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Who was who in nursing history: STIRUM, Damian August Philipp Karl
STIRUM, Damian August Philipp Karl
Artikel von: H. Kolling
Erschienen in Band 3, Seite(n) 274-275.
 

Biographie

Am 13. Juli 1777 zog Damian August Philipp Karl Bischof zu Speyer, Propst der gefürsteten Propstei Weißenburg des Heiligen Römischen Rei-ches, Fürst Graf zu Lim-burg-Stirum in einer feier-lichen Prozession von sei-ner Bruchsaler Residenz zum neu errichteten Spital der Stadt am „Kaffee-buckel“, das an jenem Tage eingeweiht wurde. Ein Jahr zuvor hatte der Fürstbischof die Summe von jährlich 4.000 Gulden „zum Besten des Allgemeinen und der Stadt Bruchsal und besonders der notleidenden Armen und zur Verpflegung der Kranken“ gestiftet und so die Errichtung eines Spitals eingeleitet, das zunächst 36 Kranke aufnehmen konnte. Das Krankenhaus sollte auch Wirkstätte bedeutender Mediziner wer-den, wie etwa dem Leibarzt Stirums, Dr. Johann Peter Frank (1745-1821), der als Begründer der Sozialhygiene gilt. Der Mann, der das Krankenhaus gegründet und damit den Grundstein für eine bis in die Gegenwart hinein segensreich wirkende Tat vollbracht hat, war wohl das, was man in der heutigen Umgangssprache „eine komplizierte Persönlichkeit“ nennt. So fanden es schon seine Zeitgenossen recht schwierig, sich ein Urteil über ihn zu bilden, wenn sie sich nicht von vorneherein auf Vorurteile festgelegt hatten. Damian August Philipp Karl war am 16. März 1721 geboren worden. Sein Vater war Inhaber der kleinen Herr-schaft Gemen im Fürstbistum Münster, Graf Ernst Otto von Limburg-Stirum, Oberstleutnant der Kaval-lerie und Kammerherr in kaiserlichen Diensten. Seine Mutter stammte aus dem Hause Schönborn: Amalie Elisabeth von Limburg-Stirum war eine Nichte des Mainzer Kurfürsten Lothar Franz, eine Schwester des Speyerer Bischofs Damian Hugo, des Würzburger Bischofs Johann Philipp Franz, des Trierer Kurfürsten Franz Georg und des Reichs-vizekanzlers Friedrich Karl. Die drei Kinder des gräflichen Paares, die im Was-serschloss Gemen aufwuchsen, konnten eine solche hohe Verwandtschaft gut gebrauchen, denn die eige-ne Familie hatte ihnen wenig zu bieten. Die Herr-schaft Gemen war in einem völlig desolaten Zu-stand. Der Vater, Graf Otto Ernst, war als Komman-deur kaiserlicher Regimenter im Spanischen Erbfol-gekrieg und später als Gouverneur der Festung Ofen „fast ständig abwesend“ und überließ es seiner Frau, sich um das Wasserschloss zwischen Moor und Wald zu kümmern. Die Kinder kannten ihren Vater kaum und weinten ihm wohl auch keine Träne nach, als er 1754 in Ungarn starb und ihnen nichts als Titel und Schulden hinterließ. August war das jüngste der drei Geschwister. Seine Schwester war neun Jahre und sein Bruder elf Jahre älter. Bis zu seinem neunten Lebensjahr hatte der junge Graf keinen Lehrer. Von seiner Mutter lernte er die Anfangsgründe des Lesens und des Schrei-bens, damals auf französisch. Vom Dienstpersonal lernte er das münsterische Platt, das er bei be-stimmten Gelegenheiten auch später gerne gebrauch-te, besonders dann, wenn er seinem Herzen Luft machen wollte. Es scheint, dass für August als Nachgeborenen von Anfang feststand, dass er die geistliche Laufbahn einzuschlagen hatte. So erteilte ihm schon am 6. Dezember 1729 – im Alter von acht Jahren – der Hildesheimer Weihbischof Ernst Friedrich von Twickel in seiner Hauskapelle in Münster die Tonsur und die vier niederen Weihen. Seit dieser Zeit ging er auch in Koblenz, wohin seine Mutter inzwischen auf Einladung ihres Bruders ge-zogen war, zur Schule. Sein Studium absolvierte er in Rom; als Alumnus des Collegio die Nobili be-suchte er Vorlesungen in bürgerlichem und kirch-lichem Recht an der Sapientia. Als dort im Sommer 1743 eine Epidemie ausbrach, rief ihn seine Mutter vorzeitig nach Deutschland zurück, worauf er in Würzburg das Studium des Zivil- und Kirchen-rechtes fortsetzte. Ab Mai 1744 unterzog sich der in-zwischen 23-Jährige der Residenzpflicht in Münster. Am 3. November 1755 wurde August von Limburg-Stirum Domdekan in Speyer und schließlich am 9. Mai 1770 zum Bischof von Speyer gewählt; ein Amt, das er bis zu seinem Tode im Jahre 1797 ausübte. Das Erbe des neuerwählten Fürstbischofs war unterdessen nicht leicht; alle Stellen waren überbesetzt, drei Fünftel der Einkünfte gingen für Besoldungen drauf, mehr als 100 Personen waren zuviel am Hofe. Stirum konzentrierte sich von daher zunächst ganz auf die Wiederherstellung der Wirtschaftskraft des Landes, auf die Straffung der Verwaltung, die zu-gleich sparsamer, effektiver und gerechter werden sollte, und – dies vor allem – auf die Stärkung der religiösen und moralischen Kräfte. Auf diese Weise gelang es ihm, das kleine Land zu neuem Wohlstand zu führen. So verdankt ihm Speyer den Wieder-aufbau seines seit Jahrhunderten in Trümmern lie-genden Domes, ein Werk, das vier seiner Vorgänger feierlich versprochen, an das sie sich aber nicht herangewagt hatten. Nach Jakob Wille, der 1913 die erste kritische Biographie des Fürstbischofs vor-legte, war dieser „ein Schenker im großen Stil“, was auch für seine Stiftung des Krankenspitals in Bruch-sal gilt. Was ihm dabei als Ziel vorschwebte, war – nach seinen eigenen Worten – „die Linderung des Schicksals jener Notleidenden, welche unter der doppelten Bedrängnis der äußersten Dürftigkeit und körperlichen Gebrechen zugleich seufzen“. Bereits im Jahre 1776 hatte er sich zu der Stiftung des Spitals in Bruchsal, wo bereits seine Vorgänger unter Bauleitung von Balthasar Neumann und der Brüder Asam eine neue Residenz erbauen ließen, entschlossen. Von einer schweren Krankheit gene-sen, die ihn lange Zeit ans Bett und Zimmer ge-fesselt hatte, wollte Stirum mit einer frommen Stif-tung dieser Art seinen innigen Dank gegen Gott zum Ausdruck bringen. Bemerkenswert erscheint, dass er dem Spital eine Ausstattung mitgab, die weithin im Lande Aufsehen erregte und als Vorbild gerühmt wurde. Es ging dabei nicht nur um Geld, so wichtig es dem Fürstbischof war, zu den 50.000 Gulden aus seiner Schatulle noch weitere Spenden hinzuzu-gewinnen, brachliegende oder schlecht genutzte Fonds auf die neue Stiftung zu übertragen, auch die Stadt Bruchsal für sie zu interessieren. Noch wich-tiger erschien ihm, in den Barmherzigen Brüdern des Ordens vom heiligen Johannes von Gott (1495-1550) è dem Spital kompetentes und zuverlässiges Personal zu sichern. Erster Prior (1778-1782) in Bruchsal wurde Joachim Wrabez (1740-1804)è. Das neue Krankenhaus, das zunächst nur zur Aufnahme von Männern bestimmt war, sollte nicht nur eine Stätte der Krankenpflege sein, sondern auch ein Ort der medizinischen Unter-weisung. Von daher gestattete der Fürstbischof, dass die darin sowie im Zucht- und Waisenhaus ver-storbenen „Subjekte“ für die „anatomische Bühne“ verwendet werden durften. Für die ärztliche Betreu-ung stand der Stadt- und Landphysikus Dr. Franz Heinrich Birnstiel (1746-1791) zur Verfügung, der den Aufbau der anatomischen Sammlung und einen Teil der Weiterbildung der Krankenpfleger über-nahm. Angeboten wurden auch Kurse in Geburts-hilfe, zu denen die Hebammen des Landes geladen wurden. Besucht wurde die nach dem Willen des Fürstbischofs eingerichtete sogenannte „Wundarz-neischule oder Anatomie“ anfangs von den jungen Brüdern des Hospitalordens, wobei ihr Studium zwei Jahre dauerte. Später wurden dann auch weltliche Kandidaten geprüft. Aufgrund der schon seit Jahren dauernden Kriege gegen Frankreich und leerer Staatskassen hob Sti-rum am 9. Oktober 1794 die Schule und Hebam-menkurse bis auf weiteres auf. Im Jahre 1797 wur-den sie wieder eingeführt und wahrscheinlich bis zum Jahre 1825 fortgeführt. Weitere Zeugnisse der sozialen Fürsorge und Mild-tätigkeit des Fürstbischofs in Bruchsal waren die Gründung eines Armenhauses sowie einer Latein-schule. Der von ihm in den Jahren 1772-78 mit großen Kosten wiederhergestellte Speyerer Dom wurde bereits 1794 von französischen Revolutions-truppen erneut verwüstet, während der Fürstbischof selbst fliehen musste. Am 26. Februar 1797 starb der Kirchenfürst im Schloss Freudenhain bei Passau. Er wurde zunächst in der dortigen Kapuzinerkirche bestattet, wobei Kirche und Grab schon bald danach den Stürmen der französischen Revolution zum Opfer fielen. Sein Herz wurde jedoch bereits am 21. März 1797 von zwei Hofjunkern nach Bruchsal gebracht und ruht in einer silbernen Urne auf einem Steinpostament vor dem Sarge Kardinal Franz Christoph von Hutten – entsprechend seinem Wunsche - in der Bischofsgruft der Bruchsaler St. Peterskirche. Der ursprüngliche Zweck, den Fürstbischof Stirum seiner Stiftung gegeben hatte, war die unentgeltliche Verpflegung kranker männlicher Armen aus dem rechtsrheinischen Hochstift Speyer. Diese unentgelt-lichen Krankenbetten wurden infolge der Schwä-chung der Stiftungsmittel 1801 auf 12 und 1937 – nachdem auch Frauen aufgenommen wurden – auf sechs beschränkt, während gleichzeitig sechs Betten für mittellose Frauen zur Verfügung gestellt wurden. Einen entscheidenden Aufschwung nahm das Kran-kenhaus am 1. Juli 1858, als Schwestern vom hei-ligen Vinzenz von Paul (1581-1660)è aus Hei-tersheim bei Freiburg die Pflege der Kranken über-nahmen und damit eine bis 1990 währende Tradition begründeten. In den Jahren 1905/1906 erfolgte der Neubau des Stiftungskrankenhauses auf dem Ge-lände an der Gutleutstraße mit 70 Krankenbetten. Bereits im Jahre 1872 war durch die Vereinigung der beiden Stiftungen Barmherziger Brüder Spital-fonds und Barmherziger Schwesternfonds die Stif-tung Fürst von Stirum´scher Hospitalfonds in Bruch-sal gebildet worden. Diese weltliche Landes- und Distriktstiftung wurde zum 1. Januar 1975 unter Neufassung der Stiftungsverfassung in eine Kreis-stiftung des Landkreises Karlsruhe umgewandelt. Die Kreisstiftung Fürst-Stirum-Hospitalfonds war bis zum 31. Dezember 1998 Träger des Kranken-hauses Bruchsal. Nach Beschluss des Kreistags vom 9. Juli 1998 wurde das Krankenhaus Bruchsal und das Kreiskrankenhaus Bretten zum 1. Januar 1999 zu einem Eigenbetrieb mit zwei Betriebsstätten zu-sammengefasst. Mit der Gründung des Eigenbetriebs erfolgte auch die Umbenennung des Krankenhauses Bruchsal in Fürst-Stirum-Klinik. Nach umfangreichen Erweiterungen und Moderni-sierungen dient die Bruchsaler Klinik mit seinen 450 Betten der Bevölkerung in der Region mittlerweile als Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung. Die Fürst-Stirum-Klinik ist dabei Akademisches Lehrkrankenhaus, Notfallklinik und hat die Zu-lassung zum Verletztenartenverfahren.

Literatur

Banholzer, Gustav: Die Wirtschaftspolitik Augusts, Grafen von Limburg-Stirum, des zweitletzten Fürstbischofs von Speier (1770-1797). Dissertation. [Selbstverlag]. Gießen 1926. Bischöfliches Ordinariat Speyer (Hrsg.): Das Bistum Speyer. Ein Gang durch seine Geschichte; auf der Grundlage von Ludwig Stammers „Kirchengeschichte der Pfalz“. Bis zur Gegenwart weitergeführt von Josef Meller und Johannes Friedrich Werling. Pilger-Verlag. Speyer 1987. Frank, Johann Peter: Seine Selbstbiographie. Herausgegeben, eingeleitet und mit Erläuterungen versehen von Erna Lesky (= Hubers Klassiker der Medizin und der Naturwissenschaften, Bd. 12). Huber. Bern, Stuttgart 1969. Jehle, Edmund: Das niedere Schulwesen unter August Graf von Limburg-Stirum, Fürstbischof von Speier (1770-1797. Nach den Quellen bearbeitet (= Abhandlungen zur oberrheinischen Kirchengeschichte, Bd. 2). Herder. Freiburg im Breisgau 1923. Kubisch, Emil: Graf August von Limburg-Stirum, vorletzter Fürstbischof von Speyer, in seinen Beziehungen zur Herrschaft Gemen. In: Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde; Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte und des Landeskonservators von Westfalen-Lippe. Band 33. Aschendorff. Münster 1955, Seite 164-197. Kunzer, Georg Eugen: Die Beziehungen des Speierer Fürstbischofs Damian August Philipp Karl, Graf von Limburg-Styrum, zu Frankreich. Verlag des historischen Vereins der Pfalz. Speier 1915. Landratsamt Karlsruhe, Pressestelle (Hrsg): 200 Jahre Krankenhaus Bruchsal. Fürstbischof Stirum und seine Stiftung. [Selbstverlag]. Bruchsal 1977. Reinhard, Rudolf: August Graf von Stirum, Bischof von Speier, und die Zentralbehörden im Bistum Speier. In: Mitteilingen des Historischen Vereins der Pfalz (MHVPf), Band 34/35, 1915, Seite 161-208. Remling, Franz Xaver: Neuere Geschichte der Bischöfe zu Speyer. Samt Urkundenbuche. Nachdruck der Ausgabe Speyer 1867. Richter. Pirmasens 1975. Webseite: www.krankenhaus-bruchsal.de. Wetterer, Anton: Die Bruchsaler Krankenspitalstiftung des Fürstbischofs August von Stirum. F. Biedermann. Bruchsal 1920. Wille, Jakob: August Graf von Limburg-Stirum, Fürstbischof von Speier. Miniaturbilder aus einem geisttlichen Staate im 18. Jahrhundert (= Neujahrsblätter der Badischen Historischen Gesellschaft; Neue Folge, Bd. 16). Winter. Heidelberg 1913. Bildquelle: Landratsamt Karlsruhe, Pressestelle (Hrsg): A.a.O., Seite 12.

STIRUM, Damian August Philipp Karl

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

H. Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von H. Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 274-275

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