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Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Who was who in nursing history: AEMILIANI, Hieronymus
AEMILIANI, Hieronymus
Artikel von: H. Kolling
Erschienen in Band 3, Seite(n) 1-3.
 

Biographie

Hieronymus Aemiliani (eigentlich: Girolamo Mia-ni), der Stifter der Kongregation der Somasker oder der regulierten Kleriker des hl. Majolus („Clerici regulares S. Majoli Papiae congregationis Soma-schae“), hauptsächlich zur Erziehung von Waisen und zur Versorgung von Armen und Kranken, wurde 1486 in Venedig als Sohn des Senators Angelo Emiliano geboren. Aus einer alten venezianischen Adelsfamilie stammend, schlug er – im Alter von fünfzehn Jahren – die Militärlaufbahn ein und zeichnete sich als Offi-zier in den Feldzügen ge-gen Karl VIII. und Lud-wig XII. von Frankreich durch hervorragende Tapferkeit aus. 1508 ver-teidigte er die Grenzfeste Castel Nuovo bei Treviso heldenmütig gegen die Truppen Maximilians I.; dennoch wurde er besiegt und in Gefangenschaft genommen. Der Legende nach erwachte im Kerker das ihn anklagende Gewissen, und er gelobte Gott, fortan einen anderen Lebenswandel zu führen, falls er ihn befreie. Nachdem er bereits kurze Zeit später tatsächlich frei kam, wurde aus dem weltlichen, waffenfreudigen und ruhmreichen Krieger ein lei-denschaftlicher Streiter Christi, „ein Soldat tiefster Gottes- und Nächstenliebe“. Aemiliani trat in Venedig in den geistlichen Stand ein, bereitete sich auf das Priestertum vor und empfing im Jahre 1518, also im Alter von 32 Jahren, die Priesterweihe. Fortan füllte strenge Askese, eifri-ges Gebet und aufopfernde Armen- und Kranken-pflege sein Leben aus. Eine hervorragende Tätigkeit entfaltete er im Hunger- und Seuchenjahr 1528. Er verkaufte sein ganzes Mobiliar zur Unterstützung Bedürftiger und glitt, der Erzählung nach, mit sei-nem Boot bei Tag und Nacht durch die stillen Ka-näle Venedigs, immer auf der Suche nach Sterben-den oder Toten. Hierbei infizierte er sich selbst an Flecktyphus und erkrankte schwer. Langsam gene-send, rang er sich zu dem Entschluss durch, ganz aus dem öffentlichen Leben sich zurückzuziehen und nur noch den Armen zu dienen. Fortan verzichtete er auf Hab und Gut und widmete sich ausschließlich der Krankenpflege und der Erziehung von Waisen-kindern, deren Zahl in den Kriegen, welche Ober-italien seit Jahren verwüstet hatten, außerordentlich angewachsen war. Noch im selben Jahr (1528) grün-dete er in Venedig ein Waisenhaus, übernahm mit einigen frommen Laien die Pflege und Erziehung der aufgenommenen Kinder und bot ihnen Gele-genheit zum Erlernen eines Handwerks. Zu dieser Zeit wurde ihm auch die Leitung des vom hl. Kajetan eingerichteten Spitals für Unheilbare über-tragen. Der Überlieferung nach beschäftigte sich Aemiliani dort auf das eifrigste mit den Kranken, „er ging zu einem jeden hin, tröstete ihn auf das freundlichste; er reichte ihnen zu essen, hob sie von ihrem Lager auf, hielt sie auf seinen Armen und ließ sich durch den üblen Geruch und die ekelhaften Geschwüre und Wunden nicht abschrecken. Es gehörte zu seinen täglichen Liebeswerken, den Kranken die Betten zu machen, sie von Schmutz zu reinigen, die Zimmer auszukehren und die niedrig-sten Dienste zu verrichten. Aber nicht minder war er für die Heilung der Seele als des Leibes besorgt“. 1531 ging er nach Verona, um auch dort den Kran-ken, Waisen und Armen Hilfe zu bringen, und veranlasste die Bürgerschaft zur Errichtung eines Spitals. Von Verona reiste er nach Brescia, wo er erneut ein Waisenhaus ins Leben rief, dann nach Bergamo, wo er ebenfalls Waisenhäuser für Jungen und für Mädchen, und ferner ein Haus für „Gefal-lene“ – das erste dieser Art – errichtete. Zur Betreu-ung seiner Anstalten und zur Ausbildung von Pflege-kräften gründete er mit mehreren gleichgesinnten Klerikern 1532 eine religiöse Genossenschaft, die „Gesellschaft der Diener der Armen“, aus der später (1568) der Orden der Somasker entstand. Der Hauptsitz dieser Kongregation war ein Pflege- und Erziehungshaus in Somasca, zwischen Mailand und Bergamo gelegen; hier schrieb Aemiliani die erste „Regel“, deren Zweck die Pflege der Waisen, Armen und Kranken war. Wohnung, Hausgeräte, Nahrung und Kleidung sollten den Stempel der Armut tragen, Gebet und Stillschweigen mit Unterricht der Wai-senkinder sowie der Pflege der Armen und Kranken abwechseln. Gefördert von den oberitalienischen Bischöfen, den Städten und dem Adel, breitete sich das Sozialwerk von Aemiliani ständig weiter aus. Nachdem er noch in Mailand mit Hilfe des Herzogs Franz Sforza mehrere, dem besagten Zweck die-nende Anstalten gegründet hatte, wurde er in Ber-gamo, wo die Pest ausgebrochen war, bei der Pflege der Kranken angesteckt und starb vier Tage später, am 8. Februar 1537, in Somasca im Alter von 56 Jahren. Hieronymus Aemiliani, der auch als „der Waisenvater des 16. Jahrhunderts“ in die Geschich-te einging, wurde von Papst Benedikt XIV. 1747 selig- und von Papst Clemens XIII. zwanzig Jahre später (1761) heiliggesprochen. Zu seinem Anden-ken wurde ihm in der Peterskirche in Rom inmitten der großen Ordensstifter ein Marmorbild errichtet. Als nach dem Tod des Stifters die Gemeinschaft auseinander zu fallen drohte, verhinderte dies sein Nachfolger im Superiorat, Angelo Marco Gambara-na, der zugleich 1540 die Bestätigung der Somasker durch Papst Paul III. erwirkte. Dennoch suchte die Genossenschaft 1547 Anschluss an die „Gesell-schaft Jesu“, und als diese nicht zustande kam, ver-einigten sie sich mit den Theatinern (1547-1555). Als diese Verbindung wieder gelöst wurde, nahm sich Papst Paul IV., der schon ein Freund und Ratge-ber von Hieronymus Aemiliani gewesen war, der Somasker an. Papst Pius IV. bestätigte die Genos-senschaft 1563 aufs neue und verlieh ihr ver-schiedene Privilegien. Papst Pius V. erhob sie 1568 zu einem nach der Regel Augustinus (354-430)è verfassten Orden regulierter Kleriker von St. Majo-lus, einer Kirche in Pavia, die ihnen kurz zuvor der Erzbischof Carlo Borromeo (1538-1584)è von Mailand geschenkt hatte. Im Jahre 1626 bestätigte Papst Urban VIII. die Statuten. Der folgende Papst, Alexander VII., teilte den Orden, der sich inzwi-schen bedeutend ausgebreitet hatte, in drei Provin-zen: eine lombardische, eine venetianische und eine römische. Die Somasker ließen sich auch in Frank-reich, Österreich und der Schweiz, wenigstens vor-übergehend, nieder. Auf Deutschland erstreckte sich ihr Wirken nicht. Seit dem Ende des 18. Jahr-hunderts verminderte sich infolge der Einwirkungen der französischen Revolution auf Italien die Zahl ihrer Klöster sehr. Im Jahre 1862 hatte der Orden 19 Häuser, 1899 waren es noch zehn. Papst Pius XI. approbierte 1927 erneut die Konstitutionen des Or-dens und erklärte Aemiliani 1928 - anlässlich der Vierhundertjahrfeier der Somasker - für die ganze Kirche zum „universalen Patron der Waisen und der verlassenen Jugend“. In den 1960-er Jahren zählte der Orden über 360 Mitglieder.

Literatur

Beeking, Joseph: Wegbereiter katholischer Jugendhilfe. In: Beeking, Josef (Hrsg.): Katholische Kinder- und Jugendfürsorge. Festschrift zum ersten Gesamtkongress der katholischen Kinder- und Jugendfürsorge Deutschlands München 17.-19. Oktober 1927. Hanns-Eder-Verlag. München 1927, Seite 117-122. Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. Bearbeitet und herausgegeben von Friedrich Wilhelm Bautz. Band 1. Raugott Bautz. Hamm 1975, Seite 46. Dufner, Georg: Geschichte der Jesuaten (Uomini e dottrine, Bd. 21). Edizioni di Storia e Letteratura. Rom 1975. Frank, Karl Suso: Hieronymus Aemiliani. In: Lexikon für Theologie und Kirche. Begründet von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper. Band 5. Dritte, völlig neu bearbeitete Auflage. Herder. Freiburg im Breisgau 1996, Seite 93. Heimbucher, Max: Die Orden und Kongregationen der katholischen Kirche. II. Band. Vierte Auflage. Schöningh, Paderborn / München / Wien 1980, Seite 110-111. Hofmann, K[onrad]: Hieronymus Aemiliani. In: Manns, Peter (Hrsg.): Die Heiligen in ihrer Zeit. Band II. Matthias-Grünewald. Mainz 1966, Seite 215-217. Hubert, W[ilhelm] E. (Hrsg.): Der Heilige Hieronymus Aemiliani. Stifter der Kongregation von Somasca (= Lebensbilder katholischer Erzieher, Band IV). Franz Kirchheim. Mainz 1895. Hümmeler, Hans: Helden und Heilige. Die Geschichte ihres wahren Lebens. Dargestellt für jeden Tag des Jahres. Haus Michaelsberg. Siegburg 1961, S. 362-363. Bildquelle: Beeking, Josef (Hrsg.): Katholische Kinder- und Jugendfürsorge. Festschrift zum ersten Gesamtkongress der katholischen Kinder- und Jugendfürsorge Deutschlands München 17.-19. Oktober 1927. Hanns-Eder-Verlag. München 1927, Seite 121.

AEMILIANI, Hieronymus

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

H. Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von H. Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 1-3

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Permalink:
www.hpsmedia.info/
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