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Lernwelten 2018

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Who was who in nursing history: RENDU, Johanna Maria
RENDU, Johanna Maria
Artikel von: H. Kolling
Erschienen in Band 3, Seite(n) 234-235.
 

Biographie

Sie ging als „die große Wohltäterin von Paris“ in die Geschichte ein, Schwester Rosali, wie Johanna Maria Rendu, die Vorsteherin eines Vinzen-tinerinnenklosters in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, meist ge-nannt wurde. Sie wurde am 8. September 1787 in Comfort, einem kleinen französischen Dorf am Fuße des Juragebirges im Departement Ain geboren. Ihre Eltern, fromme und überzeugungstreue Katholiken, gehörten der alten Bourgeoisie, dem Bürgertum, an und legten großen Wert auf patriarchalische Sitten und Einfachheit trotz bedeutenden Reichtums. Be-reits als Kind soll Johanna Maria eine große Vor-liebe für Arme und Kranke gezeigt haben. In ihrem kindlichen Leichtsinn hätte sie beinahe den in ihrem Elternhaus unter dem Namen des Knechtes Pierre verborgenen Bischof von Annech verraten; sie wur-de aber noch rechtzeitig über die politischen Ver-hältnisse jener Zeit aufgeklärt und lernte ihn per-sönlich kennen, als einige Tage später ihr Vetter, der Bürgermeister von Annech, erschossen wurde, weil er die Reliquien des heiligen Franz von Sales (1567-1622)è nicht zur Verbrennung ausliefern wollte. Ausgestattet mit den Tugenden ihrer Mutter – Bescheidenheit, Sanftmut und Herzensgüte – genoss Johanna Maria mit ihren beiden jüngeren Schwe-stern eine sorgfältige Erziehung und Bildung. Wenn-gleich sie bei den Ursulinen in die Schule ging, fühlte sie sich nicht im geringsten zu diesem Lehr-orden hingezogen. Ich Herz sehnte sich vielmehr zu den Kranken ins Spital, zu den Armen, den Hun-gernden und Frierenden, die auf der Straße und den Gefängnissen dahinstarben. So verlies die kaum Fünfzehnjährige die Schule. Nach einem Besuch in einem Spital stand für Jo-hanna Maria der Entschluss fest: am 25. Mai 1802 trat sie zusammen mit ihrer älteren Freundin Jacqui-not in Paris ins Kloster der Vinzentinerinnen ein, wo sie alsbald nach der Gelübdeablegung wegen ihrer weitbekannten werktätigen Nächstenliebe hoch ge-achtet war. Ihr segensreiches Wirken begann sie in der damaligen Pariser Vorstadt Saint Marceau, die zeitgenössisch „der vollendetste Typus des Leidens und sozusagen die Heimat des physischen und moralischen Elends“ bezeichnet wurde. Zunächst als einfache Schwester und später als Oberin (1815) nahm Schwester Rosalie, wie Johanna Maria seit ihrer Einkleidung genannt wurde, den Kampf gegen das Elend auf. Dabei gingen ihr die Leiden der Armen und Kranken so nahe, als wären es ihre näch-sten Angehörigen. Zur Linderung der vielfältigen Not gründete sie in ihrer mehr als 50 Jahre währenden Arbeit unter anderem eine Pflegeeinrichtung für Säuglinge armer Arbeiterfrauen, ein Waisenhaus, eine Armenküche, eine Nähschule für junge Mädchen, Horte für Jungen, einen Verein für Fortbildung und Schutz aus der Schule entlassener Mädchen sowie ein Asyl für Greise (Altenheim) und betagte Frauen mit an-schließendem Spital (Altenpflegeheim). Darüber hinaus – und dieser Aspekt erscheint unter pflegehi-storischer Betrachtung besonders beachtenswert – war es ihr gelungen, Mitglieder fast aller Schichten für die Kranken- und Armenpflege zu interessieren, die von ihr bis ins Einzelne genau organisiert wurde. Ihre Werke ihrer Barmherzigkeit waren sehr viel-fältig: 1814 rettete sie einem vom russischen Kriegsgericht in Paris zum Tode verurteilten Solda-ten, war sehr häufig Ratgeberin und Helferin anderer weiblicher Genossenschaften, stand Ratsuchenden aller Schichten mit Rat und Tat zur Seite und ver-mittelte Frieden, wo immer es notwendig war. In den Pariser Straßenwirren der Juli- und der Februar-revolution der Jahre 1830 und 1848, von denen letztere allein in Paris 4.000 Tote forderte, rettete sie manchem von der Volkswut Verfolgten wie auch manchem kompromittierten Revolutionär das Leben und bot den verfolgten Geistlichen und Ordensleuten eine sichere Unterkunft. Als ein „wahrer Engel“, der unermüdlich Kranke pflegte und Sterbende betreute, wird sie in den Jahren 1832 und 1849 be-schrieben, in denen die Cholera wütete und allein in der Vorstadt Saint-Marceau täglich an die 150 Opfer forderte. Schwester Rosalie und ihre Gefährtinnen waren damals unentwegt damit beschäftigt, den Leidenden beizustehen. Der Überlieferung nach hat-ten sie wochenlang keine Minute Zeit, sich umzu-kleiden, sich zu den Mahlzeiten niederzusetzen, noch des Nachts zu Bett zu gehen. Wenn der Schlaf und die Müdigkeit sie übermannte, sanken sie an-geblich zu Boden und schliefen nur für einige Minu-ten ein, bis wieder irgend ein Sterbender sie rief. Schwester Rosalie ging dabei von einem Kranken-lager zum anderen. Sie war es auch, die ihren Mit-schwestern stets neuen Mut zusprach, ihnen immer wieder besonnene Ruhe zeigte, und so gut es ging für ihr leibliches Wohl sorgte. Im Laufe der Jahre wurde Schwester Rosalie eine solche Autorität auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege und Armenfür-sorge, dass in ganz Paris nichts mehr ohne ihren Rat geschah; gleichzeitig wurde ihr nichts abgeschlagen, was sie zum allgemeinen Wohl für nötig fand. Zweifelsohne war sie in der Caritas der franzö-sischen Landeshauptstadt der damaligen Zeit eine zentrale Figur, ohne die buchstäblich „nichts lief“. So spielte sie auch eine bedeutende Rolle bei den von Antoine-Frédéric Ozanam (1813-1853)è ge-gründeten Vinzenz-Konferenzen. Leon Aubineau, ein Vinzenz-Bruder, berichtete 1856, dass Schwester Rosalie unter anderem die er-sten Familien benannte, die besucht wurden. Ein Zweigverein wurde in ihrer Pfarrei sofort gegründet und sie überwachte die Entwicklung der Neu-gründung mit lebhafter Teilnahme. Am 18. März 1854 empfing Schwester Rosalie den hohen Besuch von Kaiser und Kaiserin; letzte stellte dabei auf ihre Bitten das von ihr errichtete Asyl, dessen Übergang in weltliche Hände bereits be-schlossene Sache war, unter die Leitung der barm-herzigen Schwestern. Im selben Jahr (1854) verlieh ihr, wenngleich widerstrebend, Napoleon III. für ihre hervorragenden wohltätigen Werke auch das „Kreuz der Ehrenlegion am roten Bande“. Trotz der allge-meinen Freude vertrat sie den Standpunkt, das Eh-renzeichen passe nicht zu einer Krankenschwester und weigerte sich, es anzulegen. In den fünfzig Jahren, in denen sie mit unermüd-licher Geduld und Sorgfalt die Armen und Kranke pflegte oder deren Versorgung organisierte, war Ro-salie selten ganz gesund. Sie hatte von Jugend an Herzschmerzen und das Gehen war ihr äußerst be-schwerlich; oft war sie monatelang an ihre Zelle ge-fesselt. Einige Jahre vor ihrem Tode befiel sie ein schweres Augenleiden. Im Oktober 1855 unterzog sich Rendu schließlich einer erfolglosen Starope-ration. Wenngleich sie gegen Ende ihres Lebens für drei Monate erblindete, blieb sie bis dahin treu im Dienste der Karitas. Nach kurzer Krankheit starb Schwester Rosalie am 7. Februar 1856 in Paris. Am Begräbnis (9. Februar) der „hervorragende Vin-zentinerin” auf dem Friedhof Mont-Parnasse, bei dem der Bürgermeister des zuständigen Bezirks die Grabrede hielt, beteiligten sich hochgestellte Persön-lichkeiten und eine große Volksmenge. Der einfache Grabstein der „Lehrmeisterin der Caritas“, wie Rendu auch genannt wurde, trug die kurze, bezeich-nende, inhaltsreiche Überschrift: „Der guten Mutter Rosalie gewidmet von ihren dankbaren Freunden, den reichen und den armen“. Ein Jahr nach ihrem Tode wurde mit Erlaubnis von Kaiser Napoleon und auf Bitten der Bevölkerung eine Marmorbüste von ihr im Rathaus des XII. Bezirks von Paris aufge-stellt. Fünfzehn Jahre hindurch blieb diese Büste der Stolz und die Zierde der Region, während sich das Lebenswerk von Rosalie weiter entwickelte. Kurze Zeit später wurde im Zuge der französischen Revo-lution eine Ordensgemeinschaft nach der anderen vertrieben, bis auch das Kloster der Vinzenz-schwestern und die in im lebenden Menschen an die Reihe kamen.

Literatur

Allemang, G.: Johanna Maria Rendu. In: Lexikon für Theologie und Kirche. Zweite, neubearbeitete Auflage des Kirchlichen Handlexikons. Herausgegeben von Michael Buchberger. Achter Band. Herder. Freiburg im Breisgau 1936, Seite 826. Balzac, Honoré de: Rosalie. A.-G. Nizet. Paris 1978. Bernarda, Maria: Männer und Frauen der Charitas. 2. Schwester Rosalie, eine Tochter des hl. Vincenz von Paul. In: Charitas. Zeitschrift für die Werke der Nächstenliebe im katholischen Deutschland, 4. Jg., Nr. 4, April 1899, [1. Teil] Seite 81-84, [2. Teil und Schluß] Nr. 5, Mai 1899, Seite 105-107. Danemarie, Jeanne: A travers trois Rèvolutions. Sœur Rosalie Rendu. Fille de la Charit 1786-1856. Plon. Paris 1947. Frentz-Gemmingen, Gabriele von: Eine Lehrmeisterin der Caritas. Hermann Rauch. Wiesbaden 1923. Lexikon der Frau in zwei Bänden. Band II. Encyclios. Zürich 1954, Seite 1033. Schmitz, Erich: Gemeinschaft der Vinzenz-Konferenzen Deutschlands. In: Caritas ´88. Jahrbuch des Deutschen Caritasverbandes. [Selbstverlag]. Freiburg 1987, Seite 248-252. Wetzer und Welte´s Kirchenlexikon oder Encyklopädie der katholischen Theologie und ihrer Hülfswissenschaften. Zweite Auflage. Begonnen von Joseph Hergenröther, fortgesetzt von Franz Kaulen. Zehnter Band. Herder. Freiburg im Breisgau 1897, Seite 1269-1271. Bildquelle: Frentz-Gemmingen, Gabriele von: A.a.O., Seite 2.

RENDU, Johanna Maria

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

H. Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von H. Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 234-235

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Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=689

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