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Jun 04, 2020 Last Updated 11:41 AM, May 20, 2020

Who was who in nursing history: HITZ, Anna
HITZ, Anna
Artikel von: Christine Auer
Erschienen in Band 7, Seite(n) 116-118.
 

Biographie

Anna Hitz wurde am 17. September 1833 als Tochter eines Landwirts und einer Weberin in Hausen am Albis (Schweiz) geboren. Sie wurde vor allem vom Vater christlich erzo­gen. Der christliche Lebenswandel des El­ternhauses hinterließ in ihr einen starken Ein­druck und inspirierte sie später zum Eintritt in das Diakonissenhaus Riehen bei Basel. Ver­mutlich wurde diese Entscheidung zusätzlich durch die Enttäuschung durch einen Heirats­kandidaten beeinflusst, was in ihrem Lebens­lauf zwischen den Zeilen durchklingt. Auch muß das karge und einsame Leben auf dem Aussiedlerhof im Züricher Oberland, wo sie mit der Mutter, die nach dem Tod des Vaters erneut geheiratet hatte, lebte, in ihr den Wunsch nach Gemeinschaft geweckt haben.

Der Gemeindepfarrer, der ihr ein Sittenzeug­nis für das Aufnahmegesuch in Riehen aus­stellte, schrieb: „dass ihre Schulbildung die gewöhnliche war, dass aber ihr Eifer & ihre Fähigkeit sie über die gewöhnliche Stufe er­hoben umso mehr, da sie durch Lesen guter Bücher ihre Bildung fortsetzte.“ Aus diesem Sittenzeugnis erfahren wir auch, dass zu Anna Hitz’ Beschäftigungen „hauptsächlich Sei­denweben, daneben die übrigen weiblichen Arbeiten, besonders Verfertigung ihrer Klei­der“ gehörten. Anna Hitz war eine begeisterte Leserin von Bibel und Literatur der Erwe­ckungsbewegung. Die Bibel lag stets aufge­schlagen auf dem Tisch in ihrem Zimmer. Aus ihrem Tagebuch lässt sich entnehmen, dass sie eigentlich ganz gerne Missionarin geworden wäre, um das „Wort des Herrn zu predigen“. Aber dieser Berufswunsch der Wortverkündigung blieb jungen Frauen zur damaligen Zeit verwehrt.

1857 stellte sich Anna Hitz der Riehener Obe­rin Trinette Bindschedler (1825-1879)  persönlich vor und stellte direkt danach ihr Aufnahmegesuch. Sie trat als Vorprobe­schwester in das Riehener Diakonissenhaus ein, wurde religiös und fachlich gebildet und 1859 als Diakonisse eingesegnet.

Das 1852 durch Christian Friedrich Spittler (1782-1867)  gegründete Diakonissen­haus in Riehen stand in der Tradition der Kai­serswerther Mutterhausdiakonie, zeichnete sich allerdings durch einen liberaleren Stil aus. Die Oberin Trinette Bindschedler vertrat die Meinung, dass die Diakonissen nicht dem Pfarrer, sondern lediglich Gott zu gehorchen hätten. Eine solche Meinung einer schweize­risch erweckungsbewegten Diakonissenoberin findet sich nicht in anderen Mutterhäusern des Kaiserswerther Verbandes, was möglicher­weise der Grund für deren strengeren Cha­rakter sein könnte.

In dieser religiösen Einstellung des Diakonis­senhauses Riehen wurde Anna Hitz zu einer selbstbewussten Diakonisse, die sich für eine körperlich und seelisch-geistig ausgerichtete Pflege engagierte.

Fachlich wurde Anna Hitz im Kleinbasler Kinderspital als Kinderkrankenschwester ein­gesetzt. Das Kleinbasler Kinderspital war 1862 von der verstorbenen Elisabeth Burck­hardt-Vischer gegründet worden. In diesem Spital sollten die Kinder zum einen medizi­nisch und pflegerisch betreut werden, zum anderen sollte dort auch Kindern aus sozial schwachen Familien geholfen werden, die schlecht ernährt und wenig gebildet waren. Anna Hitz war somit, nach unserem heutigen ausdifferenzierten Verständnis, nicht nur als Kinderkrankenschwester, sondern auch als Fürsorgerin und Sozialarbeiterin in diesem Spital tätig. Anna Hitz erwarb sich das Ver­trauen des Chefarztes der Einrichtung. Es entstand eine enge Zusammenarbeit mit Prof. Carl Streckeisen-Ehinger (1811-1868), dessen Tod für sie das Ende ihres Einsatzes im Kleinbasler Kinderspital bedeutete. Der Nach­folger tolerierte eine selbstbewusste Diako­nisse, die für leibliche Pflege und geistliche Zuwendung der Kinder sowie für Mitsprache­rechte der Diakonissen eintrat, nicht. Er sorgte für eine Beurlaubung von Anna Hitz und verlangte ihren Austausch gegen eine devotere Schwester, der dann auch vorge­nommen wurde. Wie häufig in jener Zeit war die billige Arbeitskraft der Diakonissen unter dem Nachfolger von Streckeisen-Ehinger von medizinischer Seite zwar durchaus gewollt, nicht jedoch deren Wunsch nach Mitsprache. Dies war eine bittere Erfahrung für Anna Hitz.

Anna Hitz wurde nun noch drei Jahre lang in der Privatpflege und als Apothekenschwester eingesetzt. Die harte körperliche Arbeit und die schmerzliche Erfahrung des Basler Klein­kindspitals taten dann allerdings ihr übriges. Anna Hitz erkrankte an einem Hüftleiden, wurde immer häufiger bettlägrig und verstarb am 23. April 1877 im jungen Alter von ledig­lich 43 Jahren.

Das Diakonissenhaus Riehen feierte im Jahr 2012 sein 160-jähriges Jubiläum. Vier Diako­nissen wurden in diesem Jahr neu eingeseg­net. Der neu geschaffene Drittorden wuchs auf sieben Personen an. Das zum Diakonis­senhaus gehörende Krankenhaus wurde abge­geben und wird derzeit in ein geistlich-diako­nisches Zentrum umgewandelt. Die Kranken-, Alten- und Kleinkindpflege wird demzufolge in Riehen in den kommenden Jahren nur noch eine marginale Rolle spielen. Damit vollzieht sich ein großer Umwandlungsprozess inner­halb des traditionsreichen Mutterhauses in Riehen.


Literatur

Hauff, Adelheid von (Hrsg.): Frauen in der Diakonie. Band 1: Unterrichtsvorschläge für das 1. bis 6. Schuljahr. Calwer Verlag Stuttgart 2006.

Kellerhals, Doris / Seiler, Lukrezia / Stuber, Christine (Hrsg.): Zeichen der Hoffnung. Schwesterngemein­schaft unterwegs. Friedrich Reinhardt Verlag. Basel 2002.

Kellerhals, Doris: Heilende Gemeinschaft in der Post­moderne unter besonderer Berücksichtigung der Benediktusregel. Ein Beitrag zum Bau von kirchli­cher Gemeinschaft. Friedrich Reinhardt Verlag. Ba­sel 2008.

Kobler von Komorowski, Susanne: „Maria-Sinn“ und „Martha-Dienst“. Weibliche Diakonie als Ausdruck des Frauenbildes der Erweckungsbewegung im 19. Jahrhundert am Beispiel der Diakonissenanstalt Riehen. In: Diakonische Aussichten. Festschrift für Heinz Schmidt (DWI-Info Nr. 35). Selbstverlag DWI. Heidelberg 2003, S. 128-192.

Kobler von Komorowski, Susanne: Anna Hitz (1833-1877). Ein Diakonissenleben im 19. Jahrhundert. In: Hauff, Adelheid von: Frauen in der Diakonie, Band 1. Calwer Verlag. Stuttgart 2006, S. 64-79.

Stückelberger, Karl: Ein neues „Eben-Ezer“. Das Dia­konissenhaus Riehen in seinem Werden und Wir­ken 1852-1927, geschildert von Karl Stückelberger. Selbstverlag der Diakonissen-Anstalt Riehen. Rie­hen 1927.

HITZ, Anna

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Christine Auer. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Christine Auer, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 116-118

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Permalink:
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care/whowaswhodetail.php?id=420

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