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Who was who in nursing history: HÄBERL, Franz Xaver von
HÄBERL, Franz Xaver von
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 4, Seite(n) 120-123.
 

Biographie

In der Krankenpflege war die Wirksamkeit von Franz Anton Mai (1742-1814) , der 1781 in Mannheim die erste deutsche Krankenpflegeschule eröffnete und für deren Zöglinge ein Lehrbuch unter dem Titel „Unterricht für Krankenwärter zum Gebrauche öffentlicher Vorlesungen“ veröffentlichte, bahnbrechend. Wenngleich die Mannheimer Schule für Krankenwärter ebenso wieder erlosch wie sein 1801 in Heidelberg gestarteter Versuch einer „Schule für Gesundheits- und Krankenwärterlehre für weibliche Zöglinge“, hatte seine Initiative in Deutschland Signalwirkung, indem sich immer mehr Ärzte der Heranbildung von geschultem Pflegepersonal widmeten. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang etwa Johann Gottfried Pfähler und seine Veröffentlichung „Unterricht für Personen, welche Kranke warten“ (Riga 1793), Johann Andreas Garn (1755-1809)  mit seinem Buch „Unmasgebliche Vorschläge zur Errichtung einer öffentlichen Krankenpflege für Arme jeden Orts und zur Abstellung der Kuren durch Afterärzte” (Wittenberg 1789) und Ernst Schwabe (1754-1824)  mit seiner “Anweisung zu den Pflichten und Geschäften eines Stadt- oder Land-Physikus“ (Erfurt 1786).

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden dann mehrere Lehrbücher der Krankenpflege veröffentlicht, so etwa von dem Arzt Franz Christian Carl Krügelstein (1779-1864)  das „Handbuch der allgemeinen Krankenpflege“ (Erfurt 1807); bereits ein Jahr zuvor (1806) hatte der Theologe Erhard Mangold (1770-1809)  in Bamberg seinen „Katechismus für Krankenwärterinnen“ veröffentlicht. Im Jahre 1813 erörterte der Mediziner Franz Xaver von Häberl dann die Frage, welches der beiden Geschlechter sich mehr für den Krankenpflegedienst eignet, 1857 legte Verwaltungsdirektor Carl Heinrich Esse (1808-1874)  schließlich unter der Überschrift „Die Krankenhäuser, ihre Einrichtung und Verwaltung“ einen umfassenden Entwurf zu einer Dienstanweisung für Krankenhauswärter und -wärterinnen vor.

Franz Xaver von Häberl wurde am 25. März 1759 in Oelkam bei Holzkirchen (Oberbayern) als Sohn eines einfachen Bauern geboren. Nach seiner Schulausbildung im Kloster Dietramszell und München studierte er seit 1781 in Ingolstadt Medizin, bevor er sich 1783 in Wien im Dreifaltigkeitshospital zum praktischen Arzt ausbilden ließ. 1784 promovierte er in Ingoldstadt zum Doktor der Medizin mit der Dissertation „De febribus annuis et in specie de febri aestiva“. Danach wirkte er als Arzt in München, seit 1788 als Hospitalarzt im Krankenhaus zum heiligen Maximilian bei den Barmherzigen Brüder sowie bei den Elisabetherinnen vor dem Sendlinger Tor.

Franz Xaver von Häberl arbeitete richtungsweisende Konzepte zur Verbesserung der Krankenhäuser aus, insbesondere hinsichtlich einer besseren Belüftung, Beheizung und Wasserversorgung in den Krankenzimmern, die 1794/95 im Münchener Maximilianskrankenhaus realisiert wurden. Schon vorher hatte er im alten Krankenhaus des Hospitals der Barmherzigen Brüder durch Umbauten erreichen können, dass zwischen jedem Bett an der Stirnwand ein Abortsitz angebracht wurde, was vor allem für die bettlägerigen Patienten eine große Erleichterung bedeutete. Seit 1799 bemühte er sich in München um die Einrichtung eines neuen, allgemeinen Krankenhauses, das 1813 in einem Neubau vor dem Sendlinger Tor eröffnet wurde. Gänzlich neu für den besagten Krankenhausbau, den maßgeblich Häberl mitbestimmt hatte, war, dass man zum ersten Mal hier für den zehn Betten enthaltenen Krankensaal kleine vorgelagerte Kammern für verschiedene Funktionszwecke (Teeküche, Abstellzonen) schuf. Alternierend lagen sie flurwärts im Eingangsbereich und ließen dazwischen Platz für die Heizöfen, die in den beiden oberen Stockwerken von dem Rauch der im Erdgeschoss aufgestellten Öfen erwärmt wurden. Damit hatte Häberl eine funktionale Grundrisslösung für das Krankenzimmer geschaffen, die bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren hat. Die Toiletten waren auf der Mittelachse auf jeder Etage in jedem Bettenflügel angelegt. Zusätzlich gab es noch von Häberl selbst konstruierte, geruchlos verschließbare Abortstühle, um die Innenluft „rein“ zu halten. An jedem mit einer Tafel versehenen Krankenbett stand ein Nachttisch. Die Wände trugen einen weißen Farbanstrich, die Möbel, wie Tische und Nachtschränke, Betten und Türen, hatte man hellgelb angestrichen. In jedem Krankenzimmer war fließendes kaltes Wasser vorhanden, das aus einem eigenen Brunnen mittels eines Pumpwerks gespeist wurde. Die Abwässer führte man über einen hauseigenen Kanal in den nahegelegenen Stadtbach. Anfangs schlossen halbhoch gemauerte Alkoven (Bettnischen) je zwei Betten zu einer räumlichen Einheit zusammen. Einzigartig für die damalige Zeit war auch das ausgefeilte Ventilationssystem, das Häberl erdacht hatte. Es sah neben anderen Details Wandöffnungen zum Absaugen der verbrauchten Luft unter den Bettstellen vor, die mit einem abführenden Kanalsystem verbunden waren. Für das Einströmen der Frischluft, die über Ventilationstürme angesaugt und im Keller in den Heizöfen erwärmt werden sollte, brachte man entsprechende Öffnungen über den Betten an. Zwei Lüftungstürme sollten auf dem Dach zum generellen An- und Absaugen der Luft dienen, womit es aber wohl zeitgenössischen Berichten zufolge gehapert hat.

Die Eröffnung des Münchener Krankenhauses, das zur damaligen Zeit nach der Charité in Berlin die zweitgrößte Anstalt in Deutschland darstellte, war ein wichtiger Meilenstein in der Krankenhausgeschichte. Wichtige Aufgabenerweiterungen waren in den ersten beiden Jahrzehnten die Einrichtung einer Geburtshilflichen Klinik, die Gründung einer „praktisch medizinischen Schule“ (1824) und die Umwandlung in eine Akademische Klinik 1826, nachdem die Medizinische Fakultät von Landshut nach München verlegt worden war. Jedoch legte der Magistrat großen Wert darauf, dass der klinische Unterricht „dem Hauptcharakter des Hospitals als einer lokalen, der Krankenpflege gewidmeten Stiftung nicht nachteilig sein darf.“ Eine gewisse Schlüsselrolle, die das Münchener Krankenhaus für den zukünftigen deutschen Krankenhausbau für zwei Generationen bekam, lag vor allem in dem hohen Aufwand, den man für die technisch-hygienischen Einrichtungen der Lüftungen und Aborte als notwendig angesehen hatte.

Häberl, der seit 1788 Mitglied der Kgl. Medizinischen Gesellschaft in Kopenhagen und seit 1801 der Bayerischen Akademie der Wissenschaften sowie der französischen Akademie der Wissenschaften war, leitete die Klinik (seit 1797 als Medizinalrat, seit 1824 als Obermedizinalrat), bis er 1824 in den Ruhestand trat. Im Jahre 1808 hatte ihn König Max Joseph zum Ritter des Civilverdienstordens ernannt.

In seiner 1813 veröffentlichten „Abhandlung über die öffentliche Armen- und Krankenpflege“ beschäftigte sich Franz Xaver von Häberl auch mit der Frage, welches der beiden Geschlechter sich mehr für den Krankenpflegedienst eignet. Häberl beantwortete sie dahingehend, dass das weibliche Geschlecht vorzuziehen sei, und dass die „Krankendienerinnen“ eine regulierte Kongregation bilden sollten, weil er die Wirksamkeit der Ordensschwestern, namentlich der Elisabethinerinnen, für besonders zweckmäßig erachtete.

Franz Xaver von Häberl, der seit 1791 mit Anna geborene Baronesse von Geebök verheiratet war, starb am 23. April 1846 in Bayerdießen am Ammersee, wo er auch seine letzte Ruhestätte fand.


Literatur

Bosl, Karl (Hrsg.): Bosl´s Bayerische Biographie. Pustet. Regensburg 1983.

Fischer, Alfons: Geschichte des deutschen Gesundheitswesens, Band II: Von den Anfängen der hygienischen Ortsbeschreibungen bis zur Gründung des Reichsgesundheitsamtes (Das 18. und 19. Jahrhundert). Georg Olms. Hildesheim 1965, Seite 403.

Häberl, Franz Xaver von: Entwurf von Erweiterungs- und Verbesserungsanstalten in dem Krankensaale zum heiligen Maximilian bei den barmherzigen Brüdern. München 1794.

Häberl, Franz Xaver von: Wünsche und Vorschläge zur Errichtung eines allgemeinen Krankenhauses in München. Nach den Grundsätzen des neuen Hospitals zum Heil. Maximilian bei den barmherzigen Brüdern alldort. München 1799.

Häberl, Franz Xaver von: Vertheidigungsschrift nebst einem Anhange von Rechtfertigungsbeilagen gegen die anonymen Anfälle im Münchener Intelligenzblatte. München 1799.

Häberl, Franz Xaver von: Abhandlung über öffentliche Armen- und Kranken-Pflege. Mit einer umständlichen Geschichte der in dem ehemaligen Krankenhause zum heil. Max bei den barmherzigen Brüdern gemachten Erweiterungs- und Verbesserungsversuchen und der hiervon im neuen allgemeinen Krankenhause zu München gemachten Anwendungen. Neues allgemeines Krankenhaus. München 1813.

Häberl, Franz Xaver von: Hydrauliches Automat, oder Aerostatische Wasserschleuse, welche das Ablaufen eines durch sparsamen Zufluß auf jedes beliebige Maaß gesammelten Wasserbetrages mit bedeutender Bewegungsgröße automatisch und periodisch bewirkt, erfunden und beschrieben von Franz X. v. Haeberl, Direktor und ordinrenden Arzte des allg. Krankenhauses. Franz. München 1834.

Häberl, Franz Xaver von: System einer vollständigen Lufterneuerung in Kranken- und Versorgungshäusern, Irrenanstalten etc. für den Winter und Sommer. Mit einer lithographirten Abbildung in groß Quart. Theoretisch und praktisch bearbeitet. Als ein hinterlassenes Werk herausgegeben und mit einer Vorrede begleitet von Aloys Martin. Literarisch artist. Anstalt. München 1840.

Hamberger, Georg Christoph / Meusel, Johann Georg: Das gelehrte Teutschland oder Lexikon der jetzt lebenden teutschen Schriftsteller. Band 3. Bearbeitet von Johann Wilhelm Sigismund Lindner und herausgegeben von Johann Samuel Ersch. 5. durchaus vermehrte und verbesserte Ausgabe. Meyersche Buchhandlung. Lemgo 1797.

Killy, Walther / Vierhaus, Rudolf (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie, Band 4. Saur. München 1996.

Körner, Hans-Michael (Hrsg.): Große Bayerische Enzyklopädie. Unter Mitarbeit von Bruno Jahn. Band 2. K. G. Saur. München 2005, Seite 732.

Martin, Anselm: Die Kranken- und Versorgungs-Anstalten zu Wien, Baaden, Linz und Salzburg. In medizinisch-administrativer Hinsicht betrachtet. Nebst einer Vorrede von F. X. v. Häberl. Franz. München 1832.

Martin, Anselm: Sind klinische Lehranstalten mit städtischen Krankenhäusern ohne Nachteil vereinbar? Mit Rücksicht auf die gegenseitigen Verhältnisse in München und zugleich als Widerlegung der von dem k. bayr. Geheimen Rathe Philipp von Walther dem allgemeinen Krankenhause zu München angeschuldigten Mängel. Nebst einem Briefe über die Waltherischen Anschuldigungen von Franz Xaver von Häberl. München 1846.

Murken, Axel Hinrich: Das Bild des deutschen Krankenhauses im 19. Jahrhundert (Studien zur Geschichte des Krankenhauswesens, Band 12). Murken-Altrogge F. Coppenrath. Münster 1977 (2. Auflage 1978), Seite 115-116.

Murken, Axel Hinrich: Vom Armenhospital zum Großklinikum. Die Geschichte des Krankenhauses vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. DuMont. Köln 1988, Seite 52-54.

HÄBERL, Franz Xaver von

Version vom: 
2012-01-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 4. hpsmedia, 2012. S. 120-123

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=171

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