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Jun 04, 2020 Last Updated 11:41 AM, May 20, 2020

Who was who in nursing history: RENATA von Bayern
RENATA von Bayern
Artikel von: H. Kolling
Erschienen in Band 3, Seite(n) 233-234.
 

Biographie

In der bayerischen Herzogin Renata – „ein Tugend-spiegel aller Fürstinnen, das Kleinod von Europa, ein ungemein herrlicher Glanz der christlichen Kirche“ - fand die heilige Landgräfin Elisabeth von Thüringen (1207-1231)è eine würdige Nachfolge-rin unter den Fürstinnen Deutschlands. Sie war die Tochter von Herzog Franz I. von Lothringen (Frank-reich) und seiner Ehefrau, der Herzogin Christiene, und wurde am 20. April (oder August) 1544 wahr-scheinlich in Nancy ge-boren. Über ihre Kind-heit und Jugend liegen so gut wie keine Informa-tionen vor. Bekannt ist lediglich, dass sie eine schwächliche Gesundheit hatte und einmal so schwer krank war, dass die Ärzte sie aufgaben. Im Falle ihrer Genesung gelobte sie eine Wallfahrt nach Maria Loreto in Oberitalien. Der Legende nach verfiel sie daraufhin in einen todesähnlichen Schlaf. Nachdem sie von diesem wieder erwachte, sollen ihre ersten Worte gewesen sein: „Gloria tibi, Domine!“ („Ehre sei dir, o Herr!“). Von da an betrachtete sie die Ver-herrlichung Gottes als ihre wichtigste Lebensauf-gabe. Gewiss ist hingegen, dass die jugendliche Fürstin, die in Lothringen und den Niederlanden aufgewach-sen und katholisch erzogen worden war, eine vor-treffliche Erziehung und sehr gediegene Schulbil-dung genoss; beispielsweise beherrschte sie neben ihrer Muttersprache (französisch) auch die deutsche, lateinische und italienische Sprache in Wort und Schrift und war in Kunst und Wissenschaft gut bewandert. Im Alter von 24 Jahren, am 22. Februar 1568, hei-ratete sie den vier Jahre jüngeren Herzog Wilhelm V. von Bayern. Beim Einzug in München hatte sie ihren eigenen Hofstaat mitgeführt, darunter 53 Frau-en; ferner ihren persönlichen Hofmarschall, Stall-meister, Arzt, Wundarzt, Apotheker, Pfennigmeister usw.; ihr Marstall umfasste 196 Pferde und Mauesel. Die Trauung nahm einer der bedeutendsten Kirchen-fürsten jener Zeit, Kardinal Otto von Truchsess, Bi-schof von Augsburg, vor. Die prächtigen Trauungs-feierlichkeiten sind mehrfach besungen und be-schrieben worden. Zwei gleichgesinnte, von lebendi-gem Glauben beseelte Menschen hatten sich die Hand zum Bund fürs Leben gegeben. Herzog Wilhelm, den die spätere Zeit mit Recht wegen seiner außergewöhnlichen Frömmigkeit mit dem Beinamen „Der Fromme“ zierte, war wohl das Idealbild eines christlichen Fürsten. Nicht Herrscher, sondern Vater seiner Landeskinder wollte er sein. Dabei war Wilhelm den nüchternen Anforderungen in einem finanziell maroden Herrschaftsgebiet kaum gewachsen. In Renata hatte der edle Fürst freilich eine gleichgesinnte Gemahlin gefunden. Sie wettei-ferte mit ihrem Ehemann in den Werken der Barm-herzigkeit und ging unermüdlich die Wege der Kari-tas. Renata schenkte zehn Kindern das Leben (unter anderem Maximilian I., dem späteren Kurfürsten), von denen vier vor Erlangung des 12. Lebensjahres starben. Sie war nicht nur ihren Kindern eine liebe-volle Mutter, sondern auch der bayerischen Bevöl-kerung, das sie wegen ihrer Frömmigkeit und Werke der Nächstenliebe alsbald wie eine Heilige verehrte. Der größte Teil ihres Einkommens ließ sie den Ar-men zukommen. „Gib nur, solange du noch einen Kreuzer hast“, pflegte sie zur Almosenverteilerin zu sagen. Sie beschäftigte eigene Personen, die an ihrer Stelle die Armen und Kranken in- und außerhalb der Stadt aufsuchen und sich erkundigen mussten, was denselben am Nötigsten mangele; darauf wurde ihnen das Fehlende – insbesondere Nahrung, Klei-dung und Arzneimittel – gegeben. Unzählige Be-drängte sollen zur Herzogin ihre Zuflucht genom-men haben. War sie nicht imstande überall zu hel-fen, so berichtet die Überlieferung, so tröstete sie wenigstens die Unglücklichen liebevoll und mütter-lich, so dass auch solche zufrieden von ihr gingen. Gleichwohl eilte sie oft auch persönlich an die Betten der Kranken, wobei ihr keine Hütte zu gering war. Das Notwendigste brachte sie zuweilen selbst, anderes schickte sie durch ihre Dienerschaft. Sie spendete auch namhafte Summen, damit eltern-lose Jungen gut erzogen wurden und ein ehrsames Handwerk erlernten. Als nach 18-jähriger Herrschaft Wilhelm V. im Jahre 1597 zugunsten seines Sohnes Maximilian die Regentschaft niederlegte, zog sich das Herzogspaar in die Münchener Maxburg zurück, wo es die letzten Lebensjahre ganz dem Dienste Gottes und den Werken der Nächstenliebe weihte. Renata führte von nun an ein Leben wie eine Klo-sterfrau. Wo immer möglich, suchte sie ihren Glau-ben durch Ausübung leiblicher und geistiger Werke der Barmherzigkeit zu leben. So spielte sich ihr Leben jetzt ganz zwischen Gängen zum Gottesdienst und Besuchen in Krankenhäusern und Armenstuben ab. Sie gab fast ihr ganzes Vermögen für karitative Einrichtungen aus und stiftete unter anderem das Elisabeth-Spital in München zur Erinnerung an die von ihr sehr verehrte Elisabeth von Thüringen. Wäh-rend ihrer letzten sieben Jahre (von 1595 an) ver-sorgte Renata zudem 72 arme Frauen mit allem Not-wendigen; täglich durften zwölf von ihnen abwech-selnd bei ihr essen, wobei sie ihnen angeblich die Speisen selbst vorsetzte und so liebevoll bediente, dass sich anwesende Personen der Tränen nicht ent-halten konnten. Wie die Legende erzählt, gönnte sich Renata hingegen selbst – gleich dem heiligen Aloysius von Gonzaga (1568-1591)è - nur das Not-wendigste und lebte so enthaltsam, dass die Ärzte sich wunderten, wie sie bei so wenig Nahrung das Leben fristen konnte. Außer den Armen widmete sich Renata besonders den Kranken, die sie nun selbst in den Spitälern aufsuchte. Gleichzeitig unterstützte sie ihren Mann bei der Gründung des Rochuspilgerhauses, eines Waisenhauses und des Herzogspitals. Letzteres wur-de zwar schon 1555 gestiftet, doch erst von Wilhelm V. und Maximilian I. im Jahre 1601 vollendet, wo-bei Renata zu diesem Zweck die damals bedeutende Summe von 20.500 Gulden spendete. Solange sie lebte, hörte die sie nach dem Vorbild ihrer Wahlheiligen, der heiligen Elisabeth, nicht auf, den Unglücklichen aller Art in Liebe zu dienen. Her-zog Wilhelm konnte nicht ohne Berechtigung sagen: „Will man die Liebe malen, so muss man das Portrait der Herzogin anfertigen; denn in ihr sind alle vom Apostel angegebenen Eigenschaften der Liebe vereint.“ Mehrere Jahre vor ihrem Tode war Renata immerfort kränklich, insbesondere das letzte halbe Jahr ihres Lebens, in welchem ihre Körper-kräfte rapide abgenommen hatten. Nach einer letzten Wallfahrt nach Altötting und nach Ebersberg er-krankte Renata von Bayern und starb in München am 22. Mai 1602. Herzog Wilhelm ließ seine Frau in der Gruft unter dem Hochaltar in der von ihm 1583 erbauten Michaelskirche in München beisetzen. Das bayerische Volk betrauerte und verehrte sie am Grab wie eine große Heilige; sie wurde aber nie kano-nisiert.

Literatur

Crignis-Mentelberg, Anna de: Herzogin Renata, die Mutter Maximilians des Großen von Bayern. Herder. Freiburg im Breisgau 1912. Kosch, Wilhelm: Das Katholische Deutschland. Biographisch-bibliographisches Lexikon. Literarisches Institut von Haas und Grabherr. Augsburg 1933, Seite 3906. Lang, B.: Renata von Bayern. In: Lexikon für Theologie und Kirche. Zweite, neubearbeitete Auflage des Kirchlichen Handlexikons. Herausgegeben von Michael Buchberger. Achter Band. Herder. Freiburg im Breisgau 1936, Seite 825. Lexikon der Frau in zwei Bänden. Band II. Encyclios. Zürich 1954, Seite1032. Rathgeber, Alphons M.: Heiligenlegende. Lebensbilder edler Menschen und heiliger Gottesfreunde. Dritte Auflage. Deutscher Haus-Buchverlag. Nürnberg 1936, Seite 454-456. Schauber, Vera / Schindler, Hanns Michael: Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf. Aktualisierte Neuauflage. Pattloch. München 2001, Seite 243-244. Bildquelle: Rathgeber, Alphons M.: A.a.O., Seite 455.

RENATA von Bayern

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

H. Kolling . (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von H. Kolling , in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 233-234

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