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Jun 04, 2020 Last Updated 11:41 AM, May 20, 2020

Who was who in nursing history: LAMBERT LI BÉGUIN
LAMBERT LI BÉGUIN
Artikel von: Volker Klimpel
Erschienen in Band 7, Seite(n) 166-167.
 

Biographie

Schon im Lemma zu Mechthild von Magde­burg (um 1207-um 1282) in diesem Le­xikon erwähnt, berechtigt der Namenspatron der Beginen zu gesonderter Darstellung, hat er doch sein Leben für diese Urform pflegeri­scher Gemeinschaften eingesetzt und es dabei beinahe verloren. Gleichwohl hat er selbst den Namen „Beginen“ zu seinen Lebzeiten nie benutzt, das taten erst Generationen nach ihm. Für den zwischen 1120 und 1135 in der Diö­zese Lüttich (Li?ge) in Brabant Geborenen existieren – ebenso für die nach ihm benann­ten Gemeinschaften – unterschiedliche Schreibweisen: Lambert le B?gue, Lambert la B?gues, Lambert li B?guin, Lambertus Be­gué. Lambert trat in den geistlichen Stand ein und wurde von Bischof Henry II (amt. 1145-1164) zum Priester geweiht. Drei Jahre diente er als Pfarrer in der Stadtkirche zu Lüttich, bevor er in Konflikt zur theologischen Obrig­keit geriet. Lambert legte Bibeltexte anders aus als von ihm erwartet, verstand unter Pre­digt und Sakramenten oft etwas anderes, als es das Dogma vorschrieb. So wurde er auch verdächtigt, Söhne von Priestern, die das Zö­libat gebrochen hatten, geweiht und ordiniert zu haben. Pater Lambert, von Kirchenhistori­kern gelegentlich als „Reformator von Lüt­tich“ bezeichnet, verlor seine Stellung, wurde als Häretiker gebrandmarkt und vor die Wahl gestellt, zu widerrufen oder sich dem Inquisi­tionstribunal zu stellen (mit der Aussicht, auf dem Scheiterhaufen zu enden). Der Bischof von Lüttich setzte ihn fest, Lambert gelingt die Flucht zum Gegenpapst Calixtus III. († 1180) in Albano, einem zeitweise von Kaiser Friedrich I. Barbarossa (um 1122-1190) un­terstützten Widersacher von Papst Alexander III. (1105-1181). Calixtus rehabilitiert Lam­bert, der anschließend weiter seinen sich selbst gestellten karitativen Aufgaben nach­geht und 1177 in seiner Heimat stirbt. Von seinen Schriften ist die Übersetzung des Le­bens der Heiligen Agnes ins Romanische überliefert. Wenn es auch noch viele Lücken in der Biographie Lamberts gibt und die zeit­lichen Angaben über die Ordensgründungen erheblich differieren, so steht doch fest, dass er nicht identisch ist mit dem etwa zur glei­chen Zeit lebenden Mönch und Historiker Lambert von Hersfeld und auch nicht mit dem wesentlich später lebenden Franz Lambert von Avignon (1487-1530), dem Wanderpre­diger und Reformator Hessens. Sicher ist, dass Lambert li Béguin Gemeinschaften frommer, unverheirateter und allein stehender Frauen förderte, die kein Ordensgelübde ab­legten, aber in ordensähnlicher Form in eige­nen Siedlungen, später Beginenhöfe genannt, zusammenlebten und sich handwerklichen Arbeiten und der Krankenpflege widmeten. Unter Pater Lamberts Leitung wurden die Mädchen und Frauen in der häuslichen Kran­kenpflege, in der Kinderbewahrung, in der Sterbebegleitung und in der Leichenwäsche geschult. Die Lebensweise der so genannten Beginen orientierte sich streng an den christ­lichen Idealen der Keuschheit, Armut und Nächstenliebe. Die Laienbewegung erfreute sich zunehmender Beliebtheit und verbreitete sich über ganz Europa, besaß Häuser in fast allen großen Städten von den Alpen bis zur Nordsee, zum Beispiel 140 an der Zahl in Köln und 70 in Straßburg. Auch Männer, die sich Beg(h)arden nannten, schlossen sich zu solchen ordensähnlichen Bruderschaften zu­sammen und arbeiteten vorwiegend als Handwerker und Pfleger. Die zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert unter dem Begriff „Collegia Beguinarum“ firmierenden Bruder- und Schwesternhäuser gerieten häufig in Op­position zu den katholischen Orden, denen sie formal- und kirchenrechtlich bis zur Refor­mation unterstanden. Besonders Papst Cle­mens V. (um 1250/1265-1314) unterdrückte die Beginen und zwang einen Teil von ihnen zur Annahme der Ordensregeln der Franzsi­kaner. Allzu aktiven und unbotmäßigen Begi­nen und Begarden drohte er mit dem Tod als Ketzer, was aber ihrem Ansehen und Zu­spruch keinen Abbruch tat. So gehören die Beginen zu den ersten, die den lutherischen Glauben annahmen. Zum Niedergang der Beginenhöfe kam es im 16. Jahrhundert, als aus den meisten von ihnen Hospitäler wurden. Historisch stellen die Beginen eine Frühform der Diakonie dar, auch die protestantische Brüdergemeinde der Waldenser sieht sich in der Nachfolge der Beginen und Begarden. Ein Bildnis von Lambert li Béguin wurde bisher nicht gefunden.


Literatur

Encyclopedia of the Middle Ages. Edited by André Vauchez. Translated by Adrian Walford. Band 2. James Clarke & Co. Cambridge 2001, Seite 815.

Hallmann, Eduard: Geschichte des Ursprungs der bel­gischen Beguinen. Georg Reimer. Berlin 1843.

Mosheim, Johann Lorenz von: De Beghardis et Be­guinabus. Weidmannsche Buchhandlung. Leipzig 1790.

Pierer’s Universal-Lexikon. 4. Auflage Band 2. Ver­lagsbuchhandlung H. A. Pierer. Altenburg 1857, Seite 492.

Realenzyklopädie für Protestantische Theologie und Kirche. Band 2. Verlag Rudolf Besser. Gotha 1854, Seite 517.

Seidler, Eduard: Geschichte der Medizin und der Krankenpflege. 6. Auflage. Verlag W. Kohlham­mer. Stuttgart,Berlin, Köln 1993, Seite 109.

Wolff, Horst-Peter / Wolff, Jutta: Geschichte der Kran­kenpflege. Recom Verlag. Basel-Eberswalde 1994, Seite 59.

LAMBERT LI BÉGUIN

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Volker Klimpel. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Volker Klimpel, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 166-167

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Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=445

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