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Forschungswelten 2019

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Lernwelten 2018

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Who was who in nursing history: POUSSEPIN, Marie
POUSSEPIN, Marie
Artikel von: H. Kolling
Erschienen in Band 3, Seite(n) 227-228.
 

Biographie

Ähnlich wie bei Fran-ziska von Chantal (1592-1641)è, Julie Billiart (1751-1816)è oder Johanna Jugan (1792-1879)è begeg-nen wir bei Marie Poussepin einer bedeu-tenden Frau aus Frank-reich, die freilich bisher viel zu wenig Beach-tung fand. Im Hinblick auf die Krankenpflege ist sie vor allem deshalb von besonderem Interesse, weil sie einen Orden stiftete, dem bis zum heutigen Tag neben dem Unterricht für arme Kinder insbesondere die Krankenpflege am Herzen liegt. Poussepin, aus einer reichen Fabrikantenfamilie stammend, wurde am 14. Oktober 1653 in Dourdain (Département Essonne) bei Paris als Tochter von Claude P. und dessen Ehefrau Julienne Fourrier ge-boren. Der Überlieferung nach stellte sich Marie, von jung auf liebevoll gegen alle Notleidenden und Bedrängten, sobald sie dazu imstande war, mit ihrem Vermögen in den Dienst der Armen, indem sie Schulen und Krankenhäuser baute sowie den Unter-richt und die Krankenpflege organisierte. Bis 1675, Poussepin war eben 22 Jahre alt, hatte sie bereits 17 Taufpatenschaften übernommen, bis 1695 kamen noch 11 dazu. Während frühere Biographen glaub-ten, sie wollte schon mit jungen Jahren Nonne wer-den, sehen dies jüngere Arbeiten anders. Demnach sei ihr Handeln weniger durch göttliche Vorsehung als durch die konkrete Wirklichkeit, allen voran die Hungernot und Pest in den Jahren 1693/94 bis 1697, bestimmt worden. Von 1683 bis 1692 war Poussepin eine christliche Geschäftsfrau, die nach dem Tod ihres Vaters (1683) in enger Zusammen-arbeit mit ihrem Bruder die elterlichen Fabrik grund-legend modernisierte, indem sie die bis dahin be-stehende traditionelle Seidentrumpfstrickerei auf Wolle umstellte und durch Maschinen ersetzte. Lehrlinge bildete sie dabei kostenlos aus. Kontakte zur Krankenpflege hatte Poussepin freilich schon im Alter von zehn Jahren, da ihre Mutter in Dourdan Schatzmeisterin einer von Vinzenz von Paul (1591-1660)è ins Leben gerufenen „Confrérie des Dames de la Charité“ war. 1683 wurde Marie Schatzmeisterin der Gemein-schaft, ein Amt das sie bis 1709 behielt, wenngleich sie schon im Januar 1696 Dourdon verließ. 1691 trat Poussepin dem 3. Orden der Dominkaner bei, der in Dourdan seit 1690 bestand, und widmete sich ver-stärkt sozialen Aufgaben, insbesondere der Kranken-pflege. Nachdem sie 1695 in dem 17 Kilometer entfernt liegenden Sainville (Bezirk Chartres) eine Mädchenschule gegründet hatte, schloss sie sich daselbst ein Jahr später (1696) mit ihren Lehrerinnen und Krankenschwestern zu einer Gemeinschaft zu-sammen, der „Congrégation des Soeurs de Charité Dominicaines de la Présentation de la Ste. Vièrge Marie“, der „Schwestern von Mariä Opferung“. Die Kongregation, die am 7. September 1696 ein an-gekauftes Haus bezog, sah ihre Aufgabe im Unter-richt für Jugendliche, insbesondere für auf dem Land lebende Mädchen, und in der ambulanten und statio-nären Krankenpflege, die jeweils gratis durchgeführt wurden. Für die Versorgung der Kranken gab es da-bei strenge Regeln, die sich an Vinzenz von Paul orientierten. Die Schwestern, die nach den Regeln des heiligen Dominikus lebten, breiteten sich schnell aus. Bereits ein Jahr nach der Gründung wurden zwei Schwe-stern zum Pflegedienst ins Krankenhaus („l´Hôtel-Dieu“) nach Janville geschickt; 1712 gab es dann schon zehn Filialen. Mit jeder Neugründung zur Krankenpflege der darauffolgenden Jahre ging auch die Gründung einer Schule einher. Poussepin hat die Mädchenschule zwar nicht erfunden, aber klar als eine Notwendigkeit ihrer Zeit erkannt. Mit ihrem pädagogischen Programm übertraf sie sogar Louis XIV., der 1698 ein bedeutendes Dekret für die allgemeine Schulbildung erlassen hatte. Am 14. März 1724 erhielten die „Schwestern von Mariä Opferung“ ihre staatliche Anerkennung, 1738 folgte die kirchliche Bestätigung. Im Jahre 1813 verlegte die Kongregation ihren Sitz nach Tours. Vom Mutterhaus der Kongregation St. Symphorien aus wirkten im Jahre 1880 rund 1.400 Schwestern in Pflegeeinrichtungen; heute arbeiten über 4.000 Schwestern in Krankenhäusern und Altenheimen nicht nur in Frankreich, sondern – auf vier Konti-nenten verteilt – in über 30 Ländern der Welt, unter anderem in Algerien, Argentinien, Bolivien, Brasi-lien, Chile, El Salvador, Guatemala, Haiti, Indien, Irak, Israel, Kolumbien, Libanon, Panama, Peru, in der Schweiz, in Spanien, Venezuela und den Verei-nigten Staaten von Amerika. In Agua de Dios (Kolumbien) gehört zu den Auf-gaben der Schwestern auch die Pflege der Aus-sätzigen. Die Ordensstifterin Marie Poussepin starb am 24. Januar 1744 in Sainville (Département Eure et Loir) und wurde in Tours begraben. Ein 1923 eingeleiteter Seligsprechungsprozess gelangte 1994 zum Ab-schluss.

Literatur

Heimbucher, Max: Die Orden und Kongregationen der katholischen Kirche. II. Band. Vierte Auflage. Schöningh. Paderborn / München / Wien 1980, Seite 534-535. Lohrum, Meinolf: Marie Poussepin. In: Lexikon für Theologie und Kirche. Begründet von Michael Buchberger. Herausgegeben von Walter Kasper. Band. 8. Dritte, völlig neu bearbeitete Auflage. Herder. Freiburg im Breisgau 1999, Seite 463. Mainage, Thomas: Mère Marie Poussepin. Lethielleux. Paris 1914. Préteseille, Bernhard: Marie Poussepin ou l´exercice de la charité. CLD. Chambroy-lès-Tours 1989. Rath, Josef Theodor: Marie Poussepin. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. Begründet und herausgegeben von Friedrich Wilhelm Bautz. Fortgeführt von Traugott Bautz. Traugott Bautz. Band 7. Herzberg 1994, Seite 876. Wetzer und Welte´s Kirchenlexikon oder Encyklopädie der katholischen Theologie und ihrer Hülfswissenschaften. Zweite Auflage. Begonnen von Joseph Hergenröther, fortgesetzt von Franz Kaulen. Achter Band. Herder. Freiburg im Breisgau 1893, Seite 732-733. Bildquelle: Préteseille, Bernhard: A.a.O., Seite128a

POUSSEPIN, Marie

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

H. Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von H. Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 227-228

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=684

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