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Who was who in nursing history: MAGAW, Alice
MAGAW, Alice
Artikel von: Volker Klimpel
Erschienen in Band 7, Seite(n) 174-175.
 

Biographie

In der Geschichte der Anästhesie war es lange Zeit Usus, ärztliche Aufgaben an Krankenschwes­tern zu übertragen, die dann von diesen mit Bravour gelöst wurden. Ein beson­ders eindrucksvolles Beispiel dafür be­gegnet uns in der Person von Alice Magaw, die am 9. November 1860 in Coshocton / Ohio geboren wurde. Nachdem sie mit ihrer Familie 1881 nach Rochester in Minnesota übergesiedelt und 17 Jahre alt geworden war, erhielt sie ihre pflegerische Ausbildung am Women’s and Children’s Hospital in Chicago, wo sie nach dem Examen 1889 zunächst als private Krankenschwester arbeitete. Als ihre Freundin und Kollegin Edith Graham 1893 den Arzt Dr. Charles Horace Mayo (1865-1939) heiratete, folgte Alice Magaw dem Ehepaar und wurde Narkoseschwester am St. Marys Hospital in Rochester, das von Fran­ziskanerinnen gegründet worden war und später die berühmte Mayo-Klinik wurde und als größte Gruppenpraxis und „Gesundheits­fabrik“ der Welt gilt.

Magaw arbeitete von 1898 bis 1908 im Team von Charles und William Worrel Mayo (1819-1911), die sie ausschließlich Narkosen machen ließen. Dieser hohe Grad der Spezia­lisierung führte schließlich dazu, dass Alice Magaw es an Können und Wissen auf diesem Gebiet mit jedem Arzt aufnehmen konnte und den Beinamen „Narkosearzt“ erhielt, wobei hinzuzufügen ist, dass einen Facharzt für An­ästhesiologie im heute Sinne noch nicht gab. Charles Mayo bezeichnete seine treue Mitar­beiterin einmal als „Mutter der Anästhesie“, zu Recht, wenn man bedenkt, in welcher Weise Schwester Alice dem Narkosewesen ein wissenschaftliches Fundament gab. Un­gewöhnlich für eine Krankenschwester war auch ihre wissenschaftlich-publizistische Tä­tigkeit. Von herausragender Bedeutung waren zu jener Zeit ihre folgenden Zeitschriftenbei­träge: „Observations in Anaesthesia“ (1899), „Observations on 1092 Cases of Anaesthesia from Jan. 1, 1899 to Jan. 1, 1900“ (1900), „A Report of 245 Cases of Anaesthesia by Ni­trous Oxyd Gas and Ether“ (1901), „Observa­tions Drawn from an Experience of Eleveb Thousand Anaesthesias“ (1904) und „A Reviwe of Over Fourteen Thousand Surgical Anesthesias“ (1906). Diese Verlaufsbe­obachtungen und Analysen aus der Feder ei­ner Krankenschwester halfen mit, die wissen­schaftliche Anästhesiologie zu begründen. In der Praxis achtete Schwester Alice auch auf die psychische Situation, auf die Vorbereitung und auf die Nachsorge des Patienten, ohne dass sie den Begriff des „prä- und postopera­tiven Managements“ kannte. Daneben hielt sie Vorträge vor Schwestern und Ärzten und schulte andere Krankenschwestern und -Pfle­ger in der Durchführung der Narkosen. Als die Ärzte darauf drängten, wegen der schnel­leren Wirkung zunehmend Chloroform zu benutzen, erkannte Frau Magaw dessen Ge­fährlichkeit und bestand mit Erfolg darauf, beim Äther zu bleiben. Immerhin konnte sie 1906 über 14.000 Äthertropfnarkosen ohne Todesfall berichten. Hunderte von Ärzten und Krankenschwestern aus aller Welt kamen nach Rochester, um die von Magaw und den Mayos entwickelten Narkosetechniken zu studieren. Dass William und Charles Mayo Schwester Alice außerdem zu einem Mikro­skopierkurs nach Chicago schickten und sie anschließend mit der Leitung des pathologi­schen Labors der Klinik betrauten, wirft ein weiteres Licht auf die wissenschaftlichen Qualitäten dieser „einfachen Kranken­schwester“. Es sei noch erwähnt, dass ihre 1908 mit dem Arzt Dr. Georg Kessel, einem 52-jährigen Witwer mit vier Kindern, ge­schlossene Ehe 1919 geschieden wurde. Frau Magaw-Kessel hatte in dieser Zeit in dem von ihrem Ehemann gegründeten Krankenhaus in Cresco / Iowa ebenfalls als Narkoseschwester gearbeitet. Nach der Trennung kehrte sie wie­der an die Mayo-Klinik zurück, wo sie sich aus gesundheitlichen Gründen allmählich aus der Arbeit im Operationssaal zurückzog und sich der Lehrtätigkeit widmete. Am 17. Feb­ruar 1928 starb Alice Magaw an den Folgen der Diabeteserkrankung.


Literatur

Krutoff, Leo: Die Mayo-Klinik. 400 Ärzte für einen Patienten. 2. Auflage. Econ. Düsseldorf, Wien 1967, Seite 162-163.

www.aahn.org/gravesites/magaw.html-8k.

Bildquelle: www.anaesthesia-nursing.com/magaw. jpg.

MAGAW, Alice

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Volker Klimpel. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Volker Klimpel, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 174-175

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=450

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