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Jun 07, 2020 Last Updated 11:41 AM, May 20, 2020

Who was who in nursing history: KANTZ, Caspar
KANTZ, Caspar
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 7, Seite(n) 138-140.
 

Biographie

Im ausgehenden Spätmittelalter und zu Be­ginn der Frühen Neuzeit gehörten Krankheit, Sterben und Tod zum Alltag. Vor allem wie­derkehrende Pestepidemien stellten Pflege­personen im privaten Bereich wie in den über­füllten Hospitälern täglich vor kaum zu be­wältigende Aufgaben. Die für heutige Ver­hältnisse katastrophale Versorgungslage nah­men Geistliche wie zum Anlass, die Gläubi­gen eindringlich zu ermahnen. Sie wurden nicht nur dazu angehalten, sich zu bekehren und auf einen christlichen Lebenswandel zu achten, sondern sich auch verstärkt um die Kranken zu kümmern. Damit wollte man be­sonders das nahe Umfeld der Erkrankten in die Pflicht nehmen, das dazu – wie die Theo­logen stets betonten – in der Lage sein sollte, an ihrer Stelle geistlichen Beistand an Kran­ken- und Sterbebetten zu leisten.

Um diese Forderung durchzusetzen und die Pflegesituation zu verbessern, verfassten re­formatorische Theologen, wie Leonhard Brunner (1500-1558) , Caspar Huberinus (1500-1553)  und Caspar Kantz (1483-1544) Anleitungen zur Krankenpflege, in de­nen sie den Umgang mit Kranken und den idealtypischen Verlauf eines Besuches in der Sprache der einfachen Bevölkerung beschrie­ben. In kleinen Handbüchlein, die meist unter ähnlich lautenden Titeln – „Wie man die Kranken trösten soll“, „Wie man die Kranken unterrichten soll“ oder „Wie man die Kranken und Sterbenden verhalten soll“ – veröffent­licht wurden, machten sie ihre Pflegekonzepte verständlich, verbreiteten diese in hohen Auflagen und wollten sie dadurch bleibend in der Praxis verwirklicht sehen. Die Drucke aus dem 16. Jahrhundert, die den idealtypischen Verlauf einer Begegnung am Krankenbett schildern, gewähren tiefe Einblicke in die zeitgenössische Sichtweise, „wie man die krancken aygentlich und recht schaffen besu­chen soll“, ebenso wie in die damalige Praxis der Krankenpflege.

Caspar Kantz wurde um 1483 in Nördlingen (Bayern) geboren. Einer angesehenen Hand­werkerfamilie entstammend trat er in jungen Jahren ins Herrgottskloster Nördlingen des Karmeliterordens ein. 1501 findet man ihn als Studenten in Leipzig, wo er in den nächsten Jahren mehre akademische Grade erlangte: 1502 „Baccalaureus“, 1505 „Magister“, 1511 „Baccalaureus Biblicus“ und 1515 „Sententia­rius“.

Zurück im heimatlichen Kloster zum Prior (Vorsteher) erhoben, geriet Caspar Kantz als­bald mit dem Ordensprovinzial (dem Leiter der Ordensgemeinschaft) in Differenzen und wurde seiner Ämter enthoben. Der Grund hierfür lag offenbar in seiner reformatorischen Einstellung. Im Jahre 1524 trat er mit einer neuen Gottesdienstordnung hervor, der er Betrachtungen über „die Summa christlichen Gerechtigkeit und des glaubens vollkommen­heit“ voranschickte. Es handelt sich bei seiner im Druck erschienenen Schrift „Von der evangelischen Meß. Mit schönen christlichen Gebetten vor und nach der entpfahung des Sacraments“ um den ersten Versuch, auf evangelischer Grundlage die Gottesdienstord­nung zu entwerfen. Da er seine Entwürfe in der Klosterkirche praktiziert hatte, beschwerte sich der Provinzial erneut, und da Caspar Kantz in derselben Zeit heiratete, wurde er vom Rat aus der Stadt verwiesen.

Nach einem kurzen Studienaufenthalt in die Lutherstadt Wittenberg kehrte Caspar Kantz wieder in seiner Vaterstadt zurück. Als Predi­ger wird er aber erst 1535 wieder genannt, als er die Leitung des gesamten Kirchenwesens in Nördlingen erfolgreich übernahm. Er ver­öffentlichte unter anderem Predigten und Pas­sionsbetrachtungen und arbeitete die Nördlin­ger Kirchenordnung aus, die 1538 gedruckt vorlag.

Caspar Kantz starb am 6. Dezember 1544 in Nördlingen. An das Wirken des lutherischen Theologen und Reformators erinnert in seiner Heimatstadt die „Caspar-Kantz-Straße“.

Im Hinblick auf die Krankenpflege verdient Caspar-Kantz besondere Beachtung vor allem wegen seiner Schrift „Wie man den kranken und sterbenden Menschen ermahnen, trösten und Gott befehlen soll, dass er von dieser Welt selig abscheide“ (1539, 1542, 1546, 1547, 1568, 1574), zumal diese in modifi­zierter Form immer wieder neu aufgelegt wurde und weitere Verbreitung fand.

Neben dem körperlichen Wohlbefinden des Kranken legte Caspar-Kantz als Theologe größeren Wert darauf, durch Ermahnung die Seele des Erkrankten zu stärken. Nicht die körperliche Gesundung stand im Vorder­grund, sondern das Heil beziehungsweise Heilwerden der Seele. Hierbei nahm er, wie auch seine Kollegen Caspar Huberinus und Leonhard Brunner, nicht nur professionelle wie nichtprofessionelle Pflegepersonen in die Pflicht, sondern wollte grundsätzlich den seelsorgerlichen Beistand von Laien für Laien ermöglichen und erleichtern: „Die glyder aber sorgen für ein ander / Also / wenn eins leidet / das die andern alle auch mit jm leiden“, schreibt er unter biblischem Bezug (1 Kor 12, 26 f.) im Nachwort seines Büchleins. Sein Appell zur Nächstenliebe gilt auch und vor allem in Zeiten von Krankheit und Leid, denn „rechte lieb“ setzt voraus, „das wir in aller not / einander rhaten vnd helffen“ – deshalb, so die Folgerung von Caspar-Kantz, soll „ein yegklicher seinem nechsten zuo springen […] jn ermanen / troesten / vnd Gott für jhn bitten / wie in disem Buechlin ein frm gestelt ist.“

Die Krankheit sollte nach Ansicht von Caspar-Kantz immer zum Anlass genommen werden, die bisherige Lebensweise zu über­denken. Dementsprechend war ein Kernstück der Krankenseelsorge, Sünden zu benennen und zu bekennen. Hatte der Kranke seine Sünden unter Anleitung des jeweiligen Seel­sorgers beziehungsweise Pflegeperson einge­standen, dann hatten diese die Aufgabe, den demütigen, reuigen Sünder wieder aufzurich­ten und zu einem bußfertigen Leben zu er­mahnen.


Literatur

Bugenhagen, Johannes: Werke. Abt. 1, Reformatori­sche Schriften (1515/16–1524). Begründet von Wolf-Dieter Hauschild, herausgegeben von Anne­liese Bieber-Wallmann. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht. Göttingen 2013, Seite 849-850.

Herbst, Wolfgang (Hrsg.): Evangelischer Gottesdienst. Quellen zu seiner Geschichte. 2., völlig neubear­beitete Auflage. Verlag Vandenhoeck und Rup­recht. Göttingen 1992, Seite 9-12.

Cantz, Max: Caspar Kantz und die Nördlinger Refor­mation. In: Jahrbuch des Historischen Vereins für Nördlingen und Umgebung, Band 12. Historischer Verein für Nördlingen und Umgebung. Nörtlingen 1928, Seite 153-176.

Cantz, Max: Urkundliches aus dem Leben von Caspar Kantz. In: Jahrbuch des Historischen Vereins für Nördlingen und Umgebung, Band 14. Historischer Verein für Nördlingen und Umgebung. Nörtlingen 1930, Seite 18-30.

Kantz, Caspar: Von der evangelischen Meß. Mit schö­nen christlichen Gebetten vor und nach der entpfa­hung des Sacraments. [Secer]. [Hagenau] [1524].

Kantz, Caspar: Wie man de[n] krancken vnd sterben­den menschen ermane[n], trösten, vnnd Gott befel­hen soll, Das er von diser welt seligklich ab­scheyde. Weissenhorn 1539 (Augspurg: Weissen­horn, 1539) (online unter: www.books.google.de/bo oks?id=tZRWAAAAcAAJ&printsec=frontcover&redir_esc=y#v=onepage&q&f=false [12.11.2014]).

Kantz, Caspar: Wie man den krancken und sterbenden menschen ermanen, trösten und Gott befelhen soll, Das er von diser welt säligklich abscheyde (Straß­burg: Frölich, 1542) (online unter: www.daten. digitale-sammlungen.de/0005/bsb00055680/image s/index.html?fip=193.174.98.30&id=00055680&seite=1 [12.11.2014]).

Kantz, Caspar: Wie man den Krancken vnd sterbenden menschen, ermanen, trösten, vnd Gott befelhen soll, das er von diser welt seligklich abscheyde (Straß­burg: Frölich, 1546) (online unter: www.books.go ogle.de/books?id=RpdbAAAAcAAJ&printsec=frontcover&redir_esc=y#v=onepage&q&f=false [12.11. 2014]).

Kantz, Caspar: Wie man den krancken und Sterbenden menschen ermanen, trösten unnd Gott befelhen soll, Das er von diser welt seligklich abschaide (Ram[m]inger, 1547) (online unter: www.book s.google.de/books?id=BnVTAAAAcAAJ&printsec=frontcover&redir_esc=y#v=onepage&q&f=false [12.11.2014]).

Kantz, Caspar: Wie man den Krancken vnd ster­ben=den Menschen ermanen / trœsten / vnd Gott befehlen sol / Das er von diser Welt seligklich ab­scheide (Nürnberg: Valentin von Nürnberg Neuber, 1568) (online unter: www.digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht/?PPN=PPN749893435 [12. 11.2014]).

Kantz, Caspar: Wie man den Krancken vnnd sterben­den Menschen ermanen, trösten vnnd Gott befehlen sol, Das er von Diser Welt seligklich abscheide (Nürnberg: Newber, 1574) (online unter: www.da ten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00019236/ima ges/index.html?fip=193.174.98.30&id=00019236&seite=1 [12.11.2014]).

Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche, Band 10. Herausgegeben von Johann Jakob Herzog und Gustav Leopold Plitt. 3., verbesserte und vermehrte Auflage. Unter Mitwirkung vieler Theologen und anderer Gelehrten, herausgegeben von Albert Hauck. Hinrichs Verlag. Leipzig 1901, Seite 22–25.

Reinis, Austra: Reforming the art of dying. The ars moriendi in the German Reformation (1519-1528) (St. Andrews studies in Reformation history). Ashgate. Aldershot, Hampshire 2007.

Resch, Claudia: Trost im Angesicht des Todes. Frühe reformatorische Anleitungen zur Seelsorge an Kranken und Sterbenden (Pietas Liturgica Studia, Band 15). Francke Verlag. Tübingen 2006.

Resch, Claudia: Krankenpflege im 16. Jahrhundert: „wie man die kranken aygentlich vnd recht schaffen besuchen soll“. In: Andrea Thiekötter, Heinrich Re­cken, Manuela Schoska, Eva-Maria Ulmer (Hrsg.): Alltag in der Pflege – Wie machten sich Pflegende bemerkbar? Beiträge des 8. Internationalen Kon­gresses zur Geschichte der Pflege 2008.Mabuse-Verlag. Frankfurt am Main 2009, Seite 41-54.

Schottroff, Luise: Die Bereitung zum Sterben. Studien zu den frühen reformatorischen Sterbebüchern, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht. Göttingen 2012, Seite 75.

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www.meinestadt.de/noerdlingen/stadtplan/strasse/caspar-kantz-str. [12.11.2014].

KANTZ, Caspar

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 138-140

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