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Who was who in nursing history: KIECKEBUSCH, Erna Auguste von
KIECKEBUSCH, Erna Auguste von
Artikel von: Ortrud Wörner-Heil
Erschienen in Band 4, Seite(n) 148-151.
 

Biographie

Die aus der Kasseler Fabrikantenfamilie Henschel stammende Erna Auguste von Kieckebusch war eine freizügige Gönnerin und Förderin des Vaterländischen Frauenvereins zu Cassel. Fast zwei Jahrzehnte arbeitete sie sowohl im Hauptvorstand als auch im Vorstand der zweiten Sektion („Krankenpflege“) des Vereins mit. Erna von Kieckebusch war dem Kasseler Frauenverein des Roten Kreuzes in besonderer Weise durch das Vereinsengagement ihrer Mutter Sophie Henschel (1841-1915)  verbunden. Diese hatte den Frauenverein im Jahr 1869 mitbegründet und stand ihm seit 1879 als Vorsitzende vor. Unter ihrer Leitung hatte sich der Verein zu einem der bedeutendsten und finanzstärksten Vaterländischen Frauenvereine in Deutschland entwickelt. Sophie Henschel hatte ihre heranwachsenden Kinder und später auch die erwachsenen Familienmitglieder im Sinne einer familiären Verpflichtung stets in ihre Wohlfahrtsarbeit einzubinden gesucht, die sie mehr als vierzig Jahre aktiv betrieb, und in deren Rahmen sie soziale und gesundheitspflegerische Vereinsprojekte mit der Stiftung von regelmäßigen, zum Teil sehr hohen Geldbeträgen (für die Krankenpflegeanstalten in Kassel und die Lungenheilstätte Oberkaufungen) zunächst ermöglichte und dann auf Dauer durch eine effiziente Verwaltung und stabiles Spendenaufkommen der Bürgerschaft sicherzustellen suchte.

Am 8. April 1863 kam Erna Auguste Kickebusch in Kassel zur Welt. Ihre Eltern, die später noch drei Kinder bekamen, waren Karl Anton Oskar Henschel (1837-1894) und dessen Ehefrau Caroline Elisabeth Francisca Sophie, geborene Caesar (1841-1915). Wegen ihrer zarten Konstitution sollte ihre durch häufige Krankheit eingeschränkte Gesundheit oft Anlass zu Besorgnis geben und im Kindesalter die ausdauernde Pflege der Mutter erfordern. Erna verbrachte ihre Jugend im Elternhaus und erhielt hier auch Privatunterricht. Am 9. November 1886 heiratete sie den königlichen Rittmeister im Schleswig-Holsteinischen Dragoner Regiment Nr. 13 und Adjutanten der 22. Division in Cassel Ernst Paul Peter Arthur (von) Kieckebusch (1845-1913) . Zwei Kinder wurden dem Ehepaar geboren: Werner Gustav Oskar (1887-1975) und Hans-Joachim Bernhard Maximilian (1889-1951). Der militärische Beruf führte die Familie zunächst nach Metz, dann nach Diedenhofen, bevor sie Mitte 1895 nach Kassel zurückkehrte. Familie Kieckebusch wurde nobilitiert, da dem Obersten z. D. Ernst Kieckebusch am 11. August 1906 der preußische Adel verliehen worden war.

Als Sophie Henschel Ende 1900 einige leichtere Schlaganfälle erlitt und der Arzt ihr einige Wochen jegliche Tätigkeit untersagte, trat Erna (von) Kieckebusch, obwohl auch sie gesundheitlich beeinträchtigt war, in die aktive Frauenvereinsarbeit ein: Sie wurde in den Vorstand der II. Sektion des Vereins gewählt. Im Jahr 1908 übernahm sie zudem den stellvertretenden Vorsitz der „Mobilmachungs-Kommission“, eine Vereinskommission, die die Krankenpflege im Kriegsfall sicherzustellen hatte.

An den Zuwendungen Erna (von) Kieckebuschs an die Sektion II ist erkennbar, das ihr das Wohlergehen der Schwesternschaft besonders am Herzen lag. In jedem Jahr, meist an Weihnachten, erhielten Rotkreuzschwestern Geschenke, Geldbeträge und Sachspenden. Bei der Renovierung des Schwesternhauses 1901 schenkte sie Betten, Lampen und Kronleuchter für das Schwesternwohnzimmer. Einen Schwerpunkt in ihrer Stiftungstätigkeit bildeten darüber hinaus regelmäßige Spenden an den Schwesternpensionsfonds. Mit dem Beginn der Krankenpflege im Kasseler Rot Kreuz Krankenhaus im Jahr 1875 hatte der Verein diesen Fonds eingerichtet. Auf seinen stetigen Aufbau hatte die Vorsitzende Sophie Henschel immer besonderen Wert gelegt. Die Rotkreuzschwestern sollten im Falle von Dienstunfähigkeit oder Erreichung des erwerbsunfähigen Alters durch eine Rente abgesichert sein. 1875 hatte man mit bescheidenen 8,25 Mark begonnen, im Jahr 1913 sollte der Fonds einen Bestand von 235.000 Mark aufweisen. Kurz vor Sophie Henschels Tod gelang es dem Verein, den Pensionsfonds mit Genehmigung des Gesamtvorstandes in Berlin sowie der staatlichen Stellen in die Stiftung „Ruhegehaltsschatz der Schwestern vom Roten Kreuz des Vaterländischen Frauenvereins zu Cassel“ umzuwandeln, um die Ruhegehaltsansprüche der Schwestern unabhängig vom Verein zu machen. Dem Frauenverein war bewusst, dass die Schwestern bei dem verhältnismäßig geringen Gehalt selbst keine Rücklagen bilden konnten und auch die Renten der – inzwischen – staatlichen Versicherung nicht ausreichen würden, um den Schwestern ein sorgenfreies Alter zu sichern. Sophie Henschel unterstrich die Bedeutung dieser Alterssicherung nochmals, in dem sie in ihrem Testament dem Schwesternfonds 50.000 Mark vermachte.

Die Sorge um die Schwesternschaft war berechtigt, musste doch der Geschäftsbericht schon 1900 vermerken: „Der Gesundheitszustand der Schwestern ließ im vergangenen Jahr recht viel zu wünschen übrig.“ Der Vorstand reagierte, mietete die im Park Wilhelmshöhe unterhalb der Löwenburg gelegene Fasanerie an und richtete sie als Erholungsheim für die Schwestern ein. Die dadurch entstandenen erheblichen Kosten wurden durch Spenden und durch den Ertrag einer vom Frauenverein veranstalteten Wohltätigkeitsveranstaltung getragen.

Im Jahr 1906 wurde Erna von Kieckebusch auch Mitglied im Hauptvorstand des Kasseler Vaterländischen Frauenvereins, der zu diesem Zeitpunkt 886 Mitglieder zählte. In dieser Zeit trat die Planung eines neuen Vereinskrankenhauses in ein ernsthaftes Stadium. Ab der Jahrhundertwende hatte der Sektionsvorstand II immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass die Kapazitäten für die Aufnahme von Patienten und die medizinischen Ausstattungen der bestehenden Krankenpflegeanstalt trotz regelmäßiger Modernisierungen nicht mehr ausreichen würden und den Vereinsvorstand darum gebeten, einen Neubau in Betracht zu ziehen. Nach intensiver Prüfung zunächst der Argumente und schließlich dann der Kalkulationen genehmigte der Vorstand im April 1907 die Inangriffnahme eines Neubaus, der schon im November 1908 als „Krankenpflegeanstalt Rotes Kreuz nebst Schwesternhaus und staatlich anerkannter Krankenpflegeschule“ eingeweiht werden konnte.

Die Anlage bestand aus dem Hauptgebäude, einem Wirtschaftshaus, einem Infektionshaus und einem Leichenhaus. Die Krankenpflegeanstalt besaß 150 und das Isolierhaus nochmals 20 Krankenbetten. Die Kosten inklusive des Grundstückes und seiner Erschließung beliefen sich auf insgesamt 1,9 Millionen Mark. Ohne die großzügigen Spenden der Familie Henschel wäre dieser Neubau nicht zu realisieren gewesen: Sophie Henschel schenkte 755.000 Mark, ihr Sohn Karl 140.000 und ihre Tochter Erna von Kieckebusch 3.000 Mark. Von Franziska Gerland, einer Nichte Sophie Henschels, gingen 300 Mark ein. Damit deckten die Spendenbeiträge der Familie Henschel fast 50 Prozent der Gesamtkosten ab.

Für ihre Tätigkeit im Vaterländischen Frauenverein zu Cassel wurde Erna von Kieckebusch mit den Roten-Kreuz-Medaillen 3. und 2. Klasse ausgezeichnet. Ein schwerer Unfall im Dezember 1916, bei dem sie sich erhebliche Verletzungen zuzog, zwang sie, ihr intensives Engagement einzuschränken. Das familiäre Staffelholz in der Wohlfahrtsarbeit hatte nach dem Tod Sophie Henschels im Jahr 1915 inzwischen die Schwägerin Hildegard Henschel, geborene von Scheffer-Boyadel (1885-1963), die zweite Frau des nunmehrigen Inhabers der Lokomotiv- und Maschinenfabrik Karl Henschel, als Vorsitzende des Vereins in die Hand genommen, nachdem sie schon seit 1912 im Vorstand der Sektion VII mitgearbeitet hatte. Erna Auguste Kieckebusch starb am 20. Dezember 1932 in Kassel.


Literatur

Das Rothe Kreuz. Central-Organ für die [ab 1900: alle] deutschen Wohlfahrts- und Wohlthätigkeitsbestrebungen, für öffentliche und häusliche Gesundheitspflege, mit besonderer Berücksichtigung des Heilstättenwesen [ab 1902: Das Rothe Kreuz. Offizielle Zeitschrift der Deutschen Vereine vom Rothen Kreuz] 1/1883-32/1914.

Deutscher Frauen-Verband. Zeitung der Vaterländischen Frauen- und Hilfsvereine 1/1875-27/1901.

Die neue Krankenpflegeanstalt „Rotes Kreuz“ nebst Schwesternhaus und staatlich anerkannter Krankenpflegeschule. Festschrift zur Einweihungsfeier am 2. November 1908 im Auftrage des Vorstandes bearbeitet von Hock, Oberstleutnant z. D., Schriftführer der Baukommission.Tromner. Kassel 1908.

Familienarchiv Werner Henschel: Abschrift der Henschel’schen Chronik für Frau Erna von Kieckebusch geb. Henschel; Sammelbuch August 1837 bis Dezember 1889; Sammelbuch Ergänzungen Februar 1890 bis November 1915.

Familienarchiv Ernst von Kieckebusch, Hoof: Familienbuch I: Aufzeichnungen von Ernst von Kieckebusch von 1886-1906.

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin-Dahlem (GstA PK): Hauptabteilung (HA) Rep. 76 (Kultusministerium), Rep. 77 (Ministerium des Innern), Rep. 89 (Geheimes Zivilkabinett), Rep. 151 (Finanzministerium).

Geschäftsberichte des Vaterländischen Bezirks-Frauen-Vereins zu Cassel 1881-1906.

Hessisches Staatsarchiv Marburg (HStM): Bestand 165: Preußische Regierung Kassel, Abteilung I (Abteilung des Inneren, Präsidialabteilung).

Hock: Das Krankenpflege-Institut „Rotes Kreuz“, Mutterhaus des Vaterländischen Frauenvereins zu Cassel. In: Kimmle, Ludwig (Hrsg.): Das Deutsche Rote Kreuz. Entstehung, Entwicklung und Leistungen der Vereinsorganisation seit Abschluss der Genfer Konvention i. J. 1864, Bd. III., Kranken- und Mutterhäuser vom Roten Kreuz. Boll & Pickardt. Berlin 1910, Seite 146-164.

Kieckebusch, Werner von: Geschichte des kurhessischen Geschlechtes Henschel, im Auftrage von Oscar R. Henschel / Kassel aus Urkunden und Familiennachrichten bearbeitet. Hühn. Kassel 1931.

Lengemann, Jochen: Bürgerrepräsentation und Stadtregierung in Kassel 1835-1996. Ein Handbuch. Band 1: Einführung, Übersichten und Index der städtischen Mandats- und Amtsträger, hrsg. im Auftrag der Stadtverordneten-Versammlung Kassel. Elwert. Marburg 1996.

Nachrichten zur Geschichte der Familie Kieckebusch (v. Kieckebusch). Aus Urkunden und Familiennachrichten zusammengestellt von Werner von Kieckebusch, Altgaul. Als Manuskript gedruckt. Degener. Leipzig 1926.

Quataert, Jean H.: „Damen der besten und besseren Stände“. „Vaterländische Frauenarbeit“ in Krieg und Frieden 1864-1890. In: Hagemann, Karen / Pröve, Ralf (Hrsg.): Landsknechte, Soldatenfrauen und Nationalkrieger. Militär, Krieg und Geschlechterordnung im historischen Wandel. Campus. Frankfurt am Main, New York 1998, Seite 247-275.

Quataert, Jean H.: Staging Philanthropy. Patriotic Women and the National Imagination in Dynastic Germany, 1813-1916. University of Michigan Press. Ann Arbor 2001.

Riesenberger, Dieter, Das Deutsche Rote Kreuz. Eine Geschichte 1864-1990. Schöningh. Paderborn, München, Wien, Zürich 2002.

Wörner-Heil, Ortrud: Sophie Henschel (1841-1915). Lokomotivfabrikantin und Stifterin. Euregio. Kassel 2004.

Bildquelle: Wörner-Heil, Ortrud: Sophie Henschel (1841-1915). Lokomotivfabrikantin und Stifterin, Kassel 2004, Seite 104.

KIECKEBUSCH, Erna Auguste von

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Ortrud Wörner-Heil. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Ortrud Wörner-Heil, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S. 148-151

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Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=180

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