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Who was who in nursing history: GERSUNY, Robert
GERSUNY, Robert
Artikel von: Ilsemarie Walter
Erschienen in Band 7, Seite(n) 103-104.
 

Biographie

Robert Gersuny wurde am 15. Januar 1844 in Teplitz (Nordböhmen) als Sohn eines Bade­arztes geboren. Er studierte in Prag und Wien Medizin und arbeitete zunächst am Prager Allge­meinen Kranken­haus, anschließend ab 1869 an der II. Chirur­gischen Universitätsklinik in Wien, die von Theodor Billroth (1829-1894)  geleitet wurde. 1872 wurde er Billroths Privatassis­tent. Von 1880 bis 1893 war er Primarchirurg am Karolinenkinderspital in Wien. Er war ein gefragter Chirurg und erfand zahlreiche Ope­rationsmethoden, insbesondere auf dem Ge­biet der plastischen Chirurgie.

Als Theodor Billroth 1882 die Krankenanstalt Rudolfinerhaus in Wien gründete, übertrug er Gersuny dort die Position des Primarchirur­gen. Nach dem Tod Billroths im Jahre 1894 wurde er dessen Nachfolger in der Direktion des Rudolfinerhauses, eine Aufgabe, die er bis zu seinem Lebensende wahrnahm. Das Rudolfinerhaus war in der expliziten Absicht entstanden, ein „Mittel zur Heranbildung von Pflegerinnen“ zu schaffen, ein Ziel, das bis heute in den Statuten des Krankenhausträgers, des „Rudolfiner-Verein Rotes-Kreuz“, veran­kert ist. Die dazugehörige Krankenpflege­schule ist die älteste auf dem Gebiet des heu­tigen Österreich.

Die Frage, warum Gersuny nicht wie die an­deren Schüler Billroths die akademische Laufbahn einschlug, wird von Helmut Wyck­licky dahingehend beantwortet, dass Gersuny jung heirateten wollte, was damit nicht ver­einbar gewesen wäre. Es scheint jedoch, dass Gersuny in seiner Aufgabe auch wirkliche Befriedigung gefunden hatte, denn als ihm das Unterrichtsministerium 1903 Billroths Lehrstuhl anbot, nahm er nicht an und blieb im Rudolfinerhaus. Er wollte die Idee Bill­roths, hinter den er immer bescheiden zu­rücktrat, weiterführen. Dessen Ziel und Ver­mächtnis sah er darin, eine Musteranstalt zur Ausbildung von Pflegerinnen zu schaffen, in der sie fundiertes Wissen erwerben und auch „alle Erleichterungen kennen lernen konnten, die man den Kranken gewähren kann.“ Damit sollte die Pflege zu einem hochangesehenen Beruf werden.

In seiner 12-jährigen Tätigkeit als Primarius, Leiter der Krankenpflegeschule und Lehrer der Schülerinnen und den darauffolgenden 30 Jahren als Direktor trug Gersuny gemeinsam mit der jeweiligen Oberin der Schwestern­schaft entscheidend zur Ausbildung von Krankenschwestern auf hohem Niveau bei. „Wenn das Rudolfinerhaus geworden ist, wie es sich heute darstellt“, schreibt Alice (Domi­nika) Pietzcker (1887-1976) , Oberin von 1918 bis 1938, im Jahr 1932, „als eine Stätte, in welcher Ideale gesucht und verwirklicht werden“, dann sei dies Gersuny und Billroth zu danken. In menschlicher Hinsicht be­schreibt Pietzcker Gersuny als „selbstlos, gü­tig und feinempfindend“. Dies wird auch in den nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Notizen sichtbar, die im Rudolfinerhaus von ihm erhalten sind. Als dieses nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) aus wirtschaftlichen Gründen in ein Belegkrankenhaus umgewan­delt werden musste, dürfte er sehr darunter gelitten haben, dass es dadurch nicht mehr möglich war, ärmere Patienten aufzunehmen.

In den Schriften und Reden, die von Gersuny erhalten sind, fällt auf, dass er häufig die Tä­tigkeit der Krankenschwester in eine Parallele mit jener des Arztes setzt. Dabei ist er einer­seits dem Denken seiner Zeit verhaftet, wenn er zum Beispiel die Ungleichheit in Status und Karriere bei gleichem „sittlichen Wert“ der Berufe zwar konstatiert, aber als gegeben hinnimmt. Andererseits weist manches in seinen Aussagen – wie auch die Einschätzung seines Verhaltens durch andere Personen – darauf hin, dass er vieles, was er von den Pflegerinnen forderte, auch von den Ärzten und von sich selbst verlangte und sich be­mühte, darin ein Vorbild zu sein: Es geht da­bei um Haltungen und Fähigkeiten wie etwa Einfühlungsvermögen, Zuhören-Können und Menschenliebe oder, mit Gersunys eigenen Worten, darum, „etwas über die einfache Pflichterfüllung hinaus“ zu tun.

Am 31. Oktober 1924 starb Robert Gersuny in Wien. Als Universalerben hatte er den Ru­dolfiner-Verein eingesetzt. In Wien-Döbling ist eine Gasse nach ihm benannt.


Literatur

Gersuny, Robert: Ein Vermächtnis Theodor Billroths. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, vom 28. Januar 1905, Seite 1-3.

Gersuny Robert: Festreden im Rudolfinerhaus. Verlag des Rudolfinerhauses, Wien 1916.

Österreichische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Österreichisches Biographisches Lexikon 1815 – 1950, Band 1. Verlag der Österreichischen Akade­mie der Wissenschaften. Wien 1957, Seite 431.

Pietzcker, Dominika: Die Pflegerinnenschule des Ru­dolfinerhauses. In: „50 Jahre Rudolfinerhaus in Wien 1882 – 1932“. Separat-Abdruck der Wiener Medizinischen Wochenschrift. Moritz Perles. Wien 1932, Seite 20-38.

Rudolfinerhaus Wien (Billrothstraße 78, A-1190 Wien): Unveröffentlichte handschriftliche Notizen.

Rudolfiner-Verein in Wien: Vierundvierzigster Jahres­bericht für das Vereinsjahr 1924. Wien 1925.

Wyklicky, Helmut: Billroth, Gersuny und die Grün­dung des Rudolfinerhauses. In: Rudolfinerhaus 1882 – 1982. Festschrift. Eigenverlag. Wien 1982, Seite 48-53.

Bildquelle: Rudolfinerhaus Wien.

GERSUNY, Robert

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Ilsemarie Walter. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Ilsemarie Walter, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 103-104

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=414

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