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Jun 07, 2020 Last Updated 11:41 AM, May 20, 2020

Who was who in nursing history: NÖLDECHEN, Johanna
NÖLDECHEN, Johanna
Artikel von: K. Wittneben
Erschienen in Band 3, Seite(n) 210.
 

Biographie

Johanna Nöldechen ist eine der Veteraninnen der Kriegskrankenpflege. Dieser Frauen wurde in rechtsintellektueller Betrachtungsweise besonders während der Nazi-Diktatur und speziell im Zweiten Weltkrieg gedacht. Anlässlich des 70-jährigen Be-stehens des „Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz“ fand ein großes Kriegsschwestern-treffen im November 1936 in Berlin statt. Eine Nachahmung dieses Treffens erfolgte am 14. und 15. April 1937 im Gau Schleswig-Holstein, wo die Gau-frauenschaftsleiterin, Fräulein Schmalmack, alle Schwestern, Hilfsschwestern und Helferinnen des Ersten Weltkrieges zu einer Feierstunde im Rahmen eines festlichen Empfangs ins Rathaus der Kriegs-marinestadt Kiel eingeladen hatte. Diesseits von Ideologisierung und Instrumentali-sierung ist für die Pflegegeschichte besonders der Frauentypus von Kriegsschwestern aus den Kriegen von 1864, 1866 und 1870/1871 von Interesse, weil die Handlungsmotive, Handlungsspielräume und Handlungsfolgen dieser Frauen vorerst nur punktuell untersucht worden sind. Dieser Generation von Kriegsschwestern gehört Johanna Nöldechen an. Sie wurde 1845 geboren. Im Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) setzte sie sich an vorderster Front bei der Bergung ungezählter Verwundeter und Ver-schmachtender ein. So ein gefahrenvoller, außer-häuslicher Einsatz war für eine Frau ihrer Gene-ration und ihres Alters noch keineswegs eine Selbst-verständlichkeit. Für ihren Mut und ihre rückhaltlose Einsatzbereitschaft wurde sie bei Gravelotte, einer Gemeinde in Lothringen westlich von Metz, mit dem Orden des Eisernen Kreuzes (EK) ausge-zeichnet. Die Schlachten von Gravelotte und Saint-Privat-la-Montagne (20 km nordwestlich von Metz) am 18. August 1870 führten zur Einschließung der fran-zösischen Armee in Metz. Die Deutschen verloren bei Gravelotte in einer der letzten großen Reiter-schlachten – bevor technische Mittel den Ausgang von Kriegen bestimmten – 20.163 Mann (von 188.000). Solche Ereignisse sind in der Militärgeschichte aus-führlich und wiederholt dokumentiert worden. Eine nachgehende Betrachtung der Anzahl, der Rolle und des Schicksals von pflegenden Frauen ist bis auf Ausnahmen, wie die von Naundorff vorgelegte Dar-stellung „Unter dem Roten Kreuz“, nicht Ge-genstand der Militärhistorie. Johanna Nöldechen erreichte das beachtliche Alter von 92 Jahren. Sie verstarb im Sommer 1937 in Schönau bei Berchtesgaden. Der Familienname Noeldechen taucht auch in der Geschichte des „Vaterländischen Frauenvereins zu Berlin“ auf. In der Satzung des Vereins (Statut) vom 1. Mai 1867, die am 24. Mai 1869 revidiert wurde, wird Frau M. Noeldechen, geb. Friedberg, als Vor-standsmitglied und stellvertretende Vorsitzende der Vorstandsvorsitzenden Charlotte Gräfin v. Itzenplitz (1835-1921)? aufgeführt. Protektorin des Vereins war Königin Augusta (1811-1890)?, seit 1871 Kai-serin Augusta. Ob Johanna Nöldechen mit M. Noel-dechen verwandtschaftlich verbunden war, konnte noch nicht ermittelt werden.

Literatur

Der Brockhaus in fünfzehn Bänden, Band 5: Fre-Gt. Brockhaus, Leipzig / Mannheim 1998. Der letzte weibliche Ritter des Eisernen Kreuzes 1870/71. Die Deutsche Schwester 5 (1937) 8, Seite 208. Ehrung von Kriegsschwestern. Die Deutsche Schwester 5 (1937) 6, Seite 149-150. Fachausschuß für Schwesternwesen in der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege Deutschlands (Hrsg.): Jahrbuch der Krankenpflege 1937, 1. Jahrgang. Staude, Osterwieck am Harz/Berlin 1937. Naundorff, Julius: Unter dem Roten Kreuz. Veit & Company, Leipzig 1867. Rohrer, Margarete von: Im Krieg gegen Wunden und Krankheit. Rohrer, Brünn / München / Wien 1943. Statut des Vaterländischen Frauenvereins zu Berlin vom 1. Mai 1867, revidiert am 24. Mai 1869. In: Hahn, C.U.: Die deutschen Frauenvereine unter dem Roten Kreuz mit besonderer Beziehung auf die Gewinnung weiblicher Pflegekräfte. Rupp, Reutlingen 1870, Anhang. Stürmer, Michael: Das ruhelose Reich. Deutschland 1866-1918. Severin und Siedler, Berlin 1983.

NÖLDECHEN, Johanna

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

K. Wittneben. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von K. Wittneben, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 210

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Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=672

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