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Forschungswelten 2019

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Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Who was who in nursing history: ALT, Konrad
ALT, Konrad
Artikel von: H. Kolling
Erschienen in Band 3, Seite(n) 6-8.
 

Biographie

Konrad Alt, bekannt ge-worden als Begründer der modernen „Irrenfür-sorgehäuser“, wurde 1861 in der Nähe von Trier in Kirf an der Mo-sel geboren. Er studierte erst Chemie, dann Me-dizin in Würzburg, wo er auch 1885 mit einer Arbeit über „Das Sym-ptom der Personenver-wechslung bei Geistes-kranken“ promovierte. Anschließend studierte er wiederum Chemie in Strassburg, übernahm dann aber Assistenzarztstellen bei namhaften Ordinarien in Würzburg, Gießen und Halle und wurde alsbald zu einem Meister der physikalischen und funktio-nellen Diagnostik, wovon sein (mit K. E. F. Schmidt) vorgelegtes „Taschenbuch der Elektrodia-gnostik und Elektrotherapie“ (Halle 1893) Zeugnis ablegt. In Halle praktizierte er einige Jahre als Nervenarzt und gründete eine Privatklinik. 1893 wurde er zum Direktor der im Bau begriffenen Landes-Heil- und Pflegeanstalt Uchtspringe ernannt. Dieses ursprünglich nur als „Provinzial-Epileptiker- und Blödenanstalt“ gedachte Haus wurde von Alt zu einer „Landesheil- und Pflegeanstalt“ erweitert, wo-mit die Aufnahme aller Arten von Geisteskranken programmiert war. Die auf Beschluss des XIII. Landtages von Sachsen-Anhalt gegründete und am 1. Oktober 1894 offiziell eröffnete Anstalt verfügte 1899 über 15 Gebäude mit 870 Betten; zum Personal gehörten unter anderem neun Assistenzärzte, 73 (ausgebildete) Krankenpfleger und 53 Krankenpfle-gerinnen sowie 16 (nicht ausgebildete) „Wärter“ und 15 „Wärterinnen“. Im Jahre 1920 hatte die Anstalt bereits über 20 Gebäude mit 1.320 Betten. Alt, der für seine Verdienste um die Psychiatrie zum Pro-fessor und Geheimen Sanitätsrat ernannt worden war, bekam 1911 auch den königlich preußischen Kronenorden III. Klasse verliehen. Im Mai 1921 musste er nach einer schweren Grippe in den vor-zeitigen Ruhestand gehen und starb am 29. Dezem-ber 1922, im Alter von 61 Jahren, in Magdeburg. Bekannt wurde Konrad Alt vor allem durch seine „Grundsätze“ über den Bau zeitgemäßer Irrenan-stalten. So machte er beispielsweise in seinem ersten Verwaltungsbericht von 1894 ins einzelne gehende Angaben über den Bau der Anstalt in Uchtspringe, der Vorbild wurde für viele andere psychiatrische Einrichtungen im In- und Ausland. Auch sonst war Alt stets bemüht, fortschrittlich auf dem Gebiete der Irrenpflege zu wirken. Deshalb hielt er eine ganze Reihe psychiatrischer Fortbildungskurse für Ärzte ab, die namentlich von beamteten und Militär-Ärzten besucht wurden. Ihm lag aber nicht nur die gründliche Ausbildung seiner Kollegen sehr am Her-zen, sondern auch die experimentelle Forschung und pathologische Anatomie neben exakten klinischen Untersuchungen. Deshalb wurde auf seine Initiative hin in Uchtspringe 1895 die erste Prosektur einer psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalt in Deutsch-land eröffnet, die alsbald auch über eine stattliche Sammlung pathologisch-anatomischer Präparate ver-fügte. Nahezu unermüdlich setzte sich Alt auch für die He-bung des „Irrenpflegerstandes“ ein. So forderte er beispielsweise eine Fachausbildung, die Gewährung ausreichender Erholungszeit, die Einrichtung von Erholungsräumen, bezahlten Urlaub sowie die Unterbringung des Pflegepersonals in eigenen Häu-sern. Durch seine Bemühungen war die Landesre-gierung von Sachsen 1895 bereit, entsprechende Grundstücke aufzukaufen, um neue Pflegerwoh-nungen zu bauen. Entgegen den Gepflogenheiten der Zeit, sah er die Einrichtung von Dauernachtwachen sowohl im Interesse der Kranken als auch im Inter-esse des Pflegepersonals für geboten und führte die-se auch in seiner eigenen Anstalt 1896 ein. Daneben war Alt ein unermüdlicher Verfechter der familiären Irrenpflege, die er in Uchtspringe 1896 einführte und die schnell eine große Ausdehnung erfuhr. Bereits 1906 befanden sich in der damaligen Provinz Sach-sen 475 Kranke in familiärer Irrenpflege. Das zur Bindung von Stammpersonal durch Alt bereits 1895 gegründete „Pflegerdörfchen“ in Börgitz-Wilhelms-eiche, das etwa 1,5 Kilometer von der Anstalt ent-fernt lag, diente zugleich der Unterbringung entlas-sener Patienten, von denen jeweils bis zu drei in den Obergeschossen der Häuser mit Anschluss an die „Wärterfamilien“ untergebracht wurden. Alt, der Mitherausgeber der „Psychiatrischen Wo-chenschrift“ war, veröffentlichte regelmäßig Arbei-ten über medizinisch-chemische und klinische The-men, unter anderem in der Psychiatrisch-Neurolo-gischen Wochenschrift, dem Zentralblatt der Ner-venheilkunde und Psychiatrie, der Münchener Medi-zinischen Wochenschrift, der Allgemeinen Zeitschrift für Psychiatrie, der Zeitschrift für die gesamte Neu-rologie und Psychiatrie, der Berliner klinischen Wo-chenschrift, der Deutschen medizinischen Wochen-schrift und der Zeitschrift für ärztliche Fortbildung. Neben einer Veröffentlichung „Über familiäre Irrenpflege“ (Halle / S. 1899) gab er seit 1913 die „Sammlung zwangloser Abhandlungen aus dem Gebiete der Nerven- und Geisteskrankheiten“ her-aus. Im Hinblick auf die Krankenpflege hat sich Alt nicht zuletzt deshalb bleibende Verdienste erworben, weil er 1897 die Zeitschrift „Die Irrenpflege“ gründete. Hierbei handelte es sich um die erste und einzige zeitgenössische Zeitschrift speziell für das „Irren-pflegepersonal“. Der Untertitel der im Verlag von Carl Marhold in Halle erschienenen Schrift, die Alt auch bis 1902 redigierte und für die er selbst zahlreiche Artikel schrieb, war zugleich Programm: „Monatsblatt zur Hebung, Belehrung und Unter-haltung des Irrenpflegepersonals, mit besonderer Berücksichtigung der freien Behandlung, der kolo-nialen und familiären Krankenpflege unter ständiger Mithülfe erfahrener Irrenärzte und Anstaltsbeamten herausgegeben von Dr. Konrad Alt“. Der gewählte Titel verdeutlicht vor allem zweierlei: zum einen die große Bandbreite, die die Irrenpflege zu diesem Zeitpunkt schon auszeichnete, zum ande-ren die Arztabhängigkeit des Berufsstandes, der es den Medizinern überließ, die Richtung der Profes-sionalisierung vorzugeben. Dennoch kamen in dieser Zeitschrift erstmalig auch die Betroffenen selbst zu Wort. So sind etwa die Hälfte der „die Wärterfrage“ betreffenden Artikel von Pflegepersonen verfasst. Alt wollte mit der Zeitschrift, die große Verbreitung fand, insbesondere die Entwicklung des Pflegeper-sonals in psychiatrischen Anstalten fördern und gleichzeitig die psychiatrische Familienpflege unter-stützen. Hierzu schreibt er in der ersten Ausgabe von 1897: „Darüber besteht heute nirgends mehr ein Zweifel, dass zur Durchführung einer denkbar frei-en, unserer Zeit und unserer Wissenschaft würdigen Behandlung und Pflege der Geisteskranken ein aus-reichendes, gut geartetes und tüchtig geschultes Pflegepersonal unerlässliche Vorbedingung ist. Darum wird auch gegenwärtig die Schaffung eines tüchtigen Berufspflegerstandes allerwärts als eine der wichtigsten Aufgaben in der praktischen Irren-fürsorge angesehen. Dabei soll ‚Die Irrenpflege´ nach Kräften mithelfen.“ Qualifiziertes Pflegepersonal war Alt auch in späte-ren Jahren immer wieder ein besonderes Anliegen. So betont er etwa in seinem Geleitwort zum sechsten Jahrgang (1902) der Zeitschrift: „Die Durchführung einer freien Irrenbehandlung setzt ein gutes Pflege-personal voraus. Eine Anstalt, die auf Umwäh-rungsmauern und Gitter verzichtet, die durch sach-gemäße Bettbehandlung und angemessene Beschäf-tigung ihrer Kranken der Tobzelle die Berechtigung mehr und mehr entziehen und absprechen will, kann nicht mit Leuten auskommen, die zum Fußboden-scheuern und Türschließen allenfalls gut genug sein mögen, aber weder Wissen noch Empfinden genug haben, den verantwortungsvollen und segensreichen Beruf eines Krankenpflegers zu erlernen und aus-zuüben. Aus dieser Erkenntnis heraus hat von jeher ‚Die Irrenpflege` den Schwerpunkt ihres Werdens fortgesetzt auf Hebung dieses zur Ausübung einer zeitgemäßen Irrenverpflegung unentbehrlichen, ver-antwortungsvollen und schönen Berufes gelegt.“ Von 1903 bis 1908 stellte die „Irrenpflege“ zugleich das Verbandsorgan des Vereins schlesischer Irren-pfleger dar. Bis etwa in die 1920-er Jahre hatte das Organ für das Irrenpflegepersonal eine ganz beson-ders herausragende Bedeutung, bot es doch jenseits aller regionalen und konfessionellen Unterschiede eine Berufsidentität, die es bis dahin nicht gegeben hatte. Die Sprache der Beiträge war insgesamt gut verständlich und die ausgewählten Themen breit gestreut. Von daher kann man davon ausgehen, dass „Die Irrenpflege“ nicht nur von den Anstalts-direktoren bestellt, sondern auch vom Personal gele-sen wurde.

Literatur

Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Mit einer historischen Einleitung herausgegeben von Julius Leopold Pagel. Reprint der Originalausgabe von 1901. S. Karger. Basel, München, Paris [u.a.] 1989, Seite 1919. Falkenstein, Dorothe: „Ein guter Wärter ist das vorzüglichste Heilmittel...“. Zur Entwicklung der Irrenpflege vom Durchgangs- zum Ausbildungsberuf (= Mabuse Wissenschaft, Band 47). Mabuse. Frankfurt am Main 2000. Höll, Thomas / Schmidt-Michel, Paul-Otto: Irrenpflege im 19. Jahrhundert. Die Wärterfrage in der Diskussion der deutscher Psychiater. Psychiatrie-Verlag. Bonn 1989. Kluge, Paul: Kranken-, Heil- und Pflege-Anstalten der Provinz Sachsen. Otto Fritz. Düsseldorf 1929. Kolling, Hubert: „Zuverlässig, nüchtern, sauber und gewissenhaft“. Zur Entwicklung der psychiatrischen Pflege am Beispiel der Landesheilanstalt Marburg 1876 bis 1930. In: Sandner, Peter / Aumüller, Gerhard / Vanja, Christina (Hrsg.): Heilbar und nützlich. Ziele und Wege der Psychiatrie in Marburg an der Lahn (= Historische Schriftenreihe des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen. Quellen und Studien, Band 8). Jonas. Marburg 2001, Seite 147-162. Mönkemöller, -: Fünfundzwanzig Jahre „Irrenpflege“. In: Die Irrenpflege. Monatsschrift für Irren- und Krankenpflege, 26 (1922), Nr. 1, April 1922, Seite 1-3. Troelenberg, Heinz: Die Entwicklung des Bezirkskrankenhauses für Psychiatrie und Neurologie Uchtspringe, zugleich ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Psychiatrie des 20. Jahrhunderts. Dissertation. Leipzig 1969. Webseite: www. Uchtspringe.de/alt.htm. Wendt, H[arro]: Gedanken zu „100 Jahre Uchtspringe“. In: 100 Jahre Landeskrankenhaus Uchtspringe 1894-1994. Redaktion V[olkmar] Lischka, Th[omas] Dost, G[erhard] Schulz. [Selbstverlag]. Uchtspringe 1994, Seite 3-13. Bildquelle:. www. Uchtspringe.de/alt.htm.

ALT, Konrad

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

H. Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von H. Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 6-8

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Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=720

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