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Who was who in nursing history: SCHLÖCKER, Willi
SCHLÖCKER, Willi
Artikel von: H.-P. Wolff
Erschienen in Band 3, Seite(n) 247-249.
 

Biographie

1954 wurde in Aue (Sach-sen) ein moderner Neubau für die Medizinischen Fachschule eröffnet. Es war nach Stralsund der zweite Schulneubau des Gesundheitswesens der DDR. Die Schule in Aue trug den Namen des russischen Nobelpreis-trägers Iwan Petrowitsch Pawlow (1849-1936), war sehr großzügig angelegt und ausgestattet, sozusagen das „beste Stück“ unter den Schulen für die Schwesternausbildung in der DDR. Das ist u.a. da-mit dokumentiert, dass die DEFA 1959 einen popu-lärwissenschaftlichen Kurzfilm über die Kranken-pflegeausbildung des Landes eben dort und im „Ernst-Scheffler-Krankenhaus“ in Aue drehte, wo die praktische Ausbildung der Schwesternschülerin-nen stattfand. Die Leitung einer solchen Muster-schule wurde nur Kadern übertragen, die der SED als politisch vertrauenswürdig galten. Eine solche Persönlichkeit war der Krankenpfleger Willi Schlö-cker, dessen Ergobiographie einerseits für die Früh-zeit der DDR charakteristische Züge aufweist, an-dererseits aber auch einige Besonderheiten. Willi Schlöcker wurde am 31. August 1921 in Calbe an der Saale als Sohn des Maurers Wilhelm Sch. und dessen Ehefrau Berta, geb. Pudlack, geboren. Mau-rer Schlöcker entstammte einer Stadtpfeiferfamilie, war musikalisch und weckte das Interesse seines Sohnes Willi für den Musikerberuf. Nach Been-digung der Volksschule, die er seit 1928 besucht hatte, begann dieser 1936 eine Lehre als Musiker bei der Stadtkapelle in Calbe und anschließend in Kö-then. Er wurde für Klavier, Posaune und Kontrabass ausgebildet. Letzteres wurde sein Lieblingsinstru-ment. Ein gesunder Musiker blieb in der NS-Zeit nach Beginn des Zweiten Weltkrieges nicht vom Militär-dienst verschont. Zunächst wurde Willi Schlöcker für zwei Jahre als Kraftfahrer in den Junkerswerken in Köthen dienstverpflichtet und 1941 zur Wehr-macht einberufen. Neben der Tätigkeit im Musik-korps wurde er, wie es für Militärmusiker allgemein üblich war, zu Diensten als Krankenträger und Sani-täter herangezogen. Mit seiner letzten Einheit geriet Willi Schlöcker 1945 für kurze Zeit in amerikani-sche Kriegsgefangenschaft, wurde dann von den Engländern übernommen und schon im selben Jahr in ihre Besatzungszone entlassen. Hier schlug er sich zunächst als Kontrabassist verschiedener Kapellen durch, wechselte dann aber 1946 in die Ostzone, in seine engere Heimat Sachsen-Anhalt. Willi Schlöcker ließ sich am 15.10.1946 für den Dienst in der im Aufbau befindlichen Volkspolizei anwerben und wurde zunächst als Helfer in einer Sanitätsstelle eingesetzt, deren Leitung man ihm schon bald übertrug. Die dazu notwendigen medizi-nischen Kenntnisse eignete er sich in Kursen an, die für die Volkspolizei von der Poliklinik Dessau durchgeführt wurden. Nach der Gründung der DDR erlebte Willi Schlöcker seine Versetzung in das Krankenhaus der Volkspolizei in Halle, wo er nach den auch dort 1950 angewendeten neuen Regeln der Fachschulausbildung die Krankenpflege erlernte und 1951 die Staatliche Anerkennung als Krankenpfleger erhielt. Am 31.07.1951 schied Schlöcker aus der VP aus und wurde Krankenpfleger in der Chirurgischen Universitätsklinik in Halle. Die Klinikleitung delegierte ihn schon kurz darauf zur Teilnahme an einem Lehrgang für Leitende Pfleger an die Medizinische Fachschule Potsdam. In dieser Zeit wurden beim Aufbau des zivilen Fach-schulwesens für die Ausbildung von Krankenschwe-stern und anderen mittleren medizinischen Fach-kräften dringend Lehrkräfte benötigt. Willi Schlö-cker ließ sich als Lehrassistent für die Medizi-nischen Fachschule in Quedlinburg gewinnen, die in späteren Jahren ausschließlich der Ausbildung von Ausländerinnen diente, und begann damit seine Aus-bildung zum Seminarlehrer. Das schloss wiederum den Besuch von zwei Lehrgängen der Oberstufe an der Fachschule in Potsdam ein. Ein Institut für Fachschullehrerbildung des Gesundheitswesens wur-de erst 1955 in Berlin-Lichtenberg eröffnet. Als in Aue 1954 die Einweihung des Schulneubaues unmittelbar bevorstand, wurde Willi Schlöcker zum 9. September 1954 vom Ministerium für Gesund-heitswesen zunächst kommissarisch als Direktor nach Aue versetzt und ein Jahr später in dieser Funk-tion bestätigt. Seine menschliche, gerade und sach-liche Art des Umgangs mit Kolleginnen und Schü-lerinnen festigten sehr schnell die Schulgemein-schaft. Wesentlich trug dazu bei, dass der neue Direktor einen Chor, eine Laienspielgruppe und eine Tanzgruppe für die außerunterrichtliche Freizeitge-staltung gründete und teilweise persönlich mit gro-ßem Erfolg leitete. Aber auch Schlöckers fachliches Wissen und Können fand seitens der Mitarbeiter des Krankenhauses, mit dem die Schule eng kooperierte, uneingeschränkte Anerkennung. Willi Schlöcker legte 1956 am Institut für Fach-schullehrerbildung die Prüfung als Fachlehrer für Anatomie und Physiologie ab und absolvierte noch mit Erfolg bis 1958 im Fernstudium die Ausbildung zum Medizinisch-technischen Assistenten. Einerseits hatten die vielfältigen Belastungen seine Kräfte überfordert, andererseits gab es Neider im Kollegenkreis, die nach seiner Direktorenfunktion strebten und ihm das Leben schwer machten. Willi Schlöcker begann unter Magenbeschwerden zu lei-den. Als die Genossen seiner (SED-) Parteigruppe gegen ihn schließlich auch noch ein Verfahren ein-leiteten, weil er als Chorleiter Weihnachtslieder mit christlichem Inhalt singen ließ, trat er aus gesund-heitlichen Gründen 1959 von seiner Funktion zu-rück, schied aus der Schule aus und übernahm für zwei Jahre eine Aufgabe im Bezirkskomitee des Deutschen Roten Kreuzes im damaligen Karl-Marx-Stadt. Von dort konnte er 1961 wieder in die Lehrtätigkeit an einer Medizinischen Schule zurückkehren, zu-nächst in Neukirchen, ein Jahr später in Halberstadt, wo er bis 1969 die Abteilung Krankenpflege und Physiotherapie leitete und von 1969 bis zu seiner Invalidisierung im März 1980 als stellvertretender Direktor tätig war. 1974 erfolgte auch in Halberstadt die Umwandlung der Schule in eine Medizinische Fachschule. Willi Schlöcker war seit 1955 mit einer Fachkollegin verheiratet. Aus der Ehe gingen vier Söhne hervor, die Ärzte bzw. Ingenieure wurden, obwohl beide El-ternteile ununterbrochen im Lehrberuf tätig waren. In Halberstadt fand Schlöcker auch wieder Gele-genheit, sich der Musik zu widmen. Er wurde als Kontrabassist Mitglied des bekannten Telemann Kammerorchesters in Blankenburg/ Harz, das von Dr. Eitel-Friedrich Thom gegründet worden war und geleitet wurde. Für seine herausragende ehrenamt-liche Kulturarbeit wurde Willi Schlöcker 1972 und 1976 mit dem Titel „Aktivist“ ausgezeichnet, mehr-fach auch für seine hauptberufliche Tätigkeit. 1979 erhielt er die Anerkennung als Fachschuldozent. Er erlag am 23. August 1980 in Halberstadt den Folgen eines Bronchialkarzinoms.

Literatur

Privatarchiv von Dipl.-Med.-Päd. Ingrid Schlöcker, Halberstadt: Aufzeichnungen und briefliche Mitteilungen an den Verfasser vom 5. und 13. 08.2001. Kopie eines Schreibens von Dr. Rose, Ärztlicher Direktor der Krankenanstalten des Kreises Aue an das Ministerium für Gesundheitswesen der DDR vom 20.10.1955 betr. die Einstellung von Willi Schlöcker. Progress Film-Verleih GmbH: Video-Kopie des populärwissenschaftlichen DEFA-Kurzfilms „Helfende Hände“, Potsdam 1959. Bildquelle: Privatarchiv von Dipl.-Med.-Päd. Ingrid Schlöcker, Halberstadt: Passbild Nr. 26292 , Foto H. Landgraf, Aue.

SCHLÖCKER, Willi

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

H.-P. Wolff. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von H.-P. Wolff, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 247-249

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=698

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