fbpx
Jan 22, 2020 Last Updated 9:39 AM, Jan 14, 2020

Forschungswelten 2019

Save-the-date: Forschungswelten 2019! Vom 4.-5. April 2019 findet an der Hochsc...

Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Who was who in nursing history: REIS, Alice
REIS, Alice
Artikel von: U. Füsser
Erschienen in Band 3, Seite(n) 232-233.
 

Biographie

Alice Reis arbeitete als Krankenschwester. Sie wude wegen ihrer jüdi-schen Abstammung am 9. August 1942 im Konzen-trationslager Auschwitz getötet. Alice Reis wurde am 17.9.1903 in Berlin ge-boren. Ihre Eltern Fran-ziska, geb. Kaufmann und Martin R. gehörten der mosaischen Glaubensge-meinschaft an. Über die Kindheit und Jugend exi-stieren keine Quellen. Die ersten Dokumente stam-men aus dem Jahr 1927 und erwähnen die Berufs-tätigkeit als Sekretärin und Lernschwester in einer chirurgisch-orthopädischen Klink in Erfurt. In den Städtischen Krankenanstalten Mannheim setzte sie ihre Krankenpflegeausbildung fort. Dort legte sie im September 1927 das staatliche Examen mit der Note „Sehr gut" ab. Anschließend arbeitete sie bei der Ortskrankenkasse Darmstadt. Zwischen 1928 und 1930 erteilte ihr Alfred Schüler, Kaplan in Darmstadt, auf ihre Bitte hin Unterricht in katholischer Religion. Ihr Wunsch, die Taufe in der Abtei Beuron zu empfangen konnte am 27. De-zember 1930 erfüllt werden. Im Taufbuch der Abtei findet sich ein Hinweis auf die Zeugen: Dr. med. Mathilde Wißler und Dr. phil. Edith Stein (1891-1942)?, die spätere Karmelitin Schwester Teresia Benedicta vom Kreuz. Bedingt durch den Wechsel zum katholischen Glau-ben und auf Druck seiner Familie löste der jüdische Verlobte von Alice Reis die Verbindung. Sie rea-gierte mit einem Schock und verbrachte als Patientin längere Zeit im Mathildenhospital. Die tief religiöse Alice Reis kündigte 1932 ihre Stel-lung bei der Ortskrankenkasse. Mehrmals versuchte sie den Eintritt in verschiedene Klostergemein-schaften, auch bei den Schwestern vom Guten Hirten. In die Niederlassung Leiderdorp (Nieder-lande) trat sie am 12.1.1934 ein und nahm, aus Ver-ehrung für Edith Stein, den Namen Schwester Bene-dicta an. Gesundheitliche Probleme, die junge Schwester litt an Asthma bronchiale, verhinderten die Weiterfüh-rung des Noviziates. Nach dem Austritt erhielt Alice Reis eine Anstellung als Krankenschwester im Haus der Schwestern in Bloemendaal. Eine Rückkehr nach Deutschland war unmöglich, da die Juden-verfolgung immer mehr voran schritt. Auch in den Niederlanden wurde nach der Besetzung durch deut-sche Truppen der Aufenthalt immer gefährlicher. Alice Reis erhielt die Aufforderung Bloemendaal zu verlassen. Die Schwestern vom Guten Hirten ermög-lichten ihr 1940 Arbeit und Aufenthalt in ihrem Schwesternhaus in Almelo. Doch auch hier musste sie Befragungen der Behörden ertragen. In einem Brief des „Joodsche Raad“ teilte man ihr mit, dass alle deutschen Juden im Ausland für staatenlos er-klärt seien. 1941 bat Alice Reis um die Aufnahme in den Karmel von Nijmegen. Ihr Antrag wurde abge-lehnt, da sie keine ausreichende Mitgift besaß und ihr schwächlicher Gesundheitszustand ein Hindernis darstellte. Ab 1942 musste Alice Reis den gelben Stern tragen. In einem Hirtenbrief der katholischen Bischöfe, der am 26. Juli 1942 verlesen wurde, wandten sich die Bischöfe gegen den unmenschlichen Umgang mit den Juden und Zwangsarbeitern. Einen Tag später erfolgte aufgrund einer Sondersitzung des Reichs-kommissars der Befehl zur Ermordung der 722 zum katholischen Glauben konvertierten Juden in den Niederlanden. Am 2. August 1942 fand eine Groß-razzia statt, bei der auch Alice Reis verhaftete wur-de. In einem Brief wird die Verhaftung geschildert: „Noch keine Woche später - am 2. August 1942 - erschien in der Frühe um 5.00 Uhr ein Auto der SS. Schwester Oberin, die inzwischen verstorbene Schwester Assistentin und Schwester Magdalena wurden ins Sprechzimmer gerufen und man hat zwei volle Stunden hin und her gesprochen - wegen Schwester Alice. Wir sollten sie herausgeben und weigerten uns. Schwester Alice war leidend, Asthma. Es half nicht. Um 7.00 Uhr musste Schwester Mag-dalena zu Schwester Alice gehen und ihr das Ent-setzliche mitteilen...Als sie hörte, dass sie ‚gefordert’ wurde, schrie sie voll Entsetzen auf: ‚Nein, nein, nein!’ Sie warf sich gegen die Wand und schrie stets wieder ‚Nein!’ Schwester Magdalena hatte es recht schwer sie zu überzeugen, dass dem Hause, den 180 Mädchen und allen Ordensfrauen große Gefahr drohe, wenn sie sich widersetze... Schließlich ergab sie sich in ihr Schicksal und ging - ganz gebrochen - am Arm der Schwester Magdalena mit nach unten. Oben auf dem Gang vor der Krankenstation fiel sie ihr um den Hals und bat um Verzeihung, weil sie oft unleidlich gewesen war. ...Im Nu nahmen die SS (3 Herren) Schwester Alice in Empfang, sie musste ins Auto und wenige Augenblicke später war alles vor-bei.“ (Auszug aus dem Brief der Schwester Bona-ventura an Änny Schüler vom 15.12.1967) Alice Reis wurde zunächst in das Lager Westerbork gebracht. Hier stieß sie auf ihre Taufpatin Edith Stein. Im Lager kümmerte sich Alice Reis trotz ihrer eigenen Betroffenheit um die Kranken. Die Schwe-stern vom Guten Hirten erhielten von ihr einen Brief, in dem sie die unhygienischen Zustände im Lager schilderte und um Verbandmaterial, Spritzen, Medikamente und Kleidung bat. Das Päckchen er-reichte Schwester Alice nicht mehr, sie befand sich schon auf dem Transport nach Auschwitz, wo sie am 9. August 1942 mit Edith Stein und weiteren Gefähr-tinnen getötet wurde.

Literatur

Prégardier, Elisabeth: Alice Reis, in: Zeugen für Christus, Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Bd. I, hrsg. von Helmut Moll, Paderborn, München, Wien, Zürich 2000. Prégardier, Elisabeth, Mohr, Anne unter Mitarbeit von Roswitha Weinhold: Passion im August (2.-9.August 1942), Edith Stein und Gefährtinnen: Weg in Tod und Auferstehung, Annweiler 1995. Bildquelle: Ebenda, Seite 132.

REIS, Alice

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

U. Füsser. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von U. Füsser, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 232-233

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=687

Statistik

Who was who: Liste aller Einträge

datenbankbanner 2