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Who was who in nursing history: KAYSER, Marie-Elise
KAYSER, Marie-Elise
Artikel von: Volker Klimpel
Erschienen in Band 7, Seite(n) 142-143.
 

Biographie

Der kontinuierliche Rückgang der Säug­lings- und Kinder­sterblichkeit in den letzten hundert Jah­ren hat seine Ursa­chen in der Beherr­schung des Kindbett­fiebers und der In­fektionskrankheiten sowie in der syste­matischen Anwen­dung der Schutzimp­fungen, aber auch ganz wesentlich in der Verbesserung der Ernährungslage der Säug­linge und Kleinkinder. An dieser Stelle nun kommt historisch die Sammlung und Bereit­stellung von überschüssiger Milch stillender Mütter für Kinder, deren Mütter selbst nicht oder nicht genügend stillen können, ins Blick­feld. Am 19. Mai 1919 gründete zu diesem Zweck die Kinderärztin Marie-Elise Kayser (geborene Schubert) am Krankenhaus Mag­deburg-Altstadt die erste Milchbank in Deutschland, genannt Frauenmilchsammel­stelle.

Marie-Elise Schubert wurde am 28. Novem­ber 1885 als siebentes von acht Kindern eines Baurates in Görlitz geboren. Sie besuchte das Königliche Gymnasium in Sorau (heute Zari, Polen) und wurde in Kursen der Pädagogin und Frauenrechtlerin Helene Lange (1848-1930) in Berlin auf die Hochschulreife vorbe­reitet. Nach Bestehen des Abiturs zu Ostern 1906 am Kaiserin-Augusta-Gymnasium in Berlin-Charlottenburg begann Fräulein Schu­bert noch im gleichen Jahr mit einer Sonder­genehmigung das Medizinstudium als Gast­hörerin an der Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin. Ein Jahr später wechselte sie an die Universität Jena, legte dort das Physikum ab und setzte danach das Studium für ein Jahr in Rom fort (1908/09). In Jena konnte Marie-Elise Schubert dann 1911 als erste Frau an der dortigen Universität das medizinische Staats­examen ablegen und ebenfalls 1911 zum Dr. med. promovieren. Es folgten Tätigkeiten als Medizinalpraktikantin in Jena und Magdeburg sowie die kinderärztliche Ausbildung in Hei­delberg bei Ernst Moro (1874-1951). 1914 kehrte sie nach Magdeburg zurück, arbeitete an der Kinderklinik des Altstädter Kranken­hauses und in der Säuglingsfürsorge und hei­ratete den Frauenarzt Konrad Kayser (1885-1972). 1915 eröffnete Frau Kayser in Magde­burg eine eigene kinderärztliche Praxis. In der Säuglingsabteilung des Krankenhauses Mag­deburg-Altstadt richtete sie 1919 die erwähnte Frauenmilchsammelstelle ein. Das war eine Zäsur in der Medizingeschichte schlechthin, denn das Ammenwesen wurde mit diesem Zeitpunkt von den Frauenmilchsammelstellen abgelöst.

Mit der Berufung ihres Gatten zum Direktor der Thüringer Landesfrauenklinik in Erfurt setzte Marie-Elise Kayser ihre Arbeit dort 1925 fort und etablierte 1927 die „Frauen­milchsammelstelle der Landesfrauenklinik Erfurt“, in der bis zum Tode ihrer Gründerin am 6. September 1950 insgesamt 93.660 Liter Frauenmilch abgegeben wurden. Das Beson­dere dieser Erfurter Einrichtung war, dass es sich hierbei auch um die erste und bis 1940 einzige Ausbildungsstätte in Deutschland handelte. Es wurden Krankenschwestern, Hilfsschwestern, Fürsorgerinnen, Hausfrauen und Mütter im Umgang mit der Milchspende geschult und Leiterinnen von Frauenmilch­sammelstellen in zweimonatlichen Kursen ausgebildet. Das Abnehmen und Haltbarma­chen von frisch gewonnener Muttermilch stand auch auf dem Lehrplan der Erfurter Schwesternschule. Die Zahl der Frauenmilch­sammelstellen stieg in ganz Deutschland bis 1953 auf 60. Die mit Marie-Elise Kayser be­freundete Künstlerin Kathe Kollwitz (1867-1945) schuf dazu 1926 die eindrucksvolle Lithographie „Mütter gebt von eurem Über­fluss!“, die als Plakat den Weg auch ins Aus­land fand. 1914 erschien Marie-Elise Kaysers Buch „Frauenmilchsammelstellen. Ein Leit­faden für deren Einrichtung und Betrieb“. Ihr internationales Wirken fand seinen Ausdruck unter anderem in der Korrespondenz mit der Frauenmilchsammelstelle in Moskau und de­ren Leiterin Maria Felixowna Maretzkaja (Lebensdaten nicht bekannt) sowie mit dem österreichischen Kinderarzt Prof. Ernst Ma­yerhofer (1877-1957) in Wien. In der US-Zeitschrift „Hospital Social Service“ veröf­fentlichte Marie-Elise Kayser 1931 den Arti­kel „Mother’s Milk“. Zwischen 1919 und 1948 zählten die Frauenmilchsammelstellen im deutschen Sprachraum 70.000 Spenderin­nen mit einer Million Liter Frauenmilch. Dadurch wurden viele ernährungsgestörte, gefährdete und kranke Frühgeburten und Säuglinge – man schätzt ihre Zahl auf über 250.000 – am Leben erhalten.


Literatur

Abe, Horst Rudolf u. Helmut Schmidt: Dr. med. Marie-Elise Kayser (1885-1950) – ein Leben für die Kin­der. In: Beiträge zur Geschichte der Universität Er­furt (1392-1816). Herausgegeben vom Rektor der Medizinischen Akademie Erfurt. Heft 19 (1979-1983). Barth. Leipzig 1982, Seite 293-298.

Klimpel, Volker: Frauen der Medizin. Historisch-bio­graphisches Lexikon von den Anfängen bis zum zwanzigsten Jahrhundert. Pressler. Hürtgenwald 2001, Seite 86-87.

Schipperges, Heinrich (Hrsg.): Geschichte der Medizin in Schlaglichtern. Meyers Lexikonverlag. Mann­heim, Wien, Zürich 1990, Seite 228.

Springer, Skadi: Frauenmilchsammlung noch aktuell? In: Sozialpädiatrie, Kinder- und Jugendheilkunde, 20. Jg., 1998, Seite 102-104.

Thal, Wilhelm: Die bahnbrechende Tat einer Kinder­ärztin in Magdeburg. Dr. Marie-Elise Kayser (1885-1950) zum 50. Todestag. In: Ärzteblatt Sach­sen-Anhalt, 11. Jg., 2000, S. 45-47.

Bildquelle: Volker Klimpel, Dresden.

KAYSER, Marie-Elise

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Volker Klimpel. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Volker Klimpel, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 142-143

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=431

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