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Jun 04, 2020 Last Updated 11:41 AM, May 20, 2020

Who was who in nursing history: KEMPIN, Walter
KEMPIN, Walter
Artikel von: Volker Klimpel
Erschienen in Band 7, Seite(n) 143-144.
 

Biographie

In seinem eher unste-ten Lebenslauf gab es eine frühe Kons-tante: die Schaffung einer modernen Krankenpflege. Walter Kempin wurde am 25. Juni 1850 in Hottingen bei Zürich in eine kinderreiche Buch-händlerfamilie geboren. Er studierte von 1868 bis 1872 Theologie an den Universitäten Zürich und Tübingen und wurde 1873 als Pfarrer ordiniert. Von 1875 bis 1885 wirkte er als Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Zürich-Engen, wo ihn auch der Dichter Gottfried Keller (1819-1890) bei der Predigt hörte. 1875 hatte Kempin die Juristin Emmi Spyri (1853-1901), die als erste Frau an der Universität Zürich Rechtswissen-schaften studiert und zum Dr. jur. promoviert hatte und eine Nichte der „Heidi“-Autorin Johanna Spyri (1827-1901) war, geheiratet. Interne Differenzen mit seiner Kirchen-gemeinde führten zu Kempins Demission, und weil seine Frau in der Schweiz nicht als Anwältin zugelassen wurde, wanderten beide 1888 in die USA aus. Kempin selbst kehrte schon 1890 wieder nach Zürich zurück und studierte noch bis 1892 Jura. Obwohl seine Frau seit 1891 ebenfalls wieder in der Schweiz lebte, wurde die Ehe später geschie-den. Kempin arbeitete seit 1896 in Deutsch-land als Zeitungsredakteur und Lehrer an den Höheren Handelsschulen von Elberfeld und Köln. Im Alter von 65 Jahren, inzwischen zum zweiten Mal verheiratet, promovierte er an der Universität Heidelberg zum Dr. jur. Nach Erstem Weltkrieg (1914-1918) und Inflation völlig verarmt, kehrte Kempin 1924 nach Zürich zurück und starb am 1. Dezember 1926 in Rüschlikon.

Seine pflegegeschichtlich relevanten Aktivi­täten lagen in den Jahren 1873 bis 1885: 1877 gründete er den „Hülfsverein der Gemeinde Enge“ und organisierte für mehrere Jahre Fe­rienkolonien für kranke und krankheitsge­fährdete Kinder. 1881 rief er die Zeitschrift „Blätter und Blüthen“ ins Leben, die seit 1882 unter dem programmatischeren Titel „Der Philanthrop“ erschienen. 1882 gründete Kem­pin den „Centralverein des Schweizerischen Roten Kreuzes“, dem er drei Jahre als Präsi­dent vorstand. Aus diesem Verein und dem „Hülfsverein Schweizerischer Wehrmänner und deren Familien“ ging das Schweizerische Rote Kreuz hervor. 1883 legte Kempin einen „Plan zur Bekämpfung des Alkoholismus“ vor. Besonders am Herzen lag ihm die Ver­besserung der Krankenpflege, die er landauf, landab in Vorträgen und Schriften propa­gierte. So führte er 1880 unter anderem aus: „Es ist nicht bloss Mitleid mit den Betroffe­nen, sondern das nackte Interesse der Selbst­erhaltung, welches uns nöthigt, dem Ruf nach unentgeltlicher Krankenpflege die grösste Aufmerksamkeit zu schenken.“ Die Kosten­freiheit für die Kranken war ihm sehr wichtig. Zur Erhaltung der Volksgesundheit mahnte er die Zusammenarbeit von staatlichen und pri­vaten Institutionen an. Er forderte eine auf dem neuesten Stand der medizinischen Wis­senschaft stehende „rationelle Krankenpflege“ und sah sowohl die Laienpflegerin als auch die Ordensschwester als dafür nicht unbedingt geeignet an. Vielmehr schlug Kempin vor, die Krankenpflege als Schulfach für Mädchen einzuführen und „neutrale“ Ausbildungsstät­ten für Krankenpflegerinnen zu schaffen, wo­bei er sich nicht zuletzt an den deutschen Verhältnissen, insbesondere am Gemeinnnüt­zigen Frauenverein in Württemberg orien­tierte. Am 18. März 1882, kurz vor der Grün­dung des oben genannten „Centralvereins“, veröffentlichte er im „Philanthrop“ sein Akti­onsprogramm mit dem Titel „Was wollen wir denn?“ und stellte als Schwerpunkt der Arbeit die Krankenpflege und die Ausbildung von Krankenpflegerinnen heraus. Kempin schrieb unter anderem: „Man braucht im Krieg Wär­ter und Pflegerinnen, aber sie werden nur et­was taugen, wenn sie im Frieden eingeübt und vorbereitet worden sind auf ihr schweres Amt und indem dies geschieht, dienen sie heute schon den Armen im Volke, den Siechen und Elenden aller Orts.“ In diesem Artikel werden zum ersten Mal alle gemeinnützigen Gesell­schaften in der Schweiz aufgefordert, sich in einer großen gemeinsamen Rotkreuzgesell­schaft zu vereinigen. Auch Kempins Eröff­nungsrede bei der Gründung des Schweizeri­schen Roten Kreuzes am 25. April 1882 in Olten war die „bessere Pflege und Herausbil­dung eines tüchtigen Wartepersonals“ sein Hauptanliegen.


Literatur

Kempin, Walter: Das Postulat der unentgeltlichen Krankenpflege. Schweizerische Zeitschrift für Ge­meinnützigkeit 20 (1881), Heft 1, Seite 10-30.

NN: Walter Kempin – verkannter Gründer des SRK? redcross. Das Magazin des SRK. Spezial-Ausgabe 140 Jahre SRK [ohne Ortsangabe] 2006, Seite 4.

Valsangiacomo, Enrico (Hrsg.): Zum Wohle der Kran­ken. Das Schweizerische Rot Kreuz und seine Rolle in der Krankenpflegeausbildung (1882-1976). Schwabe. Basel 1991, Seite 29-53.

www.de. wikipedia.org/wiki/Walter_Kempin.

Bildquelle: Valsangiacomo, Enrico (Hrsg.): Zum Wohle der Kranken. Schwabe. Basel 1991, Seite 30.

KEMPIN, Walter

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Volker Klimpel. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Volker Klimpel, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 143-144

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=432

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