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Forschungswelten 2019

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Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Who was who in nursing history: HOFMEIER, Kurt
HOFMEIER, Kurt
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 7, Seite(n) 122-124.
 

Biographie

Es ist eine Wiege der deutschen Pädiatrie. Am 20. Juni 2009 feierte eine traditi­onsreiche Vorgän­ger-Institution der heutigen Charité – Universitätsmedizin Berlin, das Kaiserin-Auguste-Viktoria-Säuglingsheim, ei­gentlich Kaiserin-Auguste-Viktoria-Haus (KAVH) im Heubnerweg 6 in Berlin-Char­lottenburg, seinen hundertsten Geburtstag. Die vielfältig sozial engagierte Kaiserin Au­guste Victoria (1858-1921) Ehefrau von Kaiser Wilhelm II. (1859-1941), hatte die Einrichtung im Jahre 1909 als „Reichsanstalt zur Bekämpfung der Säuglings- und Klein­kindersterblichkeit“ gegründet. Sie wurde zwischen 1907 und 1909 unter der Führung des Berliner Architekten und Stadtbaurats Ludwig Hoffmann (1852-1932) erbaut, wobei die Planung maßgeblich in Händen der Ar­chitekten Alfred Messel (1853-1909) und Edmund May (1876-1956) lag. Nach einer wechselvollen Geschichte wurde das Haus nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) zur Kinderklinik der Freien Universität Berlin; im Jahre 1995 zogen die pädiatrischen Einrich­tungen ins Virchow-Klinikum um. Heute be­herbergt das ehemalige Krankenhaus die ESCP Europe Campus Berlin sowie das Res­sourcenzentrum für Genomforschung (RZPD) und die Proteinstrukturfabrik (PSF).

Mehrere Schriften, darunter von Eduard Diet­rich (1860-1947) , Leo Langstein (1876-1933) und Paul Kühl, hatten zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Öffentlichkeit über die neue Institution informiert. Der mit ihr verbundenen KAVH-Schwesternschaft stan­den die Oberinnen Elisabeth Helene Mann­hardt (1877-1949) , Wanda Kern (* 1872), Gertrud Röhrssen (1880-1972) , Elisabeth Franke (1864-1946) , Antonie Zerwer (1873-1956) , von der auch die Initiative zu dem von 1927 bis 1934 beste­henden „Reichsverband der Säuglings- und Kleinkinderschwestern“ ausging, Charlotte Reuter, Dora Tietz, Margarete Schaeffer, Charlotte Reuter, Helga Martin, Interregnum mit Gertrud Schmidt und Hildegard Schmidt, Gerti Siebernik, Liselott Müller und Erika Berger (Pflegedienstleiterin) vor.

Aufgrund eines Erlasses vom 10. März 1907 – die „Vorschriften über die staatliche Prü­fung von Krankenpflegepersonen nebst Aus­führungsanweisungen“ betreffend – wurde der Wunsch ausgesprochen, dass von Seiten der Staatsregierung (konkret war hierfür die Medizinalabteilung des Königlich-Preußi­schen Ministeriums der Geistlichen, Unter­richts- und Medizinalangelegenheiten verant­wortlich) ein „Krankenpflege-Lehrbuch“ her­ausgegeben werden sollte. Die erste Auflage erschien 1910 und enthielt von Anfang an auch ein Kapitel über „die wichtigsten Grundsätze der Säuglingspflege“. Die Sach­verständigen hielten es „sowohl für die Pfle­gerin als auch für den Pfleger“ für richtig, die Pflege der Wöchnerin mit der Pflege des Säuglings zu ergänzen, „da nur die Verbrei­tung richtiger Anschauungen die Pflege und Ernährung der Säuglinge und ihrer Mütter fördern kann.“ Dieses Kapitel wurde bis zur letzten Auflage (1943) fast unverändert über­nommen.

Die Veröffentlichung eines amtlichen Lehr­buchs für Säuglings- und Kinderschwestern ließ unterdessen auf sich warten. Ein 1917 im Auftrag des Preußischen Innenministeriums unter der Federführung von Leo Langstein (1876-1933) vorgelegter Entwurf wurde nie veröffentlicht. Ein erneuter Entwurf des Lehrbuchs für Kinderpflege wurde 1922 in Angriff genommen und 1927 dem Minister für Volkswohlfahrt zugestellt. Die für Juni desselben Jahres vorgesehene Veröffentli­chung kam aber ebenfalls nicht zustande.

Das erste amtliche „Lehrbuch für Säuglings- und Kinderschwestern. Herausgegeben im Auftrage des Reichsministeriums des Innern durch das Kaiserin-Auguste-Victoria-Haus Reichsanstalt zur Bekämpfung der Säuglings- und Kleinkindersterblichkeit“ erschien schließlich 1942 unter der Federführung von Prof. Dr. med. Kurt Hofmeier im Ferdinand Enke-Verlag. Neben Kurt Hofmeier, der zu­sammen mit Gerhard Joppich (1903-1992)  auch für die Bearbeitung der zweiten, umgearbeiteten und erweiterten Auflage (1944) – „Die Kriegszeit erschwerte und ver­zögerte die Herausgabe der zweiten Auflage sehr, so daß das Buch einige Zeit vergriffen war.“ (Vorwort) – verantwortlich war, ver­zeichnet das Werk insgesamt 23 weitere Mit­arbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter Obe­rin Karin Huppertz (1894-1978)  vom Fachausschuss für Schwesternwesen (Berlin), Annemarie von Klitzing (1891-1964) , Oberin im Reichsbund der freien Schwestern und Pflegerinnen (Berlin) und Charlotte Reu­ter (1901-1982) , Oberin des Kaiserin-Auguste-Victoria-Hauses (Berlin).

Die dritte Auflage dieses Lehrbuchs wurde 1951 von Gerhard Joppich herausgegeben, der von 1942 bis 1954 als ärztlicher Direktor am KAVH wirkte, ebenso wie die vierte Auflage 1955. Mit der fünften Auflage 1958 änderte sich der Titel in „Lehrbuch für Kin­derkrankenschwestern“; 1963 erschien die sechste, umgearbeitete Auflage. Im Jahre 1968 änderte sich von dem Werk wiederum der Titel, ebenso wie die Herausgeberschaft und das Format. Das jetzt von Prof. Dr. med. Dieter Lüders (Jahrgang 1924) herausgege­bene Lehrbuch für Kinderkrankenschwestern bestand nun aus zwei Teilen: Band 1 „Das gesunde Kind und theoretischer Teil“ (Stutt­gart 1968) und Band 2 „Das kranke Kind, seine Pflege und Behandlung“ (Stuttgart 1969).

Zur Bedeutung und Intention der Veröffentli­chung schreibt das KAVH im Geleitwort der Erstauflage: „Das vorliegende Lehrbuch für Säuglings- und Kinderschwestern ist dazu bestimmt, als Grundlage für den durch die Säuglings- und Kinderpflegeverordnung vom 15. 11. [19]39 vorgesehenen Unterricht zu dienen. Es verdankt seine Entstehung der Zu­sammenarbeit zahlreicher Ärzte und Schwes­tern, die über eine langjährige Erfahrung im Schwesternunterricht verfügen. [...] Die Her­ausgeberin hat sich bemüht, das ganze Buch unter einem einheitlichen und, wie sie meint, neuartigen Gesichtspunkt zusammenzufassen. Die nicht unmittelbar in Kinderkliniken und -krankenhäusern geübten pflegerischen Dinge sind fortgelassen worden. [...] Ein breiterer Raum als in den sonst auf dem Gebiet der Kinderpflege erschienenen Lehrbüchern wurde der Berufstätigkeit der Schwester und der körperlichen und geistigen Entwicklung des Kindes gewidmet. Die Herausgeberin ist sich klar darüber, daß der Erfolg des Unter­richts an die Schwestern nicht nur an das Vorhandensein eines guten Lehrbuches ge­bunden ist, sondern daß es der Geist, der eine Pflegeschule erfüllt, ist, der eine gute oder schlechte Schwester heranwachsen läßt. Ist das vorliegende Buch auch in erster Linie für Jungschwestern bestimmt, weshalb eine all­gemein verständliche Form der Darstellung gewählt und nicht unbedingt Notwendiges vermieden wurde, so wird es trotzdem auch der älteren und erfahrenen Schwester noch manche wertvolle Hinweise geben können.“

Kurt Hofmeier wurde 1896 in Königsberg (seit 1946 Kaliningrad, heute eine russische Exklave, die im Süden an Polen und im Nor­den und Osten an Litauen grenzt) geboren. Nach dem Studium der Medizin in Marburg, Freiburg und Würzburg, das er 1922 mit der Promotion zum Dr. med. abschloss, folgte eine pädiatrische Ausbildung an der Kinder­klinik in Würzburg und bei Prof. Dr. med. Georg Bessau (1884-1944) in Leipzig. An­schließend ließ er sich in Berlin als Kinderarzt nieder, bevor er 1934 die Leitung des Städti­schen Kinderkrankenhauses und Mütterhei­mes Charlottenburg übernahm. Als sich am 8. November 1935 die „Berliner Gesellschaft für Kinderheilkunde“ gründete, wurde Georg Bessau zum Vorsitzenden und Kurt Hofmeier zum Schriftführer gewählt.

Nachdem er sich 1938 bei Bessau, der das KAVH neben der Kinderklinik der Charité von 1934 bis 1938 leitete, habilitiert hatte, wurde Kurt Hofmeier noch im selben Jahr zum Direktor des KAVH berufen. Als das KAVH am 5. Juni 1939 den 30. Geburtstag ihres Bestehens feierte, hielt Kurt Hofmeier die Festansprache. Hierbei erwähnte er ledig­lich kurz, das Prof. Langstein bis 1933 an der Spitze der Anstalt stand, wobei er wörtlich hinzufügte: „Es ist für uns alle unfasslich, das man es für richtig hielt, […] einen jüdischen Arzt zu ernennen.“

Von 1941 an bis 1944 war dann Direktor der Kinderklinik der „Reichsuniversität“ Straß­burg. Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) ließ Kurt Hofmeier, der sich den Natio­nalsozialisten zugehörig gefühlt und in seiner Laufbahn sehr von ihnen profitiert hatte, als Kinderarzt in Tübingen nieder und bekleidete zugleich eine Professur an der Universität. Kurt Hofmeier starb 1989.


Literatur

Ballowitz, Leonore (Hrsg.): Leopold Langstein im KAVH tätig von 1909-1933 (Schriftenreihe zur Ge­schichte der Kinderheilkunde aus dem Archiv des Kaiserin Auguste Victoria Hauses (KAVH) – Ber­lin, Heft 8). Humana Milchwerke Westfalen. Herford 1991, Seite 77-80.

Fischer, Wolfram (Hrsg.): Exodus von Wissenschaften aus Berlin: Fragestellungen, Ergebnisse, Deside­rate. Entwicklung vor und nach 1933 (Forschungs­bericht / Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Band 7). Verlag de Gruyter. Berlin 1994, Seite 546-547.

Joppich, Gerhard (Hrsg.): Kinderpflegelehrbuch für Säuglings- und Kinderschwestern. 3., umgearbei­tete Auflage. Ferdinand Enke-Verlag. Stuttgart 1951 (489 Seiten).

Joppich, Gerhard (Hrsg.): Kinderpflegelehrbuch für Säuglings- und Kinderschwestern. 4., umgearbei­tete Auflage. Ferdinand Enke-Verlag. Stuttgart 1955 (505 Seiten).

Joppich, Gerhard (Hrsg.): Kinderpflegelehrbuch für Säuglings- und Kinderschwestern. 5., umgearbei­tete Auflage. Ferdinand Enke-Verlag. Stuttgart 1958 (514 Seiten).

Joppich, Gerhard (Hrsg.): Lehrbuch für Kinderkran­kenschwestern. 6., umgearbeitete Auflage. Ferdi­nand Enke-Verlag. Stuttgart 1963 (546 Seiten).

Krankenpflege-Lehrbuch. Herausgegeben von der Medizinalabteilung des Königlich-Preußischen Mi­nisteriums der Geistlichen, Unterrichts- und Medi­zinalangelegenheiten. Hirschwald Verlag. Berlin 1910 (372 Seiten).

Krankenpflegelehrbuch. Neu bearbeitet und herausge­geben im Auftrag des Reichs- und Preußischen Minsteriums des Innern vom Reichsausschuß für Volksgesundheitsdienst, Berlin. 15., neu bearbeitet und erweiterte Auflage. Thieme Verlag. Leipzig 1943 (544 Seiten).

Lüders, Dieter: Lehrbuch für Kinderkrankenschwes­tern. Band 1: Das gesunde Kind und theoretischer Teil. Ferdinand Enke Verlag. Stuttgart 1968.

Lüders, Dieter: Lehrbuch für Kinderkrankenschwes­tern. Band 2: Das kranke Kind, seine Pflege und Behandlung. Ferdinand Enke Verlag. Stuttgart 1969.

Hofmeier, Kurt: Die Bedeutung der Erbanlagen für die Kinderheilkunde. Ferdinand Enke Verlag. Stuttgart 1938 (208 Seiten).

Hofmeier, Kurt (Hrsg.): Körperliche und geistige Er­ziehung der Kinder und Jugendlichen. Eine Vor­tragsreihe. Ferdinand Enke Verlag. Stuttgart 1939 (76 Seiten).

[Hofmeier, Kurt]: Lehrbuch für Säuglings- und Kinder­schwestern. Herausgegeben im Auftrage des Reichsministeriums des Innern durch das Kaiserin-Auguste-Victoria-Haus Reichsanstalt zur Bekämp­fung der Säuglings- und Kleinkindersterblichkeit. Ferdinand Enke Verlag. Stuttgart 1942 (585 Sei­ten).

[Hofmeier, Kurt / Joppich, Gerhard (Bearbeitung)]: Lehrbuch für Säuglings- und Kinderschwestern. Herausgegeben im Auftrage des Reichsministeri­ums des Innern durch das Kaiserin-Auguste-Victo­ria-Haus Reichsanstalt zur Bekämpfung der Säug­lings- und Kleinkindersterblichkeit. 2. umgearbei­tete und erweiterte Auflage. Ferdinand Enke Ver­lag. Stuttgart 1944 (627 Seiten).

Hofmeier, Kurt / Müller, Friedrich / Schwidder, Wer­ner: Alles über dein Kind. Auskunfts- und Nach­schlagewerk nach Altersstufen für alle Eltern, Leh­rer und Erzieher über die körperliche und seelische Entwicklung, Pflege und Erziehung des Kindes. Gieseking Verlag. Bielefeld 1962 (408 Seiten). 2 Auflage 1963, 3. Auflage 1970, [4. Auflage] Ro­wohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1971.

www.berliner-kinderaerzte.de/geschichte.pdf (Ge­schichte der Berliner Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin) [05.12.2014].

www.charite.de/p_endo/kindarzt/geschBerlKHK/berlkhk/Posterserie 5a.pdf [05.12.2014].

www.zeitzeichen.paritaet.org/index.php?id=862 [05.12.2014].

Bildquelle: www.ww2incolor.com/forum/attachment. php?attachmentid=6355&d=1336007109 [05.12. 2014].

HOFMEIER, Kurt

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 122-124

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Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=422

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