fbpx
Jan 22, 2020 Last Updated 9:39 AM, Jan 14, 2020

Forschungswelten 2019

Save-the-date: Forschungswelten 2019! Vom 4.-5. April 2019 findet an der Hochsc...

Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Who was who in nursing history: RENNER, Georg
RENNER, Georg
Artikel von: H. Kolling
Erschienen in Band 3, Seite(n) 236-237.
 

Biographie

Er war Krankenpfleger und galt als „Gewerk-schaftsfunktionär alter Schule“. „Nur wenige Mitglieder unserer ÖTV [Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr] werden sich noch dieses Kollegen erinnern“, schrieb Emil Fritz (1895-1984)è im Jahre 1956 zu seinem 75. Geburtstag in der Sanitätswarte, „der zur gewerkschaftlichen Er-fassung des Personals im Gesundheitswesen ganz wesentlich beigetragen hat.“ Die Rede ist von Georg Renner, der am 17. März 1881 im polnischen Bunzlau (Boleslawiec) geboren wurde und später mit Margarete Renner, geborene Will, verheiratet war. Über seine Kindheit und Ju-gend ist nichts bekannt. Bis zum April 1903 arbei-tete er als Fahrer bei der Dresdener Straßenbahn. Anschließend kehrte er in seine Heimatstadt zurück und arbeitete als Hilfspfleger in der Provinzial-Irren-anstalt Bunzlau. 1904 trat er in den Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter ein und wurde in dem Ortsverein Schriftführer. Da er „Interesse an der Krankenpflege gewonnen“ hatte, ging er anschließend wieder nach Dresden zurück, wo er seit dem 15. Februar 1904 eine Anstellung als Pfleger im damaligen „Stadtirren- und Siechen-haus“ fand. Nach knapp zweijähriger Tätigkeit widmete er sich seit 1905 der „Privatpflege“. „Bald musste ich erfahren“, schreibt er 1954 in seinen Erinnerungen, „daß die Dresdener Ärzte, die Pri-vatpflege zu vergeben oder zu vermitteln hatten, mir stets vor anderen den Vorzug gaben, die nicht durch die Schule des Stadtirren- und Siechenhauses ge-gangen waren.“ Ein Jahr später wechselte er dann in ein Sanatorium in Aue (Erzgebirge), um als Sta-tionspfleger in der Männerabteilung und im Opera-tionssaal zu arbeiteten. Die jämmerliche wirtschaftliche und soziale Lage und die schlechte Ausbildung des Pflegepersonals veranlassten ihn, nachdem er am 1. Januar 1905 Mitglied im Verband der Gemeinde- und Staats-arbeiter geworden war, Pflegerinnen und Pfleger zur gewerkschaftlichen Organisation aufzurufen. Mit Leidenschaft setzte er sich dabei für eine Ver-besserung der Verhältnisse in diesem Beruf ein und trat publizistisch in der „Sanitätswarte“ sehr stark hervor. Hierbei machte er nie ein Hehl aus seiner Meinung, „dass gerade die Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger eine Besserung der wirtschaft-lichen und sozialen Lage nur auf der gewerkschaft-lichen Ebene erreichen können“. Seine erfolgreiche gewerkschaftliche Tätigkeit in Dresden und darüber hinaus veranlassten den Ver-bandsvorstand der Gemeinde- und Staatsarbeiter Berlin, ihn am 16. Mai 1907 als Sekretär im Vor-stand für die „Reichssektion Gesundheitswesen“ an-zustellen. Zunächst wurde ihm die Führung des Zen-tralnachweises für das Krankenpflege-, Bade- und Massagepersonal und die Betreuung der im Reichs-gebiet verstreuten Einzelmitglieder übertragen. Nach dem Münchener Verbandstag der Gemeinde- und Staatsarbeiter 1912 wurde er zunächst Hilfs-redakteur, dann seit Dezember 1918 Redakteur der Sanitätswarte, die in Berlin zur damaligen Zeit von Emil Dittmer (1873-um 1953)è seit 1906 und ab Mitte Mai 1924 als dritten Mann von Emil Fritz be-treut wurde, und nahm in zahlreichen Beiträgen zu den Problemen des Pflegepersonals aus gewerk-schaftlicher Sicht Stellung. Über die Eigenschaften des Krankenpflegepersonals schreibt er beispielsweise in dem Beitrag „Grund-sätzliches zur Ausbildung des Krankenpflegeper-sonals“, der am 23. Oktober 1925 in Die Sanitäts-warte erschien, und in dem er sich kritisch mit einem Artikel von Marie Cauer (1861-1950)è auseinan-dersetzt, den diese zuvor in der Zeitschrift „Unterm Lazaruskreuz“ veröffentlicht hatte, unter anderem: „Die Krankenpflegerin und der Krankenpfleger wol-len nicht Aschenbrödel in der menschlichen Gesell-schaft sein, sondern in ihr eine sozial und moralisch hochgeachtete Stellung einnehmen. Um diese zu er-ringen, muß die Krankenpflegeperson in ihrem Berufe Großes leisten können. Sie muß neben der körperlichen Tauglichkeit auch die seelische und intellektuelle Eignung für den Beruf von vornherein mitbringen. Das heißt, sie muß Luft und Liebe zum Beruf, Mitgefühl und Hingabe für die Kranken, also für die Ethik der Krankenpflege das notwendige Ge-fühl im reichen Maße haben und bis zur höchst-notwendigen Grenze die notwendige Schulung besit-zen, um den Beruf voll und ganz auszufüllen. Diese Eigenschaften müssen dann durch systematische Be-rufsschulung vervollkommnet und veredelt werden.“ In dem Beitrag: „Wir fordern erneut zweijährige Ausbildung in der Krankenpflege als Grundlage für das gesamte Gesundheitswesen“, der in der Sanitäts-warte am 29. Januar 1926 erschien, schreibt er unter anderem: „Wir haben nicht nur erreicht, daß fast alle deutschen Länderregierungen, wenn auch unzuläng-liche, so aber doch Ausbildungs- und Prüfungsvor-schriften erlassen haben, sondern was sonst noch erfreulich ist: durch unsere jahrelangen unaufhör-lichen Diskussionen dieser Frage haben wir den größten Teil der Aerzte, die sonst offene oder ver-steckte Gegner einer Ausbildung des Pflegeper-sonals waren, überzeugt, daß eine gründliche Aus-bildung der ärztlichen Hilfspersonen durchaus not-wendig ist. Vor allen Dingen ist aber erreicht worden, daß endlich auch für männliche Pflege-personen überhaupt staatliche Ausbildungsmöglich-keiten mit staatlicher Abschlussprüfung eingerichtet worden sind.“ In seinem Beitrag „Wir fordern ein Reichskran-kenpflegegesetz!“, den die Sanitätswarte am 2. Sep-tember 1926 veröffentlichte, referierte er zunächst über die damalige Ausbildungssituation des Pflege-personals in Deutschland, um dann die Forderung seiner Gewerkschaft auf den Punkt zu bringen: „Diesem Durcheinander setzen wir die Forderung nach einem Reichskrankenpflegegesetz entgegen, das die staatliche Ausbildung und Prüfung des gesamten ärztlichen Hilfspersonals (worunter wir auch die Hebammen, Wöchnerinnen- und Säuglings-pflegerinnen verstehen), einheitlich und obligato-risch, d.h. mit zwingender Kraft regelt. Dieses Ge-setz muß für das gesamte ärztliche Hilfspersonal eine grundlegende Ausbildung in allgemeiner Kran-kenpflege von zwei Jahren mit staatlicher Abschluss-prüfung vorschreiben.“ Die gewerkschaftliche Tätigkeit von Georg Renner wurde 1933 durch die Zerschlagung der Gewerk-schaften jäh unterbrochen. Während der nationalso-zialistischen Gewaltherrschaft fand er in Ringelheim am Harz ein bescheidenes Tätigkeitsfeld in einem Sanatorium. Nach 1945 konnte er infolge seines vorgerückten Alters nicht mehr hauptamtlich tätig werden, wirkte aber weiterhin ehrenamtlich sehr ak-tiv in der ÖTV mit. Seit 1952 lebte Georg Renner in Bad Grund (Harz), wo er am 27. März 1962 starb und beigesetzt wurde.

Literatur

Fritz, [Emil]: Georg Renner [zum 70. Geburtstag]. In: Sanitätswarte, 51 (1951), Nr. 7, Seite 105. Fr[itz], [Emil]: Georg Renner 75 Jahre alt. In: ÖTV-Presse. Sanitätswarte, 8 (1956), Nr. 9, Seite 169. Samtgemeinde Bad Grund (Harz). Der Samtgemeindebürgermeister: Mitteilung an den Verfasser vom 20. Februar 2003. Renner, G[eorg]: Erste Hilfe bei Unglücksfällen im Gewerbebetrieb. In: Die Sanitätswarte, 25 (1925), 1, Seite 8-10. Grundsätzliches zur Ausbildung des Krankenpflegepersonals. In: Die Sanitätswarte, 25 (1925), 22, Seite 337-340. Die ärztliche Wissenschaft und das Pflegepersonal. In: Die Sanitätswarte, 26 (1926), 1, Seite 9-12. Reichsfachkommission der Reichssektion Gesundheitswesen. In: Die Sanitätswarte, 26 (1926), 1, Seite 21-24. Wir fordern erneut zweijährige Ausbildung in der Krankenpflege als Grundlage für das gesamte Gesundheitswesen. In: Die Sanitätswarte, 26 (1926), 3, Seite 41-44. Wie soll die Ausbildung der Säuglingspflegerinnen sein? In: Die Sanitätswarte, 26 (1926), 15, Seite 255-256. Wie lang soll die Ausbildungszeit der Säuglingspflegerinnen sein? In: Die Sanitätswarte, 26 (1926), 17/18, Seite 294-296. Wir fordern ein Reichskrankenpflegegesetz! In: Die Sanitätswarte, 26 (1926), 19, Seite 319-320. Die Tagung des Gutachterausschusses in Wien und seine Richtlinien über Schutz-, Dienst- und Arbeitskleidung des Krankenpflegepersonals. In: Die Sanitätswarte, 26 (1926), 26, Seite 445-448. Besprechung der Infektionsgefahren und der Ausbildung auf der Tagung des Gutachterausschusses in Wien. In: Die Sanitätswarte, 27 (1927), 1, Seite 5-9. Die Unfallversicherung in Kranken- und Pflegeanstalten. In: Die Sanitätswarte, 27 (1927), 18, Seite 289-290. Eine Denkschrift zur Arbeitszeit im Gesundheitswesen. In: Die Sanitätswarte, 27 (1927), 7, Seite 105-108. Wintersonnenwende – Weihnachten / Sozialismus. In: Die Sanitätswarte, 27 (1927), 25/26, Seite 393-394. Mit verstärkter Kraft. In: Sanitätswarte, 30 (1930), 1, Seite 1-2. Ostern und das Gesundheitspersonal. In: Sanitätswarte, 30 (1930), 8, Seite 121-122. Vorschläge zu einem Reichshebammengesetz. In: Sanitätswarte, 30 (1930), 9, Seite 141-143. Denkschrift zur gesetzlichen Regelung der Ausbildung des Bade- und Massagepersonals. In: Sanitätswarte, 30 (1930), 10, Seite 153-156. Wie sind bettnässende Kranke in den Heil- und Pflegeanstalten zu behandeln?. In: Sanitätswarte, 30 (1930), 11, Seite 179-180. Das berufsmäßig tätige Heil- und Pflegepersonal im Deutschen Reich. In: Sanitätswarte, 30 (1930), 14, Seite 225-228. 4. Sitzung der Reichsfachkommission Gesundheitswesen. In: Sanitätswarte, 30 (1930), 18, Seite 289-294. Geisteskrankenpfleger ausgerüstet mit Revolver und Stangen? In: Sanitätswarte, 30 (1930), 25/26, Seite 401-402. Verwaltungs- und Wirtschaftspersonal im Gesundheitswesen. In: Sanitätswarte, 50 (1950), 1, Seite 10-11. Ein altes Problem – Die Gleichberechtigung in der Krankenpflege. In: Sanitätswarte, 50 (1950), 12, Seite187. Gedanken zum 1. Mai. In: Sanitätswarte 52 (52), 5, Seite 67. Finanznot der Krankenhäuser bringt Menschenleben in Gefahr. In: Sanitätswarte, 52 (1952), 9, Seite 203. Krankenschwestern als Lebensretterinnen schlecht belohnt. In: Sanitätswarte, 52 (1952), 12, Seite 294-295. [Nachruf] Paul Schulz, Leiter der ehemaligen Reichssektion Gesundheitswesen. In: Sanitätswarte, 53 (1953), 3, Seite 56-57. Erinnerungen eines alten Krankenpflegers. In: Sanitätswarte, 54 (1954), 1, Seite 10-12 [Teil 1]; 54, (1954), 2, Seite 42-44 [2. Teil]; 54 (1954), 3, Seite 76-78 [Teil 3]; 54 (1954), 4, Seite 106-107 [Teil 4]; 54 (1954), 5, Seite 138-139 [Teil 5 und Schluss]. Die „Sanitätswarte“ im Wandel der Zeiten. In: ÖTV-Presse. Sanitätswarte, 8 (1956), 9, Seite 172-173.

RENNER, Georg

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

H. Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von H. Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 236-237

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=690

Statistik

Who was who: Liste aller Einträge

datenbankbanner 2