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Who was who in nursing history: KRAUS, Ingeborg
KRAUS, Ingeborg
Artikel von: Volker Klimpel
Erschienen in Band 7, Seite(n) .
 

Biographie

Ingeborg Kraus stand mit ihrem Leben und Wirken in und für die Krankenpflege auf den Schultern so großer Vorgängerin-nen wie Marie Cauer (1861-1950) , Agnes Karll (1868-1927) , Anna Heer (1863-1918) , Erna von Abendroth (1887-1959) , Anna Sticker (1902-1995) , Sophie Henschel (1841-1915) , Marie Odental (1905-1992) und anderen. Als Tochter eines dänischen kaufmännischen Angestellten namens Tönnesen am 8. Dezember 1912 in Hamburg geboren, waren Kindheit und Jugend von wirtschaft-licher Not geprägt, aber auch von einer aufgeschlossenen familiären Atmosphäre in sozialdemokra-tischem Geist. Ingeborg Tönne-sen erlernte den Beruf einer Schneiderin und trat 1928 dem „Deutschen Bekleidungsarbei-ter-Ver-band“ bei. Sie besuchte Weiterbildungskurse dieser Gewerkschaft und der Hamburger Volkshochschule sowie Erste-Hilfe-Kurse des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Durch letztere angeregt, ließ sie sich ab 1930 im Hamburger Allgemeinen Kran-kenhaus Barmbek zur Krankenschwester aus-bilden. Ingeborg Tönnesen war Jugendleiterin in der Gewerkschaft, aktiv im ASB und Mitglied der SPD. Als Angehörige eines Hamburger Widerstandskreises wurde sie 1936 im Zuchthaus Fuhlsbüttel wegen angeblichen Hochverrats inhaftiert. Es kam jedoch zu keinem Prozess, so dass Schwester Ingeborg 1937 frei gelassen wurde und bis zum Kriegs-ende als private Krankenpflegerin arbeiten konnte. Während des Krieges war sie außer-dem am Barmbeker Krankenhaus dienstver-pflichtet. Danach stellte sie sich sofort in den Dienst des Wiederaufbaus, nicht ohne zuvor freiwillig als Krankenschwester im befreiten Konzentrationslager Bergen-Belsen gearbeitet zu haben, wo ihr Schreck-liches begegnete. Mit den Vertrauensschwestern aller Hambur-ger Krankenhäuser gründete Ingeborg Tönne-sen, die 1945 geheiratet und den Namen Lau-bach angenommen hatte, am 6. Dezember 1945 den „Bund freier Schwestern“. Ein Jahr später gab sie ihre Stelle als Kranken-schwester im Barmbeker Krankenhaus auf, um hauptamtlich für die Freie Schwestern-schaft tätig zu sein und vor allem ihre Berufskolleginnen von der Notwendigkeit des Zusammenschlusses und des gemeinsamen Kampfes für ihre Rechte zu überzeugen. Nach dem Scheitern ihrer Ehe trat sie ab 1946 wieder unter ihrem Mädchennamen Tönnesen auf. „Ohne den ‚Bund freier Schwestern’ hätten wir sie [die Krankenschwestern] nicht gekriegt. In dem Augenblick waren sie erst richtig beheimatet. Die Gewerkschaft konnte ihnen keine Heimat sein, die war notwendiges Übel“, erinnerte sich Ingeborg Tönnesen-Kraus 1998 an die Anfänge der organisierten Schwesternarbeit. In der Retrospektive brachte sie noch einmal auf den Punkt, worauf es damals ankam, nämlich die Eigenschaften einer guten Schwester mit denen einer guten Gewerk-schafterin zu verbinden, denn bislang galt als gute Schwester nur eine Frau, die sich ganz und ausschließlich auf die Bedürfnisse der Kranken orientierte, förmlich mit den Patienten lebte und sich nicht für andere Dinge interessierte. Das genügte nach Tönnesens Auffassung unter den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen längst nicht mehr. Eine gute Schwester sollte sich auch für Belange wie Tarifpolitik, Fortbildung und Qualifizierung interessieren. Ingeborg Tönne-sen war schon immer „eine, die die Schnauze nicht halten konnte“ (Tönnesen über Tönne-sen), setzte auf diese Weise unter anderem neue Ausbildungsrichtlinien für den Schwesternnachwuchs bei den Hamburger Gesundheitsbehörden durch und erreichte, dass sich Krankenschwestern, wenn sie das Interesse und die Fähigkeiten dazu hatten, zu Medizinisch-technischen Assistentinnen wei-terbilden konnten. Von Gleichmacherei hielt sie nichts, von Begabtenförderung sehr viel. Nicht zuletzt war es mit dem Wirken von Ingeborg Tönnesen zu verdanken, dass schon 1948 85 Prozent aller Hamburger Kranken-schwestern in Verbänden organisiert waren – unvorstellbar im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, wo die Mitgliedszahlen der Gewerkschaften rückläufig sind. Von 1949 bis 1968 fungierte Ingeborg Tönnesen als erste Bundesfrauensekretärin und Leiterin des Frauendezernats der Gewerkschaft ÖTV. Bundesweit kam sie nun ihrem Ziel der Gleichberechtigung der Frau und der Verbes-serung der sozialen Situation der Kranken-schwestern ein beträchtliches Stück näher. Seit 1968 Frau Kraus, nutzte sie auch die internationale Bühne für ihre Forderungen nach mehr Lohngerechtigkeit, Bildung und soziale Unterstützung für die im Gesundheits-wesen tätigen Frauen. Mit viel Energie und Durchsetzungsvermögen meisterte sie ihre Aufgaben, sei es als langjähriges Vorstands-mitglied der ÖTV, als Leiterin der Hauptfach-abteilung IV (Gesundheitswesen), als Mit-glied des Bundesgesundheitsrates oder als Kuratoriumsmitglied der Schwesternschule der Universität Heidelberg. Ingeborg Tönne-sen-Kraus schied 1968 aus ihren haupt-amtlichen Funktionen aus. Sie starb im Alter von 96 Jahren am 19. März 2009 in Fellbach bei Stuttgart, wo sie seit 1962 lebte.


Literatur

Kreutzer, Susanne: Frauen als „Gewerkschaftsführer“? Das Beispiel der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) 1949-1968. Info­dienst Krankenhäuser Nr. 25, Mai 2004, Seite 30-38.

Kreutzer, Susanne: Vom „Liebesdienst“ zum modernen Frauenberuf: die Reform der Krankenpflege nach 1945. Campus Verlag. Frankfurt am Main 2005, Seite 48.

www.library.fes.de/fulltext/bibliothek/tit00205/0025g04.htm#E9E92 [06.09.2011].

Zimmermann, Rüdiger: 100 Jahre ÖTV – Biographien. Union Druckerei- und Verlagsanstalt. Frankfurt am Main 1996, Seite 122-125.

Bildquelle: Zimmermann, Rüdiger: 100 Jahre ÖTV – Biographien. Union Druckerei- und Verlagsanstalt. Frankfurt am Main 1996, Seite 122.

KRAUS, Ingeborg

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Volker Klimpel. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Volker Klimpel, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S.

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=440

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