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Who was who in nursing history: DENZLER-LABISCH, Christine
DENZLER-LABISCH, Christine
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 7, Seite(n) .
 

Biographie

Heute steht „Hospiz“ für einen Umgang mit Sterben, Tod und Trauer, der den Be­dürfnissen von Men­schen unserer Tage im letzten Abschnitt ihrer „Lebensreise“ gerecht wird. Sterben wird als natürlicher Vorgang angesehen, den es weder zu be­schleunigen noch hinauszuzögern gilt. Die Hospiz-Idee nimmt dabei einen Grundgedanken des mittelalter­lichen „hospitium“ (Herberge, Gastfreund­schaft) auf, das Pilgern an besonders gefähr­deten Stellen ihrer Reise Schutz und Hilfe bot.

Die Geschichte der Hospizbewegung in Deutschland lässt sich unterdessen nicht ablö­sen von den Entwicklungen in England und den USA und ist bleibend mit den Namen ihrer Pionierinnen – der englischen Kranken­schwester, Sozialarbeiterin und Ärztin Dr. Cicely Saunders (1918-2005) und der schweizerisch-US-amerikanischen Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross (1926-2004) verbunden.

Cicely Saunders hatte erkannt, dass die Ster­benden in den Krankenhäusern vernachlässigt wurden und gründete 1967 mit Spendengel­dern das St. Christopher’s Hospice in London. Elisabeth Kübler-Ross beschrieb 1969 in ih­rem Bestseller „On death and dying“ (deutsch 1971 „Interviews mit Sterbenden“) fünf Sta­dien (Leugnung, Zorn, Verhandeln, Depres­sion, Akzeptanz), die der mit dem Tod kon­frontierte Mensch durchmachen kann und machte damit das Sprechen über den Tod zum Thema.

Bis die Hospizbewegung beziehungsweise die Idee der „Palliative Care“ (lat. palliare = mit einem Mantel umhüllen) in Deutschland Fuß fasste, war es noch ein weiter Weg. Während 1983 an der Universitätsklinik Köln die erste Palliativstation eröffnete, wurde 1985 in München mit Hilfe des Jesuitenpaters Rein­hold Iblacker (1930-1996) ?p und Dr. med. Gustava Everding der Christopherus Hospiz Verein (CHV) gegründet, der erste Hospiz­verein in Deutschland, der später auch Mit­initiator der Bayerischen Stiftung Hospiz war. Von München ausgehend gründeten sich bald schon viele regionale Hospizgruppen, darun­ter eine durch die Krankenschwester und Diplom-Pädagogin Christine Denzler-Labisch in Bamberg.

„Die Errichtung des Bamberger Hospizhauses mit Palliativstation, Hospizverein und Hospiz-Akademie unter einem Dach ist ihr Lebens­werk“, heißt es in der Rede zur posthumen Verleihung des Förderpreises der Enno-Wun­derlich Stiftung – einer fränkischen Hospiz­stiftung unter dem Dach der Bayerischen Stiftung Hospiz – im Jahre 2009 an Christine Denzler-Labisch. Als Vorsitzende des 1990 von ihr gegründeten Hospiz Vereins Bamberg hat sie dessen Auf- und Ausbauphase maß­geblich vorangetrieben und gestaltet, bis hin zur Entstehung der Hospizakademie Bam­berg, deren Geschäftsführerin sie bis zu ihrem Tod war. Darüber hinaus war sie Mitgründe­rin, Erste Vorsitzende und schließlich Ehren­vorsitzende des Bayerischen Hospizverbandes e.V., der Dachorganisation für die Bayeri­schen Hospizvereine beziehungsweise dem ersten Landesverband in Deutschland.

Christine Denzler-Labisch wurde am 2. Mai 1949 als erstes von drei Kindern des Postbe­amtenehepaars Alfred und Cäcilia Labisch im oberfränkischen Kleukheim geboren. Nach dem Besuch der Grundschule in ihrem Hei­matdorf ging sie auf die Realschule in Staffel­stein, um anschließend von 1966 bis 1969 am Städtischen Krankenhaus in Bamberg eine dreijährige Ausbildung zur Krankenschwester zu absolvieren. Nach Berufstätigkeit als Schulassistentin an der Krankenpflegeschule Bamberg arbeitete sie seit 1971 drei Jahre lang auf der Intensivstation des Krankenhau­ses St. Josef in Regensburg, um anschließend – nach dem Besuch der Fachoberschule und Fachhochschule Regensburg – Pädagogik mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung und außerschulische Jugendbildung an der Uni­versität Regensburg und Bamberg zu studie­ren. Nach ihrem Studienabschluss als Dip­lom-Pädagogin 1982 absolvierte sie weitere Ausbildungen, so in Transaktionsanalyse (eine psychologische Theorie der mensch­lichen Persönlichkeitsstruktur) und als Heil­praktikerin. Seit 1989 als Lehrkraft an der Krankenpflegeschule / Hebammenschule Bamberg tätig, wirkte sie seit 1991 auch in der Lehrplankommission der Berufsfach­schule für Hebammen mit.

Da Denzler-Labisch bereits während ihrer beruflichen Tätigkeit als Krankenschwester die Erfahrung gemacht hatte, dass die Betreu­ung sterbender Menschen vernachlässigt wurde, gründete sie 1990 den Hospizverein Bamberg, deren Vorsitzende sie bis 1999 war. In einem Beitrag zur Sendung „Bis zum letz­ten Atemzug. Hospizarbeit in Bayern – Ein würdevoller Umgang mit dem Tod“, den der Bayerische Rundfunk am 14. Januar 1998 sendete, erinnerte sie sich: „Ich war acht Jahre lang Krankenschwester, hab auf Intensiv drei Jahre gearbeitet und da ist mir das Sterben so begegnet, wie ich es nicht haben möchte – bei aller Notwendigkeit der Intensivstation, aber wenn Menschen sterben müssen, dann, denke ich, sollte es etwas anders sein als auf einer Intensivstation. Das war der eine Grund, der andere Grund war die persönliche Erfahrung: mein Vater starb an Krebs, ich habe drei Freundinnen durch Krebs verloren“.

Zugleich äußerte sie sich zur Bedeutung eines Hospiz-Hauses für unheilbar Kranke, das Sterbenden, die nicht zu Hause betreut wer­den können, medizinische Versorgung ohne klinische Atmosphäre bietet, wie folgt: „Ich denke, das Sterben im Krankenhaus ist nicht immer anonym – das muss ich auch sagen – aber es kann anonym werden, weil einfach die Pflegekräfte nicht die Zeit dazu haben. In einer Akutstation werden viele diagnostische Maßnahmen gemacht. Es wird sehr viel getan, was notwendig ist, aber die Zeit bleibt da oft nicht für einen Schwerkranken, damit man sich ans Bett setzen kann, die Hand halten kann, dasein kann. Den Schweiß abwischen, mit ihm schweigen oder mit ihm beten, das sind einfach Dinge, die eine Krankenschwes­ter im normalen Alltag zeitlich überfordern. Und von daher ist eine Hospizeinrichtung für mich wichtig, weil da für die Pflegekräfte die Zeit bleibt. Da werden keine diagnostischen Maßnahmen mehr gemacht, sondern es ist die Möglichkeit da, sich wirklich mal ans Bett zu setzen, was genauso Kraft kostet, Arbeit ist wie jemand hin- und herzuschieben, das ist auch klar“

Christine Denzler-Labisch kam zunehmend in die Rolle, viele andere Initiativen zu beraten. Aufgrund dieser Erfahrungen gründete sie am 21. Juli 1991 bei einem Treffen von acht Ver­einen beziehungsweise Hospizgruppen in Bamberg den Bayerischen Hospizverband, den sie als Landesvorsitzenden bis 2003 lei­tete. Ziel des Verbandes war, sich insbeson­dere mit den finanziellen, rechtlichen und organisatorischen Grundsatzfragen der Hos­pizarbeit auseinanderzusetzten und die dazu notwendigen Verhandlungen zu führen. In einem Interview von 1998 erinnerte sie sich: „Da haben wir uns damals zwar getroffen. Dann haben wir uns überlegt, wir werden immer größer, wir werden mehr. Damals war also München, Erlangen, Bamberg, Regens­burg als Gruppe, Rosenheim als Gruppe, Augsburg als Gruppe, Würzburg und Bay­reuth. Das waren so die Urgesteine. Dann sind es immer mehr geworden. [...] Wir haben dann in Bamberg, München war dagegen, muss ich auch sagen, einen Landesverband gegründet.“ Nach Ansicht von Pater Reinhold Iblacker aus München war der Schritt über­eilt. Doch Christine Denzler-Labisch erwi­derte ihm: „Wir haben gesagt, die Bamberger sind ‚Klick-Klack-Menschen‘, die machen Klick und gleich Klack, und man muss nicht noch einmal überlegen und bedenken. Ich bin kein Bedenkenträger, sondern wenn ich etwas mache, mache ich das gleich.“

„Sterben ist Schwerstarbeit für Körper, Seele und Geist; dazu ist genauso Hilfe nötig wie bei der Geburt“, beschrieb die engagierte Pio­nierin der Hospizbewegung in Bayern das Ziel ihrer Initiative, für die sie auch den engen Kontakt mit den christlichen Kirchen suchte. Deren Verhältnis zur Hospizbewegung blieb einige Zeit ambivalent. In einem Vortrag an­lässlich der Klausurtagung „Hospiz“ des Dia­konischen Werkes der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) im Februar 1992 machte Denzler-Labisch auf die Widersprüche auf­merksam, die es auf Seiten der Kirchen zu dieser Zeit gab: „Der Aussage eines kirch­lichen Würdenträgers ‚Die Hospizidee wurde von Laien initiiert und die Kirche hat hier etwas versäumt!‘ steht der Satz ‚Das scheint eine Gruppe von arbeitslosen Frauen zu sein!‘ gegenüber. Einerseits wird gefragt: ‚Inwiefern ist ein Hospizverein christlicher als das Rote Kreuz?‘ – auf der anderen Seite ist zu hören: ‚Der Geistliche Rat unterstützt den Hospiz­verein mit xx DM!‘ Oder es heißt: ‚Machen Sie nur, machen Sie nur! – Aber unterstützen können wir sie noch nicht‘. Diese Aussage steht im Widerspruch zur Tatsache, dass alle Pfarreien (evangelisch und katholisch) dem Hospizverein beigetreten sind.“

Wegbegleiterinnen bezeichneten Christine Denzler-Labisch zu Recht als „Motor“ der Hospizbewegung in Bayern, indem sie dort ein flächendeckendes Netz mit über 80 Hos­pizgruppen aufbaute. Neben der Organisation von Ausbildungskursen für Hospizhelferinnen und Hospizhelfer hielt sie selbst jahrelang Vorträge und Seminare zur „Begleitung Schwerstkranker und Sterbender“ sowie für verwaiste Eltern. Auf die Frage einer Reporte­rin, warum sie und andere Menschen im Hos­pizbereich engagieren, sagte sie: „Die meisten Menschen, die bei uns mitmachen – so kann ich es aus meiner persönlichen Erfahrung her sehen, aber auch von den Vereinen, die ich kenn – sind aus eigener Betroffenheit heraus zu dieser Bewegung gekommen: entweder, dass sie schon ihre Angehörigen betreut ha­ben oder im Bekannten-, Verwandtenkreis die Erfahrung gemacht haben. Ich möchte auch ganz klar sagen, die HospizhelferInnen ma­chen keine pflegerischen Tätigkeiten, sondern wir tun das, was die Angehörigen auch tun. Wir wollen keine Konkurrenz zu den Pflege­kräften sein, sondern Ergänzung“.

Seit 1998 Mitglied im Fachbeirat Hospiz Bayern, war Christine Denzler-Labisch 1999 auch Mitbegründerin der Bayerischen Stif­tung Hospiz. Zu deren Aufgabe äußerte sie sie sich als Mitglied des Stiftungsrates und Eh­renvorsitzende des Bayerischen Hospizver­bandes in ihrem Grußwort wie folgt: „Die neu errichtete ‚Bayerische Stiftung Hospiz‘ will dazu beitragen, die Hospizidee in Bayern zu fördern und zu unterstützen. Dies ist in einer Gesellschaft, in der Sterben, Tod und Trauer nach wie vor Tabuthemen sind, eine beson­ders wichtige Aufgabe. Obwohl wir wissen, dass Geburt und Tod elementarste Erlebnisse eines Menschen sind, die die Tiefe des Da­seins berühren, verdrängen wir oft die Tatsa­che, dass zum Sterben genauso Hilfe nötig ist, wie bei der Geburt. Sterben ist Schwerstarbeit für Körper, Seele und Geist und der Zeitab­schnitt des Übergangs von dieser in eine an­dere Welt verlangt ein hohes Maß an Zunei­gung, Erfahrung, Glauben, Vertrauen, Kraft und Einsatzbereitschaft. Die Hospizbewegung hat es sich zur Aufgabe gemacht, in besonde­rer Weise für die Menschen da zu sein, die an einer unheilbaren Krankheit leiden und in ihrer Angst, Hilflosigkeit, Verzweiflung und Not Unterstützung brauchen. Wir wollen durch unsere Arbeit Mut machen und dazu beitragen, daß das Abschiednehmen gelingt. Wir möchten Hilfen anbieten, damit das ‚Le­ben auf Abruf‘ noch Sinn bekommt. Sterben soll wieder zu dem werden, was es einmal war: Teil des Lebens. [...] Als Landesvorsit­zende bin ich stolz darauf, dass sich die Hos­pizidee in Bayern so positiv entwickelt hat und dass inzwischen ein nahezu flächende­ckendes Netz von Hospizgruppen entstanden ist. Allen, die dazu beigetragen haben, gilt mein herzlicher Dank!“. Der „Bayerischen Stiftung Hospiz“ wünschte sie eine positive Entwicklung, „damit wir auch in Zukunft den schwerstkranken und sterbenden Menschen die Wärme, die Fürsorge und die Anteilnahme geben können, die sie brauchen.“

Im Jahre 1999 übernahm Denzler-Labisch die Geschäftsführung der Hospizakademie Bam­berg gGmbH und wirkte zugleich als Dozen­tin an der Hospizakademie Bamberg. Teil ihres Lebenswerkes war auch das erste ober­fränkische Hospizhaus, das 1999 in unmittel­barer Nähe des Bamberger Klinikums eröffnet wurde. Denzler-Labisch erinnert sich: „Ja, bei der Gründung vom Bamberger Verein sagte ich, ich hab drei Ziele. Einmal die Idee zu etablieren, dann den ehrenamtlichen Stamm aufzubauen und ein Haus zu kriegen. Das war schon damals mein Ziel. So wie es heute ist, diese Kombination, die sie hier vorfinden, gibt es in Deutschland nicht mehr. […] Das Besondere ist, dass drei hospizliche Einrich­tungen unter einem Dach sind. Eine Palliativ­station, der ambulante Dienst mit dem Verein und die Akademie. Das gibt es eigentlich nicht mehr.“

Als Hospizhelferin hatte Denzler-Labisch mehrere Dutzende Sterbende in der ambulan­ten Betreuung begleitet. Über ihre dabei ge­machten Erfahrungen hielt sie fest: „Ich denke jetzt gerade an eine ganz konkrete Situ­ation, wo ich miteingebunden war in der Be­gleitung: wir haben einen Mann, der allein­stehend war und 40 Jahre alt war, sechs Wo­chen rund um die Uhr betreut. Und am An­fang kamen die Freunde immer nur, wenn jemand von uns da war, und eines Tages sag­ten sie, wir können auch eine Schicht über­nehmen. Und da war so viel Positives dabei, dass dieser junge Mann einfach die letzten Wochen seines Lebens nicht allein war und dass die Freunde da sich getraut haben, da mitzumachen. Und das ist ja auch unser Ziel, einfach in der Gesellschaft eine Veränderung herbeizuführen, Mut zu machen, sich auf Schwerkranke, Sterbende einzulassen, ohne Angst, ohne Schwierigkeiten, ohne Belastun­gen, weil ich weiß, daß das Begleiten von einem Schwerkranken sehr bereichernd sein kann – belastend sicherlich auch – aber auch sehr viel schenken kann“.

Für Denzler-Labisch gab es fünf Vorausset­zungen für eine gute Sterbebegleitung. Die erste war das Akzeptieren der eigenen End­lichkeit. Der Hospizhelfer, die Hospizhelferin müsse sich mit dem eigenen Tod auseinander­setzen. „Ich habe von den Sterbenden gelernt zu leben“, bekannte sie. Wichtig sei es, eine Beziehung zum sterbenden Menschen aufzu­bauen. Man müsse den Mut haben, zu dem Todkranken hinzugehen, und dürfe ihn nicht wegen der eigenen Hilflosigkeit meiden. Für die Sterbebegleitung gebe es keine fertigen Rezepte. Es komme darauf an, „zu spüren, was der Sterbende braucht.“ Drittens sollte man die Maske der Geschäftigkeit ablegen: „Beim Sterbenden ist es nicht mehr wichtig, dass das Bett aufgeschüttelt wird, dass er ge­waschen wird, dass Leistungen erbracht wer­den.“ Die beiden letzten Grundsätze der Ster­bebegleitung bestanden für Denzler-Labisch darin, die Individualität des Sterbenden zu achten und seine Bedürfnisse zu sehen und zu erfüllen. Man dürfe, so ihre Überzeugung, den sterbenden Menschen nicht aufgeben. „Lass mich nicht sozial sterben, bevor ich wirklich sterbe.“ So umschrieb sie das Grundbedürfnis des sterbenden Menschen. So sei es für jeden Menschen wichtig, wichtig zu sein – auch beim Sterben. Dies könne sich in Kleinigkei­ten ausdrücken, etwa im Besuch am Sterbe­bett. Zugleich unterstrich Denzler-Labisch den Wert einer schmerzfreien Versorgung. Kein Mensch müsse heute noch unter qual­vollen Schmerzen sterben, denn durch eine optimale Einstellung der Medikamente sei Schmerzfreiheit möglich.

Der Umgang mit Schwerstkranken und Ster­benden hatte auch den Blick auf ihr eigenes Leben verändert. Hierzu sagte Denzler-Labisch 1998: „Ich lebe mit dem Bewusst­sein, dass ich sterblich bin, und das ist auch für uns in der Hospizarbeit wichtig, dass wir die eigene Endlichkeit akzeptieren. Ich lebe intensiver, mehr im Hier und Jetzt… Es ist nicht selbstverständlich, dass ich heute so lebe wie ich lebe. Und ich denke, dass es auch hilft, den Tod anders anzunehmen. Sicher, ich habe auch Angst davor, vielleicht mit Schmerzen sterben zu müssen, ich möchte aber nicht so plötzlich sterben.“ An anderer Stelle sagte sie über ihren eigenen Tod: „Ich möchte – im Moment [1998] kann ich das so sagen – bewusst sterben. Abschied nehmen können von all den Menschen, die mir was bedeuten, Abschied nehmen von dieser Welt, in der Hoffnung, dass es eine andere Welt gibt“.

Christine Denzler-Labisch, die sich auch kommunalpolitisch in der Christlich Sozialen Union (CSU) engagierte, hatte 1973 den spä­teren Landrat und Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler geheiratet, mit dem sie zwei Töchter hatte. Für ihre Verdienste um die Hospizarbeit wurde sie mit dem „Bundesver­dienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland“, dem Bayerischen Verdienstor­den und der Bayerischen Verfassungsmedaille in Gold ausgezeichnet.

Nach schwerer Krankheit starb Christine Denzler-Labisch am 19. Februar 2009 im St. Josef Krankenhaus Regensburg im Alter von 59 Jahren. Ihre letzte Ruhestätte fand sie unter Anteilnahme von mehreren hundert Men­schen auf dem Friedhof an ihrem oberfränki­schen Wohnort Litzendorf.

In einem im „Fränkischen Tag“ erschienenen Nachruf heißt es über die Verstorbene: „Mit ihren Visionen, ihrem Fleiß und Hartnäckig­keit hat die ‚Power-Frau‘, wie sie von vielen genannt wurde, unermüdlich für ihr Anliegen gekämpft: schwer kranken Menschen ein Sterben in Würde zu ermöglichen.“

Ihr politischer Ortsverband würdigte sie in einem Nachruf wie folgt: „Ihr Tod hat eine Lücke gerissen. Ohne Frage! Wie groß diese ist, zeigt sich Tag für Tag: Sie fehlt an vielen Ecken und dies sicher nicht nur uns: Christine Denzler-Labisch. Viele Menschen hat sie zu Lebzeiten durch ihre letzten und vielleicht schwersten Stunden begleitet. Christine Denzler-Labisch war der ‚Motor‘, aber auch das ‚Herz‘ der Hospizbewegung weit über Bambergs Grenzen hinaus. Sie zu beschreiben fällt schwer: warmherzig, mitfühlend, ein­fühlsam, aber auch tapfer, mutig und kämpfe­risch. Doch all dies sind nur Mosaiksteinchen der Persönlichkeit von Christine Denzler-Labisch. Auch als engagierte Kommunalpoli­tikerin hat sie uns oft mit ihrer visionären Tatkraft mitgezogen. Und bei allem Stress des Alltages hatte sie immer ein liebes Wort für ihre Mitstreiter und stets auch ein Quäntchen Zeit für deren Probleme erübrigt. Wir danken ihr für die Zeit, in der Sie mit uns für unsere Gemeinde gewirkt hat.“

In Erinnerung an Christine Denzler-Labisch trägt das 1999 eingeweihte Hospizhaus Bam­berg seit 27. November 2009 den Namen „Christine Denzler-Labisch Haus“.


Literatur

Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz e.V. (Hrsg.): Hel­fen am Ende des Lebens. Hospizarbeit und Pallia­tive Care in Europa. Der Hospiz Verlag, Wuppertal 2004.

Campion, Mary: Ein Hospiz entsteht. Von Pionierinnen der Hospizbewegung (Reihe Soziales Leben, Band 1). Verlag Attenkofer. Straubing 1997.

Denzler-Labisch, Christine: Erfahrungen der Hospiz­initiativen mit Diakonie und Kirchen am Beispiel der Sicht des bayerischen Hospizverbandes. In: Peter Godzik (Hrsg.): … daß die Gemeinde zum Hospiz werde. Dokumentation der Klausurtagung „Hospiz“ des Diakonischen Werkes der EKD vom 18. - 20. Februar 1992 im Deutschen Institut für Ärztliche Mission in Tübingen. Zentraler Vertrieb des DWEKD. Stuttgart 1992, Seite 82-87.

Denzler-Labisch, Christine: Sachverständigenanhörung zum Thema „Ambulante Hospizarbeit“ am 21. März 2001 in Berlin. In: AU-Intern Nr. 14, Ordner 18. [Verlag] Deutscher Bundestag, 14. Legislatur­periode. Berlin 2001 S. 282-292.

Denzler, Dr. Günther (Bamberg): Schriftliche Mittei­lung an den Verfasser vom 22. Oktober 2014.

Heller, Andreas / Pleschberger, Sabine / Fink, Micha­ela / Gronemeyer, Reimer: Die Geschichte der Hospizbewegung in Deutschland. Mit einem Bei­trag von Klaus Müller. Der Hospiz-Verlag. Lud­wigsburg 2012, Seite 88, 201-203 und 354.

Kittelberger, Frank: Hospizarbeit in Bayern. Eine Stu­die der Hospizarbeit in Bayern zur Orientierung kirchlichen Handelns. ELKB [Evangelisch Lutheri­sche Kirche in Bayern]. München 2000.

Krieger, Susanne: Auch der Sterbende braucht Bezie­hung. Christine Denzler-Labisch berichtete beim Hirschberg-Forum aus der Hospizbewegung. In: KKV Bayern Report (www.kkv-bayern.org/con tent/bayernreport/KKVReport-2007-Nr. 3.pdf [02. 03.2009]; Seite nicht mehr aufrufbar [24.10.2014]).

[Nachruf] Christine Denzler-Labisch ist tot Sie war der „Motor“ der Hospizbewegung in Bamberg und in Bayern. Am Donnerstag ist sie im Alter von 59 in Regensburg gestorben. In: Fränkischer Tag vom 21.02.2009 (online unter: www.genios.de/presse-archiv/artikel/FRT/20090221/christine-denzler-labi sch-ist-tot-n/3116961739A.html [24.10.2014]).

Nachruf Christine Denzler-Labisch (www.csu-litzen-dorf.de/aktuell/01-09.pdf [24.10.2014]).

[Ohne Verfasser (g.g.)] Bamberg verliert eine „Power-Frau“. In: Fränkischer Tag, 176. Jg., Nr. 43 vom 21./22. Februar 2009, Seite 3.

[Ohne Verfasser (M.H.)] Posthume Ehrung für Denz­ler-Labisch. In: Fränkischer Tag, 176. Jg., Nr. 266 vom 17. November 2009, Seite 4.

Student, Johann-Christoph (Hrsg.): Das Hospiz-Buch. Mit einem Vorwort von Elisabeth Kübler-Ross. 4., erweiterte Auflage. Lambertus Verlag. Freiburg im Breisgau 1999.

Student, Johann-Christoph / Mühlum, Albert / Student, Ute: Soziale Arbeit in Hospiz und Palliative Care (Soziale Arbeit im Gesundheitswesen, Band 4; UTB – Soziale Arbeit, Gesundheitswissenschaft, Bd. 2547). 2., überarbeitete Auflage. Verlag Ernst Reinhardt / UTB, München 2007.

www.bayerische-stiftung-hospiz.de/ustift/ews.htm (En-no-Wunderlich-Stiftung) [25.10.2014].

www.bayerische-stiftung-hospiz.de/wir/gruss3.htm (Grußwort von Christine Denzler-Labisch, ehema­liges Mitglied des Stiftungsrates der Bayerischen Stiftung Hospiz und Ehrenvorsitzende des Bayeri­schen Hospizverbandes) [24.10.2014].

www.bayerischer-hospizverband.de [24.10.2014].

www.chv.org/wir-ueber-uns/geschichte-des-chv.html (Christophorus Hospiz Verein München) [25.10. 2014].

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www.infranken.de/topthema/Christine-Denzler-Labisch-Guenther-Denzler-Abschied-Beisetzung-Litzendorf-Abschied-von-einer-grossen-Helferin; art555,42256 [24.10.2014].

www.klangkonzept.com/pdf/HospizManuskript.pdf („Bis zum letzten Atemzug“. Hospizarbeit in Bayern – Ein würdevoller Umgang mit dem Tod. Sendetermin 14. Januar 1998, 22:05-23:00, Bayerischer Rundfunk – Bayern2Radio) [24.10. 2014].

Bildquelle: www.guenther-denzler.de/leben_05.html [24.10.2014].

DENZLER-LABISCH, Christine

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S.

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