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Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Who was who in nursing history: HUBERINUS, Caspar
HUBERINUS, Caspar
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 7, Seite(n) 124-127.
 

Biographie

Im ausgehenden Spätmittelalter und zu Beginn der Frühen Neuzeit gehörten Krankheit, Sterben und Tod zum Alltag. Vor allem wiederkehrende Pestepide-mien stellten Pflegepersonen im privaten Bereich wie in den überfüllten Hospitälern täglich vor kaum zu bewältigende Aufgaben. Die für heutige Verhältnisse kata-strophale Versor-gungslage nahmen Geistliche wie zum Anlass, die Gläu-bigen eindringlich zu ermahnen. Sie wur-den nicht nur dazu angehalten, sich zu bekehren und auf einen christlichen Lebenswandel zu achten, sondern sich auch verstärkt um die Kranken zu kümmern. Damit wollte man besonders das nahe Umfeld der Erkrank-ten in die Pflicht nehmen, das dazu – wie die Theologen stets betonten – in der Lage sein sollte, an ihrer Stelle geistlichen Beistand an Kranken- und Sterbebetten zu leisten.

Um diese Forderung durchzusetzen und die Pflegesituation zu verbessern, verfassten re-formatorische Theologen, wie Leonhard Brunner (1500-1558) , Caspar Kantz (1483-1544)  und Caspar Huberinus (1500-1553) Anleitungen zur Krankenpflege, in denen sie den Umgang mit Kranken und den idealtypischen Verlauf eines Besuches in der Sprache der einfachen Bevölkerung be­schrieben. In kleinen Handbüchlein, die meist unter ähnlich lautenden Titeln – „Wie man die Kranken trösten soll“, „Wie man die Kranken unterrichten soll“ oder „Wie man die Kranken und Sterbenden verhalten soll“ – veröffent­licht wurden, machten sie ihre Pflegekonzepte verständlich, verbreiteten diese in hohen Auflagen und wollten sie dadurch bleibend in der Praxis verwirklicht sehen. Die Drucke aus dem 16. Jahrhundert, die den idealtypischen Verlauf einer Begegnung am Krankenbett schildern, gewähren tiefe Einblicke in die zeitgenössische Sichtweise, „wie man die krancken aygentlich und recht schaffen besu­chen soll“, ebenso wie in die damalige Praxis der Krankenpflege.

Caspar Huberinus (auch: Caspar Hueber, Kaspar Huber) wurde am 21. Dezember 1500 in Stotzard – einem Pfarrdorf und Ortsteil von Aindling im Landkreis Aichach-Friedberg, der zum Regierungsbezirk Schwaben in Bay­ern gehört – geboren. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts bekannt. Angeblich war er Mönch beziehungsweise ein „sacrificulus“ (Inhaber einer Altarpfründe). Im Jahre 1522 immatrikulierte er sich in Wittenberg (heute die „Lutherstadt“ in Sachsen-Anhalt) zum Theologiestudium und trat in persönliche Be­ziehungen zu Martin Luther (1483-1546). Um 1525 kam er nach Augsburg und wurde Ge­hilfe des Reformators Urbanus Rhegius (1489-1541). Im Jahre 1526 heiratete er in Augsburg Afra Seld, die Tochter des Gold­schmieds Jörg Seld. Im heftig geführten Abendmahlsstreit stand Huberinus gegenüber den Zwinglianern fest auf Luthers Seite. Ob­wohl er kein Amt bekleidete, wurde er vom Rat 1528 zur „Berner Disputation über Abendmahl und Kirchenbilder“ abgeordnet. Nach dem Augsburger Reichstag 1530, als die Stadt sich den Lutheranern nähern musste, unterstützte er die lutherischen Theologe und Reformatoren Johannes Frosch (1485-1533) und Stephan Agricola (1491-1547). Ab 1532 wurde er anscheinend von einem Privatmann (H. Honold) unterhalten. Erst 1535 nahm Hu­berinus ein Kirchenamt an, zunächst als Dia­kon bei Heilig Kreuz, seit 1542 als Pfarrer an verschiedenen Kirchen. Nach kurzer Predi­gertätigkeit in Augsburg 1551 kehrte er 1552 nach Öhringen zurück, wo er 1553 eine evan­gelische Kirchenordnung schuf.

Caspar Huberinus verfasste eine Reihe von Schriften polemischen, tröstenden und erbau­enden Inhalts, von denen sich mehr als 200 Ausgaben feststellen lassen und die ins Nie­derdeutsche und in sieben Fremdsprachen übersetzt wurden. „Vom Zorn und der Güte Gottes“ (1529) erhielt 1534 eine Vorrede Luthers und wurde unter anderem 1579 als eines der ersten isländischen Bücher gedruckt. Vom „Spiegel der Hauszucht“ (1553), einer „kurzen Auslegung“ des Jesus Sirach mit 364 Folioblatt, sind bis 1588 fünfzehn deutsche und sieben tschechische Drucke nachweisbar. Der Band wurde wie die Bibel für Familien­chroniken verwendet. In seinem „Streitbüch­lein“ von 1541, in dem er die zentralen luthe­rischen Anschauungen in schöner und schlichter Weise als Bewährung im Leben darstellt, hat er seine zwinglianischen Gegner nur in dunklen Farben gemalt.

Caspar Huberinus, der als Seelsorger seinen Mitmenschen oft zu Hilfe gekommen war und ihnen am Lebensende geistlichen Beistand geleistet hatte, starb am 6. Oktober 1553 in Öhringen (im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs, etwa 25 km östlich von Heilbronn im Hohenlohekreis gelegen) an den Folgen einer Infektion, die er sich bei einem seiner vielen Krankenbesuche zugezogen ha­ben könnte.

Im Hinblick auf die Krankenpflege verdient Caspar Huberinus besondere Beachtung vor allem wegen seinen Schriften „Wie man den Sterbenden trösten und ihm zusprechen soll“ (1531) und „Wie man die Kranken trösten soll“ (1542), zumal diese in modifizierter Form immer wieder neu aufgelegt wurden und weitere Verbreitung fanden. Für Caspar Huberinus, der sich in seinen Schriften als warmherzigen, mitfühlenden und nimmermü­den Pfleger ausweist, zählten der Besuch und die Pflege von Kranken zu den sieben Werken der Barmherzigkeit. Seines Erachtens waren bei der Krankenpflege grundsätzlich zwei Aspekte zu beachten: Zum einen möge man sich um all das kümmern, was das körperliche Wohlbefinden – den Leib – des Kranken an­geht, zum anderen aber – und darauf legte Huberinus als Theologe größeren Wert – möge man die Seele des Erkrankten stärken, indem man ihn ermahnt, mit ihm die Ursa­chen seines Leidens ergründet und ihm an­schließend biblischen Trost spendet.

Nicht die körperliche Gesundung stand im Vordergrund, sondern das Heil beziehungs­weise Heilwerden der Seele. Ein kranker Mensch solle sich daher nicht auf seine wie­derkehrende Gesundheit verlassen, weil die Hoffnung darauf möglicherweise vergebens sei. Vielmehr solle er sich auf das bevorste­hende Ende einstellen und alle spirituellen Anstrengungen unternehmen, um sein See­lenheil zu erlangen. Caspar Huberinus nahm dabei, wie auch seine Kollegen Leonhard Brunner und Caspar Kantz, nicht nur profes­sionelle wie nichtprofessionelle Pflegeperso­nen in die Pflicht, sondern wollte grundsätz­lich den seelsorgerlichen Beistand von Laien für Laien ermöglichen und erleichtern.

Am Beginn des seelsorgerlichen Gesprächs sollte die oder der Kranke dazu gebracht wer­den, die Ursachen ihres / seines Leidens zu hinterfragen. Man wollte der Person helfen, eine Erklärung für das ihr auferlegte „Kreuz“ zu finden und war bei der Ursachenforschung behilflich. Die Krankheit sollte daher immer zum Anlass genommen werden, die bisherige Lebensweise zu überdenken. Ein Kernstück der Krankenseelsorge war, Sünden zu benen­nen und zu bekennen. Hatte der Kranke seine Sünden unter Anleitung des jeweiligen Seel­sorgers beziehungsweise Pflegeperson einge­standen, dann hatten diese die Aufgabe, den demütigen, reuigen Sünder wieder aufzurich­ten und zu einem bußfertigen Leben zu er­mahnen. Am Ende von jedem Krankenbesuch sollten das Glaubensbekenntnis und / oder das „Vater unser“ stehen.


Literatur

Andersson, Ralph: Aichacher als Makler zwischen Luther, Zwingli und dem Interim. Gereon Sailer und Caspar Huberinus auf ihrem Weg durch die Re­formation. In: Aichacher Heimatblatt, Band 53 (2005), Seite 5-11.

Bautz, Friedrich Wilhelm: Caspar Huberinus. In: Bio­graphisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL), Band 2. Verlag Friedrich Wilhelm Bautz. Hamm 1990, Spalte 1105–1106.

Bertheau, Carl: Huberinus, Caspar. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 13. Verlag Duncker & Humblot. Leipzig 1881, Seite 258-259.

Bosl, Karl (Hrsg.): Bosls bayerische Biographie. 8000 Persönlichkeiten aus 15 Jahrhunderten. Pustet Ver­lag. Regensburg 1983, Seite 376.

Franz, Gunther: Caspar Huberinus. In: Neue Deutsche Biographie (NDB), Band 9. Verlag Duncker & Humblot. Berlin 1972, Seite 701 (online unter: www.daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb0001 6326/images/index.html?seite=715 [06.11.2014]).

Haller, Hans Dieter: Caspar Huberinus (1500 bis 1553). In: Haller, Hans-Dieter (Hrsg.): Pegasus auf dem Land. Schriftsteller in Hohenlohe (Veröffentli­chungen zur Ortsgeschichte und Heimatkunde in Württembergisch Franken, Band 25). Baier-Verlag. Crailsheim 2006, Seite 100-103.

Huberinus, Caspar: Vom Zorn || vnd der Gütte || Got­tes.|| Gemert vnd gebessert.|| Caspar Huberinus.|| ... ||(Wie man den Sterbenden || trösten/ vnd jm zůspre=||chen solle.||). Philipp d.Ä. Ulhart. Augs­burg 1531 (online unter: http://dfg-viewer.de/sho w/?set[mets]=http%3A//digitale.bibliothek.uni-halle.de%2Foai%2F%3Fverb%3DGetRecord%26metadataPrefix%3Dmets%26identifier%3D993786 [12.11.2014]).

Huberinus, Caspar: Wie man die Krancken trösten soll. Augspurg 1542 (88 Blatt), (online unter: http://dfg-viewer.de/show/?set[mets]=http%3A%2F%2Fdaten.digitale-sammlungen.de%2F~db%2Fmets%2Fb sb00018948_mets.xml [12.11.2014]).

Huberinus, Caspar: Wie ain betrübter Mensch ruffet zu Gott vmb hilff vn[d] wie der gaist Gottes jn tröstet. [zirka 1542].

Huberinus, Caspar: Wie man die krancken troesten sol. Jtem: Wie man die gefangenen so durch die Ober­keyt zum Todt verurteylet sind vnterrichten vnd troesten soll. Caspar Huberinus. ... (Ein trewe Christliche vermanung zur buß vnd zu einem Gott­foerchtigem leben zufueren). Treue christliche Vermahnung zur Buße und zu einem gottfürchti­gem Leben zu führen. Wie man die Gefangenen, so durch die Obrigkeit zum Tod verurteilt sind, unter­richten ... soll. Ulrich Neuber. Nürnberg 1560.

Huberinus, Caspar: Item. Wie man die gefangenen, so durch die Oberkeyt zum Todt verurteylet sind, un­terrichten und trösten sol. Nürnberg 1561 (126 Blatt).

Huberinus, Caspar: Wie man die || krancken trösten soll.|| Jtem.|| Wie man die ge||fangenen/ so durch die || Oberkeyt/ zum Todt verurtey=||let sind/ vnter­richten vnd trösten sol.|| Caspar Huberinus.|| ... ||(Eine trewe Christliche || vermanung zur buß/ vnd zu || einem Gottfürchtigem || leben zufüren ||) Ulrich Neuber. Nürnberg 1567 (online unter: www.digital. staatsbibliothek-berlin.de/werkansich t/?PPN=PPN752213237 [12.11.2014]).

Huberinus, Caspar / Pfeffinger, Johann: Trostbüchlein aus heiliger göttlicher Schrift. Tr[oe]stb[ue]chlin Auß Heyliger G[oe]ttlicher Schrifft. Wie man die Krancken tr[oe]sten sol. Wie man die Gefange= nen/ so durch die Oberkeyt/ zum Todt verurteylet sind/ vnterrichten vnd tr[oe]sten sol. Caspar Hube­rinus. Von vnterricht vnd trost der Gefan= genen/ D.Johan.Pfeffinger. ... Von Unterricht und Trost der Gefangenen. Dietrich Gerlach. Nürnberg 1567.

Rhegius, Urbanus / Huberinus, Caspar: Seelenarznei für die Gesunden und Kranken zu diesen gefährli­chen Zeiten durch D. Urbanus Rhegius. Von dem Glauben und guten Werken. (Tr[oe]stungen auß der G[oe]ttlichen Schrifft. An die/ so in Leibliche Kranckheit gefallen/ Vnd wie man f[ue]r die Krancken bitten soll. ... caspar Huberinus. ) Wie man den Sterbenden trösten und ihm zusprechen solle. Leonhard Heußler. Nürnberg 1582.

Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche, Band 8. Herausgegeben von Johann Jakob Herzog und Gustav Leopold Plitt. Besser Verlag. Hamburg 1882, Seite 415.

Reinis, Austra: Reforming the art of dying. The ars moriendi in the German Reformation (1519-1528) (St. Andrews studies in Reformation history). Ash­gate. Aldershot, Hampshire 2007.

Resch, Claudia: Trost im Angesicht des Todes. Frühe reformatorische Anleitungen zur Seelsorge an Kranken und Sterbenden (Pietas Liturgica Studia, Band 15). Francke Verlag. Tübingen 2006.

Resch, Claudia: Krankenpflege im 16. Jahrhundert: „wie man die kranken aygentlich vnd recht schaffen besuchen soll“. In: Andrea Thiekötter, Heinrich Re­cken, Manuela Schoska, Eva-Maria Ulmer (Hrsg.): Alltag in der Pflege – Wie machten sich Pflegende bemerkbar? Beiträge des 8. Internationalen Kon­gresses zur Geschichte der Pflege 2008.Mabuse-Verlag. Frankfurt am Main 2009, Seite 41-54.

Schottroff, Luise: Die Bereitung zum Sterben. Studien zu den frühen reformatorischen Sterbebüchern, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht. Göttingen 2012.

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www.stadtlexikon-augsburg.de/index.php?id=114& tx_ttnews[tt_news]=4218&tx_ttnews[backPid]=113&cHash=7aa385dc24 (Wolfgang Wallenta: Kaspar Huberinus) [03.11.2014].

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www.thesaurus.cerl.org/record/cnp01031241 (Casar Huberinus) [06.11.2014].

Bildquelle: www.stadtlexikon-augsburg.de [03.11. 2014].

HUBERINUS, Caspar

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 124-127

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