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Forschungswelten 2019

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Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Who was who in nursing history: RUMMEL, Andreas
RUMMEL, Andreas
Artikel von: H. Kolling
Erschienen in Band 3, Seite(n) 244-246.
 

Biographie

Er war ein Mann, der „sein Fähnchen nie nach dem Wind gedreht hat – aufrecht und gradlinig“. Dieses Prädikat brachte dem Pflege-Hauptsekretär Andreas Rummel, der sich in Bayern jahrzehntelang um die wirtschaftliche und soziale Hebung des Per-sonals in der Kranken-pflege und um die bessere Ausbildung und Anerkennung insbesondere der „Geisteskrankenpflege“ einsetzte, nicht nur die Achtung seiner Parteifreunde, sondern auch der poli-tisch Andersdenkenden. Dabei haben der Zusam-menbruch des Kaiserreiches am Ende des Ersten Weltkrieges, die Revolution mit dem Aufbau der Wiemarer Republik, deren Untergang mit der Hitler-Diktatur, der Zusammenbruch des „Tausendjährigen Reiches“ und der Beginn der Bundesrepublik das soziale und politische Wirken Rummels stark ge-prägt. So gab er sich nie mit der Rolle des Zu-schauers oder Besserwissers zufrieden. Vielmehr versuchte er stets, an seinem jeweiligen Platz, die Entwicklungen zum Wohl der Allgemeinheit mitzu-gestalten. Sein Name stand vor allem für zwei Be-griffe: Demokratie und Mitmenschlichkeit. Geboren wurde Andreas Rummel am 2. Januar 1896 im unterfränkischen Erlenbach bei Marktheidenfeld als Sohn des Handwerkers und Landwirts Johann R. und dessen Ehefrau Karolina Kühltrunk. Von 1902 bis 1906 besuchte Andreas die Volksschule seines Heimatortes und ging dann mit 14 Jahren (1910) als Arbeiter in das Zementwerk in Lengfurt. Bereits nach wenigen Jahren wurde er wieder entlassen, weil er mit anderen Arbeitskollegen einen örtlichen Gewerkschaftsverein gründen wollte. Mit der Ent-lassung kam er gleichzeitig auf eine sogenannte „Schwarze Liste“, wodurch es ihm nahezu unmög-lich wurde, im gewerblichen Bereich beziehungs-weise im Handwerk wieder eine Arbeitsstelle zu finden. Angesichts dieser Situation fasste Rummel den Ent-schluss, in die Krankenpflege zu wechseln; im Juni 1915 trat er als Aushilfspfleger in die damals erst seit kurzem bestehende Heil- und Pflegeanstalt Lohr am Main ein, wie früher das heutige Bezirkskran-kenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Neuro-logie hieß. Dort brachte er es bis zum 1. Ober-pfleger; am 31. Januar 1961 wurde Andreas Rummel in den Ruhestand verabschiedet. Im September 1919 hatte Andreas Rummel die Pfle-gerin Anna Eichler geheiratet. Aus dieser Ehe gin-gen zwei Söhne hervor, darunter der spätere Land-tagsabgeordnete Oskar Rummel. Als Anna Rummel im September 1941 starb, heiratete der Witwer am 22. Mai 1943 Eleonore Hörner aus Neubrunn, mit der er einen Sohn und eine Tochter hatte. Schon kurz nach seinem Wechsel in die Kranken-pflege trat Rummel in die Sozialdemokratische Par-tei Deutschlands (SPD) und die freie Gewerkschaft ein. Von 1920 bis zu ihrer gewaltsamen Auflösung 1933 war er in Lohr Ortsvorsitzender der ÖTV und später nochmals von 1945 bis 1950. Im April 1924, als 28-jähriger, wurde er zum ersten Mal in den Lohrer Stadtrat gewählt. Überörtlich gehörte er von 1921 bis 1933 dem Landesausschuss für das Ge-sundheitswesen in Bayern an und nach 1945 dem Beamtenausschuss des Deutschen Gewerkschafts-bundes (DGB) auf Landesebene, wo er ehrenamtlich als Pflege-Hauptsekretär arbeitete. Mehr als 40 Jah-re stand er der SPD als Referent zur Verfügung. Am 30. Januar 1933 wurde er - wie alle Stadträte, die de-mokratischen Parteien angehörten - in „Schutzhaft“ genommen. Ein Versuch der Direktion der Heil- und Pflegeanstalt, ihn als unabkömmlich aus der Haft freizubekommen, wurde mit der Begründung abge-lehnt: „Rummel muss als der geistige Kopf des Marxismus im Lohr Bezirk betrachtet werden. Ich kann deshalb Ihrem Antrag nicht stattgeben.“ Auch in den folgenden Jahren der NS-Zeit hatte er manche Schikane zu erdulden. Viermal erschien die Gestapo bei ihm zu Hausdurchsuchungen und er musste jederzeit mit noch Schlimmeren rechnen. Am 1. September 1939 wurde er zur Wehrmacht einge-zogen. Als es nach der nationalsozialistischen Ge-waltherrschaft um den Wiederaufbau eines demo-kratischen Staatswesens ging, war Andreas Rummel Schulter an Schulter mit Kommunalpolitikern ande-rer politischer Richtungen ohne Zögern wieder mit dabei. Von 1946 bis 1972 gehörte er ohne Unter-brechung dem Lohrer Stadtrat an, von 1948 bis 1952 und von 1960 bis 1972 – mithin über einen Zeitraum von 16 Jahren - war er Zweiter Bürgermeister. Mit einer Unterbrechung während der NS-Zeit gehörte Rummel von 1925 bis 1972 auch dem Lohrer Stadtrat an. Auch im Lohrer Kreistag saß Rummel 30 Jahre lang, von 1928 – mit Unterbrechung durch den Nationalsozialismus - bis 1972, davon vier Jahre, von 1956 bis 1960, als stellvertretender Land-rat. Im unterfränkischen Kreistag, dem Vorläufer des heutigen Bezirkstages, wirkte er 16 Jahre lang, davon vier Jahre vor 1933. Viele Jahre lang war er auch im Verwaltungsrat der Stadt- und Kreis-sparkasse Lohr. Trotz seinem Engagement in Beruf und Politik fand Andreas Rummel auch noch Zeit für verschiedene Hobbys. 40 Jahre lang war er aktiv in mehreren Gesangvereinen, rund 60 Jahre im „Volks-Chor“, dessen Ehrenmitglied er war. Eine Vielzahl von Wanderungen führten ihn durch weite Teile von Spessart, Rhön und Thüringer Wald. An-dreas Rummel war maßgeblich am Aufbau des Lohrer „Altenclubs“ beteiligt und ein immer wieder gerne gehörter Redner zu den verschiedensten Themen. „Irrenpflege ist Krankenpflege unter erschwerten Umständen“ war wohl das wichtigste Motto von Andreas Rummel. In seiner jahrzehntelangen politi-schen, gewerkschaftlichen und nicht zuletzt publizi-stischen Arbeit setzte er sich immer wieder für die Gleichstellung des Pflegepersonals in den psychia-trischen Anstalten mit dem übrigen Krankenpfle-gepersonal ein, ebenso wie für die gleiche tarifliche Vergütung, die Reduzierung der langen Arbeits-zeiten, die Verbesserung der Ausbildung und einen verbesserten Stellenschlüssel. Andreas Rummel ver-öffentlichte eine Vielzahl von Artikeln in Fachzeit-schriften, überwiegend aus den Bereichen Gesund-heits-, Kommunal- und Sozialpolitik, die sich durch große Praxisnähe auszeichneten. In der Lokalpresse (Lohrer Zeitung) nahm er immer wieder Stellung zu aktuellen kommunal- oder sozialpolitischen Fragen, aber auch als Zeitzeuge zu vielen heimat- und zeit-geschichtlichen Themen. Im Hinblick auf die Kran-kenpflege war eines seiner wichtigsten Publikations-organe „Die Sanitätswarte. Zeitschrift für das Personal in Kranken-, Pflege- und Irren-Anstalten, Kliniken, Sanatorien, Bade- und Massage-Instituten und Seebädern“, die unter redaktioneller Leitung von Emil Dittmer (1873-1953)è und anschließend von Emil Fritz (1895-1984)è von der Reichs-sektion Gesundheitswesen im Verband der Gemein-de- und Staatsarbeiter herausgegeben wurde. Neben den Fachzeitschriften „Die Gemeinde“ (Organ der Gemeindebeamten und –angestellten), „Die Quelle“ (Funktionszeitschrift des DGB), „Das ÖTV-Maga-zin“ und „Öffentlicher Dienst“ lieferte er auch wie-derholt Beiträge für die „Krankenhaus-Umschau. Zeitschrift für das gesamte Krankenhauswesen“ (Organ der Fachvereinigung der Verwaltungsleiter deutscher Krankenanstalten). Als äußeres Zeichen seiner Arbeit wurden Andreas Rummel eine Vielzahl von Ehrungen zuteil. So wur-de er am 20. April 1944 für seine vorbildliche Hal-tung als Soldat mit dem Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern dekoriert. Seine Verdienste in der Kom-munalpolitik wurden am 25. Mai 1961 durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande gewürdigt; am 6. Mai 1966 erhielt er das Bundes-verdienstkreuz Erster Klasse und im September 1970 verlieh ihm der bayerische Innenminister die Medaille für besondere Verdienste um die kom-munale Selbstverwaltung. Eine besondere Würdigung erfuhr Rummel am 25. Juni 1974, als ihn die Stadt Lohr zu ihrem Ehren-bürger ernannte. Am 25. Mai 1986 überreichte ihm der damalige SPD-Landesvorsitzende Dr. Rudolf Schöfberger die Georg von Vollmar-Medaille – die höchste Auszeichnung, die der Landesverband ver-gibt - für seinen lebenslangen Einsatz für die Ideale der Sozialdemokratie. In seinen letzten Lebensjahren wurde es zunehmend stiller um Andreas Rummel. Zwar bewahrte er sich seine geistige Frische bis ins hohe Alter, aber zunächst sein nachlassendes Augen-licht und dann auch noch sein schlechter werdendes Gehör isolierten ihn immer mehr von seiner Um-welt. Im Alter von 92 Jahren starb Andreas Rummel nach langer schwerer Krankheit in Lohr am 7. Mai 1988.

Literatur

Anderlohr, Karl: Sein Name stand für Demokratie und Mitmenschlichkeit. Andreas Rummel wurde heute vor 100 Jahren geboren. In: Main-Post, Nr. 1 vom 2. Januar 1996, Seite 30. Ehrenbürger Rummel wäre jetzt 100 Jahre alt. In: Neue Rundschau vom 3. Januar 1996. Krankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie Lohr am Main: Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 24. Oktober 2000. Lebenslangen Einsatz für die Ideale der Sozialdemokratie gewürdigt. Andreas Rummel mit der Georg von Vollmar-Medaille ausgezeichnet. In: Lohrer Zeitung. Heimatzeitung für Lohr am Main und Umgebung,104. Jg., Nr. 119 vom 27. Mai 1986, Seite 1. [Ohne Verfasser:] Im Dienste der Kranken [Andreas Rummel]. In: Das Ötv-Magazin, Nr. 4, April 1961, Seite 33. Rummel, Oskar (Lohr am Main): Schriftliche Mitteilungen an den Verfasser vom 16. Oktober 2000, 7. und 14. November 2000 sowie 20. März 2001; desgleichen mündliche Mitteilungen (Interview) vom 1. März 2001. Vor 100 Jahren wurde Andreas Rummel geboren. In: Lohrer-Echo vom 2. Januar 1996. Rummel, Andreas: Maßnahmen zur Eindämmung der Tuberkulose unter den religiösen Krankenpflegepersonen. In: Sanitätswarte 25 (1925) 8, Seite 113-116. Derselbe: Wiedereinführung des Achtstundentages in den städtischen Krankenpflegeanstalten Berlin. In: Sanitätswarte 25 (1925) 8, Seite 117-120. Derselbe: Neue Aufgaben für das Pflegepersonal in der offenen Geisteskrankenfürsorge. In: Sanitätswarte 27 (1927) 16, Seite 257-260. Derselbe: Grundsätzliches zur Ausbildung in der Kranken- und Irrenpflege“. In: Sanitätswarte 48 (1948), 11, Seite 47-48. Derselbe: Um die Anerkennung der Heil- und Pflegeanstalten in Bayern als allgemeine Krankenpflegeschulen“. In: Sanitätswarte 49 (1949) 1, Seite 5. Derselbe: Die Pflegeeinheit – der Schlüssel zur Dienstzeitregelung in den Heil- und Pflegeanstalten. In: Sanitätswarte 49 (1949) 4, Seite 28-29. Derselbe: Zur Frage der Anstaltsleitung. In: Sanitätswarte 50 (1950) 6, Seite 84. Derselbe: Nachtwachdienst, ein Problem in unseren Heil- und Pflegeanstalten. In: Sanitätswarte 51 (1951) 4, Seite 58. Derselbe: Die Aufgaben des Pflegepersonals in der Beschäftigungstherapie. In: Sanitätswarte 51 (1951) 8, Seite 122. Derselbe: Geistige Betreuung unserer Kranken in den Heil- und Pflegeanstalten. In: Sanitätswarte 51 (1951) 9, Seite 139-140. Derselbe: Hat die Arbeitszeitverordnung vom 13. Februar 1924 noch eine Existenzberechtigung? In: Sanitätswarte 52 (1952) 4, Seite 55-57. Derselbe: Gesundheitsüberwachung und Gesundheitsfürsorge für Pflege- und Wirtschaftspersonal. In: Sanitätswarte 52 (1952) 11, Seite 256. Derselbe: Gesundheitspersonal und Berufskrankheiten im Rahmen der Unfallversicherung. In: Sanitätswarte 53 (1953) 8, Seite 187-188. Derselbe: Fürsorgerische Betreuung der Kranken in den Heil- und Pflegeanstalten – ein Gebot der Stunde. In: Sanitätswarte 53 (1953) 10, Seite 256. Derselbe: Die Heil- und Pflegeanstalten in Bayern wieder als staatliche Krankenpflegeschulen anerkannt. In: Sanitätswarte 54 (1954) 4, Seite 101-102. Derselbe: Vorbeugende Gesundheitsfürsorge eine vordringliche Aufgabe. In: Sanitätswarte 55 (1955) 3, Seite 82-84. Derselbe: Material- und Wirtschaftskunde als Lehrfach im Krankenpflegeunterricht. In: ÖTV-Presse Sanitätswarte 8 (1956) 15, Seite 292-293. Derselbe: Widerstand gegen weitere Verkürzung der Arbeitszeit? In: ÖTV-Presse Sanitätswarte 9 (1957) 5, Seite 88-89. Derselbe: Können wir durch zweckmäßige Gestaltung der Dienstpläne die Dauer der Arbeitszeit beeinflussen? In: ÖTV-Presse Sanitätswarte 9 (1957) 17, Seite 328-329. Derselbe: Wie steht es um die stationäre Krankenhausversorgung in Bayern? In: ÖTV-Presse Sanitätswarte 10 (1958) 1, Seite 11-13 Derselbe: Die krankenpflegerische Versorgung in den Krankenhäusern. In: ÖTV-Presse Sanitätswarte 10 (1958) 4, Seite 79-81. Derselbe: Besteht für das Pflegepersonal Kost- und Wohnungszwang? In: ÖTV-Presse Sanitätswarte 10 (1958) 10, Seite 226. Derselbe: Die Ausbildung des Pflegepersonals. Über Erfahrungen mit neuen Methoden an bayerischen Krankenpflegeschulen. In: ÖTV Sanitätswarte 11 (1959) 5, Seite 116. Derselbe: Schwesternmangel und Schwesternvorschule. In: Krankenhaus-Umschau 28 (1959) 8, Seite 537-540. Derselbe: Krankenhaushelferin? In: Krankenhaus-Umschau 28 (1959) 12, Seite 802-806. Derselbe: Durchführung der 48-Stunden-Woche. In: Krankenhaus-Umschau 30 (1961) 4, Seite 163-165. Derselbe: Die Sozialversicherung für Lernschwestern sollte nicht länger umstritten sein. In: Das ÖTV-Magazin (1962) 2, Seite 43-44. Derselbe: Viele Wünsche sind im Krankenpflegeberuf noch unerfüllt. In: Das ÖTV-Magazin (1963) 7, Seite 43-44. Bildquelle: Privatarchiv Dr. Kolling, Bad Staffelstein.

RUMMEL, Andreas

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

H. Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von H. Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 244-246

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