisleitenden Fragestellungen, die Ulrike Gaida mit der Untersuchung verfolgt, beziehen sich auf die Chancen junger Frauen in Bezug auf die Gestaltung des individuellen Berufserlebens im Bereich der Krankenpflege: Lassen sich an einer Gruppe von exemplarisch untersuchten Krankenschwestern Wechselwirkungen zwischen ökonomischen und politischen Bedingungen und beruflichen Werdegängen von Krankenschwestern erkennen? Wie wirkten sich diese „äußeren“ Bedingungen auf die berufsmäßig ausgeübte Krankenpflege nach dem Ersten Weltkrieg aus? Des Weiteren sind für die Autorin die schulischen und beruflichen Vorkenntnisse der evangelisch orientierten Frauen im Diakonieverein von Interesse sowie deren sozialer Hintergrund. Ebenso fragt sie nach der durchschnittlichen Dauer im Beruf, den erreichten qualifizierenden Abschlüssen und der Beurteilung der beruflichen Laufbahn.
Ihrer Arbeit legt Ulrike Gaida zwei Prämissen zugrunde. Erstens: Die Gründung und das Anliegen des Diakonievereins sei durch Ideen der bürgerlichen Frauenbewegung inspiriert und durch die liberal-protestantischen Überzeugungen des Gründers, Friedrich Zimmer (1855-1919), geprägt gewesen. Die Frauen der ersten Generation, die den Diakonieverein und die Schwesternschaft dominierten, hätten jedoch aus konservativen, bildungsbürgerlichen Familien gestammt, die mit radikalen Gleichberechtigungsforderungen wie beispielsweise mit denen von Elisabeth Malo (1855-1930) nicht konform gingen. Das Berufskonzept der im Diakonieverein ausgebildeten Schwestern sei an der sogenannten „geistigen Mütterlichkeit“ orientiert gewesen. Von daher geht die Autorin davon aus, dass einerseits hohe Leistungserwartungen an die Krankenpflegeschülerinnen des Diakonievereins in Hinblick auf Kenntnisse, Fähigkeiten und Arbeitsbereitschaft formuliert wurden, andererseits jedoch wenig Wert auf die Formalisierung der Krankenpflegeausbildung sowie auf die Einhaltung von Arbeitnehmerrechten der Diakonieschwestern gelegt wurde. Das Konzept „geistiger Mütterlichkeit“ habe die Entwicklung einer formalisierten Ausbildung mit theoretisch begründeten Ausbildungskonzepten gehemmt und sei geeignet gewesen, konkrete Arbeitsbedingungen zu verschleiern. Durch diese Grundhaltung der Schwestern sei, und dies ist die zweite Prämisse der Untersuchung, das Eindringen und Wirken moderner Strukturen in das von ihnen geprägte Tätigkeitsfeld direkt und indirekt verhindert worden.
Nach der Einleitung mit Hinweisen zum Erkenntnisinteresse, Forschungsstand sowie zu Methode und Quellen stellt Ulrike Gaida zunächst die Rahmenbedingungen vor, wie die Situation bürgerlicher Frauen im 19. Jahrhundert. Nachdem sie die Entstehungsbedingungen des Diakonievereins und seine Entwicklung bis 1918 erläutert hat, geht sie auf spezifische Fragestellungen der Krankenpflege in der Weimarer Republik am Beispiel des Diakonievereins ein. Hierbei fragt sie zum einen nach einer möglichen Verlängerung der Krankenpflegeausbildung und zum anderen nach der Diskussion um die Diskussion zur Einführung des Achtstundentages für Angestellte. Zu den Rahmenbedingungen gehören auch grundlegende Informationen zu den fünf, von der Autorin exemplarisch untersuchten Diakonieseminaren in den Städten Elberfeld, Bielefeld, Magdeburg-Altstadt, Magdeburg-Sudenburg und Stettin sowie die Untersuchung von Ausbildungsplänen.
In den beiden nachfolgenden Kapiteln geht es dann um die Kollektivbiographie der Schwesternschaft des Diakonievereins sowie die Untersuchung der verschiedensten beruflichen Werdegänge der Schwestern. Am Ende der Untersuchung fasst Ulrike Gaida die aus den einzelnen Ergebnissen gewonnenen Hypothesen der vorigen Abschnitte zusammen und würdigt diese kritisch, bevor sie auf dieser Basis abschließend (vorläufige) Thesen formuliert.
Gab es individuelle oder vereinstypische Konzepte des Diakonievereins, die geeignet waren, ein spezifisch evangelisches Bildungsideal der Diakonieschwestern zu erreichen? Diese zu Beginn ihrer Untersuchung formulierte Fragestellung beantwortet die Autorin am Ende ihrer Analyse „mit einem klaren Nein“. Denn ein Konzept impliziere das Vorhandensein eines in die fernere Zukunft gerichteten Plans, der wiederum von einer Zielvision geleitet gewesen sein muss: „Beides, Plan und Ziel, waren in Bezug auf die Ausbildung von Krankenschwestern innerhalb des Vereins in der Weimarer Republik nicht vorhanden“ (S. 317). Die Schwesternschaft des Diakonievereins sei durch die Ereignisse von 1918/19, wie der gesamte deutsche Protestantismus, mit einer bis dahin nicht vorstellbaren Zäsur konfrontiert gewesen. Der Kulturschock, ausgelöst durch das Ende der Monarchie, sei während der gesamten Zwischenkriegszeit nicht bewältigt nicht bewältigt worden, während die untersuchte Schwesternschaft des Evangelischen Diakonievereins in einem ständigen „Gesinnungskonflikt mit dem demokratisch-republikanischen Wertesystem gestanden habe. Das Ende des 19. Jahrhunderts in der bürgerlichen Frauenbewegung entwickelte Konzept der „geistigen Mütterlichkeit“ habe für Diakonieschwestern in der Weimarer Republik seine Gültigkeit behalten. Neue, moderne Entwicklungen der Weimarer Republik, wie beispielsweise die Einführung einer demokratischen Verfassung oder die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit seien von der älteren Schwesterngeneration des Vereins, wie auch von den Pfarrern des Vereins und dessen Vorstand als Bedrohung wahrgenommen und abgewehrt worden. Die Schwesternschaft habe demgegenüber einerseits „sehr hohe Leistungserwartungen an die Krankenpflegeschülerinnen in Hinblick auf deren praktischen Kenntnisse und Fähigkeiten sowie die generelle Arbeitsbereitschaft“ formuliert, andererseits aber „die Formalisierung der Krankenpflegeausbildung gering geschätzt“ (S. 317). Zudem sei die Notwendigkeit der Einhaltung von Arbeitnehmerrechten der Diakonieschwestern weitgehend ausgeblendet worden.
Anhand ihrer Untersuchung kann Ulrike Gaida auch zeigen, dass die Diakonieschwestern, die ihre Ausbildung in der Weimarer Republik begonnen hatten, durch konservative Normen geprägt waren und dass eine hohe ideelle Auffassung des Berufes für wichtiger erachtet wurde als die Formalisierung der Krankenpflegeausbildung; demnach waren nicht die Form, sondern der „Geist“ der Schwesternschaft notwendig für qualifizierte Pflegearbeit. Deutlich sei diese Geringschätzung formaler Ansprüche und theoretischer Ausbildungsinhalte unter anderem durch die späte Aufstellung von Lehrplänen für Krankenpflegeschülerinnen geworden, die erst ab 1931 systematisch erarbeitet wurden.
Ihre zweite Ausgangsfrage, inwieweit es berufliche Werdegänge gab, die als typisch für evangelisch geprägte Krakenschwestern angesehen werden können, beantwortet die Autorin „mit einem deutlichen Ja“. Hierbei müsse jedoch unterschieden werden zwischen der großen Gruppe der Schwestern, die ausschließlich zur Ausbildung in den Diakonieverein eingetreten sei und jenen, die länger als zwei Jahre Mitglied blieben. Lediglich über letztere könnten Aussagen zu einer typischen evangelischen Diakonieschwester gewonnen werden: „Ein erstes Kennzeichen dieses Idealtypus ist die ‚Treue’ einer Diakonieschwester sowohl zu der Institution der Arbeitgeber als auch zum Diakonieverein. Typische Diakonieschwestern blieben meist lebenslang im Verein und hatten relativ wenige Orts- bzw. Funktionswechsel. Ein zweites Kennzeichen der idealtypischen Diakonieschwester ist der bildungsbürgerliche Hintergrund der Schwestern, denn alle […] hatten überwiegend Väter mit akademischen Berufen. Ein drittes Kennzeichen der idealtypischen Diakonieschwester liegt in einem überdurchschnittlichen Interesse an beruflicher Aus- und Weiterbildung“ (S. 319).
Wie Ulrike Gaida weiter zeigen kann, wurde von den Diakonieschwestern die eigentliche Krankenpflege, bestehend in der persönlichen Versorgung Kranker, im Laufe eines typischen Berufslebens „nur relativ kurz ausgeübt“. Der Diakonieverein habe von seinen Schwestern erwartet, „dass sie Verantwortung übernahmen, das bedeutete, dass sie zumindest den Posten einer Stationsschwester einnehmen sollten und damit neben der direkten Pflege von Patienten auch Verwaltungsaufgaben übernahmen. Auf die Erfahrung einer Stationsschwester aufbauend wurden je nach Neigung der einzelnen Schwestern weitere Examina in Nachbardisziplinen abgelegt oder Leitende Positionen übernommen“ (S. 319). Erst im letzten Drittel des untersuchten Zeitraums sei es zu ernsthaften Überlegungen innerhalb des Diakonievereins gekommen, die Ausbildung der Schwesternschülerinnen „systematisch zu verbessern“. Die ersten Diskussionen, die auf verschiedenen Tagungen hierüber geführt wurden, zeigten, „dass die Lebenswelt der Diakonieschwestern in der Weimarer Republik weitgehend durch ängstliches Festhalten am erreichten Status Quo und der Sorge um die finanzielle Realisierungsmöglichkeit einzelner Ideen gekennzeichnet war, so dass Wunschvorstellungen selten geäußert wurden“ (S. 319).
Ulrike Gaida versteht ihre Arbeit innerhalb der Pflegegeschichte als ein Beitrag zur Sozialgeschichte des Protestantismus sowie als Beitrag zur Geschlechtergeschichte. Ihre Darstellung beruht auf einer Datenbank mit Informationen über Schwestern des Diakonievereins, erarbeitet zum einen aus Akten der Schwestern und zum anderen aus Personalkarteikarten, die im Privatarchiv des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf e.V. lagern.
Die Ausführungen zeigen, dass die Versuche, im Untersuchungszeitraum das Aus- und Weiterbildungsniveau zu steigern, gegen starke Widerstände kämpfen mussten. Diese fußten einerseits in der Unklarheit des Berufskonzeptes selbst und andererseits in der Fremdbestimmung des sich entwickelnden Berufes durch die Profession der Ärzteschaft. Das Konzept des Berufes „Krankenpflege“, so die Autorin, orientierte sich an der sogenannten „sozialen Mütterlichkeit“. Es forderte einerseits sehr hohe Leistungen im Hinblick auf Kenntnisse, Fähigkeiten und Arbeitsbereitschaft, legte andererseits jedoch wenig Wert auf die Formalisierung des Berufsbildes. Dadurch seien Konkurrenzvorteile geschaffen worden, die Formalisierung des Berufes jedoch gehemmt. Wichtigste Bündnispartner der Schwestern bei der Entwicklung berufspolitischer Forderungen und der Ausformung von Bildungszielen seien die internationale Frauenbewegung und einzelne Ärzte und Politiker gewesen, die sich für die Verbesserung der Krankenpflege engagierten.
Insgesamt betrachtet gewährt Ulrike Gaida mit ihrem Buch „Bildungskonzepte der Krankenpflege in der Weimarer Republik“ am Beispiel der Schwesternschaft des Evangelischen Diakonievereins e.V. Berlin-Zehlendorf tiefe Einblicke in die Bemühungen eines protestantischen Pflegeverbandes, eine formalisierte Ausbildung mit theoretisch begründeten und geprüften Ausbildungskonzepten zu entwickeln. Mit ihrer profunden Studie, zu der man der Autorin gratulieren kann, hat sie ein bislang wenig bearbeitetes Feld gründlich beackert hat. Spannend könnte in diesem Zusammenhang eine Vergleichsarbeit sein, in der die Entwicklungen auf katholischer Seite beleuchtet werden.
Beim Lesen der Untersuchung fällt besonders positiv auf, dass Ulrike Gaida in ihrer Darstellung mehr als drei Dutzend engagierte Frauen und Männer der Krankenpflege erwähnt. Für weitergehende Angaben verweist sie zumeist auf medizingeschichtliche und Kirchenlexika, in zwei Fällen aber auch auf das von Horst-Peter Wolff (Bände 1 bis 3) herausgegebene „Biographische Lexikon zur Pflegegeschichte“. Hier sei für die interessierte Leserschaft der Hinweis gestattet, dass in dem mittlerweile auf fünf Bände angewachsenen Werk, für dessen Herausgabe nun Hubert Kolling (Bände 4 und 5) verantwortlich zeichnet, eine Vielzahl der erwähnten Personen mit weiterführenden Angaben enthalten sind.
Insgesamt betrachtet hat Ulrike Gaida mit ihrer Studie „Bildungskonzepte der Krankenpflege in der Weimarer Republik“ einen wichtigen Beitrag zur Pflegegeschichte, dem man über den Wissenschaftsbetrieb hinaus weite Verbreitung wünscht.

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