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Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Who was who in nursing history: PLÖTZ, Auguste
PLÖTZ, Auguste
Artikel von: K. Wittneben
Erschienen in Band 3, Seite(n) 224-225.
 

Biographie

Das relativ kurze Leben der Diakonisse Auguste Plötz fiel nicht aus dem Rahmen. Es war ein eher ty-pisches Diakonissenleben in den Denkgewohnheiten und Handlungsstrukturen des 19. Jahrhunderts. Einer Pflege, die sich ihrer Geschichtlichkeit vergewissern will, kann auch so ein einzelner Lebensentwurf An-lass zu einer umfassenderen Reflexion sein. Auguste Plötz wurde 1852 geboren. Ihr Elternhaus lag in Kainscht bei Meseritz. Meseritz (heute poln. Miedzyrzecz) liegt zwischen Frankfurt / Oder und Posen (heute poln. Poznan). In Hausandachten des Vaters und sonntäglichen Gottesdiensten wurde sie von Kind an zum christlichen Glauben erzogen. So war es auf dem Hintergrund ihrer familiären Sozia-lisation und für sie als eine Frau ihrer Zeit, der kaum Beschäftigungsmöglichkeiten offenstanden, ein nahe liegender Weg, in die 1865 in erreichbarer Nähe ihres Wohnortes gegründete „Evangelische Diako-nissen-Krankenanstalt“ in Posen einzutreten. Den damaligen schweren Arbeitsbedingungen einer Dia-konisse hielten ihre Kräfte jedoch nicht bis in ein fortgeschrittenes Alter stand. Nach einer langen Kranken- und klaglos ertragenen Leidenszeit ver-starb sie am 1. März 1897 im Alter von nur 45 Jahren. Im Todesjahr der Diakonisse Plötz war Johanna Bade Oberin der Diakonissen-Krankenanstalt und der Anstaltsgeistliche Pastor Klar. Im Dezember 1897 zählte die Schwesternschaft dieser Anstalt insgesamt 241 Schwestern, darunter 101 eingeseg-nete, 73 Beischwestern und 67 Probeschwestern. Damit lag diese Schwesternschaft unter den damals bestehenden Diakonissen-Schwesternschaften der Größe nach im Mittelfeld. Der Kaiserswerther Dia-konissenanstalt von 1836, um 1900 die größte Ein-richtung unter ihresgleichen, gehörten 1901 schon 820 Diakonissen und 251 Probeschwestern, zusam-men 1.071 Schwestern an. Jüngere Diakonissen-häuser waren weitaus kleiner, wie etwa das 1891 in Eisenach gegründete Haus mit einem Stamm von 83 Schwestern (33 Diakonissen und 50 Probe-schwestern). Nach Golder gehörten dem Kaisers-werther Verband 1901 bereits 75 Diakonissen-mutterhäuser mit insgesamt 14.501 Schwestern an. Die Diakonisse Auguste Plötz war also schon vor gut hundert Jahren, wie man sagen könnte, in einen Frauenverband von beträchtlicher Größe eingebun-den. Allerdings hatten in diesem „Frauenverband“ noch Männer das Sagen, in erster Linie Theologen, unterstützt von Ärzten, Juristen, Regierungsbeamten usw. Für den Schutz und die Erhaltung der Ar-beitskraft und des gesundheitlichen Wohlergehens Tausender von ihnen verwalteter Frauen hatten diese führenden Männer noch kein hinreichendes Fürsor-gebewusstsein entwickelt. Nach christlichem Glau-bensverständnis wurde das leidvolle Sterben einer Diakonisse von Anstaltsgeistlichen in einem elegan-ten, elaboraten Sprachstil sogar glorifiziert, so auch in einem kleinen Nachruf auf Auguste Plötz im 32. Verwaltungsbericht vom Posener Anstaltspfarrer Klar: „In der Leidensschule bereitete der Heiland sie zur Ueberwinderin; sie klagte nie, sondern dankte nur und war uns vorbildlich im Kreuztragen“ (S. 6). Seit 1893 nahm das Posener Diakonissenhaus in ge-ringer Anzahl auch Lernpflegerinnen des Johanniter-ordens auf, die hier eine Ausbildung in der Kran-kenpflege erhielten. 1893 waren es vier Anwär-terinnen. Wie der Anstaltgeistliche Klar im Verwal-tungsbericht für 1893 ausdrücklich anmerkte, war das Posener Diakonissenhaus seinem Selbstver-ständnis nach kein Krankenhaus, sondern ein Mut-terhaus, dessen erste Aufgabe die Ausbildung von Diakonissen war. Mit dem Mutterhaus war jedoch ein Krankenhaus verbunden, da das Krankenhaus „die fast unentbehrliche Berufsschule“ (Klar, S. 5) für die Schwestern darstellte. Das ist eine selbst heu-te noch ansprechende Auslegung, die allerdings leicht übersehen lässt, dass das Krankenhaus eben auch ein die Kräfte der Diakonissen im Höchstmaß beanspruchender und gesundheitsverzehrender Ar-beitsplatz war. Die Posener Ev. Diakonissen-Krankenanstalt gehör-te dem Kaiserswerther Verband an. In dem 1984 zusammengestellten „Verzeichnis aller Diakonissen-Mutterhäuser, Diakoniewerke und Schwestern-schaften der Kaiserswerther Generalkonferenz“ wird die Anstalt als „Posener Diakonissenhaus der Samariteranstalten“ aufgeführt. Das Posener Mutterhaus siedelte 1945 um und fusio-nierte 1947 mit den Samariteranstalten in Fürsten-walde/ Brandenburg. Am 12. September 1999 feier-ten die Samariteranstalten ihr 107. Jahresfest. Im Gefolge aktueller, innerweltlicher Wertpräferenzen rühmen sie sich heute, in der kleinen Stadt an der Spree mit 34.000 Einwohnern einer der größten Ar-beitgeber zu sein. Ob sich die Spuren der Posener Diakonissen-Krankenanstalt in den Fürstenwalder Samariteranstalten inzwischen verloren haben, kann in dieser Skizze nicht abgeklärt werden.

Literatur

Achtundzwanzigster Verwaltungsbericht über die Evangelische Diakonissen-Krankenanstalt in Posen betreffend das Jahr 1893. Decker & Co. (A.Röstel), Posen 1894. Aus Mutterhäusern und Diakoniewerken. In: Der Weite Raum - Zeitschrift der Kaiserswerther Mutterhausdiakonie - 37 (1999) 3, Seite 91-94. Disselhoff, Deodat: Außerdeutsche Mutterhäuser. In: Kaiserswerther Verband Deutscher Diakonissenmutterhäuser (Hrsg.): Diakonissenbuch. Buchhandlung der Diakonissenanstalt, Düsseldorf-Kaiserswerth 1935, Seite 409-414. Golder, C.: Die Geschichte der weiblichen Diakonie. Jennings & Pye, Cincinnati / Chicago / Kansas City 1901. Tabellarische Übersicht über den Stand der evangelischen Diakonissenmutterhäuser, die dem Kaiserswerther Verband angehören. 1901. In: Golder, C.: Die Geschichte der weiblichen Diakonie. Jennings & Pye, Cincinnati / Chicago / Kansas City 1901, Anhang C: Statistische Informationen, Seite 491-492. Taubert, Johanna: Pflege auf dem Weg zu einem neuen Selbstverständnis. Berufliche Entwicklung zwischen Diakonie und Patientenorientierung. Mabuse, Frankfurt am Main 1992. Verzeichnis aller Diakonissen-Mutterhäuser, Diakoniewerke und Schwesternschaften der Kaiserswerther Generalkonferenz. In: Präsidium der Kaiserswerther Generalkonferenz (Hrsg.): Übergänge. Mutterhausdiakonie auf dem Wege. Breklumer Verlag, Breklum 1984, Seite 353-373. Weber-Reich, Traudel: Pflegen und Heilen in Göttingen. Die Diakonissenanstalt Bethlehem in Göttingen von 1866 bis 1966. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999. Wolff, Horst-Peter: Zum Problem der Unschärfe des in der deutschsprachigen Pflegegeschichte benutzten Begriffs „Mutterhaus“. In: Ders.: Studien zur deutschsprachigen Geschichte der Pflege. Mabuse, Frankfurt am Main 2002, Seite 10-36. Zweiunddreißigster Verwaltungbericht über die Evangelische Diakonissen-Krankenanstalt in Posen betreffend das Jahr 1897. Decker & Co., Posen 1898.

PLÖTZ, Auguste

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

K. Wittneben. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von K. Wittneben, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 224-225

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=681

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