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Lernwelten 2018

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Who was who in nursing history: KLOSE, Franz
KLOSE, Franz
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 4, Seite(n) 151-153.
 

Biographie

Im Jahre 2001 feierte die Deutsche Vereinigung für den Sozialdienst im Krankenhaus (DVSK) – seit 2003 DVSG (Deutsche Vereinigung für Sozialarbeit im Gesundheitswesen – ihr 75-jähriges Bestehen. Die Geschichte der Sozialen Arbeit im Krankenhaus ist freilich schon über 100 Jahre alt. Bereits um die Jahrhundertwende sind in einzelnen Städten des Deutschen Reiches Aktivitäten erkennbar, die zur Entwicklung und Ausbreitung der Sozialen Krankenhausfürsorge führten. Die ersten Bemühungen für Menschen in Krankenhäusern, neben der Hilfe durch Mediziner und Pflegekräfte, auch Hilfe durch Sozialarbeiter zu leisten, erbrachten seit 1896 die Mitglieder der Berliner „Mädchen- und Frauengruppe für soziale Hilfsarbeit“ unter der Leitung von Lina Basch (1851-1920) , die somit wohl als die erste Krankenhaussozialarbeiterin in Deutschland bezeichnet werden kann. Die Initiative ging häufig von einzelnen Persönlichkeiten aus, wobei hierbei insbesondere Paula Ollendorf (1860-1938) , Alice Salomon (1872-1948) , Anna Tüllmann (1875-1958) , Hedwig Landsberg (1879-1967)  oder Hans Carls (1886-1952)  zu nennen sind. Bedeutend für die „Soziale Krankenhausfürsorge“ in Deutschland war aber auch das Wirken von Hermann Weber (1867-1944) , Alfred Goldscheider (1858-1935) , Irmgard Linde (1903-1993) , Margret Mehs (1928-1999)  und Franz Klose. Letzterer trat insbesondere für eine Verkürzung der Verweildauer der Patientinnen und Patienten im Krankenhaus sowie die sozialarbeiterische Betreuung von Krebskranken ein.

Franz Klose wurde am 21. Juni 1887 in Liegnitz geboren. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts bekannt. Nachdem er in Görlitz das Gymnasium besucht hatte, studierte er in Göttingen, Breslau und von 1908 bis 1912 an der Kaiser-Wilhelm-Akademie in Berlin Medizin. Zum Abschluss seines Studiums promovierte er am 5. Juni 1912 mit der Arbeit „Ein Fall von allgemein verbreitetem Emphysem im Verlauf von Meningitis tuberculosa“ zum Doktor der Medizin. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges (1914-1918) wirkte er als Militärarzt im Infanterie-Regiment Nr. 169. Von August 1919 bis 1923 war er Stadtarzt und Leiter des Städtischen Krankenhauses in Wittenberge, ab Februar 1923 besoldeter Stadtrat und Mitglied des Magistrats der Stadt Wittenberge. Im Dezember des selben Jahres wurde er zum Stadtmedizinalrat in Kiel gewählt und leitete als Dezernent das Gesundheits- und Wohlfahrtsamt, wobei er zeitweise auch für das Jugendamt der Stadt Kiel verantwortlich war. Nachdem er in Kiel ein „beispielgebendes Gesundheitsamt“ (Labisch / Tennstedt) aufgebaut hatte, habilitierte sich Klose 1939. Im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) war er als beratender Hygieniker in der Wehrmacht und in einem Wehrkreisamt tätig. Nach dem Krieg übernahm er eine Professur für Hygiene und Sozialhygiene an der Universität Kiel, vom 1. September 1952 bis 31. März 1954 war er Präsident des Bundesgesundheitsamtes und von 1. April 1954 bis zu seinem Ruhestand im September 1955 Ministerialdirektor im Bundesinnenministerium. Anlässlich seines 75. Geburtstages erschienen 1962 zwei Festschriften. Franz Klose starb am 7. Januar 1978 in Kiel.

Im Jahre 1927 wurde Franz Klose auf der ersten Mitgliederversammlung der „Deutschen Vereinigung für den Fürsorgedienst im Krankenhaus“, der heutigen DVSK, in Goslar als Mitglied des Vorstandes gewählt, wobei ihn die beiden Geschäftsführerinnen der Vereinigung, Hedwig Landsberg und Anni Tüllmann, für dieses Amt vorgeschlagen hatten. Des weiteren engagierte er sich ehrenamtlich viele Jahre auch im Gutacherausschuss für das öffentliche Gesundheitswesen, der Vorgängereinrichtung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Der „Zeitschrift für das gesamte Krankenhauswesen“ gehörte Klose von 1939 bis zur Einstellung der Zeitschrift 1944 als Mitglied für den Bereich „Ärztliche Fragen“ an. Im „Verband der ärztlichen Kommunalbeamten“ übte er das Amt des Zweiten Geschäftsführers aus. 1955 übernahm er den Vorsitz der Kommission für Ernährungsforschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Ferner war Klose Mitbegründer und Präsident der „Deutschen Zentrale für Volksgesundheitspflege“ (seit 1964 ihr Ehrenpräsident), die jahrelang unter anderem den Marie-Baum-Preis für hervorragende Abschlussarbeiten aus dem Themenbereich Gesundheit der Ausbildungsstätten für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter vergab.

Im Jahre 1927 hatte sich Franz Klose, damals Leiter des Gesundheitsamtes in Kiel, für eine Verkürzung der Verweildauer der Patienten im Krankenhaus ausgesprochen, weil sich bei „straffer Organisation die größten Ersparnisse für die Kostenträger erzielen“ lassen würden. Von daher sollte seines Erachtens vor Aufnahme in ein Krankenhaus geprüft werden, „ob nicht z.B. durch Gewährung von Hauspflege oder durch sofortige Überführung in ein Siechenheim“, heute Pflegeheim, „oder in eine entsprechende Heilstätte die teure Krankenhausbehandlung erspart und eventuell erheblich abgekürzt werden kann.“ Durch diese Maßnahmen könnte der Neubau von Krankenanstalten reduziert oder sogar vermieden werden, so Klose und die „verfügbaren Betten für diejenigen reserviert bleiben, die eigentlich dahin gehören, nämlich die Schwer- und Mittelschwerkranken.“ Für seinen Zuständigkeitsbereich in Kiel, das Städtische Krankenhaus einschließlich der Universitätsklinik und ein privates Krankenhaus, traf er folgende Regelungen: Alle Patienten, deren Krankenbehandlung ein öffentlicher Träger bezahlte, wurden von einem Arzt des Gesundheitsamtes begutachtet und es wurde unter Beteiligung einer Sozialarbeiterin geprüft, ob nicht durch andere Maßnahmen, zum Beispiel Hauskrankenpflege oder die Überführung in ein Pflegheim, dem Kranken ebenso wirksam geholfen werden konnte, oder ob für die Familie besondere Hilfen einzuleiten waren. Ferner sorgte er dafür, dass orthopädische Hilfsmittel durch Sozialarbeiterinnen in den Krankenhäusern wesentlich schneller als früher beschafft wurden.

Ein weiteres Thema, das Klose am Herzen lag, war die Versorgung von krebskranken Menschen. In Deutschland wurde erstmals Ende der 1920er Jahre die soziale Betreuung Krebskranker im Krankenhaus, gezielt auf die Bedürfnisse dieses Krankheitsbildes ausgerichtet, aufgenommen. Auf der Veranstaltung der Deutschen Vereinigung für den Fürsorgedienst im Krankenhaus am 19. Oktober 1929 in Berlin zum Thema „Fürsorge für Krebskranke im Rahmen des Fürsorgedienstes im Krankenhaus“ wies Franz Klose auf die Bedeutung der Sozialarbeit mit Krebskranken hin. In seinem Vortrag „Karzinom und Fürsorge“, der im „Archiv für Hygiene und Demographie“ veröffentlicht wurde, wies er insbesondere darauf hin, dass die Bekämpfung des Krebses von der öffentlichen Gesundheitsfürsorge aufzugreifen sei. Erfolgreich sei die nachgehende Fürsorge durch die „Organe der sozialen Krankenhausfürsorge“.

Auf der Tagung der Fachvereinigung der Verwaltungsleiter Deutscher Kranken-, Heil- und Pflegeanstalten vom 14. bis 17. Juni 1939 in Kiel sprach sich Klose grundsätzlich für einen „leistungsfähigen Fürsorgedienst im Krankenhaus“ aus. Sein dort gehaltenes Einführungsreferat „Fürsorgedienst im Krankenhaus“, das er wenig später in der „Zeitschrift für das gesamte Krankenhauswesen“ veröffentlichte, stellte er unter den Leitspruch „Salus aegroti suprema lex! Das Wohl des Kranken sei unsere höchste Pflicht!“. Klose äußerte, „treffender und prägnanter“ könne „das Ziel“ der Arbeit der Sozialarbeiterinnen im Krankenhaus nicht beschrieben werden. Zugleich wies er auch hier darauf hin, dass der Anstaltsbetrieb durch die im Fürsorgedienst gegebene Vervollkommnung der Heilbehandlung wirtschaftlicher gestaltet werden könne, was sich vornehmlich in einer Verkürzung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer und Vermeidung unnötiger Aufnahmen ausdrücken werde. Die Aufgaben der Sozialarbeiterinnen sah Klose vor allem in der „Wahrung“ der Verbindung zwischen Patient und Angehörigen, im Aufzeigen der möglichen Hilfeangebote öffentlicher und privater Träger, Unterstützung beim Erhalt des Arbeitsplatzes, Hilfe bei der Überleitung in das Arbeitsleben, eventuell Einleitung von Umschulungsmaßnahmen, insbesondere bei Patienten mit längerem Klinikaufenthalt. Ein Erfolg der von ihm beschriebenen Sozialarbeit könne freilich nur erreicht werden, wenn Ärzte, Pflegepersonal, Verwaltungsbeamte, Seelsorger, Krankengymnastiklehrerin und Sozialarbeiterin zusammenwirkten.


Literatur

Deutsche Zentrale für Volksgesundheitspflege e.V. (Hrsg.): Gedanken und Beiträge zur Gesundheitspolitik. [Festschrift] Herrn Prof. Dr. Franz Klose zum 75. Geburtstag gewidmet. Deutsche Zentrale für Volksgesundheitspflege. Frankfurt am Main 1962.

Klose, Franz: Ein Fall von allgemein verbreitetem Emphysem im Verlauf von Meningitis tuberculosa. Medizinische Dissertation. Ebering. Berlin 1912.

Klose, [Franz]: Zwei Jahre systematische Krankenhausfürsorge – eine Sparmaßnahme. In: Münchener Medizinische Wochenschrift, 74. Jg. Nr. 51/1927, Seite 2183-2186.

Klose, Franz: Neues aus dem Fürsorgedienst in Krankenhäusern Kiels. In: Zeitschrift für das gesamte Krankenhauswesen, 25. Jg., Heft 5/1929, Seite 134.

Klose, Franz: Karzinom und Fürsorge. In: Archiv für Hygiene und Demographie, Band IV, 1929, Seite 520.

Klose, [Franz]: Fürsorgedienst im Krankenhaus. In: Zeitschrift für das gesamte Krankenhauswesen, 35. Jg., Heft 17/1939, Seite 376-380.

Klose, Franz: Das Alter als sozialhygienisches Problem [Rede anlässlich der Einweihung des Hygiene-Instituts der Universität Kiel am 26. Februar 1955] (Veröffentlichungen der Schleswig-Holsteinischen Universitätsgesellschaft, Neue Folge, Band 15; Schriftenreihe des Hygiene-Instituts der Christian-Albrecht-Universität Kiel, Band 4). Hirt. Kiel 1955.

Klose, F[ranz]: Impfschutz als Aufgabe und Förderung der öffentlichen Gesundheitspflege (Schriftenreihe aus dem Gebiete der öffentlichen Gesundheitswesens, Heft 2). Thieme. Stuttgart 1955.

Klose, Franz: Hygienische Probleme bei Gewinnung, Verarbeitung und Vertrieb von Lebensmitteln. Vorträge und Diskussionen des 5. Symposiums in Mainz, vom 7. – 8. April 1960. [Unter Leitung von Franz Klose]. Steinkopff. Darmstadt 1961.

Labisch, Alfons / Tennstedt, Florian: Der Weg zum „Gesetz über die Vereinheitlichung des Gesundheitswesens“. Akademie für öffentliches Gesundheitswesen. Düsseldorf 1985, Seite 437-438.

Reinicke, Peter: Sozialarbeit im Krankenhaus und ihre Bedeutung bei der Mitarbeit für die Verkürzung der Verweildauer. In: Forum Krankenhaussozialarbeit, Heft 3/2003, Seite 43-46.

Reinicke, Peter: Pioniere der Sozialarbeit im Krankenhaus. In: Reinicke, Peter (Hrsg.): Soziale Arbeit im Krankenhaus – Vergangenheit und Zukunft. Herausgegeben im Auftrag der Deutschen Vereinigung für den Sozialdienst im Krankenhaus. Lambertus. Freiburg im Breisgau 2001, Seite 215-228, hier Seite 220-221.

Reinicke, Peter: Soziale Krankenhausfürsorge in Deutschland. Von den Anfängen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs (Focus Soziale Arbeit, Grundwissen Band 2). Leske und Budrich. Opladen 1998, Seite 92 und Seite 190.

Thrombose: Professor Dr. med. Franz Klose zum 75. Geburtstag (Behringwerk-Mitteilungen; Band 41). Elwert. Marburg / Lahn 1962.

KLOSE, Franz

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S. 151-153

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Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=182

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