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Who was who in nursing history: MENNI, Angelo Ercole
MENNI, Angelo Ercole
Artikel von: H. Kolling
Erschienen in Band 3, Seite(n) 199-200.
 

Biographie

Nicht vom „Tellerwä-scher zum Millionär“, sondern vom „Holzhänd-lersohn zum General“, so könnte man mit einem Satz das Leben und Wir-ken des Ordensmannes und Ordensstifters Angelo Ercole – Bruder Benedikt – Menni beschreiben, der ein großer Erneuerer des Hospitalsordens der Barmherzigen Brüder in Spanien, Portugal und Mexiko war und dessen besondere Fürsorge kranken Kindern, alten Menschen und Geisteskranken galt. Er war der Sohn von Luigi M. und dessen Ehefrau Luigia Figini, das fünfte von 15 Kindern der Fami-lie, das am 11. März 1841 in Mailand (Italien) geboren und noch am selben Tag in der Pfarrei San Maria alla Fontana auf den Namen Angelo Ercole (Herkules) getauft wurde. Seine christlichen Eltern, die eine Holzhandlung be-trieben und in einem gewissen Wohlstand lebten, erzogen ihn im religiösen Sinne von frühester Kind-heit an. Nach Abschluss der Grundschule besuchte er in den Jahren von 1852 bis 1857 mit großem Er-folg das Gymnasium in Porta Nuova. Danach, im Alter von 16 Jahren, begann er eine Lehre als Bank-kaufmann in einer Mailänder Bank, die er aber bald wieder aufgab, weil dort Geschäfte auf ihn zukamen, die er nicht mit seinem Gewissen vereinbaren konn-te. Im Jahre 1858 nahm Angelo an den ersten Exerzi-tien in der Kartause von Pavia teil. Ein Jahr später (1859) bekam er zum erstenmal Kontakt mit den Barmherzigen Brüder des heiligen Johannes von Gott (1495-1550)? beim Krankentransport von Schwerverletzten, die pausenlos von der Front (Ma-genta) in Mailand eintreffen. Er war ergriffen von ihrer Liebe zu den Kranken und fasste den Vorsatz, ihrem Beispiel zu folgen und die Arbeit an Kranken und Leidenden als Lebensaufgabe zu wählen. Be-stärkt durch die Ratschläge eines Einsiedlers und sein tägliches Gebet zur Gottesmutter trat er am 1. Mai 1860 – im Alter von 19 Jahren – als Postulant in den Orden der Barmherzigen Brüder ein. Dreizehn Tage später, am 13. Mai 1860, wurde er als Novize eingekleidet und erhielt den Namen „Frater [Bru-der] Benedikt“. Nach dem einjährigen Noviziat legte der junge Ordensmann am 15. Mai 1861 die ein-fachen (zeitlichen) Gelübde ab: die Gelübde des Ge-horsams, der Armut und der Keuschheit, die allen religiösen Orden eigen sind, sowie das Gelübde der Hospitalität, das ein besonderes Kennzeichen der Barmherzigen Brüder ist. Da er von seinen Ordensoberen zum Priestertum vorgesehen war, sandte man ihn anschließend ins Hospital des Ordens nach Lodi. Dort vervoll-kommnte er sich in der Krankenpflege und absol-vierte gleichzeitig im dortigen Diözesanseminar die vorgeschriebenen Studien der Philosophie (1861-1863) und Theologie (1863-1866). Den Rest seines Studiums führte er am Römischen Kolleg, der heu-tigen Päpstlichen Gregorianischen Universität in Rom durch. Bereits innerhalb seiner Studienzeit – am 17. Mai 1864 legte er in Mailand die ewigen Gelübde ab und empfing am 4. Dezember 1864 aus den Händen des Bischofs von Lodi die vier niederen Weihen. Nach Beendigung seiner Studien wurde er dann am 14. Oktober 1866 in Rom zum Priester ge-weiht. Bereits als Neupriester bekam Benedikt Menni seine große Lebensaufgabe zugeteilt: die Erneuerung des Ordens der Barmherzigen Brüder in Spanien. Dort hatte die Revolution im Jahre 1834 die einst blü-hende Ordenskongregation aufgelöst; antiklerikale Gesetze, die den Orden unterdrückten, hatten die Arbeit der überall verstreuten Brüder unmöglich gemacht. Menni war erst 26 Jahre alt, als er von seinem Ordensgeneral Juan Maria Alfieri den Auf-trag erhielt, nach Spanien zu gehen und dort den Hospitalorden wieder zu errichten. Nachdem er sich einige Zeit in Frankreich (Lyon) auf seine große Aufgabe vorbereitet hatte, wurde er von seinem Ordensgeneral Papst Pius IX. vorgestellt, der zu ihm sagte: „Mein Sohn, geh nach Spanien mit dem Segen des Himmels, um deinen Orden in seinem Ur-sprungsland zu erneuern!“. Drei Monate später, am 6. April 1867, traf Menni in Barcelona ein. Schon nach kurzer Zeit war es ihm dort gelungen, ein kleines Hospital – die erste Kin-derklinik auf spanischem Boden - für rachitische und skrofulöse Kinder mit zwölf Betten zu errichten. Mit der Gründung des Hospitals, das von Diözesan-bischof persönlich am 14. Dezember 1867 einge-weiht wurde, hatte er zugleich den Grundstein für die künftige Wiederherstellung des Hospitalordens in Spanien gelegt. Wenngleich er in der Folgezeit mit zahllosen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, ge-lang es ihm, mit der Zeit über 20 weitere Hospitäler zu errichten. Im Februar 1873 war in Spanien die Republik ausgerufen worden, der nur eine kurze Lebenszeit beschieden war; Menni war dabei nur knapp dem Tod entgangen. Am 1. April 1873 wurde er des Landes verwiesen, kehrte zwei Monate später aber wieder unerkannt nach Barcelona zurück, um finanzielle Hilfe zu bringen und zu sehen, wie es um das dortige Hospital stand. Nachdem er sich erneut nach Marseille begeben hatte, kehrte er unter der Autorität des Roten Kreuzes im Jahre 1874 nach Spanien zurück, um den Soldaten, die während des Krieges zwischen Karlisten und liberalen Nationa-listen verwundet worden waren, ohne jeden Unter-schied Hilfe zu leisten. Anschließend setzte er die Erneuerung des Ordens in Spanien, Portugal und Mexiko fort. Im Jahre 1884 hatte er bereits fünf Niederlassungen gegründet; 70 Mitbrüder mit Profess sowie 25 Novi-zen hatte er um sich versammelt, um mit ihrer Hilfe für die kranken und notleidenden Menschen, insbe-sondere kranke Kinder sowie „Geisteskranke und Irre“, in Spanien dazusein. Im Leben von Menni spielten zwei Frauen aus Gra-nada eine entscheidende Rolle: Schwester Maria Jo-sefa Recio und Schwester Maria Augustias Jimènez. Mit ihnen gründete er am 31. Mai 1881 in Ciempo-zuelos bei Madrid eine Schwesternkongregation, die „Hospitalschwestern des heiligsten Herzens Jesu“, kurz „Menni-Schwestern“ genannt, die sich beson-ders der körperlich und geistig behinderten Frauen annahmen. Aus diesem ersten Haus, dem Menni eine eigene Krankenpflegeschule anschloss, entwickelte sich in der Folge die gegenwärtige psychiatrische Frauenklinik von Ciempozuelos, das heutige Mutter-haus der Hospitalschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu. Die neue Ordensfamilie verbreitete sich sehr rasch. Schon im Jahre 1908 erhielt sie den Status einer Kongregation päpstlichen Rechts. Heute ist die Schwesterngemeinschaft in 18 Ländern Europas, Afrikas und Lateinamerikas. Es gibt inzwischen acht Ordensprovinzen mit über 1.500 Schwestern in rund 90 Niederlassungen auf der ganzen Welt tätig. Die Schwestern arbeiten in Krankenhäusern, Nervenkli-niken sowie in Alten- und Pflegeheimen. Im Jahre 1971 kamen die Hospitalschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu auch nach Deutschland. Seit dem 1. Oktober 1973 leiten sie das Altenheim St. Augustin in Neuburg/ Donau (Diözese Augsburg), wo sie ebenso wie im Pflegeheim der Barmherzigen Brüder in Gremsdorf (Diözese Bamberg) versuchen, alten und kranken Menschen zu helfen. Durch die Neugründungen und die ansehnliche Zahl der Mitarbeiter waren ganz allmählich die Voraus-setzungen geschaffen, um in Spanien eine eigene Ordensprovinz – Hermanos Hospitalarios de San Juan de Dios - zu errichten. Ende 1884 gab der Papst hierzu seine Zustimmung; Menni wurde zum Provinzoberen ernannt und behielt dieses Amt bis zum Jahre 1903. Bis dahin hatte er 15 Niederlassungen der Barm-herzigen Brüder und neun der Schwestern gegrün-det, um deren Erweiterung und Festigung er sich seit dieser Zeit in besonderer Weise kümmerte. Am 20. Oktober 1909 erhielt Menni dann eine neue Auf-gabe: er wurde von Papst Pius X. zum Visitator des gesamten Hospitalordens ernannt. Als im Jahre 1911 der Ordensgeneral Cassian Maria Gasser starb, wur-de Menni von Papst Pius X. am 21. April 1911 zu seinem Nachfolger bestimmt. Doch seine Amtszeit war von kurzer Dauer: schon nach 14 Monaten – am 20. Juni 1912 – legte er sein Amt nieder. Verant-wortlich für diesen Schritt waren neben gesund-heitlichen Problemen auch die Missgunst einiger Mitbrüder, die ihn bei der römischen Kurie in ein schlechtes Licht rückten. Die letzte Zeit seines Lebens verbrachte er in einem Haus der Barmherzigen Brüder in Dinán in Nord-frankreich. Hier starb er nach schwerer Krankheit am 24. April 1914 im Alter von 73 Jahren. Sein Leichnam wurde nach Spanien überführt und am 6. Mai in der Kapelle seiner Mitbrüder am Friedhof von Ciempozuelos beigesetzt. Heute befinden sich die sterblichen Überreste von Benedikt Menni in einer Seitenkapelle der Mutterhauskirche der Hospi-talschwestern in Ciempozuelos – gegenüber dem Grab von Schwester Maria Josefa Recio, der Mit-begründerin der Hospitalschwestern, die bereits nach dreijähriger Tätigkeit für den Orden am 30. Oktober 1883 im Rufe der Heiligkeit gestorben war. Neben Paul de Magallon in Frankreich war Benedikt Menni auf der Iberischen Halbinsel und Südamerika sowie darüber hinaus ein Pionier und Förderer der modernen Pädiatrie und Psychiatrie, was die zeit-gemäße Betreuung und Behandlung von psychisch Kranken und geistig Behinderten anbelangte. Er ver-trat die Auffassung, dass die Therapie dieser Men-schengruppe auch die Kunst, Kultur, Gesellschaft und Religion umgreift, was das geistige Klima bis heute kontrovers prägt, wobei Menni den Behin-derten aus christlicher Sicht eine mehr als humane Würde zuerkannte. Benedikt Menni wurde von Papst Johannes Paul II. am 23. Juni 1985 selig und am 21. November 1999 heilig gesprochen. Wegen seines Weitblicks und seiner zeichenhaften wie wirksamen Hospitalität ging er in die Geschichte auch als „Prophet der Hospitalität“ ein.

Literatur

Abeln, Reinhard: Er suchte Gott und die Menschen. Der selige Benedikt Menni – Barmherziger Bruder, Stifter der Hospitalschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu 1841-1914. Johann von Gott Verlag. Regensburg 1985. Alessi, Antonio M.: Un samaritano di Dio – San Benedetto Menni. Leumann. [Rivoli] [ohne Jahr]. Berruete, Félix Lizaso (Hrsg.): Perfil juandediano del Beato Benito Menni. Archivo Interprovincial, Casa del Tránsito de San Juan de Dios. Granada 1985. Montonati, Angelo: K.O. in terra, O.K. in cielo – l´avventuara di Benedetto Menni. Fatebenefratelli. Milano 1985. Montonati, Angelo: O preco da coragem – sao Bento Menni. Ancora. Milano 1999. Montonati, Angelo: Il prezzo del coraggio – san Benedetto Menni. Ancora. Milano 1999. Montonati, Angelo: El coraje de un profeta – san Benito Menni. Ancora. Milano 1999. Sauser, Ekkart: Benedetto Menni. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. Begründet und herausgegeben von Friedrich Wilhelm Bautz. Fortgeführt von Traugott Bautz. Band XVI. Traugott Bautz. Herzberg 1999, Seite 1059. Schauber, Vera: Pattloch-Namenstagskalender. Dokumentation von Hanns Michael Schindler. Pattloch. Augsburg 1994, Seite 105. Strohmayer, Herenegild: Krankenpflegeschulen im Hospitalorden des heiligen Johannes von Gott. Johann von Gott Verlag. München 1988, Seite 122-123 und Seite 131-133. Webseite: www.barmherzige-brueder.at/heilmain.htm. Webseite: www.heiligenlexikon.de/BiographienB/Benedikt_Menni.html. Webseite: www.members.telering.at/pat/menni.htm. Webseite: www.katolsk.no/biografi/bmenni.htm. Bildquelle: Abeln, Reinhard: A.a.O., Seite 29.

MENNI, Angelo Ercole

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

H. Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von H. Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 199-200

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