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Jun 04, 2020 Last Updated 11:41 AM, May 20, 2020

Who was who in nursing history: KRATZ, Charlotte Regina
KRATZ, Charlotte Regina
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 4, Seite(n) 168-169.
 

Biographie

Sie gilt als eine der einflussreichsten Krankenschwestern des 20. Jahrhunderts in Großbritannien und darüber hinaus, Charlotte Regina Kratz. Geboren am 5. Mai 1922 in Dortmund als einziges Kind von Norbert und Johanna Kratz wurde sie während der NS-Zeit (1933-1945) wegen der Gefahren für deutsche Juden von ihrem Vater und ihrer Mutter – im Alter von 14 Jahren – 1937 in eine Schule nach England (Storrington School in Westcliffe-on-Sea) geschickt; ihre Eltern, die wenig später in ein Konzentrationslager deportiert wurden, sah sie nie wieder.

Als junge Frau war Charlotte Kratz ernsthaft erkrankt und verbrachte ein Jahr im Krankenhaus. Während dieser Zeit entschied sie sich für eine Ausbildung zur Krankenschwester. 1944 fing sie damit; wegen des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) absolvierte sie ein Teil ihrer Ausbildung am königlichen Krankenhaus in Edinburgh. Danach bildete sie sich zur Bezirkskrankenschwester fort.

Als erste Krankenschwester erwarb sie an der Universität Manchester einen Doktortitel der Philosophie. In ihrer beruflichen Karriere befasste sie sich insbesondere mit der Entwicklung der Ausbildung in der Gemeindekrankenpflege. In den Jahren von 1959 bis 1963 baute sie die Bezirkskrankenpflege in Dar es Salaam (größte Stadt und wichtigster Hafen von Tansania; Hauptstadt von Deutsch-Ostafrika und von 1964 bis 1973 von Tansania; seit 1946 als UN-Treuhandgebiet an Großbritannien, 1961 Unabhängigkeit und Ausrufung der Republik 1962) auf. Zurück in England bildete sie Tutoren zur Schulung von Gemeindekrankenschwestern aus und wurde der erste „community health tutor“ in Großbritannien, am königlichen freien Krankenhaus in London. In den frühen 1970er Jahren war sie zusammen mit Dorothy Bäcker Gründungsmitglied der Pflegeabteilung (Department of Nursing) der Universität Manchester, einer der führenden Hochschulen der Pflegewissenschaft in Großbritannien. Sie unterrichtete das Fach „Soziologie der Krankenpflege und widmete sich der Langzeitpflege, insbesondere von Patienten mit Schlaganfall.

Bei der sogenannten „September-Konferenz“, die vom St. Aidan´s College der Universität von Durham in der Zeit vom 9. bis 11. September 1977 zum Thema „Entwicklungen in der Krankenpflege – ‚Planung der Krankenpflege’“ veranstaltet wurde, referierte Charlotte Regina Kratz über die „Planung der Pflege chronisch Kranker“. Ihres Erachtens sollte hierbei die Pflege so nah wie möglich beim jeweiligen Patienten ansetzen. Das Ziel sei es, eine intensive Beziehung zum Patienten aufzubauen, wobei das Pflegepersonal und die Ärzte Hand in Hand zusammenarbeiten sollten. Zur Planung seien möglichst vielfältige Informationen über den Patienten notwendig, die das Pflegepersonal durch Beobachtung, Befragung und Auswertung vorhandener Berichte in Erfahrung bringen könne. Besonders wichtig erschien ihr, die soziale, psychologische und kulturelle Betrachtung der chronisch Kranken aufzuheben und den betreffenden Menschen in seiner Gesamtheit zu betrachten.

Charlotte Regina Kratz, die seit 1976 auch als Journalistin tätig war, gehörte zu den ersten internationalen Pflegeexpertinnen, die in den 1970er Jahren ihre Kolleginnen in Deutschland wie beispielsweise Hilde Steppe (1947-1999)  zur Seite standen, um die Pflege hier weiterzuentwickeln. Im Alter von 61 Jahren wurde sie 1983 in die neu gegründete Organisation English National Board for Nursing und in den „United Kingdom Council for Nursing, Midwifery and Health Visiting“ gewählt. Ferner war sie in den unterschiedlichen Ämtern und Rollen beim International Council of Nurses (ICN) (Weltbund der Krankenschwestern und Krankenpfleger), beim Royal College of Nursing sowie im „Project 2000“ zur Reform der Pflegeausbildung in Großbritannien aktiv.

Charlotte Regina Kratz veröffentlichte zur Krankenpflege die folgenden drei Bücher, “Care of the long-term sick in the community. Particulaly patients with stroke” (Edinburgh 1978), “The nursing process” (London 1979) und “Towards team care” (Edinburgh 1980), die sich in verschiedenen Bibliotheken von Deutschland, der Schweiz, Portugal, Norwegen, Schweden und den USA nachweisen lassen. Im Jahre 1985 wurde Charlotte Regina Kratz für ihre Verdienste in der Krankenpflege von der Queen mit der Auszeichnung „Member of the Britisch Empire“ (MBE) geehrt.

Charlotte Regina Kratz, die ihren Ruhestand in Sussex verbrachte, arbeitete mit dem Rat der Christen und Juden zusammen und unterstützte christliche Hilfsaktionen. Am 3. Oktober 2006 verstarb sie. Ob sie in der Geschichte der Krankenpflege einmal so große Beachtung finden wird wie beispielsweise – ihre wesentlich früher geborenen – Kolleginnen Agnes Karll (1868-1927)  aus Deutschland oder Florence Nightingale (1820-1910)  aus England, wird sich freilich erst im Laufe der Jahre zeigen.


Literatur

Archiv Prof. Dr. Karin Wittneben, Hannover: Mitteilung (diverse Unterlagen zu Charlotte Kratz) an den Verfasser vom 5. Dezember 2006.

Kratz, Charlotte R.: Problems of Care of the long-term sick in the community, with particular reference to patients with stroke. Unpublished PhD thesis. The University. Manchester 1974,

Kratz, Charlotte R.: Two methodological problems. In: Nursing Times, Occasional papers, 1975, Seite 53-55.

Kratz, Charlotte R.: Care of the long-term sick in the community. Particulaly patients with stroke. Mit einem Vorwort von H. Marjorie Simpson. Churchill Livingstone. Edinburgh 1978 (126 Seiten).

Kratz, Charlotte R. (Hrsg.): The nursing process. Baillière Tindall. London 1979 (2. Auflage 1984; Nachdruck 1982).

Kratz, Charlotte R.: Towards team care. Herausgegeben von J.H. Barber. Forwort von Margaret G. Auld. Churchill Livingstone. Edinburgh 1980.

[Ohne Verfasserangabe] Abschied von Charlotte Kratz. In: Die Schwester / Der Pfleger (DBfK-Aktuell), 45. Jg., Nr. 12 /2006, Seite 1029.

www.news.independent.co.uk/people/obituaries/article1919494.ece. [29.01.2007]

www.rcn.org.uk/publications/pdf/RCNReviewoftheVear/reviewoftheyear04.05pdf. [29.01.2007]

www.spiderednews.com/xml/UnitedKingdom.xml-83k. [29.01.2007]

KRATZ, Charlotte Regina

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S. 168-169

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Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=188

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