fbpx
Jun 07, 2020 Last Updated 11:41 AM, May 20, 2020

Who was who in nursing history: MEGERLE, Shakuntala
MEGERLE, Shakuntala
Artikel von: Karin Wittneben
Erschienen in Band 4, Seite(n) 189-191.
 

Biographie

Shakuntala Megerle war während der NS-Zeit im Jahr 1942 eine von 43 amtierenden Gausachbearbeiterinnen. Das waren Krankenschwestern, die vom „Reichsbund der Freien Schwestern und Pflegerinnen (RBdFS) e.V.“ in den Gauen des NS-Staates als Leitende Schwester eingesetzt waren. Andere, hier bereits vorgestellte Gausachbearbeiterinnen waren Elisabeth Ischebek (1897-1886) , Lisa Schleiermacher (1897-1994)  oder Pauline Kelch (1900-1990) . Generaloberin des am (1. oder ?) 3. Oktober 1936 gegründeten RBdFS war von 1936 bis 1942 Hildegard Rancke (1891-1978) . Die den Gauen zugeteilten Leitenden Schwestern der am 17. Mai 1934 gegründeten NS-Schwesternschaft hießen Gauvertrauensschwestern. Generaloberin dieser Schwesternschaft war von 1936 bis 1942 Katharina (genannt Käthe) Böttger (1895-1996) .

Shakuntala Megerle wurde am 28. März 1895 geboren. Ihr Lebens- und Berufsweg liegt überwiegend noch im Dunkeln. 1939 (oder erst 1940?) wurde sie in der Nachfolge von Rosa Schaller zur Gausachbearbeiterin des Reichsgaues Niederdonau bestellt. Ihr Büro befand sich 1942 im Haus des Gauamtsleiters des Amtes für Volkswohlfahrt der NSDAP (NSV), Dr. med. Franz Rehling, in Wien IV, Wiedner Hauptstraße 23/25, Tel. U 4 55 45. Unter derselben Anschrift und Telefonnummer war auch die Gauvertrauensschwester der NS-Schwesternschaft, Oberin Frieda Eisenberg, zu erreichen. Shakuntala Megerle war zu dem Zeitpunkt noch nicht in den Rang einer Oberin befördert worden. Ob ihr die Funktion einer Gauoberin übertragen wurde, als der Reichsbund und die NS-Schwesternschaft 1942 zum „Nationalsozialistischen Reichsbund Deutscher Schwestern (NSRDS) e.V.“ zusammengeführt wurden, muss noch erkundet werden. Mit der Vorbereitung und der darauf folgenden Wahrnehmung der Leitung des NSRDS wurde 1942 Maria Magdalena Moser (1902-1992)  als Generaloberin beziehungsweise Reichsoberin kommissarisch beauftragt, ab 1944 die Gauoberin und Parteigenossin aus dem Gau Westfalen Süd, Elisabeth Schnarre, als Generaloberin kommissarisch eingesetzt. Sie wurde am 16. Dezember 1901 in Röhlingshausen bei Wanne (heute Herne) geboren (Bundesarchiv; Stadtarchiv Erfurt). Auch ihr vollständiger Berufsweg, insbesondere nach 1945, bleibt noch zu erkunden. Das Standesamt Herne konnte aus Datenschutzgründen am 16. Juli 2002 ihr Sterbedatum und den Sterbeort nicht mitteilen.

Als Shakuntala Megerle, eine Krankenschwester mit dem Vornamen einer Frauengestalt aus der hinduistischen Mythologie, am 15. September 1978 in Karlsruhe verstarb, war sie Mitglied des „Deutschen Berufsverbandes für Krankenpflege (DBfK)“ (heute „Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe“). Der DBfK meldete ihr Ableben in seiner Verbandszeitschrift „Krankenpflege“ (heute „Pflege Aktuell“) unter der Rubrik „Verstorbene Mitglieder“.

Die Gausachbearbeiterinnen und die Gauvertrauensschwestern waren in das Herrschaftssystem des NS-Staates fest eingebunden. Ihre Schwesternschaften und erst recht der NSRDS waren in der NSV, die NSV in der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei Deutschlands) verankert. Die weltanschauliche Schulung der Schwestern des NSRDS lag beim Gauschulungsbeauftragten der NSV, zum Beispiel dem Parteigenossen Raebel (Stadtarchiv Erfurt). „Der NS-Reichsbund Deutscher Schwestern e.V. soll ein Freiwilligenbataillon im Kampf für den deutschen Sozialismus und der Schwesternberuf eine wirkliche Lebensaufgabe [sein], wie es jede kämpferisch[e], aufbauende und lebenserhaltende Arbeit ist, die tief innerlich befriedigt. Die Zugehörigkeit zum ‚NS-Reichsbund Deutscher Schwestern e.V.’ als der von der Partei betreuten Schwesternberufsorganisation schließt daher die Verpflichtung in sich zu höchstem kämpferischen Einsatz. Jede Schwester des NS-Reichsbundes Deutscher Schwestern e.V. muß sich stets als Dienerin unserer großen völkischen Gemeinschaft fühlen und das Bewußtsein in sich tragen, in der neuen starken Schwesternorganisation Mitkämpferin des Führers zu sein für die Erfüllung der größten Aufgabe, der Sicherung der Ewigkeit des Deutschen Volkes“ (zit. n. Thomas 1942, Stadtarchiv Erfurt).

Eine Aufarbeitung dieser Hinterlassenschaft und ihrer Nachwirkungen auf die Philosophie und die Organisation der Pflege nach 1945 steht noch aus.


Literatur

Breiding, Birgit: Die Braunen Schwestern. Ideologie, Struktur, Funktion einer nationalsozialistischen Elite. Steiner. Stuttgart 1998.

Bundesarchiv Berlin: Bestand ZA I 10999, Bl. 62. Personalbogen über Elisabeth Schnarre aus Fortbildungskursen 1935, 1936 und 1939.

Bundesarchiv Berlin: Bestand ZA I 10999, Bl. 62R. Beurteilungen über die Eignung von Elisabeth Schnarre als Gauvertrauensschwester nach Teilnahme an einwöchigen Fortbildungskursen 1935, 1936 und 1939.

Die Schwesternschaften in der NSV: Die Nationalsozialistische Schwesternschaft (NS-Schwesternschaft) und die Freie Schwesternschaft (Reichsbund der Freien Schwestern und Pflegerinnen). Anzeige. In: NS-FrauenWarte, 10. Jg., 1941, Heft 8, Seite 129.

Jahrbuch für Säuglings- und Kinderschwestern 1941, 2. Jahrgang. Herausgegeben vom Fachausschuss für Schwesternwesen. Staude. Osterwieck am Harz, Berlin 1941.

Jahrbücher der Krankenpflege 1937, 1938, 1939, 1940, 1941, 1942, 1. bis 6. Jahrgang. Herausgegeben vom Fachausschuss für Schwesternwesen. Staude. Osterwieck am Harz, Berlin 1937-1942.

Klee, Ernst: Thomas, Karl (1884-1944). Jurist. In: Klee, Ernst: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer. Frankfurt am Main 2003, Seite 624.

Stadtarchiv Erfurt: Sign. 1-2 / 531-273. Städtische Krankenanstalten Erfurt, Schwestern und sonstiges Personal 1933-1944, Vertrag über Ausbildung von NS-Schwestern, hier Bl. 219-224. NS-Reichsbund Deutscher Schwestern e. V., Gaudienststelle Thüringen, Weimar, den 7. August 1942. Rundschreiben Nr. 1 / 42 von [Karl] Thomas, Oberbereichsleiter, Leiter der Gaudienststelle Thüringen des NS-Reichsbundes Deutscher Schwestern.

Thomas, [Karl]: Rundschreiben Nr. 1/42 des NS-Reichsbund Deutscher Schwestern e.V., Gaudienststelle Thüringen, Weimar, den 7. August 1942. Stadtarchiv Erfurt.

Verstorbene Mitglieder: Shakuntala Megerle [u. a.]. In: Krankenpflege 32. Jg., 1978, Heft 10, Seite 340.

MEGERLE, Shakuntala

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Karin Wittneben. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Karin Wittneben, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S. 189-191

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=198

Statistik

Who was who: Liste aller Einträge