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Jun 01, 2020 Last Updated 11:41 AM, May 20, 2020

Who was who in nursing history: STEIMER, Elisabeth Henriette
STEIMER, Elisabeth Henriette
Artikel von: H.-P. Wolff
Erschienen in Band 3, Seite(n) 271-272.
 

Biographie

Nach Gründung der katholischen Kongregation der „Töchter des Göttlichen Erlösers“ durch Elisabeth [Alphons Maria] Eppinger (1814-1867)? in Nieder-bronn (Elsass) im Jahre 1849 ließen sich am 10. Oktober 1854 drei Schwestern der Niederbronner Kongregation in Würzburg nieder und bildeten eine Filiale, die sich vor allem der ambulanten Kranken-pflege annahm. Gerufen worden waren sie von Bi-schof Georg Anton von Stahl. Aus dem Elsass ge-kommen und ohne Königlich bayerische Appro-bation galten die Schwestern als Ausländerinnen, die jederzeit des Landes verwiesen werden konnten. Um diese Rechtsunsicherheit zu beenden, entschloss sich Bischof von Stahl zur Gründung einer von Nie-derbronn unabhängigen Kongregation von „Töch-tern des Göttlichen Erlösers“, die am 6. Juni 1866 erfolgte und sich nach der inzwischen in Nieder-bronn 1863 erfolgten Namensänderung ebenfalls als „Töchter der Allerheiligsten Erlösers“ bezeichnete. Diese Separation erfolgte gegen den heftigsten Wi-derstand von Generaloberin Eppinger und hat sehr wahrscheinlich deren baldiges Ableben mitbewirkt. Zur ersten Generaloberin der neuen Würzburger Kongregation wurde Elisabeth Henriette Steimer mit dem Ordensnamen Maria Honorine berufen. Sie wurde am 6. Mai 1831 in Lebach an der Saar gebo-ren und war am 24. Juni 1852 in die Niederbronner Kongregation eingetreten. Schon 1853 war sie von Oberin Eppinger zum ersten Mal nach Würzburg entsandt worden und 1854 an der Gründung der dortigen Filiale maßgeblich beteiligt. Am 18. Mai 1857 legte Maria Honorine in Niederbronn ihre ewi-gen Gelübde ab. Die Gründung der Würzburger Kongregation der „Töchter des Allerheiligsten Erlösers“ erfolgte durch Bischof Georg Anton von Stahl am 15. Juni 1866 als vom Mutterhaus Niederbronn unabhängige Kongregation. Honorine Steimer stieg damit von der Oberin einer Filiale zur Generaloberin ihrer Kongre-gation auf, deren selbständige Leitung ihr vom Bi-schof übertragen wurde. Dieser Schritt fiel mit den Belastungen des preußisch-österreichischen Krieges von 1866 zusammen, der mit der Niederlage Öster-reichs auch die des mit ihm verbündeten Bayerns brachte. Damit verbundene zusätzliche Schwierigkeiten im weiteren Ausbau der Arbeitsfelder in der Diözese auch in den folgenden Jahren führten schließlich zu Querelen mit dem vorgesetzten, aber inzwischen „führungslosen“ bischöflichen Ordinariat. Bischof von Stahl war 1870 verstorben, sein Nachfolger Va-lentin Reissmann, auch ein ausgesprochener Gönner der Oberin, bereits 1875. Im Klerus wuchs mit einem Mal Unzufriedenheit mit der Amtsführung von Oberin Steimer, die be-sonders von einem Kreisschulinspektor in Hösbach und einem Pfarrer in Aschaffenburg geschürt wurde. Als am 18. Mai 1879 Franz Joseph von Stein zum neuen Bischof von Würzburg ernannt wurde, berief er schon zehn Tage später Domkapitular Franz Lud-wig Lochner zum Direktor der Kongregation und beraubte damit die Oberin ihrer Führungskom-petenz. Am 20. Dezember 1879 wurde ihr schließ-lich auch noch die Finanzverwaltung der Kongre-gation entzogen und dem Domkapitular Franz Busch übertragen. Während einer kurzen Abwesenheit der Oberin in Aschaffenburg ließ der neue Direktor eine stellver-tretende Generaloberin wählen und alle Schwestern, Novizinnen und Kandidatinnen ihr Gehorsam gelo-ben. Diese unseriöse Vorgehensweise, in die sich ihre Schwestern durch die neue männliche Führungs-riege hineinziehen ließen, nahm Elisabeth Steimer nicht mehr hin. Sie erklärte schriftlich am 4. Juni 1880 ihren Austritt aus der Kongregation. Von die-ser Haltung nicht unbeeindruckt, veranlasste der Bi-schof, dass ihr „in Rücksicht auf die großen Ver-dienste um die Diözesankongregation“ eine jährli-che Leibrente von 800 Reichsmark ausgesetzt wur-de. Ihre Nachfolgerin als Generaloberin wählte mit Maria Alexandrine Hofmann (gest. 1914) aus Röt-tingen die Kongregation erst 1885. Über das Leben Elisabeth Steimers in den auf ihr Ausscheiden folgenden beiden Jahrzehnten ist zu-nächst nichts näheres bekannt. Am 1. April des Jah-res 1903 drang ein bewaffneter Einbrecher in ihre Wohnung in Sponsheim ein und tötete die sich dem Räuber widersetzende Wohnungsinhaberin. Der Bruch mit der Würzburger Kirchenleitung war so tief, dass auch von ihrer ehemaligen Kongre-gation unter Oberin Hofmann niemand zur Beer-digung Elisabeth Steimers in Sponsheim erschien. Erst mit den Feierlichkeiten zum 75-jährigen Grün-dungsjubiläum des Würzburger Mutterhauses setzte eine Rehabilitierung der 1880 gemaßregelten ersten Generaloberin ein, die 1989 mit Exhumierung ihrer sterblichen Überreste und deren Beisetzung im Mut-terhaus ihren Abschluss fand. Seit 1966 nennt sich die Würzburger Schwesternschaft „Kongregation der Schwestern des Erlösers“ und unterhält neben zahlreichen Niederlassungen in der heimischen Diö-zese auch einige in den USA und in Afrika mit dem bevorzugten Einsatz in der ambulanten Kran-kenpflege.

Literatur

Endres, Brigitte: Die Kongregation der Schwestern des Erlösers: Congregatio Sororum a Sancto Redemptore. Unveröffentlichte Belegarbeit im Fach Geschichte der Pflege. Medizinische Fakultät (Charité) der Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Medizin-/Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft, 2000. Kolling, Hubert: Eppinger, Elisabeth. In: Wolff, Horst-Peter (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte, Band 2. Urban & Fischer, München 2001, Seite 60-61.

STEIMER, Elisabeth Henriette

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

H.-P. Wolff. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von H.-P. Wolff, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 271-272

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=711

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