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Who was who in nursing history: ENDERT, Willeyka van
ENDERT, Willeyka van
Artikel von: Henrike Sappok-Laue
Erschienen in Band 7, Seite(n) 70-71.
 

Biographie

Schwester Willeyka (Taufname Katha­rina) van Endert wurde am 3. Juni 1840 als viertes von sieben Kindern in Kaiserswerth gebo­ren. Ihr Vater war der Beigeordnete Bürgermeister Peter van Endert. Die Mutter, Caroline, galt als ausgesprochen fromm und schickte Katharina für ihre schulische Ausbildung in ein von Ursulinen geführtes Pensionat in Bel­gien. Welch ein tiefreligiöser Geist in der Familie van Endert allgemein geherrscht ha­ben dürfte, lässt sich auch an der Tatsache absehen, dass drei Söhne der Familie den Priesterstand wählten.

Zurück aus dem Pensionat besuchte Katharina van Endert (etwa ab 1856) in Kaiserswerth oft die dortige Niederlassung der Aachener Armen Schwestern vom heiligen Franziskus. Hier nahm sie sich der Versorgung von Wai­senkindern und der Pflege Alter und Kranker an. Sie fühlte sich zum Ordensleben berufen und wurde am 16. September 1861 als Postu­lantin in die Genossenschaft aufgenommen. Am 25. März 1863 empfing sie als „Schwes­ter Willeyka“ in Aachen das heilige Ordens­kleid. Bereits im folgenden Jahr zog sie als Novizin mit etwa 300 anderen konfessionel­len Pflegerinnen und Pflegern in das Kriegs­gebiet des Deutsch-Dänischen Krieges (1. Februar 1864 bis 30. Oktober 1864) um dort in den Lazaretten Verwundete zu pflegen. Kurz nach dem Ende des Deutsch-Dänischen Krieges legte Schwester Willeyka am 18. November 1864 zunächst die ersten und am 22. Juli 1870 die ewigen Gelübde in die Hände der Ordensstifterin Franziska Scher­vier (1819-1876) .

Seit ihrem Einsatz in der Kriegskrankenpflege bekleidete Schwester Willeyka leitende Posi­tionen in der Genossenschaft. So war sie bis zum Ausscheiden der Schwestern aus dem Gefangenenwesen 1875 als Vorsteherin für die weiblichen Gefangenen im Aachener Ge­fängnis zuständig. Im Juli 1877 reiste sie nach Amerika. Dort hatten die Armen Schwestern unter anderem am St. Joseph´s Hospital in New York und am St. Margaret´s Hospital in Kansas City Niederlassungen. Hier wirkte Schwester Willeyka zunächst als Novizen­meisterin und wurde im Jahr 1882 zur Provin­zialoberin für Amerika benannt. Bei der Mutterwahl im Jahr 1887 in Aachen, zu der sie aus Amerika angereist war, wurde Schwester Willeyka einstimmig zur neuen Generaloberin gewählt. Zu Beginn ihrer Amtszeit, die zunächst für sechs Jahre galt, unterstanden ihr in Deutschland 33 Einrich­tungen mit insgesamt 633 Schwestern und 13 Häuser in Amerika mit 344 Schwestern. Bis zu ihrem Tod am 8. Februar 1911 wurde sie regelmäßig einstimmig wiedergewählt, was für ihre große Beliebtheit spricht. Am Ende ihres Lebens hatten sich die Armen Schwes­tern in Deutschland an 49 Orten und in Ame­rika an 16 Orten niedergelassen. In Deutsch­land war die Zahl der Schwestern in diesen Jahren unter Schwester Willeykas Führung auf 1030 und in Amerika auf 560 gestiegen.

Schwester Willeykas Standpunkte und Wir­ken für die Krankenpflege lassen sich an einer Stellungnahme illustrieren, die sie zu einer Reihe, anfangs des 20. Jahrhunderts im Zu­sammenhang mit der katholischen Ordens­pflege, brisanter Themen formulierte: Beteili­gung von Ordenschwestern an der Geburts­hilfe, Ausbildungs-, Arbeits- und Ruhezeiten in der Pflege und Machtverhältnisse zwischen Ärzten und Krankenschwestern. Anlass ihrer Äußerung war eine Denkschrift, die am 1. Februar 1904 von 16 leitenden katholischen Krankenhausärzten an die Gesamtheit der Bischöfe des deutschen Kaiserreiches ge­schickt wurde. Auch der damalige Erzbischof von Köln, Antonius Kardinal Fischer (1840 – 1912) erhielt ein Exemplar, welches, neben der Stellungsnahme Schwester Willeykas im Historischen Archiv des Erzbistums Köln eingesehen werden kann. Das Verhältnis zwi­schen den Armen Schwestern aus Aachen und den jeweiligen Kölner Erzbischöfen war stets ein sehr enges. So wundert es nicht, dass Kar­dinal Fischer die Denkschrift der Ärzte an Schwester Willeyka schickte, gegebenenfalls tatsächlich mit der Bitte um Stellungnahme. Diese sandte am 1. Mai 1904 eine umfassende Stellungnahme an Fischer zurück. Schwester Willeyka positionierte sich in ihrem Schrei­ben deutlich diametral zu den wissenschaft­lich-weltlichen Forderungen der Ärzte. Diese hatten in ihrer Denkschrift unter Andrem die Ordensregeln (Ruhe-, Fasten- und Kleidungs­vorschriften) kritisiert und Mitbestimmungsrecht bei der Auswahl der Schwestern, deren Führung und Ausbildung gefordert. Die Kernsätze in Schwester Willeykas Antwort­schreiben waren: „Die Krankenschwester ist in erster Linie Ordensschwester.“ Eine Einmi­schung ärztlicher oder anderer weltlicher Art lehnte sie durchweg ab. Auch die Geburtshilfe kam für katholische Ordenschwestern ihrer Ansicht nach nicht in Frage. Schließlich emp­fahl sie: „Man nehme die Ordenspersonen, wie sie kirchlich approbiert sind. Will man sie so nicht, so nehme man Laienkrankenpflege­rinnen.“ Diese Aufforderung Schwester Wil­leykas wurde in der Folge teilweise umge­setzt. So gründete einer der 16 Ärzte, die die Denkschrift seinerzeit unterschrieben hatten, Dr. Heinrich Dreesmann (1865-1929) in Köln im Jahre 1906 den Katholischen Kran­kenfürsorgeverein. Dieser Verein bot jungen weltlichen Katholikinnen, die sich nicht zum Ordensleben berufen fühlten, die Möglichkeit, unter ärztlicher Leitung Krankenschwester zu werden.


Literatur

Archiv der Armen Schwestern vom heiligen Franzis­kus, Aachen (Kleinmarschierstraße 47, D-52062 Aachen): „Dankbare Erinnerungen an die liebe se­lige Mutter Willeyka v. hl. Frz.“ Aachen, Mutter­hausarchiv Archivsignatur 04-062.

Büttner, Annett: „Das Personal der Militärlazarette ist stets ungenügend, und wird es bleiben“ Die freiwil­lige konfessionelle Kriegskrankenpflege im 19. Jahrhundert. In: Geschichte der Pflege. Das Journal für historische Forschung der Pflege- und Gesund­heitsberufe. 1. Jg., Heft 2/2012, Seite 76-84.

Historisches Archiv des Erzbistums Köln (Gereon­straße 2, D-50670 Köln): CR 18.41 (Krankenpfle­geschulen): Denkschrift (01.02.1904); Stellung­nahme von Schwester Willeyka van Endert (01.05.1904).

Sappok-Laue, Henrike: „Die Ärzte haben nur ihr eige­nes Interesse im Auge“. Die katholische Ordens­pflege im Rheinland um 1900: Kritik und Reaktio­nen. In: Geschichte der Pflege. Das Journal für historische Pflegeforschung der Pflege- und Ge­sundheitsberufe. 3. Jg., Heft 1/2014, Seite 30-41.

Bildquelle: Henrike Sappok-Laue, Bonn

ENDERT, Willeyka van

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Henrike Sappok-Laue. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Henrike Sappok-Laue, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 70-71

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Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=404

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