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Who was who in nursing history: AGNES (Anezka) von Böhmen
AGNES (Anezka) von Böhmen
Artikel von: H. Kolling
Erschienen in Band 3, Seite(n) 3-4.
 

Biographie

Sie war eine außer-ordentliche europäi-sche Persönlichkeit des 13. Jahrhunderts – hinsichtlich ihrer Herkunft, ihres In-tellektes, ihrer Kon-takte zu der geistli-chen Elite ihrer Zeit und hauptsächlich ihres Werkes. Dar-gestellt ist sie hauptsächlich mit Krone, wie sie Kranke pflegt: Agnes (Anezka) von Böhmen - Königstochter, Äbtissin und Heilige. Das genaue Geburtsdatum von Agnes ist nicht be-kannt. Ihr Vorname deutet aber auf die Zeit um den Tag der römischen Märtyrerin Agnes – das heißt auf den 21. Januar 1211 (möglicherweise aber auch schon 1205 oder 1207) – hin. Sie stammte aus dem böhmischen Königshaus der Premysliden und war das neunte und jüngste Kind des Königs Premysl Ottokar I.; ihre Mutter – die zweite Gattin des Königs – war die fromme Konstanze von Ungarn, Tochter von König Bela III., die unter anderem das Zisterzienserinnenkloster Predklasteri bei Tisnov ge-stiftet hat. Aus Staatsgründen wurde Prinzessin Agnes bereits im Alter von drei Jahren mit einem Sohn des schlesischen Fürsten Heinrich des Bärtigen und der heiligen Hedwig von Schlesien, die Agnes´ Tante war, verlobt. Zusammen mit ihrer Schwester wurde Agnes im Kloster Trebnice erzogen, das unter der Schirmherrschaft von Hedwig von Schlesien stand. Nach dem Tod ihres Verlobten kehrte Agnes im Jahre 1216 wieder nach Böhmen zurück, und zwar in das Prämonstratenserinnenkloster Doksany, in dem Töchter führender Adelsfamilien erzogen wurden. Da sich damals die Premysliden dem herr-schenden Kaiserhaus der Staufer annäherten, wurde Agnes mit dem zehnjährigen Sohn Friedrichs II. – Heinrich – verlobt. Agnes wurde nach Wien ge-schickt, um am Hof der Babenberger die Manieren einer künftigen Kaiserin zu erlernen. Diese Verbindung wurde jedoch – ebenfalls aus politischen Gründen – wieder gelöst, worüber Agnes, die sich dem christlichen und asketischen Leben verschrieben hatte, sehr glücklich war. Ihre Vorbilder waren vor allem Franz von Assisi (1182-1226)? und dessen Gefährtin Klara von Assisi, mit der Agnes eine innige Brieffreundschaft unterhielt. Als Agnes erneut in der Politik eine Rolle einneh-men sollte und entweder Kaiser Friedrich II. oder König Heinrich III. von England heiraten sollte, nahm sie ihr Leben selbst in die Hand. Nach dem Vorbild ihrer Kusine, der Elisabeth von Thüringen (1207-1231)?, gründete sie 1232 (möglicherweise auch erst 1233) in Prag das Spital des heiligen Fran-ziskus mit einem Doppelkloster für Minoriten und Klarissinnen. Dabei wurde sie von ihrem Bruder Wenzel I. sowie ihrer Mutter Konstanze unterstützt. Die am rechten Moldauufer errichteten Stiftsbauten, um die sich herum weitere Gemeinschaften, Pfle-gestellen, Waisenhäuser und Heimatlosenasyle bil-deten, gehören zu den ältesten gotischen Sehens-würdigkeiten in den böhmischen Ländern. Papst Gregor IX. Nahm das Kloster 1234 (andere Angaben sprechen von 1235) unter seine Obhut. Am 18. Mai 1236 war Agnes in das von ihr gegründete Klaris-sinnenstift in Prag eingetreten, mit dem wie erwähnt ein Spital verbunden war, und wurde kurz darauf Äbtissin des Klosters. Sie war damit die erste Toch-ter aus dem Könighaus, die in einen Orden mit strenger Armutspflicht eintrat. Bereits kurze Zeit später (1238) legte sie aus Demut ihre Stelle als Äbtissin nieder und nannte sich nur mehr die älteste Schwester („soror major“). Von ihrem hohen Bil-dungsstand zeugt nicht zuletzt die Tatsache, dass Agnes lesen und schreiben konnte, was bei Frauen ihrer Zeit nicht üblich war. Agnes gründete in Prag auch den einzigen böhmischen Orden – den Kreuz-herrenorden mit dem roten Stern, der zunächst an dem besagten Spital für Kranke und Unbemittelte sorgen sollte. Schon am 14. April 1237 bestätigte Papst Gregor IX. die Brüder als selbständigen Or-den, dessen – durchwegs deutsche – Mitglieder 1252 von Papst Innozenz IV. zur Unterscheidung von anderen Kreuzherren zum gestickten Kreuze an der linken Seite ihres Gewandes noch einen roten Stern erhielten. Der Orden breitete sich bald weiter aus und drang nach Ungarn und Polen vor. In Breslau beispielsweise leiteten die Kreuzherren (bis 1810) das Spital zur heiligen Elisabeth, auch Matthias-hospital genannt, das schon 1248 bestand und von Herzogin-Witwe Anna (gest. 1265), einer Schwester von Agnes von Böhmen, gestiftet wurde. Agnes war – neben ihren Aktivitäten im kirchlich-sozialen Bereich – auch als Ratgeberin und Vermitt-lerin bei politischen Verhandlungen zwischen Papst Innozenz IV. und dem böhmischen König Wenzel I. tätig. Sie schaltete sich auch in den Streit zwischen ihrem Bruder (König Wenzel I.) und ihrem Neffen (dem späteren König Premysl Ottokar II.) ein. Hierbei gelang es ihr, den Vater mit dem Sohn zu versöhnen und damit einen Bürgerkrieg zu verhindern. Nach dem Tod des Königs (1278) erleb-te Agnes im Königreich, das von Hungersnot und Pest heimgesucht wurde, noch Chaos und war – der Überlieferung nach – selbst bemüht, den Leidenden zu helfen. Inmitten allgemeiner Entbehrungen er-krankte sie und starb am 2. März 1282. Am 15. März 1282 wurde sie in der Kapelle der Heiligen Jungfrau beigesetzt, die an das Presbyterium der Franziskus-kirche grenzt. Die Bemühungen um die Heiligsprechung der Agnes von Böhmen scheiterten schon unmittelbar nach ich-rem Tod. Ein großes Problem stellten dabei ihre ver-schollenen Gebeine dar, die für den damaligen Ka-nonisierungsprozess unbedingt erforderlich waren. Zur Seligsprechung von Agnes kam es im November 1874, und mehr als 100 Jahre später – am 12. November 1989 – wurde sie in Rom durch Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen.

Literatur

Bergmann, Kurt (Hrsg.): Die Feier des 700. Todestages der Seligen Agnes von Böhmen in Wien (= Miscellanea / Wiener Katholische Akademie: Neue Reihe, Band 85). [Selbstverlag] Wien 1982. Glaubrecht, Julius: Die selige Königstochter Agnes von Böhmen und die letzten Premisliden: ein historisches Zeit- und Sittengemälde aus dem 13. Jahrhundert. Manz. Regensburg 1874. Heimbucher, Max: Die Orden und Kongregationen der katholischen Kirche. Erster Band. Vierte Auflage, Nachdruck der dritten, größtenteils neubearbeiteten Auflage von 1933. Ferdinand Schöningh. Paderborn, München, Wien 1980, Seite 421. Lang, Justin: Agnes von Böhmen. In: Lexikon für Theologie und Kirche. Erster Band. Begründet von Michael Buchberger. Dritte, völlig neu bearbeitete Auflage. Herausgegeben von Walter Kasper. Herder. Freiburg, Basel, Rom, Wien 1993, Seite 236-237. Nemec, Jaroslav: Die Verehrung der seligen Agnes von Böhmen und der Prozeß ihrer Heiligsprechung. Österreichischer Kulturverlag. Thaur / Tirol 1989. Schauber, Vera / Schindler, Hanns Michael: Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf. Aktualisierte Neuauflage. Pattloch. München 2001, Seite 86. Seibt, Ferdinand (Hrsg.): Agnes von Böhmen 1211-1282. Königstochter, Äbtissin, Heilige. Mit Beiträgen von Barbara Sasse, Aleš Zelenka und einer Einleitung von Angelus Waldstein-Wartenberg. Herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum. Aus dem Tschechischen übersetzt von Ingeborg Jenaczek (= Lebensbilder zur Geschichte der böhmischen Länder, Band 6). R. Oldenbourg. München 1989. Wetzer und Welte´s Kirchenlexikon oder Encyklopädie der katholischen Theologie und ihrer Hülfswissenschaften. Zweite Auflage, in neuer Bearbeitung. Begonnen von Joseph Hergenröther, fortgesetzt von Franz Kaulen. Erster Band. Herder´sche Verlagshandlung. Freiburg im Breisgau 1882, Seite 341. Bildquelle: Schauber, Vera / Schindler, Hanns Michael: Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf. Aktualisierte Neuauflage. Pattloch. München 2001, Seite 86.

AGNES (Anezka) von Böhmen

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

H. Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von H. Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 3-4

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=718

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