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Who was who in nursing history: KUNIBERT von Ko?ln
KUNIBERT von Ko?ln
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 4, Seite(n) 169-171.
 

Biographie

Die Betreuung und Versorgung von Kranken in Hospitälern und Siechenanstalten ist in Deutschland seit dem 7. Jahrhundert nachweisbar. Anfangs waren es meist die Armen, die sozial Schwachen, die in diesen Einrichtungen versorgt wurden. Reiche Bürger, die sich einen Arzt leisten konnten, wurden hingegen privat, zu Hause behandelt und gepflegt. Wohl als erster stiftete der heilige Bischof Kunibert von Köln mehrere Spitäler an der Heerstraße „von Bonn über Neuß nach Soest“. Zugleich steht der Name Kunibert am Anfang jener langen und eindrucksvollen Liste von Vorstehern der Kölner Kirche des Mittelalters, die sich über Jahrhunderte aus dem Adel des näheren und weiteren Umlandes rekrutierten und die durch ihre Tätigkeit als Erzieher und Berater von Königen und Kaisern zugleich das Bistum eng mit Hof und Reich verbanden. So wurde durch Kuniberts Pontifikat der Außen- und Vorposten Köln fest in den von Cholthar II. und Dagobert I. konsolidierten fränkischen Staatsverband einbezogen.

Kunibert (Honoberhtus) – der Name bedeutet im Althochdeutschen soviel wie „der Glanz der Sippe“ – soll um 595 als Sohn einer fränkischen Adelsfamilie in der „Moselprovinz“ (der heutigen französisch-deutsch-luxemburgischen Grenzregion östlich von Diedenhofen / Thionville) zur Welt gekommen sein; seine Eltern hießen Grallo (Karl) und Regina. Der Überlieferung nach wuchs er am Hof von König Dagobert I. auf. Wahrscheinlicher ist freilich, dass er am Metzer Hof Theudeberts II. (596-612) erzogen wurde. Seine geistliche Ausbildung samt Priesterweihe erhielt er an der Domkirche in Trier, wo er auch – noch keine 20 Jahre alt – zur Würde eines Archidiakons emporstieg. Nach dem Tod des Bischofs Remedius wurde Kunibert – wahrscheinlich um 623 – auf Veranlassung des Königs zum Bischof von Köln erhoben; als Tag der Bischofsweihe ist der 25. September überliefert. Kunibert war auch einflussreicher Berater von König Dagobert, der den Kölner Bischof 634 zusammen mit Herzog Adalgisel zum Regenten für seinen unmündigen Sohn Sigebert III. (632-656) wählte.

Trotz seiner Jugend soll Kunibert sich als verantwortungsbewusster und mitfühlender Kirchenmann gezeigt und die Diözese Köln zur Blüte gebracht haben. So strukturierte er das Bistum neu, förderte die Errichtung und Erneuerung von Kirchen und Klöstern und kümmerte sich besonders großherzig um die Kranken und Armen im Volk, wozu er zahlreiche karitative Einrichtungen schuf. Nach einem an der Wende des 11. / 12. Jahrhunderts entstandenen Zeugnis soll Kunibert wohl nach 651 an einem seiner Bischofskirche dem heiligen Lupus geweihten Hospital 12 Almosenempfänger eingesetzt haben, deren Inhaber beim Gottesdienst im Dom sowie bei Leichenbegräbnissen bestimmte Aufgaben zu erfüllen hatten.

Kunibert starb an einem 12. November um das Jahr 663. Er wurde in der wahrscheinlich von ihm errichteten Sankt Klemens-Kirche in Köln beigesetzt, deren 1247 fertiggestellter Nachfolgebau im 13. Jahrhundert ihm zu Ehren den Namen St. Kunibert erhielt. Schon früh wurde Kunibert als Heiliger verehrt; seine Gebeine ließ Erzbischof Hermann I. (gestorben 925) feierlich erheben. Kunibert, der auf Abbildungen oft im Bischofsgewand mit Kirchenmodell, Buch und Taube (der Legende nach soll kurz nach seiner Wahl zum Bischof ihm eine Taube bei der Messe in der Sankt Ursula-Kirche die verschollene Grabstätte der heiligen Ursula offenbart haben) dargestellt wird, gilt als Patron gegen Fieber und Kopfweh, sein kirchlicher Festtag ist der 12. November.

Gleich vielen seiner Standes- und Zeitgenossen verkörpert Kunibert den neuen Heiligentypus des 7. Jahrhunderts, nämlich den am Hof erzogenen und dienenden Adeligen, der dann auch als Bischof in engem Kontakt mit den weltlichen Geschäften blieb. Für seine Person kann Kunibert durchaus zusammen mit den führenden königlichen Räten und Bischöfen seiner Zeit wie Desiderius von Cahors, Sulpicus von Bourges, Faro von Meaux, Paul von Verdun, Eligius von Noyon oder Audoemus von Rouen genannt werden. Sie stehen allesamt für die Intensivierung städtischen Lebens wie bischöflicher Amtsführung in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts, die nicht zuletzt auch zu einem gewissen, im einzelnen noch genauer zu erforschenden Aufschwung wirtschaftlichen Lebens vor allem an den Bischofssitzen führte.


Literatur

Allgemeine Deutsche Biographie. Siebenzehnter Band. Auf Veranlassung seiner Majestät des Königs von Bayern herausgegeben von der historischen Commission bei der königlichen Akademie der Wissenschaften. Dunker und Humblot. Leipzig 1883, Seite 380-381.

Breukelaar, Adriaan: Kunibertus. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. Begründet und herausgegeben von Friedrich Wilhelm Bautz. Fortgeführt von Traugott Bautz. Band IV. Traugott Bautz. Herzberg 19927, Seite 816-817.

Dammer, Inga / Adam, Birgit: Das große Heiligenlexikon. Patronate, Gedenktage, Leben und Wirken von mehr als 500 Heiligen. Seehammer. Augsburg 1999, Seite 192.

Dünner, Julia (Hrsg.): Handwörterbuch der Wohlfahrtspflege. Zweite, völlig neubearbeitete Auflage. Heymann. Berlin 1929, Seite 28.

Hauck, Albert (Hrsg.): Realencyklopädie für protestantische Theologie und Kirche. Dritte verbesserte und vermehrte Auflage. Band 11. Hinrichs. Leipzig 1902.

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Kürten, Peter: Das Stift St. Kunibert in Köln vom Jahre 1453 bis zur Auflösung (Kölner Schriften zur Geschichte und Kultur, Band 17). Janus. Köln 1990.

Melchers, Erna und Hans: Das große Buch der Heiligen. Geschichte und Legende im Jahreslauf. Bearbeitung: Carlo Melchers. Cormoran. München 1996, Seite 736-738

Müller, Heribert: Kunibert von Köln. In: Rheinische Lebensbilder, Band 12. Im Auftrag der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde herausgegeben von Franz-Josef Heyen. Habelt. Bonn 1991, Seite 7-23.

Müller, Heribert: Bischof Kunibert von Köln. Leben und Werk. In: Colonia Romanica, 7 (1992), Seite 8-14.

Müller, Heribert: Bischof Kunibert von Köln. Staatsmann im Übergang von der Merowinger- zur Karolingerzeit. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte, Band 98, 1987, Seite 167-205.

Müller, Heribert: Heiliger Kunibert. In: Lexikon für Theologie und Kirche. Sechster Band. Begründet von Michael Buchberger. Dritte, völlig neu bearbeitete Auflage. Herausgegeben von Walter Kasper mit Konrad Baumgartner [u.a.]. Herder. Freiburg, Basel, Rom, Wien 1997, Spalte 526-527.

Schauber, Vera / Schindler, Hanns Michael: Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf. Aktualisierte Neuauflage. Pattloch Verlag. München 2001, Seite 584.

Torsy, Jakob: Kunibert. In: Neue Deutsche Biographie. Herausgegeben von der Historischen Kommission bei der bayerischen Akademie der Wissenschaften. Dreizehnter Band. Dunker und Humblot. Berlin 1982, Seite 296.

Wetzer und Welte´s Kirchenlexikon oder Encyklopädie der katholischen Theologie und ihrer Hilfswissenschaften. Begonnen von Joseph Hergenröther, fortgesetzt von Franz Kaulen. Band 7. Zweite Auflage. Herder. Freiburg 1901,

www.heiligenlexikon.de/BiographienK/Kunibert_von_Loeln.html.

Bildquelle: Bildarchiv Hubert Kolling, Bad Staffelstein.

KUNIBERT von Ko?ln

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S. 169-171

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Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=189

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