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Who was who in nursing history: LÖBKER, Karl
LÖBKER, Karl
Artikel von: Volker Klimpel
Erschienen in Band 7, Seite(n) 167-168.
 

Biographie

„Wir dürfen uns jetzt mit Recht der Hoff­nung hingeben, dass durch die Einrich­tung des Kranken­hauses ‚Bergmanns­heil’ ein Institut ge­schaffen ist, welches in hohem Maße ge­eignet ist, zur Milde­rung der im Revier bestehenden sozialen Gegensätze beizutra­gen“ (Löbker 1890). Mit dem von Reichs­kanzler Otto von Bismarck (1815-1898) 1884 eingeführten Unfallversicherungsgesetz war eine neue Epoche in der Medizin-, Pflege- und Sozialgeschichte in Deutschland ange­brochen. Zu ihren Pionieren zählte der Chi­rurg Karl Löbker, geboren am 15. September 1854 in Coesfeld, gestorben am 19. Oktober 1912 in Bochum.

Löbker hatte in Greifswald studiert, 1877 promoviert und war Assistent am dortigen Anatomischen Institut sowie an der Universi­täts-Frauenklinik gewesen, bevor er 1879 die chirurgische Ausbildung unter Professor Carl Hueter (1838-1882) absolvierte und sich 1882 für Chirurgie habilitierte. Anschließend ar­beitete er dann noch unter Hueters Nachfol­gern Paul Vogt (1844-1885) und Heinrich Helferich (1851-1945) an der Chirurgischen Universitätsklinik in Greifswald. Am 15. No­vember 1889 übernahm er als Beamter der Bergbau-Berufsgenossenschaft das von dem Architekten Heinrich Schwenger († 1906) entworfene und noch im Bau befindliche Knappschaftskrankenhaus „Bergmannsheil“ in Bochum. Es war das erste berufsgenossen­schaftliche Krankenhaus der Welt, besaß bei seiner Einweihung am 1. März 1890 120 Betten und hatte eine halbe Million Reichs­mark gekostet. Alle Krankenzimmer befanden sich – in Abkehr von dem bisherigen Pavil­lonsystem mit langen Transportwegen – in einem Gebäude. Das Krankenhaus erhielt 1892 ein mediko-mechanisches Institut und 1896 eine Röntgenabteilung. Besonderes Au­genmerk galt den Grubenverletzungen, der Tuberkulose und Staublunge und den Verlet­zungen an Kopf, Rumpf und Gliedmaßen. Der Dienstvertrag verpflichtete Löbker, seit 1891 Professor, zur jederzeitigen Anwesenheit bei dringlichen Behandlungsfällen. Deshalb wohnte er wie die meisten seiner ärztlichen Mitarbeiter im Krankenhaus. Nach Inbetrieb­nahme des Krankenhauses waren neben Löbker zwei Assistenzärzte und zwei Volon­tärärzte angestellt. Die wachsenden Aufgaben ließen die Ärztezahl bis 1907 auf 8 ansteigen. Von 1890 an versorgte zunächst nur ein Oberwärter mit vier Krankenwärtern, wie man die Krankenpfleger damals nannte, die Patienten. In einer von Löbker mit verfassten „Instruction für die Krankenwärter des Kran­kenhauses ‚Bergmannsheil’“ heißt es unter anderem: „§ 2. Die Krankenwärter sind zur Pflege und Wartung der Kranken, sowie zur Ausführung von häuslichen Arbeiten be­stimmt, soweit letztere in unmittelbarer Be­ziehung zur Krankenpflege stehen / § 3. Ord­nungsliebe und Reinlichkeit, unverdrossene Thätigkeit, Rechtschaffenheit, Nüchternheit und ein bescheidenes menschenfreundliches Benehmen wird den Krankenwärtern zur Pflicht gemacht“.

Im Bericht des Hauses von 1900 werden be­reits je 10 Wärterinnen und Wärter angege­ben, während aus dem Jahr 1906 über einen Oberwärter, 8 Stations-, drei Operations- und zwei Ausbildungspfleger sowie eine Ober­schwester, 8 Pflegerinnen und eine Wä­schereischwester berichtet wird. Über die Anstellung von Rotkreuz-Schwestern waren 1894 ein Vertrag mit dem Mutterhaus in Köln abgeschlossen und zunächst fünf Schwestern eingesetzt worden. Mit dieser Bindung, die bis in die 1970er Jahre anhielt, wollte Löbker eine konfessionelle Ausrichtung der Kran­kenpflege am „Bergmannsheil“ vermeiden – eine mutige Tat im katholischen Ruhrgebiet.

Das „Bergmannsheil“ fungierte von Anfang an nicht nur als Behandlungs- und Rehabili­tationsstätte, sondern auch als Aus- und Fort­bildungseinrichtung für Ärzte und Schwes­tern. Löbker hatte daran wesentlichen Anteil. Er verfasste auch eine Vielzahl unfallchirurgi­scher, allgemeinchirurgischer und gynäkolo­gischer Arbeiten und wurde zum Geheimen Obermedizinalrat ernannt. Sein bedeutendster Schüler war der später zur Dermatologie ge­wechselte nachmalige Rektor der Universität Köln, Professor Friedrich Bering (1878-1950). Löbkers Nachfolger im „Bergmanns­heil“ wurde 1913 Professor August Ludwig Karl Wullstein (1864-1930), der sich neben der Abdominalchirurgie die Therapie und Rehabilitation von Wirbelsäulen-Skoliosen besonders angelegen sein ließ. Die Etablie­rung einer hauseigenen Krankenpflegeschule am BG-Krankenhaus „Bergmannsheil“ in Bochum war trotz aller Bemühungen erst dem vierten Nachfolger Löbkers im Amt des Lei­tenden Arztes, Professor Heinrich Bürkle de la Camp (1895-1975) im Jahr 1934 vergönnt. In dieser Schule wurden zunächst nur Kran­kenpfleger ausgebildet. Vier Jahre später wurde eine Schwesternschule angeschlossen.


Literatur

Boyer, Josef: 1890-1990. Ein historischer Rückblick. In: 100 Jahre Bergmannsheil. Herausgegeben von der Bergbau-Berufsgenossenschaft Bochum. Gü­tersloh 1990, Seite 37-47.

Löbker, Karl: Bericht über das Bergmannsheil. In: Knappschafts-Berufgenossenschaft Section 2. Ge­schäftsbericht für das Jahr 1890. Bochum 1891.

Müller, Irmgard: Funktions- und Strukturwandel des Krankenhauses aus medizinisch-historischer Per­spektive. In: 100 Jahre Bergmannsheil. Herausge­geben von der Bergbau-Berufsgenossen-schaft Bo­chum. Gütersloh 1990, Seite 21-31.

Ostermann, Wolfgang: Die Geschichte der Berufsge­nossenschaftlichen Krankenanstalten Bergmanns­heil Bochum. Münster 1976.

Pagel, Julius Leopold: Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte des neunzehnten Jahrhun­derts. Berlin-Wien 1901, Spalte 1029-1030.

Universitäts-Archiv Greifswald (Baderstraße 4-5, D-17487 Greifswald): Personalakten Sign. PA Nr. 2419/2747 [Privatdozent Dr. Karl Löbker].

Bildquelle: Volker Klimpel, Dresden.

LÖBKER, Karl

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Volker Klimpel. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Volker Klimpel, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 167-168

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=446

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