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Who was who in nursing history: JUTTA von Sangerhausen
JUTTA von Sangerhausen
Artikel von: Volker Klimpel
Erschienen in Band 4, Seite(n) 145146.
 

Biographie

Die große Hungersnot von 1225, die Tausende von Alten, Siechen, Armen und Kindern in Europa dahinraffte, war nicht die einzige schwere Not und Plage jener Zeit. Fast jährlich forderten Pest, Kriege und nicht zuletzt die Kreuzzüge ihre Opfer. Es gab jedoch zu dieser Zeit Frauen, vor allem aus dem Adel, die sich die Sorge um die leidenden Mitmenschen zu ihrer Lebensaufgabe machten und Nächstenliebe bis zur Selbstaufgabe praktizierten. Zu ihnen gehörte die Wohltäterin und Pflegerin Jutta, die um 1200 in Sangerhausen geboren wurde. Sie heiratete den polnischen Freiherrn Johannes von Konopacki aus Bielczna und lebte nach dem frühen, vermutlich auf einem Kreuzzug erfolgten Tod ihres Mannes in der Nähe der Ulrichskirche in Sangerhausen. Sie widmete sich der Krankenpflege nach dem Vorbild Elisabeths von Thüringen (1207-1231)  und der ihr persönlich bekannten Begine Mechthild von Magdeburg (1207-1282) , die in ihren Schriften von einer „swester Jutte von Sangerhusen“ berichtet.

„Caritas“ (Nächstenliebe) und „Infirmitas“ (Gebrechen) standen im Zentrum jener christlichen Spiritualität, der sich auch Jutta verpflichtet fühlte. So entschloss sie sich 1256, ihrem Verwandten Anno von Sangerhausen (?-1273 / 1274), dem Hochmeister des ebenfalls der Pflege zugewandten Deutschen Ordens , in das Missionsgebiet von Kulmsee (Chelmza) im Kreis Thorn (Torún), heute Republik Polen, zu folgen. Jutta pilgerte zu Fuß von Sangerhausen dorthin und ließ sich in Bildschön (Bielczyny) als Einsiedlerin nieder.

Im Sanktuarium von Bielczyny befindet sich ein Relief mit Szenen aus dem Leben der Jutta von Sangerhausen, der bescheidenen und uneigennützigen Frau, die ihr gesamtes Vermögen an Bedürftige verschenkt hatte. Ohne je in einen Orden einzutreten, folgte sie ihrer Bestimmung, nämlich Hungernde zu speisen, Durstige zu tränken, Fremde zu beherbergen, Kranke zu pflegen, Nackte zu kleiden, Gefangene zu trösten und Tote zu begraben (gemäß dem Matthäus-Evangelium 25, 34-40). Sie orientierte sich an den Gesundheitsregeln der Hildegard von Bingen (1098-1179)  und dürfte auch das „Regimen Sanitatis Salernitatum“, das Gesundheitsgedicht von Salerno mit seinen vielen praktischen Hinweisen, gekannt haben. Frei von Furcht vor Ansteckung besuchte Jutta Kranke und Aussätzige, wusch und fütterte sie, bettete und verband sie. Ihre geistigen Berater und Wegbegleiter waren der Bischof Heidenreich von Kulm (?-1263), ein Dominikaner, und der Franziskanerpater Johannes von Lobedau (um 1200-1264).

Am 5. Mai 1260 starb Jutta von Sangerhausen, eine der „Urmütter“ der Krankenpflege, in Kulmsee. Bestattet wurde sie im Dom von Kulmsee, in dem sich heute eine Jutta-Kapelle befindet; die Jutta-Verehrung hatte in Polen bald nach ihrem Tod eingesetzt. Die um 1275 begonnen Heiligsprechung scheiterte, so dass Jutta von Sangerhausen seit Ende des 13. Jahrhunderts lediglich als selig gilt. In ihrer Geburtsstadt in Sachsen-Anhalt gibt es einen „Jutta-von-Sangerhausen-Platz“ und ein „Jutta-von-Sangerhausen-Zentrum“.


Literatur

Agrimi, Jole / Crisciami, Chiara: Wohltätigkeit und Beistand in der mittelalterlichen christlichen Kultur. In: Grmek, Mirko D. (Hrsg.): Die Geschichte des medizinischen Denkens. Antike und Mittelalter. Beck. München 1996, Seite 182-203.

Sauser, Ekkart: Jutta von Sangerhausen. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchen Lexikon. Herausgegeben von Traugott Bautz. Band XVIII. Bautz. Nordhausen 2001, Spalte 774.

Zu Ehren der Wohltäterin. Jutta von Sangerhausen – Ein Platz trägt ihren Namen. In: Tag des Herrn. Katholische Wochenzeitung für die Bistümer Dresden-Meißen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg 53. Jg., 2003, Nr. 31.

www.de.wikipedia.org/wiki/Jutta_von_Sangerhausen-17k.

www.heilgenlexikon.de/BiographienJ/Jutta_von_Sangerhausen.html.

JUTTA von Sangerhausen

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Volker Klimpel. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Volker Klimpel, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S. 145146

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=179

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