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Who was who in nursing history: LÜTKEN, Cecilie
LÜTKEN, Cecilie
Artikel von: Gunilla Svensmark
Erschienen in Band 7, Seite(n) 168-171.
 

Biographie

Cecilie Lütken wurde am 31. Mai 1864 als Tochter eines Bezirksver­walters geboren. Dementsprechend wuchs sie einem oberen Mittelklasse-Haushalt auf. Als sie elf Jahre alt war, wurde ihr Vater auf einen anderen Posten versetzt und die Familie zog auf die Insel Bornholm. Der Umzug beziehungsweise die neue und abgelegene Umgebung in der Ostsee gab ihr das Gefühl, verloren zu sein. Sie hatte Kummer und wurde zu einer ernsten und int­rovertierten Person. Glaubt man ihrem Tage­buch, das sie im Alter von 23 Jahren ver­fasste, fühlte sie sich selbst zu alt zum Tan­zen. Sie empfand ihre Kindheit als streng und voller Pflichten. Sie lehnte alle männlichen Annäherungsversuche ab, weil sie keine Kin­der haben wollte, und blieb ein Leben lang unverheiratet. Besonders verbunden fühlte sie sich ihrem ein Jahr älteren Bruder, dem späte­ren Oberst L.C.F. Lütken.

Im Alter von 19 Jahren besuchte Cecilie Lüt­ken die Zeichenschule für Frauen des angese­henen Malers Vilhelm Kyhn, hatte aber kei­nen Erfolg damit. In diesen Jahren nahm sie so wenig Nahrung zu sich, dass sie kaum noch gehen konnte. Deshalb wurde sie in eine Heilanstalt gebracht, wo sie sich mit intensi­ven Gymnastikstunden stärkte. Zur gleichen Zeit nahm sie Privatstunden in parlamentari­scher Stenographie. Von 1889 bis 1892 ar­beite Cecilie Lütken als Lehrerin und gab Privatstunden in Kopenhagen und Slagelse, einer Provinzstadt in Zealand, ihre Berufung hatte sie aber noch nicht gefunden.

Der Besuch einer Tante, die in Deutschland Oberkrankenschwester war, veränderte ihr Leben. Cecilie Lütken war empört, wenn ihre Tante von ihrer Arbeit erzählte und fiel in Ohnmacht, wenn sie Blut sah. Glaubt man ihr, hatte sie keinen Drang zur Krankenpflege. Sie fand es einen furchtbaren Beruf, dachte aber, sie würde vielleicht davon profitieren, wenn sie es einmal ausprobiere. Hierzu absolvierte sie eine einjährige Ausbildung in Bremen, die sie unglaublich anstrengend empfand. Das wichtigste Element dabei war Selbstkontrolle, die Cecilie Lütken für den Rest ihres Lebens als die grundlegendste Eigenschaft einer Krankenschwester ansah. Sie arbeitete als Krankenpflegerin für einige Jahre in Ham­burg, kehrte aber wieder nach Hause zurück, als ihr Vater 1896 starb. Trotz ihrer Erfahrung begann sie eine Ausbildung zur Kranken­schwester am Gemeindekrankenhaus in Ko­penhagen und wurde 1898 Krankenschwester am Militärkrankenhaus. Dort fand sie ihre wahre Berufung, die Militärkrankenpflege.

Im Jahre 1899 war Cecilie Lütken involviert in die Gründung des dänischen Krankenpfle­geverbandes und wurde zu deren Sekretärin ernannt. Die Arbeit des Dänischen Roten Kreuzes beschäftigte sie sehr lange. Im Na­men des Kriegsministeriums ging sie mehr­mals nach Deutschland, um dort Sanitätsan­gelegenheiten, insbesondere die Zusammen­arbeit zwischen den zivilen und militärischen Krankenschwestern kennen zu lernen. Zu­gleich begeisterte sie sich für Berichte zur Krankenpflege in Militärmagazinen und for­derte solche auch für Dänemark. Daraufhin wurde sie zur Delegierten des Kriegsministe­riums ernannt, in dem ihr Bruder stellvertre­tender Minister war. Viele Jahre strebten die Geschwister in Übereinstimmung mit dem deutschen Modell eine Veränderung des Dä­nischen Roten Kreuzes an und zwar von einer passiven, abwartenden Organisation zu einer im Krieg aktiv helfenden.

Cecilie Lütken bereitete Frauen auf die Arbeit in diesem Bereich vor, während sie von Ag­nete Claudius als Autorin für das dänische Krankenpflege-Journal empfohlen wurde. Sie schlug vor, dass auch ihr Bruder dem Gre­mium beitreten sollte, um eine Sanitätsko­lumne zu schreiben. Aufgrund seiner Arbeit fiel diese Aufgabe Cecilie Lütken zu. Eine größere Zahl von Frauen jedoch nicht gewon­nen werden. 1910 gelang es ihr immerhin, beim Dänischen Roten Kreuz einige Hilfs­schwestern für die Kriegskrankenpflege aus­bilden. Trotz ihrer Bemühungen blieb der Erfolg beschränkt. Auch mittellose Frauen war es nicht möglich, sich nur aus patrioti­schen Gründen einer unbezahlten Ausbildung zu unterziehen. Immerhin schafften Cecilie Lütken und ihr Bruder es, Frauen zu motivie­ren, 250.000 Pakete in den Jahren von 1912 bis 1925 für das Dänische Rote Kreuz und die Armee zu packen. Als Präsident des Däni­schen Roten Kreuzes wurde L.C.F. Lütken in immer mehr Aufgaben eingespannt. Als sein und Cecilie Lütkens Vorschlag für den nächsten Präsidenten nicht beachtet wurde, traten beide aus der Organisation aus, um ihren Unmut zu zeigen.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1914-1918) wurde Cecilie Lütken erlaubt, das Mi­litärkrankenhaus zu verlassen, um dem Däni­schen Roten Kreuz zu helfen. 1915 wurde sie zur Chefin der Militärkrankenpflege ernannt. Nun war sie verantwortlich für die Ausbil­dung der Krankenpflegehelfer, genauso wie für die Ausbildung in der allgemeinen Kran­kenpflege am Militärkrankenhaus. Zu ihren Aufgaben gehörte auch zweimal im Jahr die Inspektion der Krankenpflegenden an den zwölf weiteren Militärkrankenhäusern des Landes. Im Jahre 1917 wurde das Dänische Rote Kreuz reorganisiert und Cecilie Lütken ins neue Verwaltungsgremium gewählt. Von 1923 bis 1924 war sie zudem Präsidentin von dessen Sektion in Kopenhagen.

1918 wurde Cecilie Lütken erlaubt, ihre Stelle für einige Monate zu verlassen, um dem briti­schen Roten Kreuz zu helfen, 100.000 Kriegsgefangene über Dänemark nach Hause zu bringen. Sie nahm an vier Transporten über die Nordsee teil und berichte von ihren Erfahrungen im dänischen Krankenpflege-Journal. Während dieser Zeit engagierte sie sich besonders aus zwei Gründen. Erstens war sie wie ihr Bruder Sympathisant der Deut­schen, wahrscheinlich beeinflusst durch ihre Großmutter, die eine prodeutsche Schleswige­rin war und wie die Frau ihres Bruders eine ostpreußische Adelige. Zweitens war sie wie viele ihrer Zeitgenossen überzeugt davon, dass eine schnelle Wiederherstellung der Zentralmächte Europas und der neuen Staaten in Osteuropa ein Bollwerk gegen den Bol­schewismus bilden konnte. Von 1918 bis 1920 wirkte Cecilie Lütken im subscription committee in aid von Finnland mit. Sie schaffte es, dass 50 Frauen aus Vienna zur Genesung nach Dänemark kamen. Zugleich rief sie zur Unterstützung der Krankenhäuser in Vienna und Budapest auf, denen es an al­lem mangelte. Riesige Mengen an Gütern wurden gesammelt und von Cecilie Lütken persönlich in die beiden Städte gebracht. Über die dort herrschende entsetzliche Not berich­tete sie in mehreren Zeitungsartikeln.

Cecilie Lütken war Mitbegründerin von Da­naction, einer Organisation, die Kriegsgefan­gene von Sibirien zu den Zentralmächten nach Hause brachte. Zugleich unterstützte sie die dänische Sektion des Polnischen Roten Kreuzes. Im Jahre 1922 unternahm sie eine offizielle Reise nach Ungarn, wo die Folgen des Krieges noch spürbar waren. Nach ihrer Rückkehr hielt sie über ihre furchtbaren Ein­drücke in Schweden und Dänemark Vorträge und schrieb mehrere Artikel darüber. Im sel­ben Jahr engagierte sie sich bei der Eröffnung eines Rot-Kreuz-Sanatoriums in Hald in Jut­land, das Kriegsgefangene aus Deutschland und Österreich-Ungarn aufnahm und pflegte. Cecilie Lütken blieb zehn Jahre lang Mitglied in der Verwaltung des Sanatoriums.

Die Militärkrankenpflegeabteilung wurde 1924 aufgelöst und Cecilie Lütken erhielt eine Abfindung bis zu ihrer Rente 1929. Seither konzentrierte sie sich bis 1933 auf ihre Arbeit im Dänischen Roten Kreuz und im Sanato­rium, genauso wie auf ihre Präsidentschaft im Verbindungs-Komitee der Girl Scouts in Dä­nemark, in welchem sie Erfahrungen machte während ihren Sammlungen für Österreich und Ungarn. Den Rest der Zeit reiste sie. 1903 machte sie ihre erste, sechs Monate dau­ernde Reise in den fernen Osten, wohin sie vom Direktor der East Asian Company in Dänemark eingeladen worden war. Sie kehrte mehre Male nach Asien zurück. Während ihrer gesamten Karriere nahm sie sich immer wieder Zeit zum Reisen, manchmal berufsbe­dingt, manchmal aber auch zum Spaß. Wäh­rend ihren Reisen malte und zeichnete sie.

Neben ihrem Bruder erwähnt Cecilie Lütken in ihren Memoiren, die 1944 erschienen, nur wenige Menschen. Sie vertrat die Ansicht, dass man Menschen nicht zu nahe kommen sollte, weil sie einen nur enttäuschen. Trotz­dem war sie kontaktfreudig und an den Men­schen interessiert, denen sie auf ihren Reisen begegnete beziehungsweise zu denen sie im Rahmen ihrer beruflichen Aufgaben außer­halb von Dänemark Kontakt hatte. Über ihre tatsächliche Krankenpflegearbeit ist wenig bekannt. Aber als Verantwortliche für die Krankenpflegeausbildung gab sie vielen jun­gen Auszubildenden die Disziplin und Selbst­kontrolle weiter, die sie selbst erlebt hatte. Ihre Bemühungen, Hilfe für Vienna und Bu­dapest zu organisieren sowie ihre Arbeit im Sanatorium waren von großer humanitärer Bedeutung. Im Jahre 1934 erhielt Cecilie Lüt­ken die Royal Medal of Reward in Gold, ge­nauso wie Auszeichnungen vom Ungarischen und Österreichischen Roten Kreuz. 1949 wurde sie Ehrenmitglied des Dänischen Krankenpflegeverbandes. Cecilie Lütken starb am 7. Mai 1950.


Literatur

Lütken, Cecilie: For tyve Aar siden. In: Tidsskrift for Sygepleje 1912; 10:169-72.

Lütken, Cecilie: Et flygtigt Tilbageblik over 25 Aar. In: Tidsskrift for Sygepleje 1923; 7:83-6.

Petersen, Esther: Over grænser - om danske sygeplejer­skers arbejde og studier i udlandet 1899-1940. Dansk Sygeplejeråd 1990

Petersen, Esther: Fra opvarter til sygeplejersker. Dansk Sygeplejeråd 1988.

Vammen, Tine: Tropiske hospitaler. In: Sygeplejersken 2001; 30:33-6.

Zalewski, Barbara: Cecilie Lütken. In: Danish Wom­en's Encyclopedia (online).

Bildquelle: Dänisches Museum für Krankenpflegege­schichte (Danish Museum of Nursing History).

LÜTKEN, Cecilie

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Gunilla Svensmark. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Gunilla Svensmark, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 168-171

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Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=447

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