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Forschungswelten 2019

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Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Who was who in nursing history: MÜLLER, Johann Georg
MÜLLER, Johann Georg
Artikel von: H. Kolling
Erschienen in Band 3, Seite(n) 209-210.
 

Biographie

Johann Georg Müller wurde am 15. Oktober 1798 in Koblenz als das älteste von acht Kindern des Landge-richtsrates Georg M. und dessen Ehefrau Elisabeth Fachbach geboren, die ebenfalls aus einer Juristenfa-milie stammte. Die guten wirtschaftlichen Verhältnisse der Fami-lie, die in Ehrenbreitstein wohnte, ermöglichten allen Söhnen eine akademische Ausbildung. Nach dem Besuch der Lateinschule in Ehrenbreitstein und des Gymnasiums in Koblenz studierte Müller zu-nächst kurze Zeit Jura an der Koblenzer Rechts-schule und dann katholische Theologie in Trier, Würzburg und Bonn. Am 9. September 1821 emp-fing er von dem damaligen Weihbischof von Münster, Kaspar Max von Droste-Vischering, des-sen Nachfolger er werden sollte, in Köln die Prie-sterweihe und war anschließend zwei Jahre als Kaplan bei seinem Förderer und Gönner Josef von Hommer in Ehrenbreitstein tätig. Nach kurzer Zeit als Gymnasiallehrer in Koblenz setzte er seine Studien in Wien und München fort, wo er auch 1827 mit einer Arbeit über „Die Echtheit der zwei ersten Kapitel des Evangeliums nach Mat-thäus“ zum Doktor der Theologie promoviert wur-de. Nach einer ausgedehnten Italienreise, in erster Linie zum Studium der kirchlichen Kunstdenkmäler, wurde er im Mai 1828 zum Geheimsekretär des in-zwischen zum Bischof von Trier aufgestiegenen Hommer ernannt und wirkte daselbst seit August 1830 auch als Professor der Kirchengeschichte und des Kirchenrechts am dortigen Priesterseminar. 1836 wurde Müller Domkapitular und Domprediger, 1842 stieg er zum Generalvikar auf und übernahm 1844 das Amt des Weihbischofs. Seit 1. Juni 1847 war Müller Bischof von Münster. Als Abgeordneter von Stadt und Landkreis Münster nahm er an der Frank-furter Nationalversammlung teil. Am Ersten Vatika-nischen Konzil konnte er wegen Altersschwäche nicht teilnehmen. Johann Georg Müller starb am 19. Januar 1870 in Münster und wurde im Chor des Münsteraner Domes beigesetzt. Müller trat vor allem durch seine Bemühungen um die Förderung und Erhaltung der christlichen Kunst hervor; ferner erwarb er sich kirchenpolitische Ver-dienste um die Wiederherstellung des Bistums Osna-brück (1857). Daneben verdient aber auch sein En-gagement für die Krankenpflege große Beachtung. Im Bistum Münster gab es zwar schon seit 1808 die Gemeinschaft der Klemens-Schwestern für die sozi-al-karitative Arbeit, doch formte Müller diese erst 1858 zu einer kirchlichen Genossenschaft um. Des weiteren rief er im Jahre 1850 in seiner Residenz ei-nen weltlichen Jungfrauenverein zur Ausübung der Krankenpflege ins Leben und gab ihm nach Um-wandlung in eine religiöse Genossenschaft eigene Satzungen. Die auf diese Weise entstandene Kongre-gation der „Krankenschwestern des dritten Ordens vom hl. Franziskus“ mit dem Mutterhaus in Münster St. Mauritz beziehungsweise dem St. Franziskus-Hospital, die sich auch die „Barmherzigen Franzi-kanessen von St. Mauritz“ nannten, vermochte als-bald anlässlich der großen, im damaligen Schlesien ausgebrochenen Hungertyphusepidemie und in den deutsch-dänischen Krieg Schwestern als Kranken-pflegerinnen zu entsenden, was auch in den Kriegen gegen Österreich und Frankreich geschah. Die „Franziskanessen“, deren Hauptpatrone die Muttergottes und der hl. Franziskus sind, betrachten nach Regel und Satzungen als ihre vorzüglichste Aufgabe die Pflege der Kranken sowohl in Kran-kenhäusern als auch in Privatwohnungen; ferner obliegt ihnen – in geringerem Umfang – die Er-ziehung von Waisen und die Leitung von Hand-arbeitsschulen. Die Mitglieder der Kongregation beachten neben eigenen Konstitutionen die „dritte Regel des hl. Franziskus“ in der von Papst Leo X. 1521 festgelegten Form. Sie legen die einfachen Ge-lübde zunächst dreimal auf je ein Jahr, danach ein-mal auf drei Jahre, und endlich auf Lebenszeit ab. Die Professschwestern und Novizinnen sind völlig gleich gekleidet; sie tragen einen weiten schwarzen Habit mit großem Skapulier (Überwurf über Brust und Rücken) und langem Mantel von derselben Far-be, einen weißen Strickgürtel mit drei Knoten, einen langen schwarzen Schleier aus dünnem Tuche und einen geraden weißen Brustkragen. Im deutsch-dänischen Krieg 1864 beteiligten sich 34 Schwestern der Kongregation an der Verwundeten-pflege, im preußisch-österreichischen Kriege 1866 waren 66 Schwestern und im deutsch-französischen Krieg 1870/71 164 Schwestern beteiligt. 1870/71 pflegten dieselben in Saarbrücken, Aachen, Kassel, Köln, Darmstadt, Lingen und in mehreren Laza-retten in Münster verwundete beziehungsweise kran-ke Soldaten. Der Kulturkampf führte die „Krankenschwestern des dritten Ordens vom hl. Franziskus“ im Jahre 1875, als sie jeden Augenblick fürchten mussten aus Deutschland ausgewiesen zu werden, nach Nord-amerika und 1878 nach Holland. Im Jahre 1907 existierten in Amerika 15 Filialen; zur gleichen Zeit gab es in Europa 900 Schwestern in 102 Filialen. Im Ersten Weltkrieg pflegten 93 Schwestern in der Etappe in verschiedenen Feld-, Kriegs- und Seu-chenlazaretten, wobei sich einige von ihnen tödlich verlaufende Infektionen zuzogen. Die Genos-senschaft stellte in ihren beiden Krankenhäusern St. Franzsikus-Hospital in Münster und St. Rochus-Hospital in Telgte insgesamt 140 Betten als La-zarette zur Verfügung. 1918 bestanden Niederlassungen der „Kranken-schwestern des dritten Ordens vom hl. Franziskus“ in Preußen (Hannover, Westfalen, Rheinland und Schlesien), im Raum Bremen, in Österreich und Oldenburg. Allein in Preußen wirkten damals rund 1550 Schwestern in 113 Filialen. In Holland be-gannen am 12. Februar 1883 drei Schwestern ihre Tätigkeit im St. Bonifatius-Hospital in Leeuwarden; knapp 50 Jahre später waren bereits 40 Schwestern dort tätig. In Nordamerika, wo die Kongregation seit 1875 wirkte, gelang es den Schwestern durch ihre aufopfernde Tätigkeit sehr schnell, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen, so dass sie in den folgenden Jahren schon Krankenhäuser in Spring-field, Belleville, Effingham und Lightfield errichten konnten. Da fortwährend neue Schwestern aus Deutschland nachfolgten, mehrten sich die Nieder-lassungen im Staate Illinois. 1885 wurde die erste Niederlassung im Staate Wisconsin in Chippewa-Falls errichtet. Bedeutende Krankenhäuser entstan-den seither in beiden Staaten: außer den bereits er-wähnten in Sheboygan (Wisconsin), Eau Claire und Green Bay. Am 17. September 1925 reisten die er-sten Schwestern von Springfield nach China und eröffneten dort bereits am 12. Oktober desselben Jahres ein modern eingerichtetes Krankenhaus in Tsinanfu (Nordschantung). Die „Krankenschwestern des dritten Ordens vom hl. Franziskus“ zählen heute weltweit insgesamt über 3.200 Schwestern.

Literatur

Hegel, Eduard: Johann Georg Müller. In: Gatz, Erwin (Hrsg.): Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder 1785 / 1803 bis 1945. Ein biographisches Lexikon. Dunker und Humblot. Berlin 1983, Seite 522-524. Heimbucher, Max: Die Orden und Kongregationen der katholischen Kirche. II. Band. Vierte Auflage. Schöningh. Paderborn / München / Wien 1980, Seite 26. Kaulen, [Franz]: Johann Georg Müller. In: Wetzer und Welte´s Kirchenlexikon oder Encyklopädie der katholischen Theologie und ihrer Hülfswissenschaften. Zweite Auflage. Begonnen von Joseph Hergenröther, fortgesetzt von Franz Kaulen. Achter Band. Herder. Freiburg im Breisgau 1893, Seite 1971-1973. Kosch, Wilhelm: Das Katholische Deutschland. Biographisch-bibliographisches Lexikon. Literarisches Institut von Haas und Grabherr. Augsburg 1933, Seite 3118. Persch, Martin: Johann Georg Müller. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. Begründet und herausgegeben von Friedrich Wilhelm Bautz. Fortgesetzt von Traugott Bautz. Traugott Bautz. Herzberg 1993, Seite 267-268. Philippi, -: Johann Georg Müller. In: Allgemeine Deutsche Biographie. Zweiundfünfzigster Band. Nachträge bis 1899. Neudruck der 1. Auflage von 1906. Dunker und Humblot. Berlin 1971, Seite 513-514. Bildquelle: Gatz, Erwin (Hrsg.): Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder 1785 / 1803 bis 1945. Ein biographisches Lexikon. Dunker und Humblot. Berlin 1983, Seite. 523.

MÜLLER, Johann Georg

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

H. Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von H. Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 209-210

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Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=671

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