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Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Who was who in nursing history: KÖRTING, Georg
KÖRTING, Georg
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 4, Seite(n) 164-168.
 

Biographie

Georg Körting wurde am 13. Mai 1844 in Berlin geboren. Bis Ostern 1863 besuchte er das Friedrich Wilhelmgymnasium und studierte dann bis 1867 auf dem medizinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelms-Institut seiner Heimatstadt. Im Jahre 1867 promovierte er mit der Arbeit „De medicamentis, quae in tetano curando adhibita sunt, pauca afferunter“ zum Dr. med. und wurde 1868 als Arzt approbiert. 1875 wurde er Stabsarzt und war von 1881/86 im Kriegsministerium tätig. Nach mehrjähriger Dienstzeit in Hamburg und Metz wurde er 1897 Generalarzt des 1. Armeekorps in Königsberg. In dieser Funktion trat er 1904 in den Ruhestand und zog nach Berlin-Charlottenburg, wo er am 11. Dezember 1919 starb.

Im Winter 1859/60 hatte Georg Körting bei Stolze Stenographie gelernt und sie während seiner ganzen Lebenszeit ständig angewandt. Vor allem trat er bei den Militärbehörden stets für die Einführung der Stenographie ein. Seit 1844 war er Mitglied im Stenographischen Verein; 1914 wurde er zum Ehrenmitglied des Stenographenverbandes Stolze-Schrey ernannt. In den Fachzeitschriften „Archiv für Stenographie“ und „Deutscher Stenograph“ veröffentlichte er entsprechende Fachbeiträge.

Im Hinblick auf die Krankenpflege verdient Georg Körting vor allem Beachtung wegen seinem 1907 veröffentlichten „Unterrichtsbuch für die weibliche freiwillige Krankenpflege“, das er „Im Auftrag des Zentralkomitees des Preußischen Landesvereins vom Roten Kreuz nach dem Unterrichtsbuch für freiwillige Krankenpfleger von 1903“ bearbeitet hatte. Körting war zu diesem Zeitpunkt sowohl Mitglied des genannten „Zentralkomitees“ als auch im Hauptvorstand des „Vaterländischen Frauenvereins“. Das knapp 300 Seiten starke Buch erschien im Berliner Verlag E. S. Mittler & Sohn und erlebte – weit über den Tod des Autors hinaus – zahlreiche Auflagen (2., vervollständigte Auflage 1910, 3. durchgearbeitete Auflage 1913, 6. Auflage 1926, 7. Auflage 1928). Der Titelzusatz „nach dem Unterrichtsbuch für freiwillige Krankenpfleger von 1903“ findet sich lediglich in der ersten Auflage. Bei dem besagten „Unterrichtsbuch für freiwillige Krankenpfleger“, das ebenfalls im Berliner Verlag E. S. Mittler & Sohn erschienen war, handelte es sich um einen – so der Untertitel – „Auszug aus dem Unterrichtsbuch für Sanitätsmannschaften vom 27. September 1902“, das mit Genehmigung des Königlich Preußischen Kriegsministeriums „auf Veranlassung des Kaiserlichen Kommissars und Militärinspekteurs der freiwilligen Krankenpflege“ herausgegeben worden war und später (1939, 1940 und 1944) unter dem Titel „Unterrichtsbuch für Sanitätsunteroffiziere und -mannschaften“ erschien.

Georg Körting konzipierte demnach aus dem „Unterrichtsbuch für freiwillige Krankenpfleger“ (Männer) ein „Unterrichtsbuch für die weibliche freiwillige Krankenpflege“ (Frauen). Hierzu stellt er im Vorwort fest: „Die Erfahrung bei Einrichtung und Überwachung von Kursen für freiwillige Krankenpflegerinnen hat gezeigt, daß das Unterrichtsbuch für freiwillige Krankenpfleger nicht in allen seinen Teilen geeignet ist, Frauen in die Hand gegeben zu werden. Auch berührt es eine Reihe von Dingen nicht, die für Pflegerinnen im Kriege wichtig sind.“

Nach Angaben von Georg Körting lehnt sich die Einteilung des Stoffes und der größte Teil der Abbildungen an das Unterrichtsbuch für Krankenpfleger an – „aber unter genauester Sichtung für den weiblichen Gebrauch.“ Völlig neu seien hingegen die Abschnitte 1 „Die Stellung des weiblichen Pflegepersonals in der Kriegskrankenpflege“ („Pflege kranker Männer durch Frauen“, „Notwendige Eigenschaften für die Krankenpflege“ und“ Stellung zum Lazarettpersonal“) und 8 „Dienst im Haushalte des Lazaretts“ („Verpflegungsbetrieb“ und „Wäschebetrieb“). Zu Dank fühlte sich der Autor Wilhelm Julius Rudolph Salzwedel (1854-1929)  verpflichtet, weil er ihm die Benutzung seines „Handbuches der Krankenwartung“ gestattete.

Abgesehen davon, dass die männlichen Pflegekräfte an vielen Stellen gebraucht würden, an denen weibliche nicht verwendbar seien, zum Beispiel beim Krankentransport oder bei gröberen Einrichtungsarbeiten, waren nach Ansicht von Georg Körting Frauen „durch Charakter wie Geschicklichkeit mehr für das Werk der Barmherzigkeit geeignet“ als Männer (§ 1). „Dazu gehört Rüstigkeit und Umsicht, aber noch viel mehr sittliche Kraft. Nur sie kann über manches Peinliche hinwegsehen, was mit dem Dienst auf den Abteilungen kranker Männer, auf den Operationssälen wie im Zusammenarbeiten mit jungen Ärzten und Sanitätsmannschaften unvermeidlich verbunden ist. Die Frau, welche nicht von dem festen Glauben an das Unpersönliche ihrer Tätigkeit als Pflegerin durchdrungen ist, welche nicht um des hohen patriotischen Zieles willen von reinster, selbstloser Menschenliebe beseelt ist, bleibe dem Krankenpflegerdienst fern. Niemals kann die Verstandesbildung durch den Unterricht den sittlichen, inneren Halt ersetzen, der die Pflegerin in gemessener Entfernung von ihrer Umgebung hält und eine feste Schranke um sie aufrichtet.“

Georg Körting hatte auch klare Vorstellungen über „notwendige Eigenschaften für die Krankenpflege“ (§ 2), die er ausführlich in den folgenden neun Punkten zusammenfasste:

„1. Die Krankenpflegerin soll fertig lesen, schreiben und einfache Rechenarbeiten zuverlässig ausführen können. Ihre Schulausbildung muß sie befähigen, dem Krankenpflegeunterricht mit Verständnis zu folgen. Die Erziehung im Elternhause muß ihr die Sicherheit gewährt haben, sich zwanglos aber doch rücksichtsvoll und bescheiden unter fremden Menschen zu bewegen.

2. Der Ausbildungsgang in der Krankenpflege führt der Schülerin die Summe technischer Fertigkeiten und wissenschaftlicher Kenntnisse vor, welche sie später jederzeit gegenwärtig haben soll. Es muß also der bestimmte Wille bei ihr vorausgesetzt werden, das Erlernte auch nach Beendigung des Unterrichtes zu behalten. Teilnahme an Wiederholungskursen, Bestätigung in der Familie bei sich bietender Gelegenheit und Lektüre einschlägiger Werke sind die Mittel, dies Bestreben zu unterstützen.

3. Die Pflegerin muß menschenfreundlich sein und ein mitfühlendes Herz für die Leiden anderer besitzen. Sie muß furchtlos sein und die Ansteckungsmöglichkeit nicht scheuen, die mit dem Pflegedienst verbunden sein kann. Diese Charaktereigenschaften müssen sich mit Neigung für die Krankenpflege verbinden. (Vgl. § 170). Wer sich hierüber täuscht, wird im Kriegsdienst bald erlahmen. Ferner gehört ruhige Überlegung auch bei erschütternden Vorkommnissen dazu. Leidenschaftliche, erregte Naturen werden selten gute Helferinnen. Ruhe fördert die so notwendige Ausbildung des Beobachtungsvermögens am Krankenbett. Strenge Wahrheitsliebe und Fügsamkeit auch unbequemen Anordnungen gegenüber ergänzen diese Eigenschaften.

4. Frauen von allgemeiner Körperschwäche oder mit Krankheitsanlagen passen nicht in die Krankenpflege. Sie sind gefährdet und können andere gefährden. Der Körper muß so gewöhnt werden, daß eine Unterbrechung der gewohnten Lebensweise die Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigt. Wie der Soldat im Felde, so muß auch die Pflegerin im Dienst zu jeder Zeit essen und schlafen können. Es können Zeiten kommen, in denen beides nur ganz unregelmäßig zu ermöglichen ist.

5. Peinliche Sauberkeit und Ordnungssinn müssen die Lebensführung beherrschen. Das gilt nicht nur für die Tätigkeit am Krankenbett, sondern für alles, was die Pflegerin an und um sich hat. Haare, Mund, Zähne, Hände und Nägel müssen stets rein sein, Ausdünstungen durch Schweiß durch fleißiges, womöglich tägliches Baden und häufigen Wäschewechsel bekämpft werden. Es trägt sehr zur Behaglichkeit des Kranken bei, eine Pflegerin um sich zu sehen, die diesen Bedingungen entspricht.

6. Sobald es der Dienst erlaubt, wird den Pflegerinnen die notwendige tägliche Ruhepause gern gewährt werden. Sie ist, wenn es Wetter und Örtlichkeit irgend gestatten, zur Erholung im Freien zu benutzen.

7. Eine zarte und leichte Hand gilt allgemein als Vorzug des weiblichen Geschlechts. Aber die Hand muß geübt werden, auch sicher zuzugreifen, ohne weh zu tun. Das ist Gegenstand besonderer Belehrung. Vgl. § 66.

8. Im Verkehr mit Kranken ist weder laute Unterhaltung noch mürrische Wortkargheit angebracht. Die Kranken sind individuell sehr verschieden zu beurteilen. Auf viele – besonders Verwundete – werden die Ereignisse nachhaltig eingewirkt haben, die ihrer Überführung ins Hospital vorausgingen. Danach muß die Pflegerin sich richten, still, freundlich und unverdrossen ihre Pflicht tun (s. § 204, 5-6). Sanftmut und Geduld, ruhiger Zuspruch mit Unterstützung der Hoffnungen des Kranken, selbst wider eigene Überzeugung, werden stets segensreich wirken. Aber es darf kein Wort zu viel fallen. Kranke sind leicht misstrauisch und achten auf jedes Wort, jedes Minenspiel der Umgebung. Vorsicht ist daher geboten, besonders wenn der Kranke auf seinen oder seiner Leidensgefährden Zustand, auf den möglichen Ausgang des Leidens und auf Invalidenversorgung zu sprechen kommt.

9. Endlich soll die Pflegerin ehrlich und verschwiegen sein. Das Gesetz bedroht mit hoher Strafe jeden, der über Verhältnisse der Kranken und ihrer Familien Dinge ausplaudert, deren Geheimhaltung die Berufspflicht fordert.“

Ähnliche Charaktereigenschaften forderte auch Wilhelmine Mettegang (1852-1937)  in ihrem Anfang des 20. Jahrhunderts veröffentlichten Buch „Fragen und Antworten: Für den Unterricht der Bayerischen Schwestern vom Roten Kreuz“.

Georg Körting gab auch klare Hinweise bezüglich der Stellung des Lazarettpersonals (§ 3). Durch die übernommene Kriegsdienstverpflichtung sei die Stellung der Pflegerin „zu den vorgesetzten Ärzten“ klar begrenzt. Genaue Befolgung aller auf den Dienst bezüglichen Anordnungen waren für ihn daher „selbstverständlich“. In diesem Zusammenhang empfahl er den Krankenpflegehelferinnen „freundliches Wesen bei achtungsvoller, bescheidener Zurückhaltung“ als Richtschnur des persönlichen Verhaltens. Hinsichtlich der Stellung der Pflegerin gegenüber den übrigen Personen im Lazarett empfahl er „Takt und Verträglichkeit bei weiblicher Würde.“ Da die diensteifrigsten und am besten ausgebildeten Pflegerinnen in all diesen Punkten die geringsten Schwierigkeiten hätten, müsse „es auch der Neueintretenden gelingen, durch strenge Selbstzucht und Gottvertrauen wie durch Hingabe an die freiwillig Übernommene Pflicht diejenigen Eigenschaften des Herzens und Charakters in sich zu festigen, deren sie bedarf, um Leidende zu beglücken und Befriedigung in ihrem Dienst zu finden.“

Darüber hinaus musste das im Kriegsfalle zum Einsatz kommende Personal der freiwilligen Krankenpflege „deutscher Nationalität“ sein. Ferner durften „nur gut ausgebildete, unbescholtene, zuverlässige und körperlich den Anstrengungen des Pflegedienstes gewachsene Krankenpflegerinnen“ zugelassen werden, deren Auswahl Sache der Vereine vom Roten Kreuz, der Zweigvereine des väterlichen Frauenvereins und der Ritterorden war.

In der zweiten, 1910 erschienenen Auflage seines Buches stellte Georg Körting bezugnehmend auf das von Wilhelm Julius Rudolph Salzwedel bearbeitete „Krankenpflege-Lehrbuch“, das „im Auftrage des Königlich Preußischen Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten“ von der Medizinalabteilung des Ministeriums im Berliner Verlag von August Hirschwald erstmals 1909 herausgegebenen worden war, in seinem Vorwort bezüglich der Krankenschwesternausbildung fest: „Für die Helferinnen [und „Hilfsschwestern“ im Kriegsdienst] sind andere Gesichtspunkte maßgebend. Es kommt in erster Linie auf die Vorbereitung für die Verwendung im Kriege an. Das vorliegende Unterrichtsbuch wurde für sie beibehalten, weil es das einzige ist, das die Verhältnisse des militärischen Sanitätsdienstes einschließlich des Wirtschaftsbetriebes in Lazaretten behandelt. Aus diesem Grunde ist das Buch aber auch für Schwestern und Hilfsschwestern von Bedeutung; denn das Staatslehrbuch enthält nichts von diesen Hinweisen auf den Kriegsdienst.“ Im Hinblick auf diese weitere Verwendung des Buches habe er auch den Sammelausdruck „Krankenpflegerin“ beibehalten.

Neben dem „Unterrichtsbuch für die weibliche freiwillige Krankenpflege“ hat Georg Körting auch eine interessante Veröffentlichungen über „Automobile im Krankentransportwesen“ (in der „Allgemeinen Automobilzeitung“, 1906) sowie mehre Monographien zum Militärsanitätswesen vorgelegt. Jeweils in Berlin veröffentlichte er 1906 das Buch „Militärsanitätswesen“, 1907 „Das Sanitätswesen in Deutsch-Südwestafrika während des Aufstandes 1904 bis 1906“ (als Beiheft zur „Medizinischen Klinik“) und 1908 „Aus der Literatur des Militärsanitätswesens 1907“, die jeweils auch interessante Einblicke in die zeitgenössischen Ansichten zur Krankenpflege vermitteln.


Literatur

Bonnet, Rudolf: Unsere Führer einst und jetzt. 150 Lebensabrisse von Vorkämpfern aus den Kurzschriftschulen Stolze, Schrey und Stolze-Schrey. Fritz Stark. Magdeburg 1924, Seite 60.

Deutscher Stenograph 1914, Seite 167.

Körting, Georg: De medicamentis, quae in tetano curando adhibita sunt, pauca afferunter. Berolini 1867.

Körting, Georg: Alphabetische Anordnung der bei der Untersuchung von Militärpflichtigen und Rekruten in Betracht kommenden Fehler nach Anlage 1 der Heerordnung und nach der Dienstanweisung zur Beurteilung der Militärdienstfähigkeit [...]. E. S. Mittler & Sohn. Berlin 1880 (2. Auflage 1887, 4. Auflage 1894, 5. Auflage 1896, 6. Auflage 1900, 8. Auflage 1906).

Körting, Georg: Militärsanitätswesen. Urban & Schwarzenberg. Berlin 1906.

Körting, Georg: Automobile im Krankentransportwesen. In: Allgemeine Automobilzeitung 1906, No. 48 und 49.

Körting, Georg: Das Sanitätswesen in Deutsch-Südwestafrika während des Aufstandes 1904 bis 1906 (Medizinische Klinik. Beihefte, 3. Jg., Heft 3). Urban & Schwarzenberg. Berlin 1907.

Körting, Georg: Unterrichtsbuch für die weibliche freiwillige Krankenpflege. Im Auftrag des Zentralkommitees des Preußischen Landesvereins vom Roten Kreuz nach dem Unterrichtsbuch für freiwillige Krankenpfleger von 1903. E. S. Mittler & Sohn. Berlin 1907. (2., vervollständigte Auflage 1910, 3. durchgearbeitete Auflage 1913, 6. Auflage 1926, 7. Auflage 1928).

Körting, Georg: Aus der Literatur des Militärsanitätswesens 1907. Urban & Schwarzenberg. Berlin 1908.

Riesenberger, Dieter: Das Deutsche Rote Kreuz. Eine Geschichte 1864-1990. Ferdinand Schöningh. Paderborn, München, Wien, Zürich 2002, Seite 88.

KÖRTING, Georg

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S. 164-168

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