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Who was who in nursing history: PELLETIER, Rose-Virginie
PELLETIER, Rose-Virginie
Artikel von: U. Füsser
Erschienen in Band 3, Seite(n) 220-221.
 

Biographie

Rose-Virginie Pelletier, die spätere Ordensschwe-ster Maria von der heiligen Euphrasia grün-dete die „Schwestern Un-serer Frau von der Liebe des Guten Hirten“, eine internationale Ordens-gemeinschaft der mehr als 5.000 Schwestern an-gehören. Ihr soziales En-gagement ist in 67 Ländern bekannt. Rose-Virginie Pelletier wurde am 31. Juli 1796 als 8. Kind der Eheleute Anna, geb. Mourain, und Julien P. auf Noirmoutier, einer Insel im Atlantischen Oze-an, geboren. Die Familie stammte ursprünglich aus Soullans wurde jedoch bedingt durch politische Konflikte während der Revolution auf die Insel Noirmoutier verbannt. Trotz der religionsfeindlichen Ideale der Revolutionäre blieb die Familie dem ka-tholischen Glauben treu, heimlich tauften die Eltern das Kind. Das Mädchen entwickelte eine tiefe Fröm-migkeit, zeigte aber auch eigensinnige und freiheits-liebende Charaktereigenschaften. Im Alter von 11 Jahren schaffte sie es, ein vergessenes Heiligtum, die verschüttete Krypta des Heiligen Philbert, wieder in Stand zu setzen. In der Schule zeigte sie sich nicht immer vorbildlich. 1810 reiste die Mutter, seit 1805 verwitwet, mit der Familie zurück nach Soullans. Rose-Virginie wurde nach Tours in ein Mädchenpensionat geschickt. Die übertriebene Strenge der Pensionatsleiterin und der Tod der Mutter im Jahre 1813 deprimierten das jun-ge Mädchen. Sie beschloss das Pensionat zu verlas-sen und knüpfte Kontakte zu den „Schwestern Unse-rer Frau von der Liebe“, deren Kloster, die soge-nannte „Zuflucht“, direkt neben dem Pensionat lag. Die Ordensgemeinschaft war 1641 von Jean Eudes (1601-1680)?gegründet worden. Die Schwestern nahmen von der Gesellschaft ausgestoßene und „ge-fallene Frauen“ (Prostituierte) auf. Dieser Aufgabe wollte sich auch Rose-Virginie stellen. Trotz der Widerstände seitens ihres Vormunds und der Pensionatsleitung gelang es ihr am 20. Oktober 1814 in das Kloster einzutreten. Mit den Worten: „Hier bin ich und will nicht wieder fortgehen, wenn sie es erlauben“, (Poinsenet, 1970), stellte sie sich der Oberin vor und begann ihr klösterliches Leben. Am 6. September 1815 wurde sie eingekleidet und in das Noviziat aufgenommen. Die ewigen Gelübde durften erst nach der Erreichung der Volljährigkeit, am 9. September 1817, abgelegt werden. Gleich nach ihrer endgültigen Bindung an die Gemeinschaft begann sie ihre Tätigkeit als Erzieherin und über-nahm die Leitung einer Gruppe von Mädchen. Ihre hohen Erwartungen an ihre eigene Tätigkeit und an die Arbeit der Mädchen versuchte sie zu Beginn mit übertriebener Strenge zu erfüllen. Die Erfolge ihrer Arbeiten stellten sich jedoch nicht immer ein. Sie änderte ihren Führungsstil und entwickelte neue pädagogische Methoden. Neben den schulischen und hauswirtschaftlichen Unterrichtsstunden bot sie im Freizeitbereich Spiel- und Singstunden oder Natur-begegnungen an. Seit Beginn der erzieherischen Tätigkeiten sollten die Schwestern zu häufiges Er-mahnen, Predigen und Schelten unterlassen. Die körperliche Züchtigung war streng verboten. Diese pädagogischen Ideale stellten für das 19. Jahrhundert etwas Neues dar. Die sogenannten „gefallenen Mäd-chen“ wurden von der Gesellschaft eher mit Ver-achtung bedacht, Strenge, Zucht, Zwangsunterbrin-gung und Prügel dienten als erzieherische Mittel. Die Grundsätze ihrer Pädagogik erklärte Schwester Maria Euphrasia ihren Mitschwestern in Form von Vorträgen, den sogenannten „Belehrungen und Un-terredungen“, die regelmäßig durchgeführt und schriftlich festgehalten wurden. Schwester Maria Euphrasia war nicht nur bei den Mädchen geschätzt, auch innerhalb der Gemein-schaft wuchs ihr Ansehen. Als 1825 die Amtszeit der Oberin Hippolyt ablief, wählte der Konvent die junge Mitschwester als Nachfolgerin. Obwohl die Ordensregeln das Alter von 40 Jahren für eine Obe-rin vorschrieben, erhielt Schwester Maria Euphrasia Dispens von Rom. Die 29-jährige konnte nun ihr Amt als Oberin beginnen. Ihre Reaktion auf die Wahl lautete: „Ihr habt mich zur Oberin gewählt: ich bin dessen unwürdig, ich bin beschämt, aber da ich Oberin bin, werden wir den Orden der Schwe-stern von der heiligen Magdalena gründen“. (Eckl, 1999). Für die Aufnahme in einen Orden schrieb das Kirchenrecht strenge Kriterien vor. Es durften nur freie Frauen und Frauen mit guten Sitten und un-tadeligem Lebenswandel aufgenommen werden. Sie mussten von „jeglichem Verdacht“ frei sein. Die neue Gründung ermöglichte den „gefallenen Mäd-chen und Büßerinnen“ den Eintritt in eine Gemein-schaft mit kontemplativer Ausrichtung, nach dem Vorbild der Karmelitinnen. Am 11. November 1825 wurden die ersten Magdalenen eingekleidet. Diese Gemeinschaft besteht heute unter dem Namen „Kontemplative Schwestern vom Guten Hirten.“ Eine weitere Neuerung der Oberin war die Auf-nahme von Waisenkindern und kleinen Mädchen. 1828 erhielt der Bischof von Angers ein Legat von 30.000 Francs. Mittels des Geldes sollte eine „Zu-flucht“ für in Not geratene Frauen gegründet werden und die Betreuung durch Ordensschwestern sicher-gestellt sein. Die Anfrage bez. der Schwestern ging an Schwester Maria Euphrasia. Sie sagte zu und reiste im Frühjahr 1829 nach Angers. Die neue „Zu-flucht“ wurde in einer ehemaligen Kattunfabrik untergebracht und erhielt den Namen Kloster „Vom Guten Hirten“. Die finanziellen Mittel reichten jedoch nicht aus. Die Schwestern mussten selbst Handarbeiten und Gemüse verkaufen um existieren zu können. Trotz des ärmlichen Beginns konnte am 31. Juli 1829 das Haus offiziell seiner Bestimmung übergeben werden. Schwester Maria Eufrasia musste nach der Übergabe an die neue Oberin, Schwester Paul Bodin, wieder in ihr Kloster nach Tours zu-rückkehren. Die Nachfolgerin war ihrer Führungsaufgabe jedoch nicht gewachsen. Schwester Maria Euphrasia kehrte nach Angers zurück und baute das Institut weiter auf. Zu den bereits aufgenommenen Mädchen und Frauen kamen Waisenkinder, jungendliche weibli-che Häftlinge, schwererziehbare Kinder und eine Gruppe von „Ehemaligen“ hinzu. Die Erweiterungen sollten sich nicht nur auf die In-stitution in Angers beziehen sondern auf die gesamte Kongregation. Bisher war jedes Haus der „Schwe-stern Unserer Frau der Liebe“ selbständig und auto-nom. Ein dynamischer Austausch von Schwestern, gegenseitige Hilfe in Krisenzeiten, eine einheitliche Ausbildung der Schwestern oder eine adäquate Ant-wort auf Anfragen bez. von Neugründungen wurde durch die fehlende Vernetzung erschwert. Jedes Kloster unterstand dem verantwortlichen Bischof, organisatorische und personelle Veränderungen mussten von ihm genehmigt werden. Kompe-tenzschwierigkeiten zwischen den Bischöfen und den jeweiligen Oberinnen waren vorprogrammiert. Um effektiver arbeiten zu können beschloss Schwe-ster Maria Euphrasia ein Generalat zu gründen. Das Kloster in Angers war als Mutterhaus vorgesehen und alle zukünftigen Niederlassungen sollten dieser Zentrale unterstellt werden. Die Reform bedingte de facto eine Neugründung der Gemeinschaft. Die schon bestehenden Klöster der „Schwestern Unserer Frau von der Liebe“ konnten weiter unabhängig und autonom bleiben. Die neue Kongregation, mit dem Namen „Schwestern Unserer Frau von der Liebe des Guten Hirten von Angers“, übernahm fast voll-ständig die ehemaligen Ordensregeln von Jean Eudes, fügte aber neue Artikel hinzu. Obwohl die Kongregation 1833 von Monsignore Montault des Isles die bischöfliche Approbation erhielt, wuchs der Widerstand bei den Bischöfen anderer Diözesen und innerhalb der eigenen Kongregation. Schwester Ma-ria Euphrasia musste aufgrund der Einsprüche von 13 Bischöfen immer wieder Gegenpositionen be-ziehen. Trotz massiver Schwierigkeiten erhielt die Kon-gregation am 16. Februar 1835 die päpstliche Ap-probation. Die Wahl von Schwester Maria Euphrasia zur Generaloberin wurde ebenfalls bestätigt. Gemäß des Wahlspruches der Gründerin „Unsere Liebe muß die ganze Welt umfassen“, erfolgten bis zu ihrem Tod, am 24.4.1868, 110 Niederlassungen in allen fünf Erdteilen. Die erste Niederlassung in Deutschland wurde 1840 in München gegründet. Die Kirche ehrte die charismatische Ordensschwester am 30. April 1933 durch die Seligsprechung und am 2. Mai 1940 durch die Heiligsprechung. Die heutigen Zielgruppen der „Schwestern vom Gu-ten Hirten“ in Europa sind Menschen, die in Gefahr stehen, aus dem gesellschaftlichen Dialog auszu-scheiden und/oder Opfer geworden sind. Dazu zäh-len insbesondere: Frauen und Mädchen, die von Ge-walt, Missachtung und sexueller Ausbeutung betrof-fen sind. Kinder, die in lebensverhindernden Ver-hältnissen aufwachsen und unter Vernachlässigung, Misshandlung oder Missbrauch und anderen Ent-wicklungsbehinderungen leiden. Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder Menschen mit einer geistig/seelischen Behinderung, die auf fördernde Unterstützung angewiesen sind und/oder einen an-gemessenen Lebensraum suchen. Alte Menschen, die vereinsamt und pflegebedürftig sind. Sterbende Menschen, die vor dem physischen schon den psy-chischen uns sozialen Tod erleiden und Menschen, die nach Schicksalsschlägen und Erfahrungen von Machtmissbrauch und Ausgrenzung Hilfe suchen für eine neue Lebensgestaltung. (Leitbild, 1995).

Literatur

Brüning, Günter: Geschichte der Norddeutschen Ordensprovinz der Schwestern vom Guten Hirten, Münster 1997 (unveröffentlicht). Eckl, Maria Christophora, Unterwegs als Dienstgemeinschaft, Das Pastorale Führungsmodell der Schwestern vom Guten Hirten - ein integrierender Führungsansatz für soziale Organisationen, Würzburg 1999. Exenberger, Maria: Das neue Herz, Johannes Eudes, Leutesdorf 1990. Poinsenet, Marie-Dominique: Vor allem die Liebe, Leben und Dienst der Mutter Euphrasia Pelletier, Kevelaer 1970. Toldy, Marian: Im Dienst an den Verlorenen. Die Geschichte der pädagogischen Tätigkeit der Schwestern vom Guten Hirten in der Provinz Münster von 1850 bis 1990, Münster 2000 (unveröffentlicht). Webseite: www.GuterHirte.de

PELLETIER, Rose-Virginie

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

U. Füsser. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von U. Füsser, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 220-221

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=679

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