fbpx
Feb 23, 2020 Last Updated 9:39 AM, Jan 14, 2020

Forschungswelten 2019

Save-the-date: Forschungswelten 2019! Vom 4.-5. April 2019 findet an der Hochsc...

Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Who was who in nursing history: MENKE, Maria
MENKE, Maria
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 4, Seite(n) 196-199.
 

Biographie

Im Süden der Kölner Altstadt, mitten im Severinviertel, liegt das Mutterhaus der Augustinerinnen mit den dazugehörigen Krankenhauskomplex. Im Jahre 1988 konnte die „Genossenschaft der Cellitinnen nach der Regel des heiligen Augustinus“ in Köln (Severinstraße), ein krankenpflegender und sozial tätiger Orden, ihr 150-jähriges Jubiläum feiern. Mit dem Motto „Einfach da sein“ bringt die Ordensgemeinschaft zum Ausdruck, was ihre Tätigkeit prägt: Da sein für andere – ohne Vorbedingungen und Vorbehalte. „Diese Bereitschaft zum Dienst am Mitmenschen“, so das Selbstverständnis der Schwestern, „wächst aus unserem Bewusstsein der Mitverantwortung, besonders für kranke, hilfslose und alte Menschen.“

Die Gründung der Ordensgemeinschaft geht auf das Jahr 1838 zurück. Am 28. November 1838 nahmen sogenannte „Wartenonnen“ (Cellitinnen) und Novizinnen aus zwei Klöstern ambulanter Krankenpflegerinnen – dem Kloster zur heiligen Elisabeth in der nahe gelegenen Antonsgasse und dem Kloster zur heiligen Maria in der Kupfergasse – ihren Wohnsitz im Bürgerhospital der Stadt Köln, das 1804 in den Gebäuden des aufgelösten Cäcilienklosters eingerichtet worden war. Ihr Übertritt in das neue Wirkungsfeld war ein Wagnis. Bisher in der häuslichen Krankenpflege eingesetzt, galt es nun, sich streng geregelter Krankenhausarbeit unter ständiger Kontrolle der Ärzte zu unterwerfen. Aus der kleinen Gemeinschaft sollte sich freilich im Laufe der folgenden Jahrzehnte die größte der drei Kölner Genossenschaften der Cellitinnen nach den Regeln des heiligen Aurelius Augustinus (354-430)  entwickeln.

Von Anfang an hatten die Cellitinnen im Bürgerhospital, die Angestellte der Kölner Armenverwaltung waren und ein regelmäßiges Gehalt erhielten, eine eigene, selbstverantwortliche Oberin, die von den Schwestern gewählt wurde. 1838 war dies Katharina Tychon (auch Dychong geschrieben) (Schwester Aloysia Tychon) (?-1855), die 1839 bis 1843 von Dorothea Külpmann (Schwester Ignatia Külpmann) abgelöst wurde. Die Schwestern unterstanden nur bezüglich ihres geistlichen Lebens ihrer Oberin. Dienstrechtlich waren für sie die Entscheidungen der Armenverwaltung maßgeblich. Die „Anweisung für die Oberin und geistlichen Schwestern“ (1840) regelte dabei detailliert den Tagesablauf: Von der Berichtspflicht über Einkäufe, über die Zahl der wöchentlich an Kranke und Invalide auszugebenden Bett- und Leibwäsche, über die Zusammensetzung des Essens und die Regeln für das gemeinsame Essen der Invaliden bis zu Öffnungs- und Schließzeiten der Invalidenstation und die Ausgangs- und Besuchsregeln für Kranke, Invaliden und Irre. Das Bürgerhospital hatte zu jener Zeit etwa 280 Plätze für Invalide und etwa 150 für Kranke.

Im Jahre 1870 erließ der Erzbischof von Köln, Paulus Melchers (1813-1895; im Amt 1866-1885), für die Genossenschaft der Cellitinnen im Bürgerhospital – zu denen auch Maria Engstenberg (Schwester Johanna Engstenberg) (1865-1946) , Maria Wery (Schwester Hipoytha Wery) (1870-1963)  und Maria Ridder (Schwester Blandine Ridder) (1871-1916)  gehörten – neue Satzungen, die sich auf die alten Cellitinnenstatute und die Regel des heiligen Augustinus stützten.

Zu Generaloberinnen der Genossenschaft waren 1843 Katharina Barth (Mutter Dominika) (1812-1870) , 1866 Wilhelmine Elisabeth Schmitz (Mutter Crescentia Schmitz) (1815-1884) , 1884 Elisabeth Diefenthal (Mutter Materna Diefenthal) (1831-1899) , 1899 Cäcilia Diefenthal (Mutter Cleopha Diefenthal) (1842-1917)  und 1917 Mutter Maura Bachofen von Echt gewählt worden. Seit 1931 bekleidete Maria Menke (Mutter Neophyta Menke) das Amt der Generaloberin.

Geboren am 2. September 1878 in Etteln in Westfalen als zweites von acht Kindern des Stellmachers Johann Josef Menke und dessen Ehefrau Anna Maria, geborene Glahn, trat Maria am 4. Mai 1897 im Alter von 18 Jahren in die Genossenschaft der Cellitinnen auf der Severinstraße in Köln ein, um im Dienste der Kranken ihr Leben Gott zu weihen. Nach ihrer Einkleidung am 15. Mai 1898 legte sie am 28. April 1900 ihre erste Profess und am 21. April 1906 ihre ewige Profess ab und trug seither den Namen Schwester Neophyta.

Während der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) wurde Maria Menke (Mutter Neophyta Menke), ebenso wie insgesamt 96 Ordensleuten und Priestern, wegen Vergehens gegen das Devisenrecht der sogenannte „Devisenprozess“ gemacht. Hierbei verurteilte sie das Berliner Schöffengericht im Mai 1935 zu fünf Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und 121.00 Mark Geldstrafe. Der „Westdeutsche Beobachter“, Propagandaminister Joseph Goebbels (1897-1945) rheinisches Sprachrohr, wusste das Urteil, wie Max Wolters in seiner Schrift „einfach das sein“ 1988 berichtet, rasch zu interpretieren: „Es ist eine einzige Anklage gegen den Geist der Vaterlandslosigkeit und der völkischen Verkommenheit, der übereinstimmend diese [...] Verbrecher leitete.“ Das Ausland sah die Vorgänge um die Devisenprozesse unterdessen ganz anders. So nannte etwa „Der Elsässer“ aus Straßburg in Frankreich Schwester Wernera, die noch vor Mutter Neophyta mit gleicher Begründung als erste Ordensschwester verurteilt worden war „Die erste Märtyrin der Caritas!“.

Besonders bedrückend hatte die Erklärung des Kölner Erzbischofs Kardinal Schulte vom 16. Juni 1935 gewirkt, in der er das Vorgehen von Mutter Neophyta vollkommen verurteilte und behauptete, sie und die ebenfalls in Haft sitzende Provinzsekretärin der Nippesser Vinzentinerinnen, Schwester Wernera, hätten gegen seine ausdrückliche Warnung gehandelt. Später zog er diese öffentliche Erklärung intern zurück.

Maria Menke (Mutter Neophyta Menke) wurde zunächst in der Frauenhaftanstalt Berlin-Moabit inhaftiert, bevor man sie im April 1936 mit anderen Ordensschwestern in das Zuchthaus Jauer (Jawór) bei Liegnitz (Schlesien) verlegte. Sie blieb während der gesamten Zeit in Einzelhaft; Briefe durfte sie seit April 1936 nur noch alle acht Wochen versenden. Darin äußerte sie sich auch über ihre harten Haftbedingungen: „Es ist auch besser, wenn Sie und die lieben guten Schwestern gar nicht erfahren, wie es mir geht. – Denn wer noch nie solches Leid und seelische Qualen in einer solchen Lage durchgekostet hat, kann sich auch kein wahres Bild davon machen. Ich hätte das früher auch nicht gekonnt. Mit all den Menschen, die in einer solchen Verfassung sich das Leben nehmen, habe ich jetzt ganz großes Mitleid und ganz sicher wird auch der liebe Gott solchen ein gnädiger Richter sein.“

Am 16. März 1938 wurde Maria Menke (Mutter Neophyta Menke) begnadigt. Sie fand Unterkunft im Erholungszentrum Herz-Jesu-Kloster in Nettersheim in der Eifel. Schwerer als das zunächst von der Polizei verhängte Ausgehverbot wog – als ein Teil der Entlassungsbedingungen – ein durch das Generalvikariat über sie ausgesprochenes Berufsverbot.

Nach der NS-Zeit bemühten sich viele der in den Ordensdevisenprozessen Verurteilten um ihre Rehabilitierung. In allen Wiederaufnahmeverfahren kamen die Gerichte zum Schluss, dass das eigentliche Ziel dieser Prozesse nicht Rechtsprechung war, sondern politischer und moralischer Druck auf die hinter den Angeklagten stehenden Ordensgemeinschaften. Maria Menke (Mutter Neophyta Menke) jedoch hat nie ein Wiederaufnahmeverfahren angestrebt. Während des Prozesses hatte sie alle Schuld auf sich genommen und die Mitschwestern zu schützen gesucht, indem sie immer wieder auf deren Gehorsamspflicht ihr gegenüber verwies.

Im Jahre 1951 wechselte Maria Menke (Mutter Neophyta Menke) ins Kloster Heisterbach und wirkte im Noviziat mit, wobei sie vor allem durch ihre verständnisvolle, aufgeschlossene Art beeindruckte. Dort starb sie, fast 73 Jahre im Ordensstand, am 5. März 1971 im Alter von 93 Jahren. Ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem Melatenfriedhof in Köln. Ihre Nachfolgerinnen im Amt waren in den Jahren 1935-1941 Mutter Maria Fidelis Pützstück, 1941-1956 Mutter Maria Remberta Scheller, 1956-1963 Mutter Maria Larga Pohlen, 1963-1972 Mutter Maria Cleta Höschen, 1972-1996 Mutter Maria Nikodema Rützenhoff, 1996-2002 Mutter Veronika Nober und (seit 2002) Mutter Wiltrud Möring.


Literatur

Gatz, Erwin: Kirche und Krankenpflege im 19. Jahrhundert. Katholische Bewegung und karitativer Aufbruch in den preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen. Ferdinand Schöningh. München, Paterborn, Wien 1971.

Genossenschaft der Cellitinnen nach der Regel des hl. Augustinus, Provinzialat, Severinstraße, Köln: Schriftliche Mitteilung an den Verfasser vom 8. Februar 2006.

Hegel, Eduard (Hrsg.): Das Erzbistum Köln zwischen der Restauration des 19. Jahrhunderts und der Restauration des 20. Jahrhunderts (Geschichte des Erzbistums Köln, Band 4). Bachem. Köln 1987.

Stadt Cöln (Hrsg.): Die Stadt Cöln im ersten Jahrhundert unter preußischer Herrschaft 1815-1915. Neubner. Cöln 1916.

Wolters, Max: Einfach da sein. 150 Jahre Genossenschaft der Cellitinnen nach der Regel des heiligen Augustinus Köln / Severinstraße. Parzeller. Fulda 1988, 148-152.

Bildquelle: Wolters, Max: Einfach da sein. 150 Jahre Genossenschaft der Cellitinnen nach der Regel des heiligen Augustinus Köln / Severinstraße. Parzeller. Fulda 1988, Seite 252.

MENKE, Maria

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S. 196-199

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=201

Statistik

Who was who: Liste aller Einträge

datenbankbanner 2