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Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Who was who in nursing history: MOLLENHAUER, Paul Louis Adolf
MOLLENHAUER, Paul Louis Adolf
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 7, Seite(n) 185-188.
 

Biographie

An wissenschaftlichen Fachzeitschriften der Krankenpflege, die nicht verbandsgebunden waren, gab es in den ersten beiden Jahrzehn­ten des 20. Jahrhun­derts die „Deutsche Krankenpflege-Zei­tung. Fachzeitung für die Gesamtinte­ressen des Kranken­pflegeberufs“ von Dr. med. Paul Ja­cobsohn (1868-1931)  und Dr. med. Eduard Diet­rich (1860-1947) , „Die Kranken­pflege. Monatsschrift für die gesamten Zweige der Krankenpflege und Krankenbe­handlung in Wissenschaft und Praxis“ von Dr. med. Martin Alfred Mendelsohn (1860-1930)  sowie „Die Schwester. Illustrierte Mo­natsschrift für die Berufsfortbildung auf dem gesamten Gebiete der Krankenpflege“, die von Dr. med. Paul Mollenhauer gemeinsam mit der Oberin Elsa Hilliger (ab 1921 Elsa Fleischmann-Hilliger) (1888-1976)  fünf Jahre lang – von 1918 (1. Jahrgang) bis 1922 (5. Jahrgang) – herausgegeben wurde und im Berliner Verlag von Julius Springer erschien. Zu den Autorinnen der illustrierten Monats­schrift gehörten auch bedeutende Persönlich­keiten der Krankenpflege wie Erna von Abendroth (1887-1959)  und Alice Sa­lomon (1872-1948) .

Paul Louis Adolf Mollenhauer wurde am 20. Februar 1884 in Königsberg als Sohn des Bandagen-Fabrikanten und Orthopädie-Me­chanikermeisters Louis Mollenhauer und sei­ner Ehefrau Emma (geborene Reinhold) gebo­ren. Von Hause aus evangelischer Konfession besuchte er zunächst die Vorschule der städti­schen Realschule in Königsberg, dann vom Jahre 1893 an die Königliche Oberrealschule auf der Burg in Königsberg. Diese verließ er Ostern 1901 mit dem Zeugnis der Oberse­kunda (Jahrgang 11), um als Lehrling in die Fabrik für chirurgische Mechanik und Ortho­pädie von Hermann Windler in Berlin einzu­treten. Nach dem er erfolgreich seine Berufs­ausbildung als Orthopädiemechaniker abge­schlossen hatte, besuchte er wieder die Kö­nigliche Oberrealschule auf der Burg in Kö­nigstein, wo er am 4. März 1907 die Reifeprü­fung ablegte. Sein 1907 in Freiburg begonne­nes Medizinstudium setzte er nach einem Se­mester in München fort, um dann – wiederum nach einem Semester – an die Albertus-Uni­versität in Königsberg zu gehen, wo er im Juli 1909 die ärztliche Vorprüfung bestand. Seine klinischen Studien setzte er an seiner Hei­matuniversität fort, wo er im Mai 1912 das ärztliche Staatsexamen bestand. Nach vier Monaten Tätigkeit in der Königlichen medi­zinischen Universitätsklinik in Königsberg wechselte er am 1. November 1912 zur chi­rurgischen Universitäts-Klinik Leipzig, wo er 1913 auch zum Dr. med. promovierte. Nach Zwischenstation in Dresden ging er Ende März 1914 als Assistent zu Prof. Dr. med. Konrad Alexander Theodor Biesalski (1868-1930)  an das Urban-Krankenhaus in Berlin, der ihn bald danach in das Oskar-Helene-Heim für Heilung und Erziehung ge­brechlicher Kinder in Berlin-Zehlendorf übernahm.

Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) arbeitete Paul Mollenhauer in einem im Urbankran­kenhaus eingerichteten Vereinslazarett für Knochen- und Gelenkverletzungen. Zugleich leitete er die auf Anregung seines Chefs ab­gehaltenen Fortbildungskurse für Orthopädie-Innungsmeister und für Krankenschwestern. Nach dem Krieg wurde er im November 1920 als Regierungs-Medizinalrat beim Versor­gungsamt Allenstein zum Leiter der orthopä­dischen Dienststelle berufen und versah gleichzeitig das schon bestehende, vom Va­terländischen Frauenverein unterhaltene Krüppelheim Dorotheenhaus mit 30 Betten, dem er nach baldigem Ausscheiden aus dem Versorgungsamt seine ganze Arbeitskraft widmete. Im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) wurde das Haus, das bereits zuvor auf 80 Betten erweitert und nach dem Muster des Oscar-Helene-Heims eingerichtet und betrie­ben worden war, zeitweise als Speziallazarett für Kriegsversehrte verwendet. Als Allenstein im Januar 1945 eingenommen wurde, blieb Paul Mollenhauer dort, um unter großen Schwierigkeiten seinen Pflichten nachzuge­hen. Im August 1946 nach Westdeutschland entlassen, fand er schließlich im Annestift bei Prof. Dr. med. Kurt Lindemann (1901-1966) in Hannover eine Möglichkeit zur ärztlichen Tätigkeit.

Im Juli 1949 verzog Paul Mollenhauer, der verheiratet war und zwei Söhne hatte, nach Australien, wo sich bereits die Mehrzahl sei­ner Verwandten angesiedelt hatte. Er bekam die Zulassung als „orthopaedic surgeon“ in Sidney. Paul Mollenhauer erlitt 1959 mehrere Schlaganfälle, an deren Folgen er nach vier­monatigem Krankenlager am 28. Februar 1960 in Dover Heights (New South Wales) verstarb.

Am 1. Januar 1918 erschien die erste Ausgabe der Fachzeitschrift „Die Schwester“, zu deren Intention die Herausgeber einführend schrei­ben: „Mit der vorliegenden Zeitschrift wollen wir allen deutschen Schwestern, ganz gleich, wo sie sich befinden und auf welchem Ge­biete der Krankenpflege sie sich betätigen, ein Mittel zur Fortbildung in die Hand geben. Wir wollen die vom Bundesrat im Jahre 1906 festgelegten Richtlinien für das staatliche Examen der Krankenpflegepersonen weiter ausbauen, das Wissen der Schwestern vertie­fen und ihnen zu gleicher Zeit Einblick geben in erprobte Heilmethoden und in wertvolle neue Ergebnisse der medizinischen For­schung. Unsere Aufgabe wird sich lediglich auf die Fortbildung im Beruf beschränken, ohne auf religiöse, organisatorische und so­zial-wirtschaftliche Sonderströmungen der einzelnen Schwesternschaften einzugehen; denn wir wollen den Schwestern aller Konfes­sionen das geben, was allen gleiches Bedürf­nis und allen gleich nötig ist: eingehende Weiterbildung in der Arbeit, Kenntnis der hygienischen Einrichtungen und Verstehen der Forderungen für unsere gesamte Volksge­sundheit.

Einen weiteren wesentlichen Zweig der Zeit­schrift, so Paul Mollenhauer und Elsa Hilli­ger, „wird die Kriegsbeschädigtenfürsorge bilden: Die Schwester muß mit der amtlich bürgerlichen Fürsorge vertraut sein, auch hier die verständnisvolle Helferin des Arztes wer­den und ihrerseits schon im Krankenzimmer den Anfang machen. Ebenso wollen wir von neuen Wegen für die Ernährung unserer Kranken und Kinder berichten, um trotz der Lebensmittelbeschränkung in zweckmäßiger Weise für ihre Genesung und ihr Gedeihen sorgen zu können. Ferner wird auf Art und Verwendung zahlreicher guter Ersatzstoffe für wichtiges Bedarfsmaterial in der Kranken­pflege hingewiesen und erprobte Neuerungen, die aus der Beschränkung heraus oft mit we­nig Mitteln entstanden sind, mitgeteilt wer­den, um sie dadurch allen Krankenhäusern zuzuführen.“

Während der erste bis dritte Jahrgang (1918-1920) der Zeitschrift von Elsa Hilliger und Paul Mollenhauer herausgegeben wurde, än­derte sich mit dem vierten Jahrgang (1921) die Herausgeberschaft in der Art, dass Elsa Fleischmann-Hilliger (die im selben Jahr ge­heiratet hatte), nun an erster Stelle stand, ebenso wie in der jeweiligen Rubrik „Für die Redaktion verantwortlich“. Zugleich verän­derte sich das Profil der „Illustrierten Monats­schrift für die Berufsfortbildung“ dahinge­hend, dass nun die Beiträge, im Gegensatz zu vorher nicht nur von Ärzten, sondern – etwa im gleichen Umfang – auch von Schwestern publiziert wurden.

Die erstmals 1898 erschienene „Deutsche Krankenpflege Zeitung“ hatte ihr Erscheinen im Jahre 1917 wegen Papiermangels einstel­len müssen. Dasselbe Schicksal ereilte auch fünf Jahre später (1922) – auf dem Gipfel der Weltwirtschaftskrise mit einer der radikalsten Geldentwertungen in großen Industrienatio­nen – auch „Die Schwester“; mit dem zwölf­ten Heft des fünften Jahrgangs 1922 erschien die letzte Ausgabe. Unter der Überschrift „An die Leser!“ schrieben hierzu Elsa Fleisch­mann-Hilliger und Paul Mollenhauer: „Als wir in dem schweren Kriegswinter 1917/18 mit weitgehendsten Plänen unsere Zeitschrift vorbereiteten, mußten wir auf Anordnung der Behörden der Papierknappheit wegen ihren Umfang beschränken. [...] Heute nun nach fünfjährigem Bestehen wird ‚Die Schwester‘ von gleichem Schicksal ereilt, das in letzter Zeit und zu gleicher Stunde viele andere Zeit­schriften erreicht hat. Die Herstellungskosten erhöhen sich in schnellster Folge. Bei dem dunklen Ausblick für das kommende Jahr muß sich ein erhebliches Mißverhältnis zwi­schen dem notwendig werdenden Abonne­mentspreis der Zeitschrift und dem durch­schnittlichen Einkommen der Schwestern ergeben. Die Gehälter werden bei weitem nicht in dem Maße steigen. Deshalb muß trotz der hohen Abonnentenzahl das Erscheinen der Schwester eingestellt werden.“

Paul Mollenhauer hatte in „Die Schwester“ fünf Beiträge zu orthopädischen Themen ver­öffentlicht. Für die von Hermann Windler zur Feier des hundertjährigen Bestehens seiner Firma herausgegeben Festschrift „Fabrik chi­rurgischer Instrumente und Bandagen 1819-1919“ steuerte er den Beitrag „Die Entwick­lung der orthopädischen Heilkunde“ bei, in er unter anderem auch auf die Verdienste von Konrad Alexander Theodor Biesalski (1868-1930)  und Hermann Kruckenberg (1863-1935) ?o für die „Krüppelfürsorge“ würdigte.


Literatur

Fleischmann-Hilliger, Elsa / Mollenhauer, Paul: An die Leser! In: Die Schwester. Illustrierte Monatsschrift für die Berufsfortbildung auf dem gesamten Ge­biete der Krankenpflege, 5. Jg., 1922, Heft 12, De­zember 1922, Seite 177.

Mollenhauer, Paul: Die Endausgänge der Coxa vara rachitica und adolescentium auf Grund von Nach­untersuchungen. Dissertation der Universität Leipzig. Druck von Emil Lehmann. Leipzig 1913 (58 Seiten).

Mollenhauer, P[aul]: Neue Wege zur Bewertung von Armstümpfen. In: Die Schwester. Illustrierte Mo­natsschrift für die Berufsfortbildung auf dem ge­samten Gebiete der Krankenpflege, 1. Jg., 1918, Heft 2, Februar 1918, Seite 25-28.

Mollenhauer, Paul: Die Wirbeltuberkulose. In: Die Schwester. Illustrierte Monatsschrift für die Berufs­fortbildung auf dem gesamten Gebiete der Kran­kenpflege, 1. Jg., Heft 7, Juli 1918, Seite 105-111

Mollenhauer, Paul: Die Entwicklung der orthopädi­schen Heilkunde. In: Windler, H[ermann]: H. Windler, Fabrik chirurgischer Instrumente und Bandagen 1819-1919. Festschrift zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Firma. Druck von Gebrüder Reichel in Augsburg. Berlin 1919, Seite 33-49.

Mollenhauer, P[aul]: Die Hand und ihr Ersatz durch die Kunsthand. In: Die Schwester. Illustrierte Monats­schrift für die Berufsfortbildung auf dem gesamten Gebiete der Krankenpflege, 2. Jg., Heft 7, Juli 1919, Seite 97-101.

Mollenhauer, P[aul]: Die Hand und ihr Ersatz durch die Kunsthand. In: Die Schwester. Illustrierte Monats­schrift für die Berufsfortbildung auf dem gesamten Gebiete der Krankenpflege, 2. Jg., Heft 8, August 1919, Seite 113-115.

Mollenhauer, P[aul]: Fußleiden. In: Die Schwester. Illustrierte Monatsschrift für die Berufsfortbildung auf dem gesamten Gebiete der Krankenpflege, 3. Jg., Heft 3, März 1920, Seite 32-36.

Mollenhauer, Paul / Hilliger, Elsa (Hrsg.): Die Schwester. Illustrierte Monatsschrift für die Berufs­fortbildung auf dem gesamten Gebiete der Kran­kenpflege. Julius Springer. Berlin (1. Jg. 1918 – 5. Jg. 1922) (ab 1921 hieß Elsa Hilliger: Elsa Fleischmann-Hilliger).

Mollenhauer, Paul / Hilliger, Elsa: Zur Einführung. In: Die Schwester. Illustrierte Monatsschrift für die Be­rufsfortbildung auf dem gesamten Gebiete der Krankenpflege, 1. Jg., Heft 1, Januar 1918, Seite 1.

Osten, Philipp: Die Modellanstalt. Über den Aufbau einer „modernen Krüppelfürsorge“ 1905-1933 (Mabuse-Verlag Wissenschaft, Band 79). Mabuse-Verlag. Frankfurt am Main 2004, Seite 174.

Rosenfeld, Leonhard: Modelle und Paßteile für Am­putation des Unterschenkels. In: Archives of Or­thopaedic and Trauma Surgery. Berlin, Heidelberg, 22. Jg., Nr. 1-2, März 1923, Seite 8-13.

Scholz, Harry: Paul Mollenhauer. In: Altpreußische Biographie. Herausgegeben im Auftrage der Histo­rischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung von Kurt Forstreuter und Fritz Gause, Band 3 (Ergänzungen zu Band 1 und 2). N. G. Elwert Verlag. Marburg 1975, Seite 1026.

Windler, H[ermann]: H. Windler, Fabrik chirurgischer Instrumente und Bandagen 1819-1919. Festschrift zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Firma. Druck von Gebrüder Reichel in Augsburg. Berlin 1919 (63 Seiten).

Wolff, Horst-Peter: Erna von Abendroth. In: Horst, Peter Wolff (Hrsg.): Studien zur deutschsprachigen Geschichte der Pflege. Unter Mitarbeit von Jutta Wolff, Arno Kalinich und Adelhaid Kastner. Ma­buse Verlag. Frankfurt am Main 2002, Seite 92-146, hier Seite 120.

www.pl.wikipedia.org/wiki/Paul_Mollenhauer [08.11.2014].

Bildquelle: Osten, Philipp: Die Modellanstalt. Frank­furt am Main 2004, Seite 174.

MOLLENHAUER, Paul Louis Adolf

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 185-188

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Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=456

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