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Who was who in nursing history: Marie, Königin von Hannover
Marie, Königin von Hannover
Artikel von: T. Weber-Reich
Erschienen in Band 3, Seite(n) 190-191.
 

Biographie

„Ich, Marie, Königin Marie von Hannover, Her-zogin zu Sachsen etc., habe Mich entschlossen, zur Gründung einer Diaconissen-Anstalt in Hannover ein Capital von 6000 Thaler Courant anzusetzen[…] Ich errichte solche Stiftung zum theuren Mir ewig unvergesslichen Gedächtnisse Meiner in Gott ruhen-den hochgeliebten Frau Großmutter Henriette, Her-zogin von Württemberg, Königlicher Hoheit, und lege deshalb dieser Stiftung den Namen ‚Henrietten-Stiftung’ bei.“ Mit diesen Worten legte Königin Marie am 1. Juli 1859 den Grundstein für das 1860 in der Residenz-stadt ins Leben gerufene evangelisch-lutherische Diakonissenmutterhaus Henriettenstiftung. Königin Marie war am 14. April 1818 als Marie Prinzessin von Sachsen-Altenburg, älteste von vier Töchtern von Herzog Joseph von Altenburg und Herzogin Amalie, Prinzessin von Württemberg, in Hildburghausen/Sachsen-Altenburg geboren. 1843 heiratete sie Kronprinz Georg von Hannover (1819-1878), Sohn des Welfenkönigs Ernst August (1771-1851) und seiner Gemahlin Friederike von Meck-lenburg-Strelitz (1778-1841). Das Prinzenpaar be-kam drei Kinder, Ernst August (geb. 1845), Friede-rike (geb. 1848) und Mary (geb. 1849). Das Welfische Königshaus hatte bereits mit der Förderung des 1840 von Ida Arenhold (1798-1863) gegründeten hannoverschen Frauenvereins für Ar-men- und Krankenpflege, aus dem das Krankenhaus Friederikenstift hervorgegangen war, sein Engage-ment bei der Etablierung der berufsmäßig verstan-denen, jedoch noch weit gehend autodidaktisch er-worbenen und ehrenamtlich ausgeübten Pflegetä-tigkeit unter Beweis gestellt. Obwohl Prinz Georg seit seinem 14. Lebensjahr blind war, trat er 1851 die Nachfolge seines verstor-benen Vaters an, er wurde König Georg V. und seine Gemahlin Königin Marie von Hannover. Georg V. regierte sein Land konsequent nach aristokratischen Grundsätzen und wehrte demokratische Elemente entschieden ab, woran er letztlich scheiterte. 1866 wurde das Königreich Hannover nach der Schlacht bei Langensalza von Preußen annektiert. Der König verlor Krone und Land und verbrachte seine letzten 13 Lebensjahre im Exil. Zwischen der königlichen Familie und der Groß-mutter der Königin mütterlicherseits, Henriette von Württemberg (1780-1857), die in Kirchheim unter Teck lebte und über ihre Mutter, Prinzessin Karoline von Oranien, mit dem Welfenhaus verwandt war, bestand ein inniges Verhältnis. Seit dem frühen Tod ihres Gemahls Ludwig von Württemberg im Jahre 1817, hatte Henriette ihren Landsitz zum diakoni-schen Mittelpunkt gemacht. Sie gründete, organi-sierte und förderte eine Reihe von wohltätigen An-stalten der Armen- und Krankenpflege. 1839 ließ sie das Wilhelmshospital in Kirchheim errichten, dessen Leitung sie Kaiserswerther Diakonissen übergab. Darüber entstanden Kontakte mit dem Initiator der „Diakonissenbewegung“, Pastor Theodor Fliedner (1800-1864)?, hauptsächlich aber mit dessen Frau Friederike (1800-1842)?. Gemäß dem Lebenswerk Henriettes (volkstümlich „Diakonisse im Fürstenge-wande“ genannt), setzte Königin Marie das ihr zu-geflossene Erbe zur Gründung einer Diakonissenan-stalt mit Namen Henriettenstiftung (Schwesternge-meinschaft mit Krankenhaus und Ausbildungstätte für den eigenen Pflegenachwuchs) ein, die in Praxis und Lehre dem Gemeinwohl dienen sollte. Das Statut der Anstalt legte das Protektorat der Kö-nigin fest und wies ihr im Gründungskomitee, das mehrheitlich mit Frauen besetzt war, eine ent-scheidende Rolle zu. Marianne von Hartmann geb. Meyer (1789-1885), Witwe von General Sir Julius Hartmann, fungierte als ihre Stellvertreterin. Der weibliche Einfluss im Komitee bewirkte eine Ab-wendung vom patriarchalen Kaiserswerther Mutter-hausmodell, indem es das von König Friedrich Will-helm IV. von Preußen (1795-1861) 1847 gestiftete Diakonissenmutterhaus Bethanien in Berlin, das von Oberin Mariane von Rantzau (1811-1855)? geführt wurde, zum Vorbild nahm und ebenfalls eine Oberin in die Leitungsposition berief, Emmy Danckwerts (1812-1865)?. Ihr unterstellt waren sowohl der Arzt, Dr. Franz Hüpeden (1829-1913), als auch der Pastor im Nebenamt, Hofprediger Gerhard Uhlhorn (1826-1901). Die junge Schwesterngemeinschaft musste gegen viel Widerstand in der Bevölkerung ankämpfen. Ins-besondere orthodoxe Lutheraner lehnten die weib-liche Diakonie ab, weil durch sie etwas „Fremd-artiges“ (Katholisches) in die lutherische Bekennt-niskirche eindringe. So war das Unternehmen noch lange Jahre sowohl ideell als auch finanziell auf Un-terstützung seitens der Königin angewiesen. Später erhielt es regelmäßige Beihilfen von der preußischen Regierung. 1863 wurde der imposante, im Rundbogenstil errich-tete Mutterhausneubau mit Krankenhaus bezogen. E. Danckwerts starb jung, im Jahre 1865, und nachdem Königin Marie 1866 das Schloss in Herrenhausen und 1867 auch die Marienburg verlassen hatte und dem König ins Exil nach Österreich gefolgt war, trat im Henriettenstift eine Wende ein. Uhlhorn eroberte 1869 für seinen Nachfolger Pastor Johannes Samuel Büttner (1831-1905) die Leitungsposition und dieser führte - in Abwehrstellung gegenüber der erstarken-den Frauenbewegung - patriarchale Strukturen im Henriettenstift ein mit nachteiligen Konsequenzen auch für die Pflegeausbildung. Aber die Verehrung und Dankbarkeit der Diakonissen gegenüber der Stifterin, die nach dem Tod von Georg V. im ober-österreichischen Gmunden ihren Witwensitz einrich-tete, wurde aufrecht erhalten durch Besuche, Briefe, Berichte, Mitteilungen, Gratulationsschreiben sowie Geschenke zu Geburtstagen. Von besonderem Wert sind die zum Geschenk gemachten und heute noch erhaltenen Fotoalben mit Wirkungsstätten von Diakonissen und mit Aufnahmen aller Schwestern. Gemäß den 1895 neu gefassten Henriettenstift-Statu-ten sollte nach Königin Maries Tod deren Tochter Mary als letzte Vertreterin des Welfenhauses das Ehrenamt der Protektorin fortführen. Diese starb je-doch vor ihrer Mutter, so nahm es ihre Schwester Friederike ein. Königin Marie starb umsorgt von Henriettenstift-Diakonissen 88jährig am 9. Januar 1907 in Gmunden.

Literatur

Dep. 103, Kgl. Hausarchiv, Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover. Ballauff, Marie: Zwei edle fürstliche Frauen: Herzogin Henriette von Württemberg und Königin Marie von Hannover. Hermannsburg 1910. Brosius, Dieter: „Allerhöchstihrer Majestät Lieblingsstiftung“. Königin Marie von Hannover und das Henriettenstift. In: Helbig, Wolfgang (Hg.): …neue Wege, alte Ziele – 125 Jahre Henriettenstiftung Hannover. Hannover 1985. Brosius, Dieter: Georg V. von Hannover – der König des „monarchischen Prinzips“. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte (=NF Ztsch. d. Hist. Vereins f. Niedersachsen) Bd. 51 (1979), S. 253-291. Spitzbart, Ingrid: König Georg V. von Hannover und seine Familie im Gmundener Exil. In: Kleindorf, Gudrun; Moritz, Thomas (Hg.): „Größer noch als Heinrich der Löwe“. König Georg V. von Hannover als Bauherr und Identitätsstifter. Ausst. Kat. Duderstadt 2003. Willis, Geoffrey Malden: Hannovers Schicksalsjahr 1866 im Briefwechsel König Georgs V. mit der Königin Marie (=Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen, Bd. XXV). Hildesheim 1866. Weber-Reich, Traudel: „Wir sind die Pionierinnen der Pflege…“ – Krankenschwestern und ihre Pflegestätten im 19. Jahrhundert am Beispiel Göttingen (=Robert Bosch Stiftung, Reihe Pflegewissenschaft). Bern, Göttingen, Toronto, Seattle 2003.

Marie, Königin von Hannover

Version vom: 
2004-01-20

Zitation

T. Weber-Reich. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von T. Weber-Reich, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 3. hpsmedia, 2004. S. 190-191

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Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=661

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