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Jun 01, 2020 Last Updated 11:41 AM, May 20, 2020

Who was who in nursing history: MADSEN, Maria
MADSEN, Maria
Artikel von: Gunilla Svensmark
Erschienen in Band 7, Seite(n) 172-174.
 

Biographie

Maria Madsen war am 30.März 1900 als Tochter eines Bauern in Süd-Jutland geboren worden, das von 1864 bis 1920 zu Deutsch­land gehörte. Wie alle anderen Kinder dort besuchte sie eine deutsche Vorschule. Sie lernte nicht viel, außer flüssiges deutsch, was ihr später sehr zugute kam, als sie Präsidentin des Dänischen Krankenpflegeverbandes wurde. Wesentlich mehr lernte sie zuhause, wo ihr Vater die Kinder und Angestellten des Bauernhofes in Ge­schichte, Dänisch und Rechtschreibung unterrichtete. Ihre Mutter brachte ihnen dänische Psalmen und Lieder bei. Nach ihrer Konfirmation ging sie auf eine weiterführende Schule in B?rkop, wo sie das zuhause Gelernte ergänzte.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs (1914-1918) wurde ihr Vater zum Militärdienst eingezo­gen, ein Jahr später auch ihr ältester Bruder, der in einem deutschen Feldkrankenhaus ster­ben sollte. Seit ihrem 12. Lebensjahr wollte Maria Madsen Ärztin werden. Ihre Eltern unterstützten die Pläne. 1922 beendete sie das Gymnasium mit dem Abitur in S?nderborg und begann an der Universität Kopenhagen ein Medizinstudium. Während ihrer freiwilli­gen Arbeit im Gemeindekrankenhaus kam sie sehr gut mit den Krankenschwestern zurecht. Sie entwickelte ein so starkes Interesse an der Krankenpflege und deren Entwicklungsmög­lichkeiten, dass sie sich dazu entschloss, ihr Medizinstudium abzubrechen und sich von 1925 bis 1928 einer Ausbildung als Kranken­schwester am Bispebjerg Krankenhaus unter der renommierten Oberschwester Charlotte Munck (1876-1932)  zu unterziehen. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie dort bis 1936 als Schulschwester, nur kurzzeitig von 1929 bis 1930 vertreten durch einen Lehrer der Krankenpflegevorschule in Trestrup [Ma­ren Grosen (1882-1961) ].

1936 wurde die R?dkilde Volkshochschule auf der Insel M?n in eine Krankenpflegevor­schule umgewandelt und Maria Madsen zur ersten Direktorin ernannt. 1940 wurde sie zur Vizepräsidentin und 1941 zur Präsidentin des Dänischen Krankenpflegeverbandes gewählt. Sie behielt ihre Stelle an der R?dkilde Kran­kenpflegevorschule, bis ihre Arbeit als Präsi­dentin sie 1946 ganz in Anspruch nahm. Sie pendelte regelmäßig zwischen M?n und Ko­penhagen, sogar während des Zweiten Welt­kriegs (1939-1945), als es keine Fahrradreifen mehr gab. Sie war begeistert von dieser spezi­ellen Form der Volkshochschule, die allge­meine und spezielle Themen zu einem guten Ganzen zusammenfasste. Ihr Leben lang zollte sie diesen Schulen große Anerkennung und war behilflich, acht weitere Krankenpfle­gevorschulen einzurichten, um die Kranken­pflegeausbildung zu verbessern.

Während der Präsidentschaft von Maria Madsen stieg die Zahl der im Dänischen Krankenpflegeverband organisierten Mitglie­der von 15.000 auf 38.000 an. Sie arbeitete unermüdlich daran, die Bezahlung des Pfle­gepersonals zu verbessern. Maria Madsen wollte, dass die Bezahlung der Ausbildung und der damit verbundenen Verantwortung angepasst wird. Es war harte Arbeit und sie beschwerte sich gelegentlich darüber, dass es unmöglich schien, die Bezahlung der Kran­kenschwestern in einer von Männern domi­nierten Arbeitswelt zu verbessern.

Maria Madsen arbeitete aber genauso intensiv an anderen Themen des Dänischen Kranken­pflegeverbandes, insbesondere an einer stan­dardisierten und verbesserten Krankenpflege­ausbildung. Ihr Ziel war es, die Krankenpfle­geausbildung in einer Schule zusammenzu­fassen. Diese sollte den theoretischen Teil vermitteln, durchsetzt mit praktischen Übun­gen in den Krankenhäusern. Dadurch waren die Auszubildenden nicht mehr nur billige Arbeitskräfte, mussten nun aber eine Ausbil­dungsgebühr bezahlen. 1956 wurde vom Par­lament der neue Act on Nursing verabschiedet und zwei Jahre später eine generelle Kran­kenpflegeausbildung mit einer Vorbereitungs­schule eingeführt. Zu Enttäuschung von Ma­ria Madsen waren die Ausbildungsgebühren nicht gestrichen worden, so wie sie es wollte.

1951 wurde die Krankenpflegeausbildung auch für Männer geöffnet, eine Entwicklung, die Maria Madsen wärmstens begrüßte. Sie unterstützte zudem den Vorschlag, zur Aus­führung von Routinearbeiten Hilfskräfte in der Krankenpflege auszubilden, damit sich das höher qualifizierte Pflegepersonal auf andere Arbeiten konzentrieren konnte.

Aufgrund ihrer Präsidentschaft war Maria Madsen Mitglied in zahlreichen Komitees. Neben vielen Vereinigungen in Dänemark war sie auch von 1956 bis 1958 Präsidentin der Nordic Nurses Federation und von 1946 bis 1968 Mitglied des Internationalen Kran­kenpflegeverbandes (ICN). Sie hatte großes Interesse an der internationalen Arbeit und war Ehrenmitglied in allen vier Nordischen Krankenpflegevereinigungen, zudem eine hochgeschätzte Rednerin bei Treffen und Konferenzen. Während der Besetzung im Zweiten Weltkrieg half sie norwegischen Kollegen mit Essenslieferungen, wobei sie letztlich im Untergrund agieren musste. Kurz nach dem Krieg lud sie ausgehungerte Kolle­ginnen aus den nordischen Ländern und den Niederlanden nach Dänemark ein, um sie auf­zubauen und ihnen einen Urlaub zu ermögli­chen.

Maria Madsen war eine Person von hoher Integrität, die unermüdlich viele verschiedene Aufgaben während ihrer Präsidentschaft be­wältigte. Sie erschien immer gut gelaunt zu den Besprechungen mit ihren Mitarbeitern, deren Unterstützung sie sehr schätzte. Sogar in sehr angespannten Situationen gelang es ihr, den Respekt ihrer Gegner zu gewinnen.

Ihre Stärke war ihre Heimat in Süd-Jutland, ihre christliche Lebenseinstellung sowie die Überzeugung von der Notwendigkeit einer verbesserten Krankenpflegeausbildung und einer verbesserten Bezahlung des Pflegeper­sonals. Das Interesse an der Geschichte der Krankenpflege und deren herausragenden Persönlichkeiten gaben ihr Perspektiven für die Arbeit. Auch die dänischen Königinnen fand sie faszinierend, besonders diejenigen, die sich aktiv für die Verbesserung der Ge­sellschaft einsetzten. Maria Madsen reiste begeistert, wobei ihre Reiseerlebnisse sie auch noch im Rentenalter zu einer gefragten Gesprächspartnerin machten.

1954 wurde Maria Madsen zum „Ritter von Dannebrog“, und nachdem sie ihre Präsident­schaft an Kirsten Stallknecht abgetreten hatte, zum „Ritter von Dannebrog“ der Ersten Klasse ernannt.

Maria Madsen, die am 16. April 1974 starb, war mit 27 Jahren eine der langjährigsten Prä­sidentinnen des Dänischen Krankenpflege­verbandes. Lediglich Henny Tscherning (1853-1932) , von 1899 bis 1927 und Kirsten Stallknecht, von 1968 bis 1996, hatten mit 28 Jahren längere Amtszeiten.


Literatur

Beck, Peter / Gøtzsche, Inger (Ed.): Mindeskrift. Maria Madsen 30-3-1900–16-4-1974. Fro Publikationer 1975.

Gøtzsche, Inger: Maria Madsen. In: Danish Women's Encyclopaedia (online).

Gøtzsche, Inger: Sygeplejen og Højskolen 1927-1981. Dansk Sygeplejeråd 1996.

Bildquelle: Dänisches Museum für Krankenpflegege­schichte (Danish Museum of Nursing History).

MADSEN, Maria

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Gunilla Svensmark. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Gunilla Svensmark, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 172-174

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=449

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