fbpx
Jan 22, 2020 Last Updated 9:39 AM, Jan 14, 2020

Forschungswelten 2019

Save-the-date: Forschungswelten 2019! Vom 4.-5. April 2019 findet an der Hochsc...

Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Who was who in nursing history: SCHUMACHER, Clara
SCHUMACHER, Clara
Artikel von: U. Füsser
Erschienen in Band 3, Seite(n) 256-257.
 

Biographie

Maria Catharina Clara Schumacher, die spätere Ordensschwester Mutter Augustina von Goppeln, gründete die Kongregation der „Nazarethschwestern vom heiligen Franziskus“. Am 8. Mai 1945 wurde sie von einem russischen Sol-daten erschossen weil sie eine geflüchtete Lehrerin und ihre Mitschwestern be-schützen wollte. Maria Catharina Clara Schumacher wurde am 23.4.1887 als erstes von acht Kindern der Eheleute Elisabeth geb. Göring und Anton Sch. in Pfaffendorf bei Koblenz geboren. Die Eltern, der Vater war Gärtner, die Mutter, Tochter eines rheinischen Win-zers, erzogen das Kind im katholischen Glauben. Die finanzielle Situation der Familie verhinderte den Besuch einer höheren Schule. In Koblenz absolvierte Clara , so der Rufname, eine kaufmännische Lehre in einer Tuchhandlung. Am 15. März 1909 trat Clara in die Gemeinschaft der Schwestern vom Heiligen Geist in Koblenz ein. Ihre erste Profess legte sie am 20. September 1911 ab. Eine schwere Erkrankung veranlasste sie, die Gemeinschaft im September 1913 zu verlassen. Ihr Wunsch, ihr Leben weiter in den Dienst Gottes zu stellen, blieb auch nach ihrer Genesung bestehen. Sie trat dem Dritten Orden der heiligen Franziskus bei und legte dort am 16. Januar 1916 die Profess ab. Sie erhielt den Namen Augustina und arbeitete als Tertiarin in der häuslichen Pflege und Familienkari-tas. Gemeinsam mit dem Direktor des Dritten Or-dens, Pater Philibert, gründete sie am 1921 den „Hauspflege- und Hilfsverein Koblenz-Ehrenbreit-stein“. Zwei Jahre später zählte der Verein bereits über 20 Schwestern. Oberin wurde Schwester Au-gustina. Im August 1923 ging sie mit zwei weiteren Schwestern in das 1921 wiedererrichtete Diaspora-bistum Meißen und bot Bischof Dr. Christian Schreiber ihre Hilfe an. Am 8. Dezember 1923 be-gann sie mit der Konstituierung der Gemeinschaft der „Nazarethschwestern vom heiligen Franziskus“ 1924 eröffnete sie in Dresden ein Heim für Fami-lienfürsorge und ein Kinderheim. In Goppeln bei Dresden entstand das Mutterhaus der Schwestern. Sie übernahmen die Regel des regulären Dritten Or-dens des heiligen Franziskus und fügten eigene Kon-stitutionen hinzu. Im Juni 1928 erhielt die Gemein-schaft, nach Erlaubnis des Apostolischen Stuhls, von Bischof Christian Schreiber die Anerkennung als Diözesankongregation. Im gleichen Jahr zählte die Chronik schon 100 Schwestern. Schwester Augustina gründete Heime für Mütter mit unehelichen Kindern, schwangere Frauen und alte Menschen. Für die vielfältigen Aufgaben in der am-bulanten Pflege, den Familien, den Pfarrhäusern und Jugendeinrichtungen ermöglichte die Gründerin den Schwestern fundierte Berufsausbildungen mit staat-lichen Anerkennungen. Außerhalb des Bistums Mei-ßen erfolgten Niederlassungen in Burg bei Magde-burg, Salmrohr, Noviand, Mittelberg, Peißenberg und Breitenbrunn. Während der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges kämpfte Schwester Augustina für die Erhaltung des Kinderheimes, half Flücht-lingen und Zwangsarbeitern. Besonders hart traf sie die Zerstörung Dresdens im Februar 1945 bei der sechs Mitschwestern den Tod fanden und ordens-eigene Einrichtungen zerstört wurden. Am 8. Mai 1945 drangen Russen in das Mutterhaus ein. Die Na-zarethschwestern verfassten folgenden Bericht: „Am Dienstag, dem 8. Mai, abends 18.30 Uhr erfolgte der Einmarsch der (feindlichen) Truppen in unser Dorf. Zu dieser Zeit beteten wir wie immer den Rosenkranz in unserer Kapelle. Die Würdige Mutter M. Augustina betete innig mit den Schwe-stern und allen Hausbewohnern um den Frieden der Welt und forderte alle zum Sühnegebet auf...Nach dem Gebet ging Mutter M. Augustina mit Schwester Bonifatia an die Pforte. Es kamen einige Russen und suchten nach einer Lehrersfrau, die sich nach hier geflüchtet hatte. Mutter Gründerin bot Essen an, was jedoch abgelehnt wurde. ‚Schnaps, Schnaps’, wollte einer der dreien. Wir sahen auch, ob ir-gendetwas da sei. Als wir aber zurückkamen, waren sie schon fort.....Alsbald kam einer und verlangte eine Uhr nach der anderen und ein zweiter kam dazu und verlangte auch etwas. Um letzteren nicht mit Mutter Augustina allein zu lassen, wurde nach Schwester Bonifatia gerufen (die inzwischen Abend-brot essen gegangen war). Diese kam sofort eiligst die Treppe hinunter. Da hörte sie den ersten Schuss. Mutter Gründerin kam von der Pforte in die Küche und rief den Schwestern zu: ‚In Deckung, De-ckung!’, und lief vorwärts. Ob sie wohl gar nicht ahnte, dass er ihr folgte? Es liefen beide, während Schuss für Schuss krachte. Mutter M. Augustina erreicht gerade noch die Tür von unserem Refektor im Schwesternhaus, das jetzt den Fremden als Speisesaal diente und brach hier blutüberströmt zusammen." (Bericht über den Tod von Mutter Gründerin M. Augustina). Die Ordensgründerin starb kurz darauf und wurde am 12. Mai 1945 im Garten des Klosters beigesetzt. Heute arbeiten die noch etwa 50 Nazarethschwestern (Stand 2003) in der stationären Alten- und Kranken-pflege, Sterbebegleitung, Seelsorge, Gästebetreuung und Haushalts- und Wirtschaftsführung in Pfarr-häusern.

Literatur

Seifert, Siegfried: Mutter Augustina von Goppeln (Clara Schumacher), in: Zeugen für Christus, Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Bd. II, hrsg. von Helmut Moll, Paderborn, München, Wien, Zürich 2000. Müller R.: Die Unruhe zu Gott erfüllte sie. M. Augustina von Goppeln, die Gründerin der Nazarethschwestern vom heiligen Franziskus, Leipzig-Heiligenstadt 1949 Meier, H. Die Ordensgemeinschaft im Gebiet des 1921 wiedererrichteten Bistums Mei=DFen, in: Studien zur kath. Bistums- und Klostergeschichte. Bd. 33, Leipzig 1990, Seite105-110. Broschüre: Für Gott und die Menschen, 75 Jahre Nazarethschwestern vom hl. Franziskus - Mutterhaus Goppeln- 1928-2003, Hrsg.: Nazarethschwestern vom hl. Franziskus, Dresden 2003. Archiv der Nazarethschwestern, Goppeln. Bildquelle: Mutterhaus der Nazarethschwestern Goppeln.

SCHUMACHER, Clara

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

U. Füsser. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von U. Füsser, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 256-257

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=702

Statistik

Who was who: Liste aller Einträge

datenbankbanner 2