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Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Who was who in nursing history: FLESCH, Hella
FLESCH, Hella
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 7, Seite(n) .
 

Biographie

Im Jahre 1892 gründeten Hella Flesch, ihr Mann Prof. Dr. med. Max Flesch (1852-1943)  und Anna Edinger (1863-1929) den „Frankfurter Hauspflege-Verein“ (Geschäftsstelle: Bleichstraße 43), in dem beispielsweise Bertha Pappenheim (1859-1936)  mitarbeitete. Der Verein war die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland und wurde von der Stadt Frank-furt unterstützt. Nach seinen „Satzungen“ hatte der „Hauspflege-Verein“ den Zweck, „unbemittelten Familien Hilfe zur Aufrecht-erhaltung des Hausstandes während solcher Zeiträume zu gewähren, in welchen die Ehefrau, insbesondere durch Wochenbett oder Krankheit oder deren Folgen, vorübergehend außer Stand ist, ihrem Hauswesen selbst vorzustehen.“ Dementsprechend erstreckte sich die Aufgabe der Pflegerinnen insbeson-dere auf das Kochen der Mahlzeiten, das Reinigen der Zimmer, das Besorgen der Patientin und der Kinder und die sonstigen Arbeiten des Haushalts. Hinzu kam die „Sor-ge für Kranke, soweit diese keine Sachkunde erfordert.“

Dem Primat des „Frauenwohls“ folgend sollte die „Hauspflege“ unverzüglich eingreifen, wenn die Hausfrau ihren Aufgaben nicht nachkommen konnte. Damit wollte man einer möglichen, späteren Unterstützung durch die öffentliche Armenpflege zuvorkommen. Die „Hauspflege“ wurde demnach nicht als „milde Gabe“, sondern als „soziales Bedürf­nis“ gesehen. Dieses Bedürfnis sollte künftig als ein soziales „Recht“ aller gelten. Die ei­gentliche Wochenpflege wurde von Hebam­men, die Krankenpflege von ausgebildeten Krankenschwestern aller Orden oder von Di­akonissen geleistet. 1900 veranstaltete der Verein für Pflegerinnen und Aufsichtsdamen einen Kurs in Krankenpflege, der in den Räumen des Israelitischen Gemeindehospitals abgehalten wurde.

Die Vertreterinnen der „Hauspflege“ verstan­den sich nicht als Angehörige einer funktio­nierenden Dienstleistungsagentur. Vielmehr orientierte sich ihre Arbeit an übergeordneten Wertideen. „Nicht Mitleid oder Wohltaten“ galt es zu verteilen, vielmehr sollte es darum gehen. „einen sozialen Schaden auszuglei­chen, eine Pflicht der Gesellschaft zu erfül­len“, wie es Hella Flesch in ihrer Ansprache als Vorsitzende des Vereins auf dem Interna­tionalen Frauenkongress 1904 in Berlin for­mulierte.

In der Weimarer Republik wurden die Aufga­ben des Frankfurter Hauspflege-Vereins von der Stadt übernommen. In der NS-Zeit, am 1. April 1934, wurde der Verein aufgelöst. Die Hauspflege sollte künftig unter der NS Volkswohlfahrt von Frauen, die öffentliche Unterstützung erhielten, durchgeführt werden.

Hella Flesch (geborene Wolff) wurde am 6. Juli 1866 geboren. Die ausgebildete Sozialar­beiterin heiratete 1887 in Frankfurt am Main Max Flesch und engagierte sich in der Sozial- und Jugendarbeit sowie in der Frauenbildung. Sie war Mitbegründerin des Metaheims (für gefährdete in Arbeit stehende Mädchen) so­wie Mitglied in dem 1866 von der preußi­schen Königin (späteren deutschen Kaiserin) Augusta Marie Luise Katharina von Sachsen-Weimar-Eisenach (1811-1890)  gegrün­deten „Vaterländischen Frauenvereins“ („Deutscher Frauenverein zur Pflege und Hilfe für Verwundete im Kriege“) und im Frankfurter ADF (Allgemeiner deutscher Frauenverein), von dem sich ein Drittel der Mitglieder dem Hauspflegeverein anschlossen hatte.

Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) arbeitete Hella Flesch als Sozialarbeiterin zum Schutz und zur Überwachung des weiblichen Hilfs­dienstes in Frankreich, wofür sie 1917 mit dem „Verdienstkreuz für Kriegshilfe“ – am 5. Dezember 1916 von Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) gestiftet für Männer und Frauen, die sich im vaterländischen Hilfsdienst be­sonders ausgezeichnet hatten – ausgezeichnet wurde.

Nach der nationalsozialistischen Machtüber­nahme (1933) zogen sich Hella und Max Fle­sch in ihr Sommerhaus nach Hochwaldhausen im hessischen Vogelsberg zurück. Am 13. September 1942 wurde das hochbetagte Ehe­paar Flesch – sie waren 87 und 91 Jahre alt – von der Gestapo abgeholt und per Lastwagen in ein Gemeinschaftslager in Gießen und am Tag darauf in ein Altersheim nach Darmstadt verbracht. Von dort wurden sie am 27. Sep­tember 1942 ins Konzentrationslager (KZ) Theresienstadt (Tschechoslowakei, heute: Tschechien) deportiert. Dort starb Hella Fle­sch am 20. April 1943.

Am 17. Februar 2009 wurde vor der Rüster­straße 20 in Frankfurt, wo die Familie Flesch lange gelebt hatte, für Hella und Max Flesch ein „Stolperstein“ gelegt.


Literatur

Arnsberg, Paul: Die Geschichte der Frankfurter Juden seit der Französischen Revolution, Band 3, Biogra­phisches Lexikon der Juden in den Bereichen: Wis­senschaft, Kultur, Bildung, Öffentlichkeitsarbeit in Frankfurt am Main. Darmstadt 1983, Seite 119-121.

Flesch, Max: Die Hauspflege. Ihre Begründung und Organisation in Hauspflege-Vereinen. Gustav Fi­scher Verlag. Jena 1901 (43 Seiten).

Flesch, Hella: Hauspflege. In: Stritt, Marie (Hrsg.): Der Internationale Frauenkongress 1904 in Berlin. Be­richt mit ausgewählten Referaten. Herausgegeben im Auftrag des Vorstandes des Bundes Deutscher Frauenvereine. Habel Verlag. Berlin [1905], Seite 298-305.

Flesch, Hella: Mutterschutz und Hauspflege. In: Schreiber, Adele (Hrsg.): Mutterschaft. Ein Sam­melwerk für die Probleme des Weibes als Mutter. Herausgegeben in Verbindung mit 52 Mitarbeitern von Adele Schreiber. Einleitung von Lily Braun. Langen Verlag. München 1912, Seite 318-324.

Flesch-Thebesius, Max: Ansprache von [Max] Flesch-Thebesius anläßlich des 75-jährigen Jubiläums des Hauspflege-Vereins am 10. 11. 1967 im Wilhelm-Polligkeit-Institut (Frankfurt am Main). Maschinen­schrift. [Frankfurt am Main] 1967.

Flesch-Thebesius, Marlies: Hauptsache Schweigen. Ein Leben unterm Hakenkreuz. Radius Verlag. Stuttgart 1988.

Flesch-Thebesius, Marlies: „Wir saßen zwischen allen Stühlen“. Als Mischling zweiten Grades in Frank­furt am Main. In: Kingreen, Monica (Hrsg.): Nach der Kristallnacht: jüdisches Leben und antijüdische Politik in Frankfurt am Main 1938-1945. Campus Verlag. Frankfurt am Main 1999, Seite 415-434.

Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main: 7. Doku­mentation 2009. Frankfurt am Main 2009, Seite 29-32 (online unter: www.stolpersteine-frankfurt. de/downloads/doku2009.pdf [10.12.2014]).

Klausmann, Christina: Politik und Kultur der Frauen­bewegung im Kaiserreich. Das Beispiel Frankfurt am Main (Reihe Geschichte und Geschlechter, Band 19). Campus Verlag. Frankfurt am Main 1997, Seite 328.

Matron, Kristina: „Idealsynthese zwischen Kranken­schwester und Hausfrau“. Der Hauspflegeverein in Frankfurt am Main in den 1950er und frühen 1960er Jahren. In: Geschichte der Pflege. Das Jour­nal für historische Forschung der Pflege- und Ge­sundheitsberufe, 2. Jg., Heft 1 / 2013, Seite 14-24.

Schröder, Iris: Grenzgängerinnen. Jüdische Sozialre­formerinnen in der Frankfurter Frauenbewegung um 1900. In: Gotzmann, Andreas / Liedtke, Rainer / Rahden, Till van (Hrsg.): Juden, Bürger, Deut­sche. Zur Geschichte von Vielfalt und Differenz 1800-1933 (Schriftenreihe wissenschaftliche Ab­handlungen des Leo Baeck Instituts, Band 63). Mohr Siebek Verlag. Tübingen 2001, Seite 341-368.

Schröder, Iris: Arbeiten für eine bessere Welt. Frauen­bewegung und Sozialreform 1890-1914. Campus Verlag. Frankfurt am Main 2001, Seite 152-154 und Seite 223.

Sigusch, Volkmar / Grau, Günter (Hrsg.): Personenle­xikon der Sexualforschung. Campus Verlag. Frank­furt am Main, New York 2009, Seite 166-167.

www.de.wikipedia.org/wiki/Max_Flesch [10.12.2014].

www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=1907322&_ffmpar[_id_inhalt]=6908692 [10.12.2014].

www.frankfurter-hauptfriedhof.de/bedfrauen.htm [10. 12.2014].

Bildquelle: www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id= 6651363&template=bildanzeige [10.12.2014].

FLESCH, Hella

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S.

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=409

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