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Who was who in nursing history: GROSEN, Maren
GROSEN, Maren
Artikel von: Gunilla Svensmark
Erschienen in Band 7, Seite(n) 105-107.
 

Biographie

Maren Grosen, die am 16. November 1882 geboren wurde, war die Tochter eines Bau­ern und das älteste von zehn Kindern. Sie wuchs in einen traditionellen Haus­halt auf, der stark von der dänischen Grundtvig-Kirche geprägt war. N. F. S. Grundtvig (1783-1872) war ein Poet, Priester, Historiker, Politiker, Philologe und Lehrer, der neben S?ren Kirkegaard (1813-1855) zu den wichtigsten Persönlichkeiten des intel­lektuellen Lebens in Dänemark während des 19. Jahrhunderts gehörte. Zu seinen Leistun­gen gehörte auch das Programm „Schule des Lebens“ mit einer freien und fortschrittlichen Ausbildung für das gewöhnliche Volk. Dieses Programm sollte nicht auf Büchern und der Autorität des Lehrers beruhen, sondern auf der freien und aktiven Auseinandersetzung zwischen den Schülern und den Lehrern. Sein Programm war 1844 die Grundlage der ersten dänischen Volkshochschule, deren Tradition immer noch Bestand hat.

Alle Kinder der Familie Grosen besuchten, trotz relativer Armut der Eltern, entsprechend den Vorstellungen von Grundtvig eine private „freie Schule“. Hierbei handelte sich um eine Art Vorschule, die unabhängig von den öf­fentlichen Grundschulen war. Eine „freie Schule“ war von Eltern gegründet worden, weil sie eine Schule mit guten Lehrmethoden haben wollten. Das Aufwachsen der Kinder war charakterisiert durch das „lebende Wort“, bei dem es sich um eine grundlegende Lehr­methode von Grundtvig handelte, die auf der Auseinandersetzung zwischen Lehrer und Schülern beruhte. Dieser Schulbesuch sollte der Grundstein für das Engagement von Ma­ren Grosen werden, eine private Vorberei­tungsschule für Krankenpflegende an der Krankenpflegeschule in Testrup zu gründen. Dies machte es außerdem möglich für sie, die Idee der Volkshochschule mit der einer pro­fessionellen Ausbildung zu verbinden.

In ihrer Jugend arbeite Maren Grosen als Dienstmädchen in Süd-Jutland und interes­sierte sich für den Rechtsstreit von Süd-Jut­land vor und nach der Vereinigung mit Nord-Schleswig. 1904 machte sie eine Gymnas­tikausbildung an der Volkshochschule in Va­llekilde, an welcher ihr Bruder später zum Schulleiter ernannt wurde. 1914 begann sie die Krankenpflegeausbildung am Aarhus Mu­nicipal Hospital. Nach ihrem Examen blieb sie dort als Stationsschwester, bis sie 1920 eine Stelle als Oberschwester am Hammel Hospital außerhalb von Aarhus angeboten bekam.

Im Jahre 1927 trat der Dänische Krankenpfle­geverband an Maren Grosen heran mit der Frage, ob sie eine Vorbereitungsschule für die Krankenpflege an der Volkshochschule in Testrup aufbauen wolle. Der Verband hatte kurz zuvor diese Schule gekauft für die Aus­zubildenden aus kleinen Provinzkrankenhäu­sern, die sich keine eigene Krankenpflege­schule leisten konnten. Vorbereitungsschulen zur Krankenpflege hatten sich bis dahin in den großen Krankenhäusern in Kopenhagen etabliert. Die erste war 1913 im neuen Bispebjerg Krankenhaus eingeführt worden. Charlotte Munck (1876-1932) , die jüngste Aufsichtsbeamtin in der Kranken­pflege, hatte ihre Ausbildung im Presbyterian Hospital in New York durchlaufen, von wo sie die durch Florence Nightingale (1820-1910)  inspirierten Prinzipien der Pio­nierschule der Vereinigten Staaten mitbrachte.

Die eigentliche Gründerin der Volkshoch­schule war Cornelia Petersen (1879-1955) , die Maren Grosen aufgrund ihres Bil­dungstalentes und ihrer Persönlichkeit empfahl. Außerdem bestärkte sie Maren Gro­sen darin, die Herausforderung anzunehmen. Zu dieser Zeit war Charlotte Munck Vizeprä­sidentin des Dänischen Krankenpflegever­bandes. An Maren Grosen schrieb sie, dass das Unterrichten junger Menschen zu Kran­kenpflegenden wichtiger sei als die tatsäch­lich ausgeübte Krankenpflege.

Im August 1927 zog Maren Grosen nach Testrup, wo Kristian T?rup amtierender Schulleiter war, und wurde zur Oberkranken­schwester ernannt. Mit ihr wurde Inger Kaae, eine intelligente und hochausgebildete Krank­enschwester, als Einführungskranken­schwester eingestellt, wobei sich zwischen den beiden Frauen eine lebenslange und glückliche Zusammenarbeit entwickelte. Als Kristian T?rup 1930 die Schule verließ, wurde Maren Grosen Schulleiterin. Die Themen, die ihr Vorgänger bis dahin unterrichtet hatte, übernahm ein neu angestelltes Lehrerehepaar.

Die Testrup Volkshochschule war die erste von vielen. Schnell konnte sie nicht alle An­meldungen annehmen, so dass die Zahl der Vorbereitungsklassen auf zehn wuchs. Die Vision der Vorbereitungsschulen war es, jun­gen Mädchen durch Unterricht und Kamerad­schaft eine umfassende Grundlage für die Ausbildung zu bieten. Die Vorbereitungs­schule bewies schnell ihren professionellen Wert, indem sie die Qualifikation der Schüler verbesserte, bevor diese mit ihrer Kranken­pflegeausbildung begannen. Die Vorberei­tungsschule dauerte fünf Monate, wobei die Schüler in traditionellen Themen wie dänisch und rechnen, aber auch in speziellen Themen der Krankenpflege unterrichtet wurden. Die Schule hatte 70 Plätze, wobei die Klassen schnell größer wurden.

Dank Maren Grosen wurde die Kombination aus vorbereitender Volkshochschule und an­schließender Berufsausbildung ein voller Er­folg. Die Skeptiker des Schulversuchs muss­ten letztlich ihre Bedenken aufgeben. Als Schulleiterin hatte Maren Grosen viel Freude an ihrer Arbeit. Sie unterrichtete Klassen in Geschichte und Ethik der Krankenpflege, ebenso wie in Theorie und Praxis der Kran­kenpflege.

In den darauffolgenden Jahren wurde in Dä­nemark verstärkt die Frage nach den Ausbil­dungsinhalten diskutiert. In ihrer Abschieds­rede 1947 brachte Maren Grosen ihre Über­zeugung von der Weiterentwicklung der Krankenpflege zum Ausdruck. In den neuen Rationalisierungsbestrebungen und zuneh­mende Fokussierung auf die Effektivität sah sie eine Bedrohung für die Krankenpflege. Sie befürchtete, dass die Krankenpflege ein Opfer der Dehumanisierung und Mechanisierung werde. Ihre Einstellung teilte sie dabei mit vielen Krankenschwestern, während nach den Vorstellungen der Oberschwestern professio­nelle Themen den größten Teil des vorberei­tenden Unterrichts ausmachen sollten.

Im Jahre 1958 wurde die Krankenpflegeaus­bildung in Dänemark grundlegend reformiert. Seither durften die Krankenhäuser ihre Schü­lerinnen nicht mehr lokal ausbilden, ein Ar­rangement das hauptsächlich darin begründet war, dass die Krankenhäuser kostengünstige Arbeitskräfte brauchten. Stattdessen wurden 34 neue Krankenpflegeschulen eingerichtet und vom National Board of Health anerkannt. Viele der neu gegründeten Krankenpflege­schulen entschieden sich dazu, den Vorberei­tungskurs als einen Teil ihres eigenen Lehr­plans aufzunehmen. Seither schloss eine Vor­bereitungsschule nach der anderen, die letzte 1981.

Neben ihrer Tätigkeit als Schulleiterin in Testrup war Maren Grosen von 1927 bis 1934 Vorstandsmitglied im Dänischen Kranken­pflegeverband. Zudem war sie Gründerin der erweiterten Hochschulausbildung für Kran­kenpflegemanager und Krankenpflegelehrer, die eine Grundlage der 1938 gegründeten Hochschule für Krankenpflege an der däni­schen Aarhus Universität war.

Im Jahre 1952 wurde Maren Grosen mit dem Order oft he Dannebrog geehrt und zugleich zum Ehrenmitglied des Dänischen Kranken­pflegeverbandes ernannt. Maren Grosen starb am 21. Mai 1961.


Literatur

Gøtzsche, Inger: Sygeplejen og Højskolen 1927-1981. Dansk Sygeplejeråd 1996.

Grosen, Maren: Lidt om sygeplejeundervisningen på Testrup Højskole. In: Danish Journal of Nursing, 1928, 14:290-2.

Grosen, Maren: Menneske først - og saa Sygeplejerske. In: Danish Journal of Nursing 1943; 6:66-8.

Olesen, Anne Mette: Maren Grosen. In: Danish Women's Encyclopedia (online).

Bildquelle: Dänisches Museum für Krankenpflegege­schichte (Danish Museum of Nursing History).

GROSEN, Maren

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Gunilla Svensmark. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Gunilla Svensmark, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 105-107

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=416

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