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Jun 01, 2020 Last Updated 11:41 AM, May 20, 2020

Who was who in nursing history: LYNGBY, Eva
LYNGBY, Eva
Artikel von: Gunilla Svensmark
Erschienen in Band 7, Seite(n) 171-172.
 

Biographie

Eva Lyngby, die am 26. September 1898 geboren wurde, war die jüngste von vier Schwestern. Ihr Va­ter, Vikar in der St. Paul’s Kirche in Aarhus, war anfangs enttäuscht, weil es schon wieder ein „Mädchen“ war. Seine Haltung bereuend gab er ihr den Mittel­name Benedicte, was so viel wie die Geseg­nete bedeutet. Sie war ein Geschenk Gottes und sollte nicht als ungeliebtes Kind auf­wachsen. Sie wurde zum Sonnenschein der Familie, die durch ihre große Gastfreund­schaft charakterisiert war.

Der Vater war bedacht, dass seine Töchter eine gute Ausbildung erhielten und zeigte einen liberale Haltung, was ihr öffentliches Auftreten betraf. So erlaubte er ihnen bei­spielsweise entgegen dem Zeitgeist, Fahrrad zu fahren. Da er gesundheitlich stark ange­schlagen war, wollte er Eva Lyngby vor sei­nem Tod auf einem guten Weg sehen, was diese als Belastung empfand. Als Eva 15 Jahre alt war, zogen ihre Eltern nach Kopen­hagen, während sie in Aarhus blieb, um die Schule zu beenden. Weil ihr Vater starb, konnte sie die Sekundarstufe II, welche ihre Eltern für sie geplant hatten, nicht abschlie­ßen. Stattdessen zog sie zu ihrer Mutter nach Kopenhagen, wo sie eine Anstellung bei einer Versicherung fand.

Obwohl Eva Lyngby in einem High Church-Haushalt aufwuchs, war sie fasziniert von der Inneren Mission, wie sie von dem Olfert Ri­card und dem Laienprediger Frida Thomsen Pastor vertreten wurde. Trotz der Vorschläge ihre Familie und Freunde, die ihre viele Bil­dungsmöglichkeiten aufzeigten, hatte sie das Gefühl, einem Ruf zu folgen und Diakonisse und Krankenschwester zu werden. Sie ent­schied sich für die St. Luke’s Foundation und trat 1916, im Alter von 18 Jahren, dem Orden bei. In den nächsten Jahren durchlief sie die Ausbildung zur Schwester, ebenso wie zur Krankenschwester. Sie wurde zu einer kom­petenten und fähigen Krankenschwester, die immer die Kontrolle behielt. Außerdem ver­breitete sie gute Laune, wo immer sie hinging. Diese Charaktereigenschaften führten dazu, dass die Oberschwestern und die Verwaltung ihr die Leitung der Lernschwestern anver­trauten. 1923 wurde sie zur Diakonissin ge­weiht und bereits im darauffolgen Jahr zur Oberin der Foundation. Sie folgte damit Isa­belle Brockenhuus-L?wenhielm, und das im Alter von nur 26 Jahren. Sie übernahm eine große Verantwortung und brauchte ihr ganzes Talent, um die Vereinigung zu leiten. Dane­ben musste sie auch trotz ihres jungen Alters die Rolle als „Mutter“ übernehmen und für alle ein Zuhause bieten. Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin, arbeitete Eva Lyngby problemlos mit Pastor Paul Müller, dem Rektor der St. Luke’s Foundation, zusammen.

Während der Amtszeit von Eva Lyngby und bis in die 1950er Jahre wuchs die Zahl der Schwestern der St. Luke’s Foundation konti­nuierlich an, so dass sie 1932 in ein neues Mutterhaus in Hellwerup, im Norden von Kopenhagen, ziehen musste. Daneben wurde ein Säuglings- und Kinderheim, ein Heim für Priester und Ärzte sowie für alte Schwestern neben dem neuen Mutterhaus erbaut. Außer­dem wurde ein komplett modernes Kranken­haus errichtet mit einer eigenen Krankenpfle­geschule, die bis 1945 nur für Krankenpflege-Schwestern war, danach aber auch Laien of­fenstand.

Das Diakonissenheim wurde zu einer Zeit erbaut, in der die Sozialpolitik noch wenig entwickelt war. Trotzdem wurde in der Zwi­schenkriegszeit ein Sozialstaat gegründet und soziale Leistungen zu einem öffentlichen Thema. Eva Lyngby profitierte von dieser Entwicklung, die sie als Anregung für ihr Engagement in der St. Luke’s Foundation betrachtete. Sie koordinierte die vielseitige Arbeit der Schwestern, die sich um ältere Menschen, häusliche Pflege und Gemeinde­krankenpflege kümmerten.

Während der langen Erkrankung ihres Vaters hatte Eva Lyngby gelernt, sich um leidende Menschen zu kümmern. Deshalb sah sie in der Krankenpflege eine Lebenseinstellung und Berufung. Sie empfand es als unpassend, die Krankenpflege nur unter dem Aspekt der Erwerbsmentalität zu sehen. Von daher war sie auch, entgegen dem Dänischen Kranken­pflegeverband (DNO), strikt dagegen, das Augenmerk nur die Bezahlung zu richten stellte in Frage, ob Diakonissen dort Mitglied sein sollten. Trotzdem teile sie die Meinung der DNO in Bildungsfragen und errichtete die beste Krankenpflegeschule im Land. Im Jahre 1925 wurde die Krankenpflegeausbildung von zwei auf drei Jahre erweitert mit einem Schwerpunkt auf Theorie und praktische Krankenpflege. Die spätere Präsidentin des Dänischen Krankenpflegeverbandes, Char­lotte Munck (1876-1932) , bezog sich immer wieder auf diese Initiative als exzel­lente Pionierarbeit.

Die Reform wurde innerhalb der St. Luke’s Foundation nicht verstanden, da dort die all­gemeine Meinung herrschte, dass man die Krankenpflege „am Bett“ und nicht in der Schule lerne. Ungeachtet der Kritik führte Eva Lyngby einen neuen Stundenplan ein. 1940 überlies sie das Management der Schule Elna Krogh Nielsen (1910-2007) , wel­che die Reformposition der Schule beibehielt.

Ein weiteres bedeutendes Thema war die Ge­winnung der Schwestern. Durch Vorträge und Artikeln kämpfte Eva Lyngby dafür, junge Frauen für die Arbeit als Diakonisse zu be­geistern. Die sinkende Zahl der Schwestern beunruhigte sie. Ein Rekrutierungsfeld sah sie dabei im kirchlichen Bereich, in dem sie den Gedanken der Diakoniebewegung national und international verbreitete. Dies tat sie durch verschiedene Lesungen, Vorträge und Beiträge in Komitees sowie philanthropischen und christlichen Vereinigungen, worin auch der Grund für ihre ständigen Reiseaktivitäten lag. Trotzdem hielt sie immer engen Kontakt zu ihrer Familie und wurde beispielsweise zum Vorbild für ihre Nichte Benedicte Ramsing (1912-1988), die eine ähnliche Kar­riere wie sie beschritt. Zur Trauer von Eva Lyngby konvertierte ihre Nichte zum Katholi­zismus und wurde keine Diakonisse, sondern eine St. Josephs-Schwester.

Nachdem Eva Lyngby 41 Jahre lang ihrer Schwesternschaft vorstand, setzte sie sich zur Ruhe und Signe Krogh folgte ihr im Amt nach. Eva Lyngby blieb in der St. Luke’s Foundation bis zu ihrem Tod am 8. Juli 1975, wobei sie in ihren letzten Lebensjahren durch Krankheit gequält war.

Eva Lyngby wird beschrieben als fantasie­volle, charakterstarke und würdevolle Frau. Sie zeigte ihre Gefühle nicht offen, aber jeder wusste, dass unter ihrem ernsten Äußeren eine warme und tiefgründige Person steckte. Sie war nicht nur fürsorglich, sondern besaß auch Organisationstalent und Intelligenz, um die sie jeder Vikar beneidete. Sie wurde 1957 mit der Florence Nightingale Medaille [Florence Nightingale (1820-1910) ] ausgezeich­net, 1932 mit der Royal Medal of Merit in Gold und 1960 zum Knight oft he Order von Dannebrog. Im Jahre 1965 wurde sie zum Ehrenmitglied im Verwaltungsorgan der St. Luke’s Foundation ernannt. Auch als Rentne­rin schrieb sie weiterhin Artikel für Zeit­schriften und war Koautorin verschiedener Bücher.


Literatur

Archive of St. Luke’s Foundation.

Malchau, Susanne: In: Danish Women's Encyclopaedia (online).

Bildquelle: Dänisches Museum für Krankenpflegege­schichte (Danish Museum of Nursing History).

LYNGBY, Eva

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Gunilla Svensmark. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Gunilla Svensmark, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 171-172

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=448

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